Kingsman: The Secret Service


Kingsman: The Secret Service (GB/USA, 2014)

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 129 Minuten

Extras:
- Hinter den Kulissen von Kingsman: The Secret Service (91:41 Min.)
- Original Kinotrailer
- Bildergalerie

Regie:
Matthew Vaughn

Hauptdarsteller:
Taron Egerton (Gary Unwin)
Colin Firth (Harry Hart / "Galahad")
Samuel L. Jackson (Richmond Valentine)
Mark Strong ("Merlin")
Sophie Cookson (Roxanne Morton)
Michael Caine (Chester King / "Arthur")
Sofia Boutella (Gazelle)




Inhalt

Harry Hart, Codename "Galahad" ist ein Agent von Kingsman. Dieser private Geheimdienst wurde nach dem ersten Weltkrieg von britischen Aristokraten und anderen Mitgliedern der High Society gegründet, deren Nachkommen im Krieg gefallen waren. Sie haben ihre gewaltigen Vermögen eingesetzt, um eine mächtige Organisation aufzubauen, die im 21. Jahrhundert auf der höchsten Geheimhaltungsstufe völlig unabhängig (und ohne das Wissen) von Regierungen und Aufsichtsbehörden agiert. Die Gentleman-Agenten von Kingsman sind bestens ausgebildete und ausgerüstete Elitekämpfer, die tödliche Gewalt einsetzen, um das Land vor Bedrohungen zu schützen. Sie nutzen fortschrittliche Überwachungstechniken, unterhalten mit Hightech, Waffen sowie Fahrzeugen bestückte Geheimbasen und rekrutieren nur dann neue Mitglieder, wenn einer von ihnen getötet wird. Im Jahre 1997 macht Hart während eines Auslandseinsatzes einen fatalen Fehler. Sein Auszubildender Lee Unwin opfert sich, um Hart sowie die anderen Teammitglieder zu retten. Hart gibt sich die Schuld für Unwins Tod und sucht dessen Witwe Michelle auf, um ihr eine Tapferkeitsmedaille zu überreichen. Sollte sie je Hilfe brauchen, muss sie nur die eingravierte Telefonnummer anrufen und ein Codewort sagen. Michelle weist die Medaille zurück. Hart gibt sie stattdessen Michelles kleinem Sohn Gary, genannt Eggsy.

In den folgenden Jahren entwickelt sich Eggsy aufgrund familiärer Probleme vom Wunderkind zum Nichtsnutz. Er bricht eine vielversprechende Militärkarriere ab und schlägt sich lieber mit der Anhängerschaft seines brutalen Stiefvaters herum, als etwas aus sich zu machen. Als er wegen Autodiebstahls hinter Gittern landet, ruft er die Nummer von der Medaille an und nennt das Codewort. Postwendend wird er auf freien Fuß gesetzt. Hart, der Eggsy in all den Jahren nicht aus den Augen gelassen hat, trifft sich in einem Pub mit dem jungen Mann. Prompt kommt es zu einem Zusammentreffen mit den lokalen Schlägern, das in Gewalt ausartet. Beeindruckt von den Kampfkünsten des sonst so distinguiert wirkenden Herrn lässt sich Eggsy für Kingsman anwerben. Er ist einer von mehreren Anwärtern auf die Stelle eines im Einsatz ums Leben gekommenen Agenten. Dieser hatte vergeblich versucht, Professor James Arnold aus den Händen von Entführern zu befreien. Während Eggsy das von Agent "Merlin" überwachte gnadenlose Auswahl- und Ausbildungsverfahren durchläuft, taucht Arnold als freier Mann wieder auf. Als Hart ihn zu der Entführung befragt, explodiert der Kopf des Professors. Zwei Killer erscheinen. Hart setzt sich mit einer Granate zur Wehr, wird verwundet und fällt in ein Koma, aus dem er erst erwacht, als Eggsy das Auswahlprogramm schon fast abgeschlossen hat. Außer Eggsy ist nur noch Roxanne ("Roxy") Morton übrig, mit der er sich angefreundet hat. Beide werden aufgefordert, einen Hund zu erschießen, den sie zu Beginn der Ausbildung als Welpen in Empfang genommen und aufgezogen haben. Roxanne drückt ab. Eggsy bringt das nicht über sich und wird entlassen. Später erfährt er, dass die Waffen mit Platzpatronen geladen waren.

Merlin findet heraus, dass Arnold durch einen im Nacken implantierten Sprengsatz getötet worden ist. Das Zündsignal kann bis zu Richmond Valentine zurückverfolgt werden. Der Internet-Milliardär beginnt in diesen Tagen mit der Verteilung von kostenlosen SIM-Karten. Innerhalb kürzester Zeit werden Millionen davon in aller Welt ausgegeben. Gleichzeitig verschwinden in vielen Ländern hochrangige Politiker, bekannte Wissenschaftler und andere Prominente spurlos. Hart heftet sich an Valentines Fersen und findet einiges über ihn heraus, umgekehrt geschieht aber dasselbe. Die Falle schnappt zu, als Hart eine Kirche betritt, für die sich Valentine besonders zu interessieren scheint. Hier bringt der Milliardär erstmals eine Technik zum Einsatz, die es ihm ermöglichen soll, eine völlig neue Welt aufzubauen. Über die SIM-Karten wird ein Signal ausgestrahlt, welches die Menschen zu tobenden Bestien macht. Jeder ist betroffen, egal ob er ein entsprechend bestücktes Handy besitzt oder nicht - auch Hart. Der Agent tötet Dutzende Menschen, bevor er wieder zu sich kommt. Als er die Kirche verlässt, wird er von Valentine erschossen. Der ganze Vorgang wird über Harts Datenbrille an die Kingsman-Zentrale übertragen. Eggsy beobachtet das Ganze von Harts Wohnung aus. Valentine plant die globale Ausstrahlung des Signals. Die Menschheit soll sich selbst ausrotten, damit sich die Natur erholen kann. Zahlungskräftige Kunden sowie Verbündete Valentines sind durch Implantate wie das von Arnold vor dem Signal geschützt. Dass der Chip auch eine Sprengladung enthält, wissen sie nicht. Wen Valentine für wichtig hält, sich aber nicht auf seine Seite ziehen lässt, wird kurzerhand entführt und in Valentines Hauptbasis eingekerkert. So ergeht es unter anderem der schwedischen Kronprinzessin Tilde.

Wie weit Valentines Einfluss wirklich reicht, erfährt Eggsy, als er bei Kingsman-Chef Chester King wegen Harts Tod vorspricht. Gerade noch rechtzeitig sieht Eggsy die verräterische Operationsnarbe an Kings Hals. Da sich Eggsy nicht korrumpieren lässt, soll er vergiftet werden. Eggsy dreht den Spieß um; King vergiftet sich selbst. Eggsy, Roxy und Merlin haben jetzt nur noch wenige Stunden Zeit, um Valentines teuflischen Plan zu durchkreuzen. Roxy fliegt in die Stratosphäre und unterbricht die zur Ausstrahlung des fatalen Signals benötigte Kette, indem sie einen Satelliten vernichtet. Währenddessen schmuggelt sich Eggsy mit Merlins Hilfe in Valentines Hauptbasis ein, in der zahlreiche Anhänger des größenwahnsinnigen Massenmörders ein rauschendes Fest feiern. Zunächst läuft alles gut, doch dann fliegt Eggsy auf. Merlin hackt sich in Valentines Computersysteme und rettet Eggsy, indem er die Implantate aller Anwesenden (auch das Sicherheitspersonal ist entsprechend bestückt) zur Explosion bringt. Anschließend muss sich Eggsy "Gazelle" stellen, der ihm ebenbürtigen Leibwächterin Valentines. Während die beiden miteinander kämpfen, löst Valentine das Signal mittels eines Ersatzsatelliten aus. Weltweit kommt es zu einer schrecklichen Welle der Gewalt. Eggsy ist gezwungen, Gazelle und Valentine zu töten. Zur Belohnung für die Rettung der Welt darf Eggsy der schwedischen Prinzessin an die Wäsche gehen. Einige Zeit später klärt Eggsy - jetzt vollwertiger Kingsman-Agent, komplett mit Maßanzug und Hightech-Regenschirm - seine Familienverhältnisse.


Kringels Meinung

Ist "Kingsman" eine Parodie von Agentenfilmen, insbesondere der James-Bond-Filme aus der Ära Roger Moore? Oder eher eine Hommage? Von beidem ein bisschen, würde ich sagen. Im Making of sagt der Regisseur, "Kingsman" sei eine postmoderne Liebeserklärung an alte Agentenfilme. Das Konzept der mit unzähligen Hightech-Gadgets im Retrodesign ausgestatteten Geheimagenten ermöglicht viele nette Anspielungen. Sei es der Schuhdolch, also die bevorzugte Waffe Rosa Klebbs in Liebesgrüße aus Moskau, ein Schirm, wie ihn John Steed ("Mit Schirm, Charme und Melone") sicherlich auch gern benutzt hätte ... Das prächtige, mit unzähligen liebevoll gestalteten Details aufwartende Produktionsdesign weiß zu überzeugen. Hinzu kommt mehr als nur eine Prise John Wick, zumindest was die Gewaltdarstellung angeht. Blut fließt reichlich, schon in einer der ersten Szenen wird jemand längs in zwei Hälften gesäbelt und so geht es weiter, bis hin zur totalen Absurdität des schön choreografierten Feuerwerks, welches durch die Explosion zahlreicher mit Sprengimplantaten ausgestatteter Schädel in Valentines Basis entsteht. Apropos: Valentines Killertechnik hat mich sehr stark an Stephen Kings Roman Puls erinnert. Bei King bleibt das Signal allerdings aktiv - mit fatalen Folgen für die ganze Menschheit. Manche Ideen mögen also geklaut sein, aber immerhin wurden sie gut geklaut.

Wenn man den Film nicht so ernst nimmt, macht er einen Riesenspaß. Das liegt natürlich am Abwechslungsreichtum und der spektakulären Action (allein der Kampf in der Kirche - Wahnsinn!), nicht zuletzt aber auch an den durch die Bank hervorragenden Schauspielern. Colin Firth ist einfach wundervoll als Gentleman-Spion, dem der Scheitel selbst im dicksten Getümmel ebenso wenig verrutscht wie das ironische Lächeln. Samuel L. Jacksons Overacting ist womöglich noch köstlicher, Michael Caine ist sowieso eine sichere Bank und Mark Strong darf endlich mal zeigen, dass er nicht nur Schurken glaubwürdig verkörpern kann, sondern auch Sympathieträger mit rauer Schale und weichem Kern. Taron Egerton stellt den etwas prolligen Underdog genauso überzeugend dar wie die Wandlung hin zu Harts Nachfolger. Am interessantesten fand ich Gazelle (Sofia Boutella), eine mehr als würdige Nachfolgerin von 007-Schurken wie Beißer und Oddjob, die ein Handicap in einen Vorteil verwandelt. Sie trägt Unterschenkelprothesen, allerdings solche, die mit rasiermesserscharfen Klingen ausgestattet sind. Was sie damit anrichtet, muss man einfach gesehen haben, um es zu glauben.

Selbst mit seinem gerüttelt Maß an Selbstironie hat der Film bei mir allerdings ein leicht mulmiges Gefühl hervorgerufen. Schließlich unterliegt die Organisation "Kingsman" keinerlei Aufsicht und agiert ohne jegliche Legitimation, sogar im Ausland. Das sind einfach nur irgendwelche Superreichen, die Selbstjustiz verüben und deren Oberhaupt sich prompt genauso korrumpieren lässt wie zahlreiche Mächtige in aller Welt. Nach und nach mag sich herausstellen, dass manches gar nicht so schlimm war wie gedacht, zum Beispiel die Sache mit dem Hund, den die Absolventen erschießen sollen. Das war nur ein Loyalitätstest, aber dadurch wird es nicht besser. Die Organisation wird insgesamt als zu positiv, ihre Vorgehensweise als zu wünschenswert hingestellt. Zumindest hätte ich an Eggsys Stelle gesagt, dass ich mit Leuten, die blinden Gehorsam fordern, nichts zu tun haben will.


Extras

Die Filmdokumentation ist wirklich sehenswert. Sie ermöglicht aufschlussreiche Blicke hinter die Kulissen und auf verschiedene Requisiten, zum Beispiel Gazelles Prothesen, diverse Waffen (viele, sogar der Rapier-Raketenwerfer, sind echt!) und auf die wirklich aus der Londoner Savile Row stammenden typisch britischen Maßanzüge. Es wurde sogar in einer echten Schneiderei in dieser legendären Straße gedreht. Colin Firth erklärt, dass das Training für die von ihm selbst zu absolvierenden Stunts und die entsprechenden Dreharbeiten für ihn etwas völlig Neues waren. Das kann ich mir vorstellen, denn irgendwie habe ich den Schauspieler bisher immer mit Filmen wie "Bridget Jones" assoziiert, mit Actionfilmen eher nicht! Es wird erwähnt, dass 40 Minuten fertig produzierten Materials aus dem Film herausgeschnitten worden sind. Schade, dass sie nicht als Deleted Scenes zum Bonusmaterial gepackt wurden!

Besonders interessant fand ich den Teil der Doku, der sich mit den Graphic Novels befasst, welche der Verfilmung zugrunde liegen. Von der Existenz dieser Comics hatte ich bis dato keine Ahnung. Autor Mark Millar und Zeichner Dave Gibbons berichten, wie es zu ihrer Zusammenarbeit gekommen ist. Außerdem wird ausführlich auf die zahlreichen Unterschiede zwischen Film und Graphic Novels eingegangen. Zum Beispiel fehlt in letzteren der komplette geschichtliche Hintergrund der Geheimorganisation. Witzig: Im ersten Band der Comicserie wird Mark Hamill entführt und von einem Kingsman-Agenten befreit. Im Film wird diese Meta-Realität auf ein neues Level gehoben, indem der echte Mark Hamill eine andere Figur spielt, die nach dem Vorbild der Comic-Figur Mark Hamill erschaffen wurde ...


J. Kreis, 13.06.2018




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