Last Samurai


Last Samurai (USA, 2003)
- The Last Samurai -

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 154 Minuten

Extras
- Audiokommentar von Edward Zwick
- Nicht verwendete Szenen
- Edward Zwick: Produktionstagebuch des Regisseurs (26:18 Min.)
- The History Channel-Dokumentation: "Geschichte vs. Hollywood" (22:05 Min.)
- Tom Cruise: Tagebuch eines Kriegers (12:55 Min.)
- Wie ein Epos entsteht: Ein Gespräch mit Edward Zwick und Tom Cruise (17:52 Min.)
- Eine Welt im Detail: Produktionsdesign mit Lilly Kilvert (7:15 Min.)
- Seide und Harnisch: Kostüm-Design mit Ngila Dickson (6:29 Min.)
- Vom Soldaten zum Samurai: Die Waffen (5:10 Min.)
- Die Grundausbildung der kaiserlichen Armee (5:41 Min.)
- Die Filmpremiere in Japan (6:54 Min.)
- Bushido: Der Weg des Kriegers (Text)
- Trailer

Regie:
Edward Zwick

Hauptdarsteller:
Tom Cruise (Captain Nathan Algren)
Ken Watanabe (Moritsugu Katsumoto)
Koyuki (Taka)
Masato Harada (Omura)
Shichinosuke Nakamura (Kaiser Meiji)
Tony Goldwyn (Lieutenant Colonel Bagley)
Timothy Spall (Simon Graham)
Billy Connolly (Sergeant Zebulan Gant)
Shin Koyamada (Nobutada)
Hiroyuki Sanada (Ujio)




Inhalt:

Japan im Jahre 1876: Der junge Kaiser Meiji ist bestrebt, sein Land in einen modernen Staat umzuwandeln, der sich gegenüber den anderen Weltmächten behaupten kann. Er holt viele amerikanische und europäische Berater nach Japan, stößt mit seiner Hinwendung zum Westen aber nicht überall auf Gegenliebe. Die Samurai, allen voran Fürst Katsumoto - einst Lehrer des Kaisers und immer noch Ratsmitglied - fühlen sich verraten und befürchten, die althergebrachten Traditionen könnten durch den schon in Gang gesetzten gesellschaftlichen Wandel in Verlust geraten. Mr. Omura, ein nur nach Profit strebender Geschäftsmann, der ebenfalls einen Platz im Rat hat, will den unentschlossenen Kaiser in genau diese Richtung drängen. Der Kaiser soll ein Handelsabkommen mit den USA abschließen. Katsumotos Samurai wenden sich mit Gewalt gegen diesen Irrweg und verüben unter anderem Anschläge auf die neuen Eisenbahnlinien. Omura sucht Hilfe beim amerikanischen Militär: Colonel Bagley soll die japanische Armee anführen. Bagley benötigt jedoch zunächst jemanden, der die in moderner Kriegsführung gänzlich ungeübten Wehrpflichtigen ausbildet. Er greift auf Captain Nathan Algren zurück, der in General Custers Indianerfeldzug unter Bagleys Kommando gekämpft hat. Algren hat die Kriegserlebnisse jedoch nicht verkraftet. Er ist seinerzeit von Bagley gezwungen worden, sich an einem Massaker zu beteiligen, bei dem die unschuldigen und wehrlosen Bewohner eines Cheyenne-Dorfes niedergemetzelt worden sind. Algren wurde durch die quälenden Erinnerungen in die Alkoholsucht getrieben. Er verdient sein Geld, indem er seinen Kriegshelden-Status nutzt, um die Waffen der Firma Winchester anzupreisen. Da Omura ein lukrativeres Angebot zu machen hat, lässt Algren sich von seinem alten Kameraden Zebulan Gant anwerben, obwohl er Bagley aus tiefstem Herzen hasst. In Japan begegnet er dem Übersetzer und Fotografen Simon Graham, von dem er einiges über die japanische Kultur und die Samurai erfährt.

Zusammen mit Gant beginnt Algren mit dem Training der japanischen Soldaten. Doch ihm bleibt nicht genug Zeit, denn als Katsumoto eine Bahnlinie angreift, die durch die Provinz des Fürsten vorangetrieben werden soll, drängt Omura auf den Einsatz der Armee. Gegen die Samurai, die praktisch nur für den Kampf leben, haben die schlecht ausgebildeten Wehrpflichtigen (meist Bauern) keine Chance, obwohl alle mit Gewehren ausgerüstet sind, während die Samurai nur mit dem Schwert oder mit Pfeil und Bogen kämpfen. Die Soldaten fliehen, Gant wird getötet. Algren wird schwer verwundet, gibt aber nicht auf und streckt mehrere Samurai nieder. Katsumoto ist beeindruckt von Algrens Tapferkeit und verschont ihn. Da er mehr über seine neuen Feinde erfahren möchte, nimmt der Fürst den Verwundeten mit ins Dorf seines Sohnes Nobutada. Dort wird Algren von Taka, Katsumotos Schwester und Witwe eines von Algren getöteten Samurai, gesund gepflegt. Dabei überwindet er auch den Alkoholismus. Katsumoto liest derweil sein Tagebuch und erfährt somit, was in Algrens Vergangenheit vorgefallen ist. Das Dorf ist bis zum nächsten Frühling sicher vor Gegenangriffen, denn alle Gebirgspässe sind durch den Schnee blockiert. Aus demselben Grund wäre eine Flucht unmöglich. Deshalb darf sich Algren - wenn auch stets in Begleitung eines alten Kriegers - frei im Dorf bewegen. So wird er allmählich ins Dorfleben integriert und führt lange Gespräche mit Katsumoto. Er stellt fest, dass die Samurai keineswegs jene Wilden sind, als die Omura sie dargestellt hat, sondern zivilisierte, bewundernswerte Menschen mit einer komplexen Kultur, denen die Ehre über alles geht. Algren freundet sich mit den Söhnen des Mannes an, den er getötet hat, und verliebt sich in Taka. Ujio, Katsumotos bester Krieger, unterweist Algren im Umgang mit dem Samuraischwert. Allmählich lernt der Amerikaner außerdem die japanische Sprache. Nach und nach gewinnt er den Respekt der Samurai und findet erstmals seit seinen traumatischen Kriegserlebnissen wieder Frieden.

Als Ninjas das Dorf angreifen, um Katsumoto zu töten, kämpft Algren Seite an Seite mit seinem ehemaligen Feind und rettet ihm das Leben. Daraufhin geleitet Katsumoto Algren nach der Schneeschmelze persönlich nach Tokio und lässt ihn frei. Katsumoto spricht ein letztes Mal mit dem Kaiser, doch dieser ist praktisch schon zur Marionette Omuras geworden. Katsumoto will an einer Ratssitzung teilnehmen, wird aber verhaftet, da er sich weigert, seine Waffen abzulegen. Er soll ermordet werden, falls er nicht dazu bewegt werden kann, Selbstmord zu begehen. Algren, der derweil festgestellt hat, dass die japanische Armee inzwischen besser ausgebildet ist als zuvor und mit Haubitzen sowie Schnellfeuergewehren ausgerüstet wurde, befreit Katsumoto mit der Hilfe Grahams und der Samurai. Dabei wird Nobutada getötet. Zurück im Dorf entwickelt Algren einen Plan, um die unter Bagleys Kommando anrückende Armee zumindest eine Zeit lang aufzuhalten, obwohl nur 500 Samurai gegen tausende Soldaten stehen. Katsumoto nimmt den Amerikaner in die Reihen seiner Samurai auf. Einem Wunsch Takas entsprechend trägt Algren nun die Rüstung ihres Mannes. Die Samurai locken die erste Angriffswelle in einen Hinterhalt und behalten die Oberhand, doch sie erleiden schwere Verluste. Als sie zum Gegenangriff übergehen, bei dem Algren Bagley tötet, werden sie durch die Schnellfeuergewehre niedergemäht. Nur Algren überlebt. Er hilft dem im Sterben liegenden Katsumoto, seinem Leben auf würdige Weise ein Ende zu setzen. Die Soldaten verneigen sich vor den ehrenvoll gefallenen Samurai und verweigern Omuras Befehl, auch Algren zu erschießen.

Algren tritt vor den Kaiser, der gerade von Omura und dem amerikanischen Botschafter bedrängt wird, das Handelsabkommen zu unterzeichnen. Er überreicht dem Kaiser Katsumotos Schwert. Meiji erkennt, dass eine Modernisierung seines Landes zwar wichtig ist, dass die alten Traditionen dabei aber nicht verleugnet werden dürfen, damit das Volk seine Wurzeln nicht vergisst. Er schickt den Botschafter weg und konfisziert Omuras gesamten Besitz. Algren kehrt zu Taka zurück.

Der Film:

Obwohl es Algren, Katsumoto und Omura vermutlich nicht wirklich gegeben hat (wohl aber Kaiser Meiji), so haben sowohl die Hauptfiguren als auch die Ereignisse des Films zumindest einen wahren geschichtlichen Hintergrund. Die Verwestlichung Japans hat tatsächlich so wie dargestellt stattgefunden, und im Jahre 1877 hat es eine Rebellion der Samurai gegeben, die zur deren Vernichtung geführt hat. Allerdings haben die Samurai wohl nicht in erster Linie Katsumotos Befürchtung geteilt, Japan könne seine kulturelle Identität verlieren. Stattdessen hatten sie etwas gegen den Verlust ihrer Privilegien einzuwenden, zu dem die vom Kaiser angestrebte Abschaffung des traditionellen Ständesystems letztlich führen musste. Waren die Samurai jahrhundertelang bewundert, vor allem aber gefürchtet worden, so führten die neuen Gesetze (nicht zuletzt das Verbot des Tragens von Waffen) dazu, dass der einstige Ritterstand sich nicht mehr vom einfachen Volk unterschied. Es hat damals (aber Jahre vor der erwähnten Rebellion) wirklich einen Militärberater gegeben, der an der Seite der Samurai gegen die Kaiserlichen gekämpft hat. Der war allerdings Franzose, und was aus ihm geworden ist, ist weder mir noch der Wikipedia bekannt.

Auch sonst wird versucht, ein realistisches Bild Japans zu zeichnen, eines Landes im Umbruch, in dem alte Werte und Traditionen allmählich von einer neuen Lebensweise verdrängt wurden. Das ist eine der Stärken dieses Films: Alles wirkt so überzeugend und glaubwürdig, dass man problemlos annehmen kann, so oder so ähnlich hätten sich die Ereignisse wirklich zugetragen. Die Gegensätze zwischen Ost und West werden auf unterhaltsame Weise vermittelt, und den Leistungen der Schauspieler ist es zu verdanken, dass die Gespräche über Ehre usw. niemals schwülstig oder klischeehaft werden. Man nimmt den Leuten ab, dass sie wirklich von dem überzeugt sind, was sie sagen. Das gilt natürlich vor allem für Ken Watanabe (Katsumoto), der wirklich über jeden Zweifel erhaben ist und ein unglaubliches Charisma ausstrahlt. Es gilt aber auch für Tom Cruise. Er stellt die innerliche Zerrissenheit Algrens, seinen Lernprozess und seine Beharrlichkeit hervorragend dar, und man sieht ihm an, dass er intensiv trainiert hat, um seine Kampfszenen selbst absolvieren zu können.

"Last Samurai" ist aber auch optisch wahrhaft ein Genuss. Die Stadt Tokio, das Bergdorf und die umliegende Natur, das Schlachtfeld und der kaiserliche Palast: Alles ganz wundervolle Sets. Die aus Hunderten von Komparsen bestehenden Armeen, alle mit aufwändigen Uniformen und Rüstungen ausgestattet: Einfach umwerfend. Man fühlt sich buchstäblich in eine andere Zeit versetzt und kann sich in jeder einzelnen Szene an einem neuen beeindruckenden Anblick berauschen. Wuchtige Einzel- und Massenkämpfe, nachdenkliche und traurige Momente, oft aber auch humorvolle Szenen, Herzschmerz und Heldenmut, Intrigen und Tragik, dazu eine mitreißende Filmmusik - in "Last Samurai" ist alles dabei, was man für großes Kino braucht. Vielleicht wird manchmal etwas zu dick aufgetragen, aber wir sind hier schließlich nicht im Geschichtsunterricht, sondern im (Heim-)Kino. Da gehört ein bisschen Pathos einfach dazu. Der Film ist ein packendes Epos mit tollen Schauspielern, wundervollen Bildern und knackiger Action. Da vergehen die zweieinhalb Stunden wie im Flug. Dass man die Geschichte, die hier erzählt wird, schon in unzähligen anderen Historienfilmen gesehen hat, auch in so manchem Western und Fantasyfilm, schadet dem Vergnügen überhaupt nicht.

Eins muss aber klar sein: Der Film gehört in den Kinosaal, mindestens aber auf einen modernen großen HD-Fernseher. Alles andere würde dem Riesenmaßstab, der hier angelegt wurde, einfach nicht gerecht werden.

Blu-ray-Features:

Das Bonusmaterial ist in viele vergleichsweise kurze Featurettes aufgeteilt, die man nicht zusammen abspielen kann. Sie gehören aber offensichtlich eigentlich alle zusammen und sind ganz ähnlich aufgebaut: Interviews (mit viel gegenseitigem Lob), Filmausschnitte und hinter-den-Szenen-Material werden so zusammengestellt, dass man einen ganz guten Einblick in den Produktionsprozess gewinnt. Aus "Wie ein Epos entsteht", "Tom Cruise - Das Tagebuch eines Kriegers", "Eine Welt im Detail", "Seide und Harnisch", "Die Grundausbildung der Kaiserlichen Armee" und "Vom Soldaten zum Samurai" hätte man ebenso gut eine einzige abendfüllende Dokumentation machen können. Es wird auf verschiedene Aspekte der Entstehung des Films eingegangen. Man erfährt vieles über die unglaublich aufwändig gestalteten Kostüme, Rüstungen und Sets (ich dachte, das Bergdorf sei echt - es ist auch "nur" eine Kulisse) und über die zahllosen Waffen. Es wurden sowohl historische Original-Waffen als auch Nachbauten eingesetzt. Die voll funktionsfähigen Kanonen wurden zum Beispiel eigens für den Film gegossen. Die über 400 Komparsen mussten ein zwar kurzes, aber intensives militärisches Training über sich ergehen lassen, um soldatisches Verhalten und den richtigen Umgang mit diesen Waffen zu erlernen.

Hinzu kommt eine Kurzdokumentation des History Channel, in dem Historiker zu Wort kommen, die den geschichtlichen Hintergrund erläutern und erklären, was es mit den Samurai und ihrem Aufstand wirklich auf sich hatte. Das Videotagebuch des Regisseurs zeigt die Dreharbeiten zu verschiedenen Szenen. Es wurde nicht von Zwick selbst gedreht, aber er kommentiert es recht informativ. Dann gibt's noch einige Interviews der Schauspieler, die bei den Premierenfeiern aufgenommen wurden und ein paar Texttafeln mit den sieben Prinzipien des Bushido.

Zu guter Letzt gehören zwei nicht verwendete Szenen zum Bonusmaterial. In der ersten köpft Ujio einen zudringlichen kaiserlichen Soldaten, der ihn zwingen will, das Schwert abzulegen. In der anderen unterhalten sich Algren und Katsumoto ausgiebig über ihre Ehrbegriffe.


J. Kreis, 07.02.2011




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