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Kick-Ass Kick-Ass (USA/GB, 2010)

DVD Regionalcode 2, Universal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 112 Minuten

Extras
- Audiokommentar des Regisseurs
- It's on! The Comik Book Origin of Kick-Ass (20:37 Min.)

Regie:
Matthew Vaughn

Hauptdarsteller:
Aaron Johnson (Dave Lizewski - "Kick-Ass")
Chloe Moretz (Mindy Macready - "Hit Girl")
Nicolas Cage (Damon Macready - "Big Daddy")
Mark Strong (Frank D'Amico)
Christopher Mintz-Plasse (Chris D'Amico - "Red Mist")
Lyndsy Fonseca (Katie Deauxma)
Omari Hardwick (Marcus Williams)




Inhalt:

Comic-Fan Dave Lizewski, ein ganz normaler New Yorker Teenager ohne besondere Fähigkeiten und Talente, der von Mädchen nicht wahrgenommen und regelmäßig von Kleinkriminellen ausgeraubt wird, fragt sich eines Tages, warum eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen ist, zum Superhelden zu werden und das Verbrechen auf eigene Faust zu bekämpfen. Bisher hat er sich verhalten wie die meisten anderen Menschen, die anderen gern helfen möchten, aber nicht die nötige Zivilcourage aufbringen. Das soll sich jetzt ändern. Dave stellt sich aus einem grünen Neopren-Anzug mit Maske, braunen Stiefeln, zwei Schlagstöcken und einem Taser ein eigenes Superheldenkostüm zusammen, und geht in seinem Viertel auf Patrouille. Seine neue Identität trägt den Namen "Kick-Ass", aber zunächst ist er es, der ordentlich Prügel einsteckt. Die zwei Typen, die er von einem Autodiebstahl abhalten will, zeigen sich von seinem Outfit wenig beeindruckt. Er wird niedergeschlagen, angestochen und von einem Auto überfahren. Seine zahlreichen Knochenbrüche werden im Krankenhaus mit Stahlplatten und -nägeln versorgt, so dass er bald fast ebenso viel Metall im Körper hat wie Wolverine. Außerdem bleiben einige Nervenenden geschädigt, wodurch er schmerzunempfindlich wird. Da er die Notärzte gebeten hat, nichts von dem Kostüm zu erwähnen, verbreitet sich in der Schule schnell das Gerücht, er sei nackt aufgefunden worden. Man hält ihn deshalb für schwul, was der einzige Grund dafür ist, dass sein Schulschwarm Katie Deauxma sich mit ihm anfreundet. Sie braucht nur jemanden zum Reden...

Nach seiner Genesung geht Dave wieder als Kick-Ass auf die Straße. Sein erster Job besteht zwar lediglich darin, eine entlaufene Katze wiederzufinden, doch dabei wird er Zeuge einer Gangschlägerei. Das Kräfteverhältnis beträgt 3:1, also greift Kick-Ass ein. Er kämpft zwar so unbeholfen, dass er wieder verprügelt wird, aber seine neuen "Superkräfte" haben ihm enorme Nehmerqualitäten verschafft. Er kann sich so lange verteidigen, bis es den Gangstern zuviel wird, so dass sie aufgeben und gehen. Das Ganze wird von Schaulustigen gefilmt und ins Internet geladen. Ein gewaltiger Medien-Hype bricht los, Kick-Ass ist bald in der ganzen Stadt bekannt. Es gibt alle denkbaren Merchandising-Produkte und Kick-Ass erhält mehr Fanmails auf dem eigens für ihn eingerichteten Internetkonto, als er beantworten kann. Dennoch hält Dave seine wahre Identität geheim und spielt gleichzeitig weiterhin den schwulen Freund für Katie. Er erhält bald die Gelegenheit, der Angebeteten zu helfen, denn sie wird von dem Drogendealer Rasul belästigt. Als Kick-Ass bei Rasul aufläuft und seinen Taser gegen den Dealer einsetzt, wird er von dessen Schlägern überwältigt und muss um sein Leben fürchten. Rettung naht von gänzlich unerwarteter Seite. Ein kleines Mädchen im Superheldenkostüm erscheint und metzelt die gesamte Gangsterschar mit diversen Hieb- und Stichwaffen nieder. So macht Dave die Bekanntschaft von "Hit Girl" und ihrem Vater "Big Daddy", der wie Batman gekleidet ist. Big Daddy verspricht Kick-Ass, ihm bei Bedarf zu helfen.

Dave hat keine Ahnung, wer die beiden wirklich sind: Ex-Polizist Damon Macready und dessen Tochter Mindy. Macready hatte sich seinerzeit geweigert, Bestechungsgelder vom Drogenbaron Frank D'Amico anzunehmen. Durch eine von D'Amico eingefädelte Intrige war Macready zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Seine schwangere Frau hatte Selbstmord begangen, doch Mindy hatte gerettet werden können. Sein ehemaliger Partner Marcus Williams hatte sich bis zu Macreadys Haftentlassung um das Kind gekümmert. Dann hatte Macready mit einem gnadenlosen Rachefeldzug gegen D'Amico begonnen, an dem auch Mindy teilnehmen sollte. Er hatte sie und sich selbst deshalb jahrelang im Kampf ausgebildet und sich mit einem umfangreichen Waffenarsenal eingedeckt. Das Ganze finanziert er nach wie vor mit den Millionen, die er im Kampf gegen D'Amicos Schergen erbeutet. D'Amico weiß zwar, dass jemand seine Geschäfte sabotiert (Rasul war einer seiner Leute), aber er nimmt irrtümlicherweise an, Kick-Ass stecke dahinter. Es gelingt ihm aber nicht, den "Superhelden" auszuschalten - er tötet stattdessen einen ahnungslosen Typen, der mit einem nachgemachten Kick-Ass-Kostüm durch die Stadt läuft. D'Amicos Sohn Chris hat eine andere Idee. Ein Superheld kann nur einem anderen Superhelden vertrauen, deshalb etabliert er sich selbst mit der Hilfe seines Vaters öffentlichkeitswirksam als neuer kostümierter Verbrecherjäger namens "Red Mist".

Dave fühlt sich geschmeichelt, einen Nachahmer gefunden zu haben, und trifft sich als Kick-Ass mit Red Mist, der behauptet, gern sein Partner werden zu wollen. In Wahrheit will er ihn in einen Hinterhalt locken. Der Plan scheint aufzugehen, aber wieder einmal greift Big Daddy ein und eliminiert sämtliche Gangster im Alleingang. Das wird diesmal jedoch durch eine versteckte Kamera gefilmt, so dass D'Amico jetzt weiß, wer sein wahrer Gegner ist. Die Sache wächst Dave über den Kopf. Er will seine Superheldenkarriere aufgeben und sagt Katie die Wahrheit. Zu seinem Glück hat sie sich bereits in ihn verliebt und ist deshalb sehr erfreut zu erfahren, dass er nicht schwul ist. Red Mist benutzt Kick-Ass, um an Big Daddy und Hit Girl heranzukommen, indem er behauptet, von der Mafia verfolgt zu werden. Kick-Ass sei angeblich als nächster an der Reihe. Erwartungsgemäß bittet Dave Big Daddy um Hilfe. Die Falle schnappt zu. Hit Girl wird scheinbar erschossen, Big Daddy und Kick-Ass werden eingesackt. Sie sollen live demaskiert und ermordet werden. Auf diese Weise will D'Amico anderen potentiellen Superhelden eine deutliche Warnung zukommen lassen. Doch Hit Girl war durch eine kugelsichere Weste geschützt. Sie schaltet die Gangster vor immer noch laufender Webcam aus, kann den Tod ihres Vaters aber nicht verhindern. Da Kick-Ass in ihrer Schuld steht, hilft er ihr bei der Vollendung ihrer Rache. Gemeinsam dringen sie in D'Amicos schwer bewachtes Penthouse ein. Nach hartem Kampf, bei dem ein mit Gatling-Guns bestücktes Jetpack eine wichtige Rolle spielt, sind nur noch vier Personen übrig. Während Kick-Ass mit D'Amicos immer noch als Red Mist verkleidetem Sohn kämpft, behält der Drogenbaron gegen Hit Girl die Oberhand. Kick-Ass rettet sie in letzter Sekunde.

Nach D'Amicos Tod hängen die beiden Superhelden ihre Kostüme an den Nagel. Mindy lebt nun wieder bei Williams und geht zum ersten Mal in ihrem Leben in eine richtige Schule. Dave ist endlich mit Katie zusammen. Er muss sich ohnehin nicht mehr als Superheld verkleiden, denn inzwischen gibt es mehr als genug Nachahmer. Sie werden es demnächst mit einem Superschurken zu tun bekommen: Red Mist lebt noch und will Rache für den Tod seines Vaters...

Der Film:

"Wait until they get a load of me" (die letzte, von Red Mist gesprochene Textzeile in diesem Film) ist natürlich ein Zitat aus dem Mund des Jokers in Batman. Das ist nur eine von unzähligen Anspielungen auf Comics und deren Verfilmungen. Dazu zähle ich auch den Schauspieler Aaron Johnson, der sicher nicht zufällig eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Tobey Maguire in Spider-Man hat. Bei all diesen Anspielungen, Querverweisen, Insidergags usw. bleibt ein bisschen unklar, was "Kick-Ass" eigentlich ist. Eine Superhelden-Parodie? Eine Hommage? Oder ganz einfach nur ein weiterer Superheldenfilm?

"Kick-Ass" basiert auf einem gleichnamigen Comic und soll in einigen entscheidenden Punkten davon abweichen. Ich kann's nicht beurteilen, da ich nur den Film kenne. Satire bleibt der Film jedenfalls nur solange, wie es ausschließlich um Dave und seine Frage geht, die ich mir übrigens ebenfalls schon gestellt habe: Warum gibt es eigentlich keine Superhelden? Gut, in der Realität gibt's keine Einwanderer vom Planeten Krypton und es werden wahrscheinlich nur wenige Leute von radioaktiven bzw. genmanipulierten Spinnen gebissen. Aber Batman hat schließlich auch keine Superkräfte, sondern nur detektivisches Gespür und viel Geld für High-Tech-Spielzeug. Was hält die Leute also davon ab, eine Maske aufzusetzen und Verbrecher zu jagen? Ganz einfach: Sie würden sehr schnell selbst im Knast landen. Das allerdings wird im Film ignoriert; Kick-Ass kann ungehindert am hellichten Tage durch die Stadt wandern (OK, es war nur ein Nachahmer, aber trotzdem), die Polizei scheint sich nicht für diesen Kerl zu interessieren, von dem doch immerhin zu erwarten wird, dass er Selbstjustiz verüben wird.

Dennoch: Daves von ihm selbst per Voiceover-Kommentar erzählte Geschichte ist einfach köstlich. Man kann sich sehr gut in diesem Typen wiedererkennen, der viel zu normal ist, als dass er irgendwie positiv oder negativ auffallen würde. Als Möchtegern-Superheld wird er erwartungsgemäß zunächst einmal furchtbar vermöbelt. Es reicht halt einfach nicht, die Gangster mit einem coolen Spruch einzuschüchtern, wenn man nicht mit übermenschlichen Kräften gesegnet ist. Sein zweiter Versuch verläuft nur wenig besser. Die bösen Buben geben nur auf, weil sie erkennen, dass sich der Typ im grünen Anzug für das Opfer sogar töten lassen würde, und so weit wollen sie nicht gehen. Bis hierhin bleibt der Film also auf dem Boden der Tatsachen und funktioniert wunderbar als Parodie diverser allseits bekannter Superhelden-Entstehungsgeschichten. Ironische Seitenhiebe auf unsere Gesellschaft runden das Ganze ab: Schaulustige filmen eine Prügelei und denken gar nicht daran, selbst zu helfen, schon Minuten später findet man den Film auf Youtube. Dave ist die grotesk übertriebene Version eines Angebers, der sich in Foren, sozialen Netzwerken und dergleichen in einer Weise darstellt, die nichts mit der Realität zu tun hat. Sein Geltungswahn kann mit der Ignoranz all jener verglichen werden, die scharenweise in Castingshows strömen und mit einer Selbstüberschätzung gesegnet sind, die in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrem Talent steht.

Dann haben Hit Girl und Big Daddy ihren Auftritt. Prompt beginnt der Film zu kippen und schlägt eine ganz andere Marschrichtung ein. Jetzt wird jegliche Ironie beiseite gelassen. Der Film mutiert zum Superhelden-Epos mit unwahrscheinlichen Kampfkünsten und äußerster Brutalität, der nur noch Spaß machen kann, wenn man die Irrealität des Ganzen akzeptiert. Natürlich ist Hit Girl die Show in Dosen. Man kann gar nicht glauben, was die elfjährige Schauspielerin da veranstaltet! Es wirkt fast, als hätte man Milla Jovovich oder einen anderen weiblichen Actionstar auf die Größe eines Kindes geschrumpft. Die Kleine veräppelt ihren Vater, indem sie sich ein Hündchen und eine Puppe mit echtem Haar zum Geburtstag wünscht. Big Daddy stutzt, aber dann verrät sie grinsend, dass sie natürlich viel lieber ein Butterfly-Messer haben möchte. Big Daddy fragt immer wieder Namen und Daten verschiedener Waffen ab - so wie ein normaler Vater vielleicht Vokabeln mit seinem Kind pauken würde. Tja, und dieses schmächtige kleine Mädchen wirbelt durch Razuls Wohnung, spießt und schlitzt die Gangster auf, dass das Blut nur so spritzt und die Körperteile nur so durch die Gegend fliegen. Später sorgt sie dafür, dass ein Gangster in einer Schrottpresse zerquetscht wird. Alles ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, immer mit einem lässigen Oneliner auf den Lippen und untermalt mit fetziger Musik. Ein kleines Kind metzelt Menschen nieder? So etwas hat man (ich jedenfalls) noch nicht gesehen. Eine bewusste Provokation? Mag sein, aber sie verfehlt ihre Wirkung nicht. Außen vor bleibt dabei, was Big Daddy der Psyche seiner Tochter angetan haben mag. Das fällt völlig unter den Tisch. Für Mindy scheint alles ein bizarres Spiel zu sein. Die Gewalt wird cool und in der üblichen Zeitlupen-Ästhetik dargestellt - und zwar so explizit, dass ich mich, wie so oft in letzter Zeit, über die FSK-16-Freigabe nur wundern kann. Ich habe grundsätzlich kein Problem mit Gewalt im Film. Ein ungutes Gefühl verbleibt aber doch. Vielleicht wegen des realistischen Ansatzes, der in der Anfangsphase gewählt wurde. Vor allem aber, weil Hit Girl und Big Daddy, zwei offensichtlich psychisch schwer gestörte Massenmörder, unreflektiert als positive Helden charakterisiert werden.

Das alles wollte ich nur gesagt haben, damit ich zugeben kann, dass ich den Film trotzdem extrem spaßig finde.

DVD-Features:

Die Featurette "It's on! The Comik Book Origin of Kick-Ass" beschäftigt sich nicht mit dem Film, sondern mit dem zugrunde liegenden Comic. Autor Mark Millar erzählt, dass die Geschichte teilweise autobiografisch ist. Er und seine Freunde hatten als Kinder "Superheld" als Berufswunsch. Die Zeichner John Romita, Dean White und Tom Palmer erklären und zeigen ihre Arbeitsweise. Man sieht viele Seiten und einzelne Panels aus der Comic-Miniserie.



Screenshots


Kick-Ass

Superheld rettet Katze. Ehrenwert, aber entwürdigend.


Kick-Ass

"Ich bin Hit Girl!"


Kick-Ass

Superhelden in ihrem natürlichen Lebensraum: dem Kinderzimmer.


Kick-Ass

Red Mist hat zwar kein Gewissen, aber Stil.


Kick-Ass

"Was, du bist nicht schwul? Hmmm..."


Kick-Ass

Wenn man keine Superkräfte hat, muss man sich eben mit Hardware behelfen...


J. Kreis, 19.09.2010







Gastkommentare


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Gastkommentar von Günther Drach (24.09.2010):

Nun, ich kenn jetzt den Film nicht, aber den Comic.
Und das erscheint mir in einigen Details noch schwärzer zu sein.
Ein paar Unterschiede, die mir auffallen:
-- Big Daddy war kein Polizist, nur ein Angestellter einer Kreditkartenfirma ("i wasn't a cop. i was a number cruncher for a credit company and married to a wife who fucking hated him, are you satisfied? -- i hated my friends and i hated my life so i ran away, with my baby girl and built myself a new one. i'm a fanboy, dave. just like you. mindy died having no idea, but i'm just another asshole."). Finanziert hat er die Aktivitäten von Big Daddy und Hit-Girl durch den Verkauf seiner Comic-Sammlung auf Ebay.
-- Dave kriegt das Mädchen nicht. Katie dreht durch, als sie erfährt, dass er doch nicht schwul ist. ("by the time i got home, i had fifteen abusive texts from katie's friends and a photo on my phone of her sucking carl's dick. i'd never felt so low in my life and i'm ashamed to admit i whacked off at that picture while crying some nights") -- Nun ja, wohl kein für Hollywood akzeptables Ende.

P.S.
Mark Millar hat übrigends auch die Vorlage für "Wanted" geschrieben. Während der Film von einer obskure Geheimgesellschaft handelt, ist der Comic aber wiederum im Superheldenmilieu angesiedelt, bzw. in einer Welt, in der die Superschurken gewannen und nun im Geheimen regieren. Meiner Meinung nach funktioniert dieser rabenschwarze Comic mit dieser Prämisse erheblich besser als der Film.
Seine letzte Comic-Miniserie ("Nemesis" -- was wäre, wenn Batman ein Schurke wäre?), drei Hefte sind bisher draussen, hat Millar auch schon an Hollywood verkauft. Wie "Wanted" und "Kick-Ass" extrem brutal. Ach ja, und an "Kick-Ass 2" arbeitet Millar natürlich bereits.


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