Kedi


Kedi: Von Katzen und Menschen - Special Edition (Türkei, 2016)
- Kedi -

DVD Regionalcode 2, Weltkino Filmverleih
Altersfreigabe: FSK 0
Laufzeit: ca. 76 Minuten

Extras:
- Featurette "Making of Kedi" (7:24 Min.)
- Zusätzliche Szenen (26:05 Min.)
- Trailer

Regie:
Ceyda Torun




Inhalt

"Kedi" ist das türkische Wort für Katze. Im gleichnamigen Film stehen die Straßenkatzen von Istanbul im Mittelpunkt. Es ist kein Dokumentarfilm, zumindest nicht im Sinne eines belehrend-trockenen Referats über Lebensweise und Lebensraum der Tiere. Eher könnte man "Kedi" als poetische Liebeserklärung an eine faszinierende Stadt und ihre charmantesten Bewohner verstehen. Der Film kommt ganz ohne erklärenden Voice-Over-Kommentar aus. Zu Wort kommen ausschließlich jene zweibeinigen Bewohner Istanbuls, die das Privileg haben, neben den Straßenkatzen zu leben, sie streicheln und füttern zu dürfen. Von "Besitzern" oder "Herrchen" kann nicht die Rede sein, denn diese Tiere gehören niemandem. Die Katzen leben wild und frei in den Straßen und Gassen der Stadt, verstecken sich in verlassenen Ecken, machen es sich auf Markisen gemütlich, pirschen über die Dächer und statten den Menschen lediglich dann Besuche ab, wenn sie Hunger haben oder kuschelbedürftig sind. Sie holen sich, was sie brauchen und verschwinden wieder. Eine Gegenleistung darf man nicht erwarten.



Kedi

Trotzdem (oder gerade deswegen) sind die unabhängigen Streuner für die in ihrem Revier lebenden Menschen wichtig. Manche Zweibeiner freuen sich einfach nur, wenn "ihre" Katze auf dem täglichen Patrouillengang vorbeikommt, andere haben ihren Tagesablauf auf die Versorgung ganzer Katzenfamilien eingestellt. Die Samtpfoten gehören ganz selbstverständlich zur Nachbarschaft und bereichern diese. Sie haben ihren Weg in die Werke der Künstlerin Elif Nursad Atalay und des Comiczeichners Bülent Üstün gefunden, inspirieren die Autorin Mine Sögüt und haben das Leben vieler anderer Stadtbewohner beeinflusst. All diese Menschen erzählen von sich, den ganz verschiedenen Charaktereigenschaften der Katzen in ihrer Umgebung und dem gemeinsamen Leben in Istanbul. Eines ist allen gemeinsam: Das Lächeln, welches ihnen in der Gegenwart der schnurrenden Fellnasen ebenso wenig vom Gesicht weichen will wie mir beim Anschauen dieses wundervollen Films!



Kedi

"Kedi" ist ebenso sehr ein Film über Istanbul wie über die Straßenkatzen. Man erlebt die Stadt zumindest teilweise aus Katzenperspektive, denn immer wieder folgt die Kamera den Tieren auf Augenhöhe. Hinzu kommen großartige Luftaufnahmen. Der Film beginnt mit dem Streifzug einer Katzenmutter, die ihre Kleinen in einem Treppenhaus großzieht, trickreich Futter für sie beschafft und sich gelegentlich auf einem Hocker in einem kleinen Laden ausruht. Im weiteren Verlauf begegnet man sechs weiteren Katzen und lernt Istanbul aus ihrem Blickwinkel kennen. Der Film fängt die unterschiedlichen Katzenpersönlichkeiten ganz hervorragend ein. Sie sind natürlich die Stars des Films und man müsste schon ein ausgesprochener Katzenhasser sein, um das nicht gut zu finden. In "Kedi" herrscht eine ganz besondere (ich möchte fast sagen: kätzische) Atmosphäre, und zwar nicht zuletzt aufgrund des schönen, eigens komponierten und mit älteren Stücken türkischer Popmusik angereicherten Soundtracks.



Kedi

So berührend und bezaubernd "Kedi" auch ist, bleibt bei mir trotz aller Begeisterung ein leicht bitterer Nachgeschmack. Offensichtlich vermehren sich die Straßenkatzen in Istanbul völlig unkontrolliert. Das kann nicht gut sein. Wie auch immer - "Kedi" ist für mich der schönste Film seit vielen Jahren, und das nicht nur, weil ich Katzen liebe.


Extras

In den zusätzlichen bzw. erweiterten Szenen bekommt man noch mehr wunderhübsche Katzen zu sehen und es wird etwas mehr über das Zusammenleben von Mensch und Katze berichtet. Im leider recht kurzen "Making of" erzählen Regisseurin Ceyda Torun und Kameramann Charlie Wuppermann (beide im Katzenkostüm), mit welchen Schwierigkeiten die Dreharbeiten verbunden waren. Zunächst einmal musste zur Rückenschonung eine spezielle Vorrichtung für die Kamera konstruiert werden. Dann wollten die vierbeinigen Hauptdarsteller ständig mit dem Filmteam schmusen oder sich an der Kamera schubbern. Kaum hatte man alles vorbereitet, fingen die zuvor in pittoresken Posen verharrenden Katzen an, sich ausgiebig zu putzen. Köstlich!


J. Kreis, 20.02.2018




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