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Krieg der Welten Krieg der Welten (USA, 2005)
DVD - Regionalcode 2, Paramount
FSK: 12
Laufzeit: ca. 112 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Steven Spielberg

Hauptdarsteller:
Tom Cruise (Ray Ferrier)
Dakota Fanning (Rachel Ferrier)
Justin Chatwin (Robbie Ferrier)
Tim Robbins (Harlan Ogilvy)




Inhalt

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der geschiedene New Yorker Dockarbeiter Ray Ferrier. Wenn seine Kinder Robbie und Rachel einige Tage bei ihm verbringen sollen, dann sind sie alles andere als begeistert - Vaterqualitäten hat Ray nämlich nicht. Er ist zwar eifersüchtig auf den neuen Gatten seiner Verflossenen, aber eigentlich liegt ihm kaum etwas an seiner Familie. Alles wird anders, als überall auf der Erde seltsame Gewitterstürme zu toben beginnen, durch die sämtliche elektrischen Geräte lahmgelegt oder sogar völlig zerstört werden. Ray ist selbst vor Ort, als nach einem solchen Gewitter plötzlich eine gigantische Maschine mitten in der Stadt aus dem Boden hervorbricht, ganze Straßenzüge zertrümmert und Menschen mit einem Hitzestrahl in Asche verwandelt. Wie sich später herausstellt, sind diese riesigen dreibeinigen Kampfmaschinen schon vor Jahrtausenden überall auf der Erde vergraben worden - jetzt werden sie nach und nach von Wesen bemannt, die auf dem Mars leben und die Erde schon seit geraumer Zeit neidisch beobachtet haben. Diese Wesen stoßen in den Blitzen, die gleichzeitig jegliche Technik mit einem elektromagnetischen Puls lahmlegen, zu den Tripods hinab und beginnen mit einem Vernichtungsfeldzug. Die Tripods sind durch Energiefelder geschützt, kein noch so schwerer Beschuß kann sie gefährden. Sie wandeln die Erdoberfläche in Plantagen für rote Gewächse um, die die Marsianer zum Leben brauchen. Als Dünger für diese Pflanzen verwenden sie Blut...

Ray schnappt sich seine beiden Kinder und beschließt, mit ihnen aus der untergehenden Stadt zu seiner Frau nach Boston zu fliehen. Es gelingt ihm sogar, ein noch funktionsfähiges Auto zu stehlen. Doch es gibt nirgends Sicherheit, denn die Marsianer wollen die Erde zu ihrer neuen Heimat machen und die Menschheit soll ausgerottet werden. Bei der Anlegestelle der Fähre über den Hudson River drängen sich bereits Menschenmassen. Ray bleibt mit seinem Auto stecken und wird von den panischen Flüchtlingen aus dem Wagen gezerrt, dann tauchen Tripods auf und feuern wahllos in die Menge, die Fähre selbst wird von einer weiteren Kampfmaschine versenkt. Ray und seine Kinder müssen zu Fuß weiter fliehen. Als Militärstreitkräfte sich den Tripods entgegenwerfen, will Robbie sich unbedingt am Kampf beteiligen. Ray ist gezwungen, ihn gehen zu lassen, da er sich um Rachel kümmern muß. Nur Minuten später ist das gesamte Truppenaufgebot bereits vernichtet - was aus Robbie geworden ist, erfährt Ray nicht. Vater und Tochter finden Unterschlupf im Keller von Harlan Ogilvy, doch damit geraten sie vom Regen in die Traufe. Ogilvy, der seine ganze Familie verloren hat, phantasiert von einem Untergrundkampf gegen die Tripods und bringt seine "Gäste" mehrmals durch sein unbeherrschtes Verhalten in Gefahr. Ray hat keine Wahl: Er muß Ogilvy töten, um seine Tochter zu schützen.

Nach einiger Zeit wird der Keller, in dem Ray und Rachel sich verstecken, wieder einmal von den Marsianern durchsucht. Rachel wird entdeckt und in einen Tripod gehoben. Ray ergeht es genauso, als er seine Tochter retten will. Allerdings hat er in einem wracken Armeejeep einige Handgranaten gefunden, die er mitnimmt. Ray und Rachel werden in eine Art Auffangkorb geworfen, der an der Unterseite der Maschine hängt: Darin horten die Marsianer Menschen, um sie bei Bedarf auszusaugen und ihr Blut auf die Gewächse zu sprühen, die inzwischen weite Teile des Landes bedecken. Beim nächsten Zugriff erwischt es Ray, doch seine Leidensgenossen ziehen ihn mit vereinten Kräften zurück. Es gelingt Ray, die Handgranaten im Inneren des Tripods zu deponieren. Das Ding explodiert, die Menschen kommen frei. Als Ray und Rachel endlich nach Boston kommen, hat die Lage sich schon entscheidend verändert. Die Tripods verhalten sich seltsam: Sie laufen sinnlos im Kreis herum oder brechen zusammen. Ray entdeckt, daß ihre Energieschilde ausgefallen sind, denn Vögel lassen sich auf ihnen nieder. Ray gibt seine Erkenntnis an einen Soldatentrupp weiter. Die Männer nehmen einen Tripod unter Beschuß und fällen ihn. Aus einer sich öffnenden Luke kriecht ein sterbender Marsianer hervor. Was die Menschen mit all ihren Waffen nicht geschafft haben, ist den kleinsten Lebewesen der Erde gelungen: Die Marsianer haben nämlich nicht bedacht, daß es auf der Erde Mikroorganismen gibt, denen sie, die ja aus einer völlig anderen Ökosphäre kommen, kein Immunsystem entgegenzusetzen haben.

Ray und Rachel kommen endlich beim unversehrten Haus der Schwiegereltern an. Rays Frau ist in Sicherheit. Mehr noch: Robbie hat die Vernichtung überlebt und ist ebenfalls dort.

Der Film:

Steven Spielberg kann's nicht lassen: Er macht aus jedem beliebigen Thema einen Familienfilm und hängt noch ein unglaublich schnulziges Happy End dran, das den ganzen Film entwertet. Rays familiäre Probleme sind für "Krieg der Welten" überflüssig und teilweise sogar störend - jedenfalls nervt Rays Sohn einfach nur mit seinem unverständlichen Wunsch, zusammen mit den Soldaten in den Tod zu rennen. Daß diese Nervensäge dann auch noch überleben darf und es sogar ganz allein bis nach Boston schafft, ist ziemlich unglaubwürdig. Dann gibt es da noch ein paar Haken und Ösen, die mir nicht logisch zu sein scheinen. Wer hat zum Beispiel die Tripods auf der Erde deponiert - und vor allem: wann? Wenn die Marsianer nämlich tatsächlich schon vor Jahrtausenden soviel Interesse an der Erde hatten, daß sie es für nötig hielten, ihre Kampfmaschinen dort hinzubringen, dann hätten sie sich dort auch gleich heimisch niederlassen können. Dann hätten sie nicht erst darauf warten müssen, daß die Spezies Mensch sich entwickelt und überall Städte hinstellt, die erst mühsam abgerissen werden müssen, damit Platz für marsianische Plantagen da ist. Das ist aber eigentlich auch schon alles, was mir an diesem Film nicht gefällt. Es gibt noch mehr Logikbugs, aber die kann man nicht dem Film vorwerfen, denn sie stammen aus der Romanvorlage. Zum Beispiel die Frage, womit die Marsianer ihren Salat eigentlich auf dem Mars düngen, wo sie ja nicht auf menschliches oder tierisches Blut zurückgreifen können. Oder warum ihnen nach den Jahrtausenden genauer Beobachtung nicht in den Sinn gekommen ist, daß es auf der Erde gefährliche Mikro-Organismen geben könnte...

Klammert man das Familien-Gefummel einmal aus, dann ist dieser Film sowohl eine adäquate Umsetzung des Romans von H.G. Wells als auch ein nettes Remake (oder eher: eine Hommage) des alten Films von Byron Haskin aus den Fünfzigerjahren. Die Geschichte wird geradlinig mit hohem Tempo durchgezogen (mit einer "Bremsung" durch die Keller-Szene), nach einer kurzen Einleitung wird die Spannung kontinuierlich gesteigert und für einen Spielberg-Film ist "Krieg der Welten" ziemlich düster. Was mir besonders gut gefällt, ist der Blickwinkel, aus dem die Geschichte erzählt wird. Diesmal steht der Zuschauer nämlich nicht sozusagen an der Seite der Mächtigen und Verantwortlichen, die sich mit der marsianischen Bedrohung auseinandersetzen müssen, und es gibt deshalb nur selten Szenen, in denen man einen Überblick über die Geschehnisse erhält. Man erlebt quasi alles aus Rays begrenzter Sicht mit. Die Tripods sieht man deshalb wie er meist nur auf der Flucht beim Blick über die Schulter, als Spiegelung in Fensterscheiben oder in Filmaufnahmen, die über einen kleinen Monitor flimmern. Man erlebt die Zerstörung der Erde also nicht vom Feldherrnhügel aus mit, sondern "von unten". Man weiß (wenn man die Story nicht schon kennt) zu Anfang genauso wenig wie Ray und ist gemeinsam mit ihm mittendrin, wenn die Tripods ihre Hitzestrahlen in eine Menschenmenge feuern. Zum Glück muß man deshalb auch nur relativ wenig Helden-Pathos ertragen.

Die sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzten Spezialeffekte sind phänomenal. Eine so überzeugende, glaubwürdige und bedrohliche Darstellung der Tripods hat es bisher noch nicht gegeben. Ihre "Kampfschreie" lassen (ein leistungsfähiges Soundsystem vorausgesetzt) das Wohnzimmer erzittern und die Art und Weise, wie die von ihren Hitzestrahlen getroffenen Menschen sich in Sekundenbruchteilen auflösen, ist ziemlich beeindruckend. Auch die konsequente Zerstörung der Städte ist sehenswert und vermittelt einen guten Eindruck von der Macht der Tripods und der Hilflosigkeit der Menschen.

Ich halte Tom Cruise nicht für einen besonders guten Schauspieler, aber in diesem Film hat er mich mit seiner Darstellung des etwas überheblichen Egoisten, der zu einem hilfslosen Flüchtling unter vielen wird und am Ende nur noch seine Tochter beschützen will, durchaus überzeugt. Allein schon seine Reaktion, als er erkennt, daß er von der Asche getöteter Menschen bedeckt ist...

Alles in allem ein toller, ernsthafter SF-Katastrophenfilm, dessen erste Stunde extrem dynamisch und spannend ist, der aber zum Ende hin etwas an Tempo verliert und dann etwas zu abrupt und viel zu schmalzig endet.

Die DVD:

Keinerlei Extras in dieser Single-Disc-Edition. Es gibt auch eine "Special Edition", die auf 2 DVDs mit einigem Bonusmaterial daherkommt, die ist allerdings teurer.

J. Kreis, 23.03.2006
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