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klaatu Der Tag an dem die Erde stillstand (USA 1951)
DVD - Regionalcode 2, Fox Home Entertainment
FSK: 12
Laufzeit: ca. 88 Minuten

Extras
Audiokommentare von Robert Wise und Nicolas Meyer. Wochenschau-Berichte über die Premiere und Events von 1951. Vergleich des Filmmaterials vor und nach der Restauration. Original Kinotrailer

Regie:
Robert Wise

Hauptdarsteller:
Michael Rennie (Klaatu)
Patricia Neal (Helen Benson)
Billy Gray (Bobby Benson)
Sam Jaffe (Prof. Barnhardt)
Hugh Marlowe (Tom Stevens)




Inhalt:

Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs landet eine "Fliegende Untertasse" mitten in Washington. Es herrscht helle Aufregung, hysterische Schreckensmeldungen werden von Sensationsreportern verbreitet und das Raumschiff wird von starken Sicherheitskräften der Polizei und des Militärs umstellt - sogar Panzer fahren auf. Ein mit einem Raumanzug bekleideter, menschenähnlicher Außerirdischer entsteigt dem Raumschiff und verkündet, er komme in Frieden. Als er jedoch einen seltsamen Gegenstand hochhält (es stellt sich später heraus, daß es keine Waffe war, sondern ein harmloses Kommunikationsinstrument), verliert einer der Soldaten die Nerven und schießt auf den Außerirdischen. Da erscheint ein riesiger Roboter in der noch offenen Raumschiffsluke und zerstört Waffen, Geschütze und Panzer mit einem Energiestrahl. Der Außerirdische gebietet Gort, dem Roboter, Einhalt und läßt sich in ein Krankenhaus bringen, wo seine Wunde extrem schnell verheilt. Der Außerirdische, dessen Name Klaatu lautet, hat eine wichtige Botschaft zu überbringen, die sich an die gesamte Menschheit richtet. Er verlangt deshalb, vor Repräsentanten aller irdischen Nationen sprechen zu dürfen und weigert sich, seine Botschaft nur einer Macht zugänglich zu machen. Man macht ihm jedoch klar, daß ein solches Vorhaben in den Zeiten des Kalten Krieges unmöglich zu realisieren sein dürfte. Klaatu möchte sich zunächst ein Bild von den Verhältnissen in der menschlichen Gesellschaft zu machen, bevor er weitere Entscheidungen trifft. Da er wie ein Gefangener behandelt wird, setzt er sich heimlich ab und mischt sich inkognito unter die Bevölkerung. Das ist kein Problem für Klaatu, da er einerseits die menschlichen Sprachen erlernt hat und da sich andererseits in der Öffentlichkeit die Meinung durchgesetzt hat, der Außerirdische müsse ein tentakelbewehrtes Monster sein - Klaatu sieht jedoch aus wie der freundliche Herr von nebenan.

Während Gort und das wieder geschlossene Raumschiff unbeweglich an ihrem Platz stehen bleiben und recht erfolglos vom Militär untersucht werden, mietet Klaatu sich unter dem Namen "Mr. Carpenter" in einer Familie ein. Dort knüpft er Kontakte zu der attraktiven Helen Benson, deren kleiner Sohn Bobby ihn ein wenig herumführt. Klaatu lernt einiges über die Menschen der Erde und setzt sich mit dem berühmten Professor Barnhardt in Verbindung, indem er dem Wissenschaftler eine Probe seines überlegenen Wissens zukommen läßt. Barnhardt ist sofort bereit, sich mit "Mr. Carpenter" zu treffen. Klaatu gibt sich dem Professor zu erkennen und erläutert ihm den Sinn seiner Mission auf der Erde. Die Allianz der Planeten, als deren Repräsentant Klaatu auf die Erde gekommen ist, hat die Menschheit schon seit langer Zeit beobachtet und wegen ihrer technischen Rückständigkeit bisher in Ruhe gelassen. Jetzt aber hat die Menschheit die Atomkraft entdeckt, so daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie ins All vordringen wird, wo sie aufgrund ihrer Aggressivität zu einer Gefahr für alle anderen Völker werden könnte. Diese Bedrohung kann nicht hingenommen werden und deshalb müssen die Menschen aller Nationen an einen Tisch gebracht werden, damit ein weltweiter Friedensprozeß in Gang gesetzt werden kann. Die Alternative wäre die Vernichtung der Erde...

Prof. Barnhardt glaubt Klaatu. Er will seinen Einfluß geltend machen, um Wissenschaftler aller Nationen zu einem Treffen zusammenzurufen, das beim Raumschiff stattfinden soll und bei dem Klaatu seine Botschaft verkünden kann. Um allen Menschen den Ernst der Lage klarzumachen, soll Klaatu eine Demonstration seiner Macht vorbereiten. Zu diesem Zweck begibt Klaatu sich heimlich ins Raumschiff, wird dabei aber von Bobby beobachtet, der diese Neuigkeit sofort seiner Mutter und deren Freund Tom Stevens berichtet. Klaatus Demonstration findet am nächsten Tag statt. Um Punkt 12 Uhr mittags stehen auf der ganzen Welt sämtliche Maschinen still: Die Elektrizität funktioniert eine halbe Stunde lang nicht mehr. Nur Krankenhäuser und ähnlich wichtige Einrichtungen sind davon ausgenommen. Da Klaatu bemerkt hat, daß man ihn zu verdächtigen beginnt, gesteht er Helen die Wahrheit. Die Frau glaubt ihm und verhilft ihm am Abend zur Flucht, als das von Tom Stevens alarmierte Militär eine Menschenjagd auf Klaatu veranstaltet. Sie kann aber nicht verhindern, daß man Klaatu auf der Flucht erschießt. Bevor er stirbt, erteilt er ihr den Auftrag, sofort zu Gort zu gehen und drei Worte zu ihm zu sagen: "Klaatu verata niktu", sonst wäre der Roboter imstande, die gesamte Erde zu vernichten. Helen überwindet ihre Angst und überbringt die Botschaft. Gort bringt sie daraufhin ins Raumschiff und holt Klaatus Leiche aus der Zelle, in der man ihn aufgebahrt hat, um den Toten im Schiff mit einer geheimnisvollen technischen Einrichtung ins Leben zurückzurufen.

Draußen haben sich schon die Wissenschaftler versammelt. Das Militär ist gerade dabei, die Versammlung aufzulösen, da tritt der wieder lebendige Klaatu ins Freie und überbringt jetzt endlich seine gesamte Botschaft. Die von ihm vertretene Planeten-Allianz hat zur Sicherung des Friedens im Weltraum eine "Rasse" von unzerstörbaren, übermächtigen Robotern geschaffen. Diese Roboter (Gort ist einer davon) durchstreifen die Galaxis quasi als Polizeitruppe mit ihren Raumschiffen und beobachten alle bewohnten Welten. Wo Gewalt angewendet wird, richten sie sich automatisch gegen den Aggressor - und vernichten ihn gnadenlos. Da keine Waffe existiert, die den Robotern gewachsen wäre, herrscht im All Ruhe und Ordnung. Die latente Bedrohung durch die Roboter hat dazu geführt, daß alle Völker frei von Gewalt leben und sich wichtigeren Dingen widmen können. Die Wahl, die sich der Menschheit jetzt stellt, ist denkbar einfach. Entweder alle Völker der Erde einigen sich und leben in Frieden mit den anderen Planeten, oder die Erde wird vernichtet, sobald die Menschheit ihre Aggressionen in den Weltraum hinausträgt. Mit diesen Worten verabschiedet Klaatu sich und fliegt mit seinem Raumschiff ins All...

Der Film:

Obwohl dieser Schwarzweißfilm weder mit spektakulären Spezialeffekten noch mit ekligen Aliens oder gewagten Stunts aufwarten kann, ist er dennoch ein unverzichtbarer Bestandteil in jeder Filmsammlung. Er ist einer jener Klassiker, die man gesehen haben "muss". In den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts war in den USA die Angst vor "dem Kommunismus" allgegenwärtig und fand ihren Niederschlag auch in zahlreichen SF-Filmen. Eroberungs-Szenarien waren da an der Tagesordnung, immer mußten fiese, kriegslüsterne (oder blutdurstige) Außerirdische quasi als Stellvertreter für die "Gefahr aus dem Osten" herhalten. All das kommt hier nicht vor.

Gut, es gibt auch in diesem Film eine Szene, in der eine kreischende Frau sich an eine Wand drückt, während der bedrohliche Schatten eines Roboters über sie fällt - ein typisches Element in Dutzenden von reißerischen SF-Schinken. Anders als in so vielen anderen Filmen der damaligen Zeit fängt die Dame sich aber schnell wieder und muß denn auch nicht von einem strahlenden Helden gerettet werden. Ebenso haben es die Außerirdischen in diesem Film nicht auf die Welteroberung abgesehen - Klaatu sagt klipp und klar, daß seine Leute keine Lust haben, sich in die inneren Angelegenheiten der Erde einzumischen - sondern vertreten nur ihre eigenen Interessen. Ihnen ist egal, ob die Menschen sich auf der Erde selbst vernichten, sie werden es lediglich nicht tolerieren, wenn die Menschheit es wagen sollte, die anderen Planeten zu bedrohen.

Okay: der Frieden wiederum wird durch die Androhung von Gewalt erzwungen, aber "die Bösen" sind eindeutig nicht die Außerirdischen, sondern wir, die Menschen! Für die frühen Fünfziger war diese Thematik sicher ziemlich gewagt, und auch heute hebt sie den Film noch aus der Masse selbst vergleichsweise aktueller Streifen heraus. Natürlich ist das Konzept einer mächtigen Roboter"rasse", die den Frieden garantieren soll, nicht ganz überzeugend. Klaatu sagt zwar, gegen die Roboter sei kein Kraut gewachsen. Noch nicht, würde ich aber hinzufügen. Denn wer oder was sollte eine böswillige, technisch hoch entwickelte Macht daran hindern, eine neue Waffe zu entwickeln, die noch mächtiger ist als die Roboter? Solange diese Macht schön brav auf ihrem Planeten bliebe und keine Kriege gegen andere Planeten anzetteln würde, hätte sie schließlich keine Probleme mit den Robotern. Oder wird Waffenforschung genauso schwer bestraft wie der Einsatz von Waffen?

Michael Rennie ist die perfekte Verkörperung des überlegenen, aber nicht überheblichen Mannes von einer fremden Welt, der immer ein wenig amüsiert ist über die Schwächen und Macken der Menschen, sie aber nicht etwa deswegen verachtet, sondern ihnen Sympathie entgegenbringt und sein Leben riskiert, um sie zu warnen. Er wirkt ungemein sympathisch und seine (im englischen Original) mit eindringlicher Stimme vorgetragene Botschaft am Ende des Films hat mich beim erstenmal, als ich den Film gesehen habe, ziemlich beeindruckt. Die Szene, als er sein Raumschiff erstmals verläßt, ist sowieso unvergesslich. Übrigens: Klaatu sagt, er habe eine Reise von 250 Millionen Meilen hinter sich. Aha! Dann kann er nur von einem der inneren Planeten unseres Sonnensystems kommen, also vom Merkur, von der Venus oder vom Mars...

Die DVD:

Ja, der Film ist schwarzweiß und ja, er ist nur im Vollbild zu sehen (Filme in Cinemascope gab es meines Wissens erst ab 1952 oder 1953)... Aber er ist auch schon über 50 Jahre alt, und für einen Film diesen Alters ist das Bild noch erstaunlich gut. D.h. es wurde restauriert, wie man bei der Gegenüberstellung mehrerer Szenen in den Extras dieser DVD sehen kann. Außer einem ziemlich reißerischen Trailer, der so gar nicht zum Film passen will, bekommt man noch eine Wochenschau aus dem Jahre 1951 zu sehen, in der Klaatu nur kurz erwähnt wird. Wichtigere weltpolitische Ereignisse, wie z.B. der im September 1951 geschlossene Friedensvertrag mit Japan, stehen darin im Vordergrund.

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