Das Schweigen der Lämmer


Das Schweigen der Lämmer (USA, 1991)
- The Silence of the Lambs -

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 118 Minuten

Extras:
- Trailer

Regie:
Jonathan Demme

Hauptdarsteller:
Jodie Foster (Clarice Starling)
Anthony Hopkins (Dr. Hannibal Lecter)
Scott Glenn (Jack Crawford)
Ted Levine (Jame Gumb - "Buffalo Bill")
Brooke Smith (Catherine Martin)
Anthony Heald (Dr. Frederick Chilton)




Story

Ein Serienmörder, von der Presse "Buffalo Bill" genannt, entführt mehrere junge Frauen, deren teilweise gehäutete Leichen später in verschiedenen Flüssen gefunden werden. Jack Crawford, der leitende FBI-Ermittler, möchte den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und sich der Hilfe des forensischen Psychiaters Hannibal Lecter versichern. Lecter wäre in der Lage, ein einzigartiges Täterprofil zu erstellen, denn auch er ist ein Serienmörder und kann sich somit bestens in die Gedankenwelt des Täters hineinversetzen. Lecter, der sich aus den Innereien seiner Opfer gern köstliche Mahlzeiten zubereitet, wurde vor einigen Jahren gefangen genommen und sitzt im fensterlosen Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Anstalt. Er gilt als extrem gefährlich, hat aber selbst unter den sadistischen Neigungen des geltungssüchtigen Institutsleiters Chilton zu leiden. Da Lecter niemals mit Crawford zusammenarbeiten würde, den er von früher kennt, wird die Agenten-Anwärterin Clarice Starling zu ihm geschickt. Lecter beginnt sich für Starling zu interessieren und zeigt sich hilfsbereit, stellt aber eine Forderung. Für jede Information über Buffalo Bill muss Starling etwas von sich selbst preisgeben. Außerdem möchte Lecter in eine andere Haftanstalt mit Aussicht auf die freie Natur verlegt werden.

Starling spricht mehrmals mit Lecter und erhält einige Hinweise. Außerdem wird im Schlund eines früheren Opfers die Puppe eines seltenen Falters gefunden, der aus Asien importiert worden sein muss. Als Buffalo Bill Catherine Martin entführt, die Tochter einer einflussreichen Senatorin, gerät das FBI unter Zeitdruck, denn es ist bekannt, dass Buffalo Bill seine Opfer nur drei Tage lang am Leben lässt. In Crawfords Auftrag behauptet Starling, Senatorin Martin sei bereit, Lecters Bedingungen zu erfüllen. Das ist eine Lüge, aber Chilton hört das Gespäch heimlich mit, setzt sich mit der Senatorin in Verbindung und fädelt den Deal tatsächlich ein, um die Lorbeeren selbst einzuheimsen. Nachdem Lecter wie gewünscht verlegt wurde, gibt er dem FBI Buffalo Bills Namen: Jame Gumb. Crawford macht dessen Adresse ausfindig. Erst nach der Stürmung des Hauses stellt sich heraus, dass Gumb dort schon längst nicht mehr wohnt. Starling spricht ein letztes Mal mit Lecter. Nachdem sie ihm gegeben hat, was er sich am meisten wünscht (sie offenbart ein Kindheitstrauma, unter dem sie noch immer leidet), erhält sie von ihm eine Andeutung, die es ihr ermöglicht, Gumbs Tatmotiv zu erkennen und seinen wahren Aufenthaltsort zu finden.

Derweil nutzt Lecter die nicht mehr so strengen Haftbedingungen, um sich zu befreien und - nachdem er mehrere Menschen ermordet hat - vorerst unterzutauchen. Starling stellt Gumb und verfolgt ihn durch den labyrinthartigen Keller seines Hauses. Dort befindet sich ein trockener Brunnenschacht, der als Kerker für Gumbs Opfer dient. Starling tötet Gumb in Notwehr, Catherine Martin wird befreit. Starling schließt ihre Ausbildung ab und ist nun vollwertige FBI-Agentin. Bei der Abschlussfeier erhält sie einen Anruf von Lecter. Er versichert Starling, dass er nicht die Absicht hat, sie zu verfolgen und bittet sie, ihm denselben Gefallen zu tun. Das kann sie nicht versprechen. Lecter legt auf und verfolgt Chilton, der gerade angekommen ist.

Kringels Meinung

Psychothriller, Serienkiller-Filme usw. gibt es schon lange, aber ich glaube, erst mit "Das Schweigen der Lämmer" haben sie so richtig an Popularität gewonnen. Dafür gibt es gute Gründe. Zunächst einmal ist der Film einfach spannend. Das Zusammensetzen der Puzzlestücke bei der Jagd nach Buffalo Bill verläuft stets unter Zeitdruck, was durch kurze Szenen veranschaulicht wird, in denen zu sehen ist, was die gefangene Senatorentochter zu erleiden hat. Der Zuschauer weiß genau, was ihr bevorsteht. Als sie die blutigen Kratzspuren und abgebrochenen Fingernägel im Brunnenschacht sieht, begreift sie es auch - eine richtig fiese Szene! Starling hat keine Wahl, als sich auf ein Psychospiel mit Lecter einzulassen und ihm (sowie dem Zuschauer) tiefe Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt zu erlauben. Sie erweist sich allerdings schnell als würdige Gegnerin für den Kannibalen. Jodie Foster bringt die von purer Willenskraft im Zaum gehaltene Unsicherheit Starlings hervorragend rüber. Bei Lecters Flucht kommt es erstmals im Film zum Ausbruch von brutaler Gewalt, was umso beeindruckender ist, weil sich Lecter zuvor meist ruhig und distinguiert gegeben hat. Den Showdown habe ich beim erstmaligen Kinobesuch als geradezu nervenzerfetzend empfunden. Starling muss sich allein in Gumbs Keller wagen, der bewaffnete Irre könnte hinter jeder Ecke lauern. Gumb schaltet dann auch noch das Licht aus, so dass Starling praktisch blind ist. Er trägt ein Nachtsichtgerät, kann die hilflos umhertastende Frau sehr gut sehen und pirscht sich immer näher heran...

Aber die Spannung, die schauspielerischen Leistungen Jodie Fosters und Ted Levines sind, so gut sie auch sein mögen, nicht das Entscheidende. Einzigartig und denkwürdig wird "Das Schweigen der Lämmer" durch Anthony Hopkins' Darstellung des Hannibal Lecter. Lecter hat keine Superkräfte, sieht eigentlich völlig normal aus und gehört doch zu den faszinierendsten und furchteinflößendsten Antagonisten der Filmgeschichten. Ich wage zu behaupten, dass Lecter niemals in die illustre Gesellschaft der größten Filmbösewichter aller Zeiten aufgestiegen wäre, wenn ein anderer Schauspieler ihn verkörpert hätte. Oder könnt ihr euch etwa an den Schauspieler erinnern, der Hannibal Lecter im Film "Blutmond" (nach dem Roman "Roter Drache") aus dem Jahre 1986 gespielt hat, also fünf Jahre vor "Das Schweigen der Lämmer"? Das war Brian Cox. Grübelgrübel... wie sah der noch gleich aus? Genau: Besonders einprägsam war die Performance dieses "ersten" Lecter nicht.

Ganz anders Anthony Hopkins. Mit dieser Rolle ist er unsterblich geworden, und es ist kein Wunder, dass "Roter Drache" noch einmal verfilmt wurde, diesmal mit Hopkins. Schon sein erster Auftritt in "Das Schweigen der Lämmer" in der Szene, als Starling ihn besucht, ist perfekt inszeniert. Starling muss an einigen mehr oder weniger dunklen Zellen vorbeigehen, in denen tobende, verwahrloste Verrückte hausen. Dann erreicht sie Lecters Zelle - hell, aufgeräumt, mit selbst angefertigten Gemälden dekoriert. Lecter steht ruhig und erwartungsvoll mitten im Raum, seine Kleidung ist ordentlich, er ist die personifizierte Beherrschtheit. Dann seziert er Starlings Persönlichkeit, ohne auch nur das Geringste von ihr erfahren zu haben. Später bringt er sie dazu, ihr tiefstes Geheimnis zu enthüllen. Sein Gesicht ist in dieser Szene stets in Großaufnahme zu sehen. Diese stechenden Augen... Lecters offensichtliches Vergnügen, Starlings Geist quasi genauso auszuweiden, wie er es mit den Opfern seines Appetits auf Menschenfleisch tut... Das vergisst man nicht so schnell!

J. Kreis, 20.03.2014




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