Kingsman: The Golden Circle


Kingsman: The Golden Circle (GB/USA, 2017)

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 141 Minuten

Extras:
- Kingsman: Im Golden Circle (117:13 Min.)
- Taxi-Chaos: Eine absolut irre Verfolgungsjagd (12:49 Min.)
- Kingsman Archiv (2 Bildergalerien)
- Original Kinotrailer

Regie:
Matthew Vaughn

Hauptdarsteller:
Taron Egerton (Gary "Eggsy" Unwin)
Colin Firth (Harry Hart)
Mark Strong ("Merlin")
Julianne Moore (Poppy Adams)
Pedro Pascal (Jack Daniels / "Whisky")
Edward Holcroft (Charles Hesketh)
Hanna Alström (Tilde)
Elton John




Inhalt

Zur Vorgeschichte siehe Kingsman: The Secret Service.

Poppy Adams beherrscht das größte je dagewesene Drogenkartell: "The Golden Circle". Von ihrer Operationsbasis "Poppy Land" aus versorgt sie Junkies in aller Welt mit den verschiedensten harten und weichen Drogen. Der mächtige private Geheimdienst Kingsman ist das größte Hindernis auf Poppys Weg zur Weltherrschaft. Sie setzt ihren Vasallen Charles Hesketh, einen gescheiterten Kingsman-Rekruten, auf Gary Unwin an, der inzwischen Harry Harts Nachfolge angetreten hat. Für Hesketh ist es eine persönliche Angelegenheit, denn beim Kampf gegen Eggsy in Richmond Valentines Hauptbasis hat er den rechten Arm verloren. Ausgestattet mit einer Robotprothese und unterstützt von weiteren Kartellkillern setzt Hesketh seinem einstigen Kameraden schwer zu. Eggsy entkommt und Hesketh verliert den künstlichen Arm. Hesketh kann den Arm fernsteuern, auf Eggsys Adressbuch zugreifen und die Kingsman-Agenten enttarnen. Ihre Wohnungen sowie die Kingsman-Zentrale werden wenig später durch Raketenbeschuss vernichtet. Alle Agenten außer Eggsy und Merlin kommen ums Leben. Eggsy überlebt, weil er nicht zu Hause war. Er war erstmals zu Gast bei den Eltern seiner Freundin, der schwedischen Kronprinzessin Tilde. Merlins Adresse war nicht gespeichert.

Merlin und Eggsy folgen den Anweisungen für den Katastrophenfall und finden Hinweise auf die ihnen bis dato nicht bekannt gewesene Organisation Statesman, das US-amerikanische Pendant von Kingsman mit Hauptsitz in Kentucky. Sie nehmen Kontakt mit den dortigen Agenten auf. Agent Champagne ("Champ") unterstützt die Briten vorbehaltlos, zumal der Golden Circle auch eine Bedrohung für Statesman darstellt. Eggsy und Merlin sind sehr überrascht, in der Statesman-Zentrale ihren tot geglaubten Freund Harry Hart wiederzusehen. Statesman-Agenten haben seinerzeit das von Valentine verursachte Gemetzel in der Kirche untersucht und Hart gefunden. Mit fortschrittlicher Nanotechnik ist es ihnen gelungen, sein Leben zu retten. Er leidet allerdings unter vollständigem Gedächtnisverlust. Zusammen mit Agent Whiskey besucht Eggsy das Glastonbury-Musikfestival. Dort macht er sich an Heskeths Freundin Clara von Glucksberg heran, um ihr einen Mikrosender anzuhängen. Das ist nur mit vollem Körpereinsatz möglich, wie Eggsy Prinzessin Tilde zuvor telefonisch mitteilt. Die Mission verläuft erfolgreich, führt bei Eggsy jedoch zu einer ernsten Beziehungskrise.

Poppy wendet sich mit einer weltweit empfangbaren TV-Sendung an den Präsidenten der USA. Sie verkündet, dass alle Konsumenten der von ihr vertriebenen und mit einem langsam wirkenden Gift versetzten Drogen in Bälde eines schrecklichen Todes sterben müssen, wenn sie nicht ein ebenfalls von ihr hergestelltes Gegenmittel erhalten. Als Demonstrationsobjekt für die Wirksamkeit des Antidots dient Elton John, den Poppy vor einiger Zeit entführt hat und der sich schon im Endstadium der Vergiftung befindet. Poppy wird das in allen Ländern versteckte Gegenmittel mit Drohnen verteilen, sobald der US-Präsident Drogen legalisiert und den Mitgliedern des Golden Circle Immunität garantiert. Der Präsident geht nur zum Schein auf die Forderungen ein. In Wahrheit hat er überhaupt nichts dagegen, dass alle Junkies dem Tode geweiht sind. Er nimmt den Tod von Abermillionen Menschen gern in Kauf, denn auf diese Weise hätte Poppy schließlich all ihre Kunden verloren und der Krieg gegen Drogen wäre gewonnen! Das hält er natürlich geheim, aber Statesman hört das Oval Office ab und weiß Bescheid. Harts Erinnerungen werden durch eine Art Schocktherapie wiederhergestellt. Der einstige Superagent ist zwar noch längst nicht wieder im Vollbesitz seiner früheren Fähigkeiten, dennoch nehmen Eggsy und Whiskey ihn mit in den Einsatz.

Es geht nach Italien, wo sich ein Labor befindet, in dem das Gegenmittel hergestellt wird. Das wissen die Agenten, weil Clara, die in Glastonbury vergiftete Drogen genommen hat, dorthin unterwegs ist. Eggsy stiehlt eine Ampulle, doch diese wird bei der anschließenden Verfolgungsjagd von Agent Whiskey zerstört. Hart glaubt, dass Whiskey ein Verräter ist und schießt ihm in den Kopf. Whiskey wird mit Nanotech behandelt und ist einige Zeit später wieder auf den Beinen. Da haben sich Eggsy, Hart und Merlin schon auf den Weg nach Poppy Land gemacht. Die Zeit drängt, denn die Erkrankten - darunter auch Tilde - werden schon bald das letzte Stadium erreichen. Merlin opfert sich, um seine Freunde zu retten und ein paar Feinde mit in den Tod zu reißen. Eggsy und Merlin kämpfen sich durch die Reihen von Poppys Schergen, wobei sie ebenso unerwartete wie schlagkräftige Hilfe von Elton John erhalten. Sobald alle Schurken inklusive Hesketh tot sind, verabreicht Eggsy Poppy eine Dosis ihres eigenen vergifteten Stoffs, um sie zu zwingen, ihm den Zugangscode für die Drohnensteuerung zu geben. Sie stirbt trotzdem; die Dosis war zu hoch. Als Hart und Eggsy den Code eingeben wollen, greift Whiskey ein, der ihnen gefolgt ist. Er hat ähnliche Ansichten wie der US-Präsident und muss erst geschreddert werden, bevor Eggsy die Welt retten kann.

Die Drohnen starten, die meisten Erkrankten können geheilt werden. Die Machenschaften des Präsidenten kommen ans Licht und ein Amtsenthebungsverfahren wird eingeleitet. Champ stellt Finanzmittel zum Wiederaufbau von Kingsman zur Verfügung. Eggsy und Tilde heiraten.


Kringels Meinung

Fortsetzungen erfolgreicher Filme sind oft problematisch, und daran ist das Publikum selbst schuld. Wir möchten im Grunde nochmal dasselbe sehen wie in Teil 1, aber es soll alles neu sein. Wie soll das funktionieren? Entweder wir finden zu wenig Vertrautes wieder, dann sind wir enttäuscht. Oder unsere Erwartungen werden bedient und dasselbe Erfolgsrezept wird einfach in mehr oder weniger derselben Form nochmal verwendet, dann sind wir unzufrieden. Bei "Kingsman: The Golden Circle" wurde auf die Wiederholung des Altbewährten gesetzt und man hat versucht, das Manko der somit nicht mehr vorhandenen Originalität durch noch mehr Action, noch mehr Gadgets und eine komplette zweite Superagentenorganisation auszugleichen. Das Ergebnis ist ein wenig durchwachsen. So beginnt der Film gleich mit einer viel zu langen, heillos übertriebenen und doch eher zähen Verfolgungsjagd durch London. Zum Glück ist das auch schon so ziemlich die einzige Actionszene, bei der ich mir nach einigen Minuten gewünscht habe, es möge bald vorbei sein. Die anderen sind ebenfalls ziemlich in die Länge gezogen, wurden aber derart mit abgedrehten Ideen vollgestopft, dass keine Langeweile aufkommt.

Die gute Nachricht ist: Betrachtet man den Film als nicht ernst zu nehmende Parodie/Hommage an James-Bond-Agentenfilme, dann macht er fast ebenso viel Spaß wie der erste. Die Betonung liegt auf "fast", denn für meinen Geschmack wird denn doch etwas zu viel wiederholt. Aus diesem Grund kann ich einen Teil meines Kommentars zum ersten Film hier wiederholen: "Das Konzept der mit unzähligen Hightech-Gadgets im Retrodesign ausgestatteten Geheimagenten ermöglicht viele nette Anspielungen. Sei es der Schuhdolch, also die bevorzugte Waffe Rosa Klebbs in Liebesgrüße aus Moskau, ein Schirm, wie ihn John Steed ("Mit Schirm, Charme und Melone") sicherlich auch gern benutzt hätte ... Das prächtige, mit unzähligen liebevoll gestalteten Details aufwartende Produktionsdesign weiß zu überzeugen. Hinzu kommt mehr als nur eine Prise John Wick, zumindest was die Gewaltdarstellung angeht." Letzteres muss ich nochmal unterstreichen. Da werden Menschen in zwei Hälften geteilt, per Kopfschuss niedergemäht und im Fleischwolf zu leckeren Burgern verarbeitet. In der guten alten Zeit meiner Jugend hätte das locker zur Indizierung ausgereicht. Die Drogenthematik muss man sich auf der Zunge zergehen lassen; ich bin nicht sicher, ob sich dieser Zynismus für einen humorvollen Film wie diesen wirklich eignet. Statesman finanziert sich durch den Verkauf von Whisky und hat deshalb ein viel höheres Budget als Kingsman. Der US-Präsident glaubt, er könne den War ond Drugs gewinnen, indem er einfach alle Süchtigen sterben lässt ...

Harry Harts Rückkehr ist OK. Ich finde Colin Firth in dieser Rolle einfach wunderbar, erst recht weil ich diesen Schauspieler vor "Kingsman" nie auch nur ansatzweise als Actionhelden betrachtet hätte. Taron Egerton hat sich zu einem würdigen Nachfolger des gelassenen Gentleman-Agenten gemausert, Mark Strong sammelt erneut Sympathiepunkte (wer hätte gedacht, dass John Denver Merlins Lieblingssänger ist?) und Pedro Pascal macht nicht nur wegen seines Aussehens, das frappierend an Burt Reynolds erinnert, eine gute Figur. Und wenn Channing Tatum in blauem Body, ansonsten nur mit Cowboystiefeln und Stetson bekleidet, von der Tanzwut gepackt wird, bleibt kein Auge trocken! Die Organisation "Statesman" funktioniert als etwas ungehobelteres Gegenstück zu den urbritischen Kingsmen überraschend gut, kreative Anwendungsmöglichkeiten für Cowboy-Utensilien wie Lasso und Peitsche inklusive. Poppy (Julianne Moore) ist auf ihre Weise fast (schon wieder dieses Wort) so bedrohlich wie Valentine (Samuel L. Jackson) und ihre Operationsbasis - eine im Stil der Fünfzigerjahre mit Diner, Schönheitssalon usw. umdekorierte kambodschanische Ruinenstadt irgendwo tief im Dschungel - kann sich wirklich sehen lassen. Da dürfte so mancher Bond-Bösewicht vor Neid erblassen.

Kommen wir zum unerreichten Alleinstellungsmerkmal dieses Films: Elton John! Ja wirklich, der Altmeister des Glam Rock tritt höchstpersönlich auf bzw. den Schurken in den Allerwertesten! Elton John hat viel mehr als nur einen Cameo-Auftritt, tatsächlich hätten Hart und Eggsy ohne ihn im Showdown ziemlich alt ausgesehen. Allein für die Szenen, in denen er von Poppy als Anschauungsobjekt missbraucht wird und später gegen diverse Schergen kämpft, hätte der Film sich schon gelohnt.


Extras

Die abendfüllende Filmdoku "Kingsman: Im Golden Circle" besteht aus neun Einzel-Featurettes. Eine zehnte, die sich ausschließlich mit der Verfolgungsjagd beschäftigt, welche den Auftakt des Films bildet, liegt gesondert vor. Insgesamt erhält man einen umfassenden Einblick in die Gedanken, die sich der Regisseur vorab zu Story und Figurenentwicklung gemacht hat, wie das alles tricktechnisch, mit dem Aufbau riesiger Kulissen usw. umgesetzt wurde und welche abgedrehten Ideen nicht umgesetzt worden sind. Der Regisseur sagt, er habe 90 Minuten aus dem gedrehten Material herausschneiden müssen. Leider bekommt man nichts davon zu sehen; es sind keine Deleted Scenes vorhanden. Immerhin ist zu erfahren, dass ursprünglich eine Romanze zwischen Merlin und Ginger Ale (einer von Halle Berry gespielten Statesman-Kollegin) vorgesehen war und dass Vaughn das Vorhaben fallen gelassen hat, Hart und Eggsy in eine psychedelische Dandy-Welt zu versetzen.

Wenn sich die Aussagen der Schauspieler und Mitglieder des Produktionsteams in den Interviews mal nicht darin erschöpfen, wie toll sie sich gegenseitig finden, wird doch die eine oder andere interessante Information vermittelt und es wird deutlich, wie gut die CGI-Effekte des Film sind. Vieles was ich für echt gehalten habe, ist komplett computergeneriert, umgekehrt existiert so manche Kulisse wirklich, bei der ich von CGI ausgegangen bin. So wurde "Poppy Land" tatsächlich gebaut (wenn auch in England, nicht in einer kambodschanischen Ruinenstadt) und die Seilbahn am Monte Bianco ist echt. Man kann einen genaueren Blick auf die Agenten-Gadgets werfen und Claudia Schiffer ist kurz zu sehen. Sie ist das Vorbild für einen Roboter in "Poppy Land". Ich habe lediglich Elton John vermisst. Schade! Ich hätte gern gehört, was er zu seiner Rolle zu sagen hat.


J. Kreis, 01.05.2019




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