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kipp

Wir können auch anders! (D 1993)
DVD - Regionalcode 2, VCL
FSK: 6
Laufzeit: ca. 87 Minuten

Extras
Keine

Regie:

Detlev Buck

Hauptdarsteller:

Joachim Krol (Rudi Kipp, genannt Kipp)
Horst Krause (Moritz Kipp, genannt Most)
Konstantin Kotljarov (Viktor)
Sophie Rois (Nadine)
Heinrich Giskes (Kommissar)
u.v.m. - unter anderem Detlev Buck als Skinhead




Inhalt:

Rudi Kipp, genannt Kipp, ist Freigänger einer Institution, die man als Irrenanstalt bezeichnen könnte. Mit unmodischem schwarzem Anzug bekleidet und mit einem Trauerkranz unterm Arm wartet er dort vor dem Tor auf seinen Bruder Moritz, genannt Most, der ihn mit einem uralten Pritschenwagen (Most: "Im 4. Gang macht der bis zu über 60!" Kipp: "Das ist der Verteiler, der verteilt das Benzin") abholt. Die äußerlichen Gegensätze könnten nicht größer sein, denn Most trägt eine speckige Cord-Latzhose, ist wohlbeleibt und trägt einen zumeist mürrischen Gesichtsausdruck durch die Gegend, während Kipp schlank ist und genau so harmlos aussieht, wie er wohl auch ist. Aber sie haben auch Gemeinsamkeiten: Beide können weder lesen noch schreiben, sind unbeschreiblich naiv und ihr IQ liegt vermutlich nur knapp über der Grasnarbe. Ihre Mission: Zum Gut Wendelohe fahren, das irgendwo weit im Osten der gerade eben erst für liquidiert erklärten DDR liegt. Dieses Gut haben die beiden nämlich von ihrer kürzlich verstorbenen Oma geerbt. Aber wie kommt man dort hin, wenn man den Weg nicht kennt und weder Karten noch Ortsschilder lesen kann?

Um die Sache noch komplizierter zu machen, werden die beiden samt Pritschenwagen von Viktor, einem desertierten Rotarmisten, gekidnappt. Ihm und seiner Kalaschnikow haben die beiden es aber zu verdanken, daß sie einer Bande fieser Wegelagerer entgehen: Diese Burschen lauern arglosen Reisenden an der Straße auf, treffen jetzt aber auf die falschen. Mit vorgehaltener Kalaschnikow (Kipp: "Da kann man schon was mit bewirken!") werden die Kerle gezwungen, ihr eigenes Auto rückwärts in einen See zu lenken - leider sind einige von ihnen Nichtschwimmer...

Dies ist nur der erste in einer Reihe von mysteriösen Fällen, mit denen die Polizei - namentlich ein Besser-Wessi-Kommissar - sich ab sofort herumschlagen muß, denn auf ihrem Weg in den Osten hinterlassen die Gebrüder Kipp eine bizarre Spur des Verbrechens und sie können sich der Staatsgewalt immer wieder entziehen. In der Vorstellung des Kommissars entsteht deshalb mit der Zeit das Bild von gemeingefährlichen Gewaltverbrechern, in Wirklichkeit passiert alles nur zufällig und im Grunde ohne Arg. Mit Viktors Hilfe, der noch viel weiter in den Osten will, wo er zu Hause ist, kommen Most und Rudi gut voran. Die drei werden bald zu Freunden und Kipp kauft großzügig ein paar Klamotten, damit Viktor seine auffällige Uniform ablegen kann (Kipp: "Gelder sind vorhanden"). Das letzte Geld geht für ein Ruderboot drauf. Als das Trio schließlich auf Gut Wendelohe ankommt, stellt sich heraus, daß dieses alte und übrigens auch schwer restaurierungsbedürftige Herrenhaus keineswegs der Oma unserer Helden gehört hat. Vielmehr hat die Ahnin in einem Häuschen auf diesem Gut gewohnt, von dem jetzt nur noch eine Ruine übrig ist - aus der Traum vom großen Erbe!

Aber es kommt noch schlimmer. Inzwischen läuft nämlich die Großfahndung auf vollen Touren, eine ganze Hundertschaft von Polizisten durchkämmt die Gegend und sogar ein Hubschrauber ist im Einsatz. Als Most und Rudi ihre eigenen Bilder im Fernsehen wiedererkennen, nehmen sie die Bedienung der Kneipe, in der sie gerade sind, als Geisel und flüchten wie Western-Outlaws zu Pferde in Richtung Ostsee. Nadine, so der Name der rothaarigen herben Schönheit, kommt gerne mit, denn zwischen ihr und Viktor funkt es auf Anhieb ganz gewaltig. So gewaltig, daß Nadine die Polizei auf eine falsche Spur lenkt, so daß ihre neuen Freunde entkommen können.

Einige Zeit später, am stillen Don: Viktor hat es bis nach Hause geschafft. Nadine ist mit dabei. Aber auch Most und Rudi haben eine neue Bleibe gefunden: Kipp erklärt den Einheimischen (die kein Wort verstehen, sich aber köstlich über den Verrückten amüsieren) die Feinheiten der Schweinemast, Most schenkt Bier aus. Alle sind glücklich, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...


Der Film:

Was ist das für ein Film? Ein Roadmovie? Eine Mischung aus Dick & Doof und Western-Elementen? Keine Ahnung, aber er ist genial! Most und Kipp sind natürlich Stan Laurel und Oliver Hardie nachempfunden, die Parallelen sind eindeutig erkennbar. Diese Rollen füllen sie aber so hervorragend aus, daß man sie (vor allem Rudi) sofort ins Herz schließt. Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, war mir der Schauspieler Joachim Krol noch vollkommen unbekannt, und da er den leicht geistes- und sprachgestörten Rudi Kipp so perfekt spielt, dachte ich zuerst, der Schauspieler wäre wirklich einer Anstalt entsprungen. Der Film enthält ein unglaubliches Sammelsurium skurriler Typen und bizarrer Orte - je öfter ich mir den Film ansehe, desto mehr Details fallen mir auf. Es ist eine wahrscheinlich gewollte Ironie, daß dieser Film mit seinen Western-Anleihen nicht im wilden Westen, sondern im wilden Osten der Ex-DDR spielt, den es 1992/1993 wohl wirklich noch gegeben hat.

Als Komödie funktioniert Wir können auch anders getreu seinem Namen ganz anders als die vielen überdrehten Klamotten, für die der deutsche Film berüchtigt ist. Hier herrscht eher Understatement vor und die Trotteligkeit der Gebrüder Kipp wird nicht für billige Witzchen oder platten Klamauk mißbraucht. Der trockene Humor dieses Films entsteht vielmehr durch die seltsamen Charaktere, die absurden Situationen, in die sie geraten, und die verschrobenen Dialoge. Es soll aber auch Leute geben, die den Film überhaupt nicht witzig finden. Kann ich nun wieder gar nicht verstehen.

Die DVD:

Ich hatte den Film schon auf VHS, da waren Bild und Ton einfach nur katastrophal. Auf DVD ist beides besser - aber auch nicht wirklich als gut zu bezeichnen. Leider gibt es diesen Film in keiner anderen Version, also müssen Kultfans mit leicht dumpfem Ton und körnigem, manchmal etwas unscharfem Bild vorlieb nehmen.

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