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Kampfstern Galactica Kampfstern Galactica (USA, 2003)
DVD - Regionalcode 2, Universal
FSK: 12
Laufzeit: ca. 196 Minuten

Extras
Featurette: "Battlestar Galactica - The Lowdown"

Regie:
Michael Rymer

Hauptdarsteller:
Edward James Olmos (Commander William Adama - "Husker")
Jamie Bamber (Captain Lee Adama - "Apollo")
Katee Sackoff (Lt. Kara Thrace - "Starbuck")
Mary McDonnell (Präsidentin Laura Roslin)
James Callis (Dr. Gaius Baltar)
Tricia Helfer (Nummer 6)
Michael Hogan (Colonel Saul Tigh)
Grace Park (Lt. Sharon Valerii - "Boomer")




Inhalt:

Der Krieg gegen die von den Menschen erschaffenen Roboter, die Zylonen, ist seit 40 Jahren vorbei. Die Menschen leben in Frieden auf 12 planetaren Kolonien. Von den Zylonen hat man seit Kriegsende nichts mehr gehört, obwohl jährlich ein Botschafter der Menschen zu einer Raumstation entsandt wird, die als Begegnungsstätte für beide Zivilisationen dienen sollte. Die Menschen verfügen zwar noch über eine Raumflotte, doch ältere Schiffe wie der ganz auf störungs-unempfindliche Alttechnik ausgelegte Kampfstern GALACTICA (eine Art Flugzeugträger für den Weltraum) werden allmählich ausrangiert. Die GALACTICA selbst soll zu einem Museumsschiff umfunktioniert werden. Doch insgeheim bereiten die Zylonen einen vernichtenden Schlag gegen die Menschen vor. Die Roboter haben sich selbst weiterentwickelt und zwölf verschiedene Modelle konstruiert, die äußerlich nicht von einem Menschen unterscheidbar sind. Nur durch eine mikroskopische Untersuchung können sie als Produkte eines synthetischen Herstellungsverfahrens identifiziert werden. Wird ein solcher Zylone "getötet", so transferiert sich sein Bewußtsein in einen neuen Körper.

Die humanoiden Zylonen sind also die perfekten Spione - zumal kein Mensch etwas von ihrer Existenz ahnt. Ein solcher Infiltrant, ein "weibliches" Modell mit Namen "Nummer 6", schmeichelt sich bei dem Wissenschaftler Dr. Gaius Baltar ein und bringt ihn dazu, ihr Zutritt zu den planetaren Verteidigungssystemen aller Kolonien zu verschaffen. Als dann eine zylonische Flotte angreift, wird fast die gesamte Verteidigung der Menschen problemlos beiseitegefegt. Die Zylonen können alle modernen, vernetzten Computersysteme praktisch abschalten - so wird auch der größte Teil der Flotte außer Gefecht gesetzt. Nur die GALACTICA, die noch nicht über Computernetzwerke verfügt, bleibt einsatzbereit, ihr Befehlshaber, Commander Adama, wird automatisch zum Chef der kümmerlichen Reste der menschlichen Streitkräfte. Während die Kolonien im atomaren Feuer vergehen, wird die GALACTICA schnell wieder kampffähig gemacht. Sie zieht sich vorläufig in die Sicherheit eines Energiesturms zurück, den die Zylonen nicht durchdringen können. Dort befindet sich auch eine Arsenalstation, wo die GALACTICA sich mit der dringend benötigten Munition versorgen kann und wo Adama von der Bedrohung durch die neuen humanoiden Zylonen erfährt.

Gleichzeitig schart die krebskranke Bildungsministerin Laura Roslin - das einzige Regierungsmitglied, das den Angriff der Zylonen überlebt hat und somit automatisch den Rang der Präsidentin erhält - verschiedene Zivilschiffe mit insgesamt ca. 50.000 Überlebenden um sich. Jeder, dem es irgendwie gelungen ist, der Vernichtung der Kolonien zu entgehen, schließt sich dem entstehenden Raumschiffskonvoi an und flieht mit diesem zur GALACTICA. Auf diese Weise rettet sich auch Dr. Baltar, der von Visionen gequält wird. Er sieht immer wieder "Nummer 6" vor sich, obwohl niemand da ist. "Nummer 6" erklärt ihm, sie stehe über einen Chip mit ihm in Verbindung, der in sein Gehirn implantiert worden sei. Präsidentin Roslin überzeugt Adama davon, daß eine Fortführung des Kampfs gegen die Zylonen sinnlos wäre. Wenn die Menschheit als Rasse überleben soll, müssen die Überlebenden in Sicherheit gebracht werden. Nach einem heftigen Kampf mit den Zylonen-Basisschiffen, die schon außerhalb des Energiesturms lauern, flieht die GALACTICA als letztes Schiff des Konvois in einen weit entfernten, unerforschten Bereich des Weltraums. Als Ziel des Konvois legt Adama die verlorene dreizehnte Kolonie fest - die Erde. Nur er und die Präsidentin wissen, daß die Erde lediglich ein Mythos ist. Eigentlich glauben beide nicht an die Existenz dieses sagenumwobenen Planeten, aber wo sollten die Menschen sonst Zuflucht finden? Die Zylonen machen sich natürlich umgehend an die Verfolgung des Konvois. Sie haben noch einen Trumpf in der Hinterhand, denn einer ihrer Infiltratoren befindet sich unerkannt auf der GALACTICA - in der Gestalt der Jägerpilotin "Boomer"...

Der Film:

Dies ist das Remake von Kampfstern Galactica, einer der guten alten SF-Trash-Serien des vergangenen Jahrhunderts. Der Film ist knapp drei Stunden lang, da er aus den einzelnen Teilen einer Miniserie aus dem Jahr 2003 zusammengesetzt wurde, die quasi als Pilotfilm für eine 2004 gestartete TV-Serie gedient haben. In diesem Film wird die Handlung, die im Original nur als Ausgangspunkt für die Odyssee der GALACTICA diente und in ca. einer halben Stunde abgehandelt worden war, über drei Stunden gestreckt. Es geht also nur um die Vernichtung der Kolonien, das Sammeln der Überlebenden und der Flucht des von der GALACTICA angeführten Konvois vor den Zylonen, die die gesamte Menschheit vernichten wollen. Einerseits muß man zugeben, daß diese Zeit gut genutzt wird, um die Hauptpersonen einzuführen und ihnen die benötigte Tiefe zu verleihen. Man erfährt einiges über das gespannte Verhältnis zwischen "Apollo" und seinem Vater, Baltar erhält wesentlich mehr Profil, als sein "Vorbild" aus der alten Serie je hatte, und auch alle anderen Figuren - bis hinunter zu den einfachen Technikern - werden detailreich ausgearbeitet.

Auf der anderen Seite zieht sich das Ganze aber über weite Strecken wie Kaugummi, während man eigentlich nur darauf wartet, daß der Kampf zwischen Menschen und Zylonen endlich los- bzw. weitergeht. Wer angesichts der Länge des Films große Raumschlachten erwartet, dürfte enttäuscht sein. Bis kurz vor Schluß gibt es nur zwei bis drei kleinere Dogfights, erst am Ende gibt es eine richtig schöne Keilerei zwischen zwei Zylonen-Basisschiffen, der GALACTICA und den jeweiligen Jägerstaffeln. Dazwischen findet die Handlung hauptsächlich im Inneren von Raumschiffen statt, Szenen auf Planetenoberflächen sind leider rar. Außer Caprica-City bekommt man von den Kolonien fast nichts zu sehen, was auch dazu führt, daß man ihrem Schicksal eher gleichgültig gegenübersteht. Diese Dramaturgie ist aber auch wieder verständlich. Mit dem Pilotfilm soll der Grundstein für die weitere Serie gelegt werden, d.h. die Charakterzüge der Hauptfiguren müssen festgelegt, ihre Beziehungen untereinander müssen ausgearbeitet werden. Und das gelingt eigentlich recht gut, die Gefühle und Motivationen der "Helden" sind verständlich und glaubwürdig. Nur "Starbucks" Coolness und Ruppigkeit wirken ein bißchen übertrieben.

Welche Unterschiede zwischen der alten und der neuen Galactica-Serie gibt es eigentlich? Nun, "Starbuck" und "Boomer" sind Frauen, Colonel Tigh ist ein Weißer (und er scheint ein Alkoholproblem zu haben), Baltar ist gar nicht mal der zweidimensionale Bösewicht, als den wir ihn kennen, sondern einfach nur ein Egozentriker, der einen fatalen Fehler gemacht hat. Anstatt sich auf die Seite der Zylonen zu schlagen, versucht er die Leute von der GALACTICA zu unterstützen. Dann wären da natürlich noch die Zylonen. Der Kunstgriff, sie in menschlicher Gestalt auftreten zu lassen, tut dem Budget zwar gut und ist auch nicht neu, er macht die Zylonen aber gleichzeitig uninteressanter. Viel besser gelungen ist diesbezüglich das neue Roboter-Design, aber leider bekommt man die als solche erkennbaren Zylonen nur zweimal kurz zu sehen. Auch die Schiffe der Zylonen sehen anders aus als früher: Zwar noch mit geschwungenen Formen, aber gleichzeitig eleganter und bedrohlicher. Ansonsten finden sich viele Parallelen zu der alten Serie. Die Viper-Jäger und die GALACTICA selbst wurden zwar leicht modifiziert, ihre Grundform ist aber gleich geblieben. Kameraführung und perkussive Musikuntermalung tragen viel zur Dynamik der Kampfszenen bei. Man erhält den Eindruck, man sei mitten im Geschehen, es wurde sogar versucht, einige physikalische Gesetzmäßigkeiten zu beachten (die Viper-Jäger haben Steuerdüsen am Bug usw.). Die Raumschlachten sind zwar offensichtlich komplett am Computer entstanden, wirken aber ungemein "echt" - sie sind nur eben viel zu kurz!

Fans der alten Serie sollten sehr genau aufpassen, denn es finden sich immer wieder kleine und große Anspielungen: Manche Zivilschiffe aus dem Flüchtlingskonvoi sehen genau so aus wie die Schiffe aus der alten Serie, bei der Zeremonie zur Einweihung der GALACTICA als Museumsschiff erklingt die alte Eröffnungsmelodie...

In anderen Reviews habe ich gelesen, der Film sei eine einzige Ansammlung von US-amerikanischem Hurra-Patriotismus, ein "Durchhaltefilm" aus der "Bush-Ära". Dem mag so sein oder auch nicht, aber ähnliches könnte man praktisch allen SF-Filmen vorwerfen, in denen die Menschen von einer fremden Macht bedroht werden. Ich finde, man kann in so einen Film auch zuviel hineininterpretieren. Zumal die zugrunde liegende Geschichte ja nicht neu ist, sondern aus den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt.

Insgesamt kann ich sagen, daß mir der "realistische" militärische Look des hervorragend ausgestatteten Films, der ganz nach einem großen Budget aussieht, gut gefallen hat und daß ich auch von der Charakterzeichnung recht angetan war. Man hätte die Miniserie allerdings um mindestens eine Stunde kürzen und daraus einen erheblich gestraffteren Film destillieren müssen, dann wäre dieser wirklich gute Unterhaltung geworden.

Die DVD:

Die 20 Minuten lange Featurette "Battlestar Galactica - The Lowdown" besteht hauptsächlich aus Interviews mit den Schauspielern, dem Drehbuchschreiber und dem Regisseur, die leider wenig mehr als Eigenlob enthalten. Hinzu kommen die unvermeidlichen schnell geschnittenen Filmschnipsel. Echte Informationen zum Entstehungsprozeß usw. erhält man nicht.

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