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Leichenhaus Haus der 1000 Leichen (USA, 2003)
- House of 1000 Corpses -

DVD - Regionalcode 2, Sunfilm Entertainment
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 83 Minuten

Extras
Making of, Behind the Scenes, "Tiny und der Baumstumpf", Casting, Bei den Proben, Interviews, Trailer, Bildergalerie, Biografien (Texttafeln)

Regie:
Rob Zombie

Hauptdarsteller:
Sid Haig (Captain Spaulding)
Chris Hardwick (Jerry Goldsmith)
Rainn Wilson (Bill Hudley)
Jennifer Jostyn (Mary Knowles)
Erin Daniels (Denise Willis)
Bill Moseley (Otis Driftwood)
Sheri Moon (Baby Firefly)
Karen Black (Mama Firefly)
Matthew McGrory (Tiny Firefly)
Robert Mukes (Rufus "R.J." Firefly Jr.)
Dennis Fimple (Opa Hugo Firefly)




Inhalt

Am Tag vor Halloween im Jahre 1977 sind Jerry Goldsmith und Bill Hudley mit ihren Freundinnen unterwegs, um Material für einen Reiseführer über die Seltsamkeiten zu sammeln, denen man entlang des Weges begegnen kann. Als ihnen das Benzin ausgeht, halten sie an Captain Spauldings Tankstelle. Spaulding, ein seltsamer, als Clown maskierter Bursche, betreibt nebenbei noch eine Art Geisterbahn. Jerry und Bill sind begeistert - vor allem Spauldings Bericht über Dr. Satan, einen lokalen Unhold, der seine Patienten zu Tode gequält hat, erhängt wurde und danach spurlos verschwunden ist, hat es ihnen angetan. Sie wollen den Baum besichtigen, an dem Dr. Satan damals aufgeknüpft worden sein soll. Unterwegs gabeln sie die junge Anhalterin Baby Firefly auf, die ihnen den Weg beschreiben kann. Dann platzt ein Reifen. Eine Panne, nehmen Jerry und Bill an, tatsächlich aber wurde der Reifen von Babys Bruder Rufus zerschossen.

Ahnungslos lassen die vier jungen Leute sich zum Haus der Fireflys lotsen und begegnen Babys Familie, deren Mitglieder mit "bizarr" nicht annähernd adäquat charakterisiert sind: Rufus, genannt "R.J.", ist ein wortkarger Muskelprotz, der einen Abschleppdienst betreibt und sich in ein Bärenfell samt Schädel kleidet. Baby ist schlicht und ergreifend eine Schlampe, die man besser nicht reizt, da sie dann zum Messer greift. Opa Hugo ist ein ehemaliger Stand-Up-Comedian der übelsten Sorte. Tiny ist ein Riese, der an den Folgen schwerster Verbrennungen leidet (der verschwundene Familienvater hat vor Jahren versucht, das Haus anzuzünden). Otis hält sich selbst für einen Künstler, ist aber einfach nur komplett wahnsinnig. Am "normalsten" ist allenfalls noch die Mutter der ganzen Bagage, eine Mörderin ist aber auch sie. Schnell wird klar, daß bei den Fireflys nichts mit rechten Dingen zugeht - aber da ist es auch schon zu spät: Die Falle ist zugeschnappt.

Nacheinander ereilt die vier jungen Leute das gleiche Schicksal, das offenbar schon unzählige Opfer vor ihnen erlitten haben (zuletzt vier Cheerleader, deren Überreste gerade entsorgt werden): Sie werden bestialisch gefoltert und umgebracht. Auch zwei Polizisten und der Vater eines der beiden Mädchen werden getötet, als ihre Suche nach den Verschwundenen sie zum Haus der Fireflys führt. Mary, die letzte Überlebende, hat die Ehre, Dr. Satan persönlich zu begegnen. Dieser haust zusammen mit dem, was von einigen ehemaligen "Patienten" noch übrig ist, in den verzweigten Höhlengängen unter dem Haus. Beschützt wird er von Papa Firefly, dem "Professor", der sich in eine Art Cyborg verwandelt hat. Mary kann fliehen. Sie wird von Papa Firefly verfolgt, doch der zerschlägt mit der Axt einen Stützbalken und wird unter herabfallenden Trümmern begraben. Völlig erschöpft und schwer lädiert kriecht Mary ins Freie und taumelt zur Straße. Dort kommt gerade Captain Spaulding vorbei. Er gibt sich besorgt und nimmt Mary mit, doch auf dem Rücksitz lauert schon Otis Firefly...

Der Film:

Es gibt Filme, die sind so schlecht, daß sie schon irgendwie fast wieder gut sind. Im Fall von "Haus der 1000 Leichen" weiß ich nicht, ob das geklappt hat oder nicht. Dieser Film ist nämlich nicht nur unglaublich schlecht, sondern enthält darüber hinaus eine Art der Gewaltdarstellung, die mir nicht so recht gefallen will. Wer sich die Liste meiner Filme angeschaut und vielleicht die eine oder andere Review gelesen hat, der wird wissen, daß ich kein Problem damit habe, wenn Personen lebenswichtige Körperteile verlieren oder wenn der Lebenssaft literweise durch die Gegend spritzt. Ich brauche diese Elemente zwar nicht, aber solange sie zur Geschichte passen, die Spannung steigern und so weiter, ist es für mich in Ordnung, wenn Gewalt dargestellt wird. Sobald die Gewalt zum Selbstzweck wird und vielleicht sogar noch "cool" sein soll, dann ist auch bei mir die Schmerzgrenze erreicht. Und an genau dieser Grenze schrammt der Film die ganze Zeit entlang, manchmal überschreitet er sie auch. Deshalb kann ich mich nicht so recht entscheiden, ob der Film mir nun gefällt oder nicht. Vielleicht bin ich auch einfach zu dumm und begreife nicht, was das Ganze eigentlich soll. Dabei ist das Ausmaß der dargestellten Gewalt gar nicht mal so schlimm - in manch anderem Film ist die Darstellung trotz einer FSK-16-Freigabe noch viel expliziter.

Im Interview bei den DVD-Extras erfährt man, daß Regisseur Rob Zombie (eigentlich ein Rockmusiker) Horrorfilmfan ist und daß es sich bei diesem Werk um eine Hommage an Genreklassiker wie das "Kettensägenmassaker" handeln soll. Da ich diesen Film nicht kenne, kann ich das nicht beurteilen. Jedenfalls sind mir außer dem Umstand, daß einige Jugendliche nach dem allgemein üblichen Horrorfilm-Schema nacheinander auf möglichst interessante Art und Weise ums Leben kommen müssen, keine Parallelen zu oder Anspielungen auf andere Horrorfilme aufgefallen. Was die Geschichte angeht: Man darf einfach nicht hinterfragen, was da alles passiert. Die Fireflys sind halt verrückt, das muß als Erklärung reichen. Störend wirken die immer wieder eingeschobenen, optisch verfremdeten Szenen, in denen die Bilder nur in Fehlfarben zu sehen sind oder bei denen man meint, der eine oder andere Darsteller habe den Film mal eben verlassen, um schnell ein Interview zu geben.

Auf der Habenseite kann der Film die pure Ausgeflipptheit der Fireflys für sich verbuchen. Captain Spaulding ist eigentlich der einzige echte Lichtblick des Films: Ein Typ, der irgendwie fast sympathisch wirkt, nur um sich im nächsten Moment in einen bedrohlichen Psychopathen zu verwandeln. Warum übrigens Namen verwendet werden, die Groucho Marx erfunden hat, ist mir schleierhaft. Die Special Effekts sind sehr gut, positiv ist mir aufgefallen, daß völlig auf Computergrafiken verzichtet wurde (wenn man die Falschfarben-Darstellung mancher Szenen mal nicht berücksichtigt). Auch das Design der beiden Obermonster ist zumindest interessant, wenn auch total übertrieben und nicht zum Rest des Films passend. Man hat fast den Eindruck, als hätte man es mit zwei Stroggs aus Quake 4 zu tun.

Die DVD:

Wie so oft bei derartigen Filmen bekommt man im Laden nur eine gekürzte Version zu kaufen. Das ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, denn man findet nirgends einen Zusatz wie zum Beispiel "Neue Version" oder "Gekürzte Fassung". Ungekürzt und deutlich härter als die Version, die ich besitze, ist die Fassung, auf deren DVD-Cover der Zusatz "Ungekürzte Kinofassung" zu sehen ist. Kleiner Tipp: Ein paar Fitzelchen der geschnittenen Szenen könnt ihr euch doch ansehen, nämlich in den kleinen Vorschaufenstern des Szenenauswahl-Menüs...

Die Menüs sind nicht nur animiert, nein: Captain Spaulding und die Fireflys erscheinen und labern euch so lange voll (oder bleidigen euch), bis ihr euch endlich für einen Menüpunkt entschieden habt. Und es dauert ziemlich lang, bis die jeweilige Schleife abgelaufen ist und von vorn beginnt. Die Extras sehen in der Auflistung zwar nach recht viel aus, aber das täuscht: Interessant ist eigentlich nur der Audiokommentar des Regisseurs, der von den Schwierigkeiten berichtet, die er beim Dreh und mit dem Studio hatte.

Die meisten anderen Extras sind jeweils nur wenige Minuten lang. Das "Making of" verdient diesen Namen nicht im Geringsten, denn es läuft nur ca. 4 Minuten und enthält auch noch zahlreiche Filmszenen. Noch kürzer ist "Behind the Scenes", und da stehen nur ein paar Leutchen rum und unterhalten sich. Was "Tiny und der Baumstumpf" sein soll, kann ich euch nicht verraten. Captain Spaulding, Otis und Baby Firefly blödeln miteinander herum - um was es dabei geht, habe ich nicht verstanden. Am interessantesten (und längsten) sind die Probeaufnahmen und die Interviews mit verschiedenen Schauspielern, Rob Zombie und dem Special Effects - Designer. Insgesamt sind die Interviews zwar eher oberflächlich, aber man erfährt doch ein bißchen was über die Entstehung des Films. Was der Regisseur mit dem Film eigentlich beabsichtigt hat, erfährt man aber nicht.

J. Kreis, 14.03.2006
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