Kleiner König Kalle Wirsch


Kleiner König Kalle Wirsch (BRD, 1970)

DVD Regionalcode 0, S.A.D. Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 0
Laufzeit: ca. 111 Minuten

Extras:
- 40 Jahre Augsburger Puppenkiste (55:52 Min.)
- Hinter den Kulissen (15:15 Min.)
- Rarität: Erdmännchen TV-Ansage 1970 (00:33 Min.)

Regie:
Manfred Jenning




Story

Folge 1: Die Verschwörung

Tief unter Erde leben die Erdmännchen, fröhliche kleine Wesen, die ihre Zeit mit Gesang und Tanz verbringen. Kalle Wirsch ist der König aller fünf Erdmännchenvölker. Zoppo, der böse Anführer der Trumpe, will Kalle entmachten. Dem Buch der Wahrheit zufolge kann nur derjenige König werden, der den amtierenden Herrscher im Zweikampf besiegt. Gegen den mächtigen Kalle könnte der feige Zoppo im Duell nicht bestehen. Doch die Ratte, der Zoppo das Amt des Ministers versprochen hat, weiß Rat. Im Buch der Wahrheit steht, dass der König seines Amtes enthoben wird, falls er nach einer Herausforderung nicht rechtzeitig zum Kampf in der Erdmännchenfestung erscheinen sollte. Nachdem der Kampf angekündigt wurde, nehmen Zoppos Schergen Querro und Quarro den König mittels eines von der ebenfalls auf Zoppos Seite stehenden Spinne gefertigten Netzes gefangen. Kalle wird zur Erdoberfläche gebracht und auf Anraten der Ratte in den Kamin eines Menschenhauses geworfen. In dem Haus wohnt ein Töpfermeister, der Gartenzwerge herstellt. Der Mann hält Kalle, der beim Sturz das Bewusstsein verloren hat, für ein missglücktes Machwerk seines Lehrlings. Er umhüllt Kalle mit Ton und formt einen schönen Gartenzwerg daraus, der umgehend gebrannt wird, so dass sich Kalle nicht selbst befreien kann. Jenny und Max kaufen den Gartenzwerg. Die Kinder wundern sich sehr, als der wieder zur Besinnung gekommene Kalle zu sprechen beginnt. Flugs wird die Tonhülle zerschlagen, heraus kommt der höchstens in seiner Würde gekränkte, ansonsten aber unversehrte Erdmännchenkönig. Kalle weiß, dass er schleunigst zur Erdmännchenfestung kommen muss. Jenny und Max möchten ihn begleiten. Da er Hilfe gut gebrauchen kann, verdoppelt Kalle die Kinder, so dass ihre Abwesenheit nicht auffallen wird. Anschließend werden die Menschen mittels der Raxel-Wurzel verkleinert, damit sie das Erdmännchenreich betreten können.



Kleiner König Kalle Wirsch

(Bild 1: Kalle Wirsch)


Folge 2: In Gefahr

Kalle führt Jenny und Max zur Schattenquelle, an der sich die von den Menschen an der Erdoberfläche geworfenen Schatten versammeln, wenn sie nicht gebraucht werden. Die Kinder baden ihre Augen im Wasser der Quelle und können danach ebenso gut im Dunkeln sehen wie die Erdmännchen. Die Reise geht weiter zu Kohlen-Juke, der den Gefährten seine Lore überlässt, nachdem sie ihm geholfen haben, das letzte von zwanzig mit "so" beginnenden Wörtern zu finden, die er für eine Kurzgeschichte braucht. Max schenkt Juke außerdem seine Mundharmonika. Als sich Juke wenig später am Eingang zum Erdmännchenreich mit dem Igel Otto unterhält, dem die schräge Mundharmonikamusik zu modern ist, stößt ein längst erloschener Vulkan Qualmwolken aus. Juke meint, dass Zoppo daran gedreht hat. Die Spinne setzt Zoppo darüber in Kenntnis, dass Kalle befreit wurde. Nun muss unbedingt verhindert werden, dass der König die Erdmännchenfestung erreicht. Zoppo besticht den blinden Fährmann am See der Finsternis, damit dieser Kalle ertränkt. Doch daraus wird nichts, denn Kalle wird gewarnt. Die mit ihm befreundete Fledermaus Tutulla hat Zoppo belauscht und ein Warnzeichen für Kalle hinterlassen. Kalle verheimlicht dem blinden Fährmann die Anwesenheit der kleingeraxelten Menschenkinder. Als der Fährmann handgreiflich werden will, nehmen Jenny und Max die Wurzeln aus dem Mund, woraufhin sie sofort ihre normale Größe erhalten. Somit können sie den Fährmann problemlos überwältigen. Dieser gesteht alles und bittet um Gnade, die ihm von Kalle gewährt wird. Zoppo und seine Spießgesellen sind wegen des Misserfolgs außer sich vor Zorn. Nun müssen sie eine neue Falle vorbereiten.



Kleiner König Kalle Wirsch

(Bild 2: Max und Jenny)


Folge 3: Die Falle

Tutulla warnt Kalle mittels Graffiti vor den Echokugeln, doch die Ratte löscht die Inschriften wieder aus. Um überhaupt weiterreisen zu können, muss sich Kalle beim Wächter des Rubinberges legitimieren. Der Wächter legt den König und sein angebliches Gefolge aus Misstrauen in Ketten. Da Kalle als Eingeweihter die richtigen Antworten auf drei Rätselfragen kennt, öffnet der Wächter den Eingang zum Rubinberg doch noch. Max wird von den anderen getrennt und von den Echokugeln in die Irre geführt. Tutulla eilt ihm zu Hilfe. Sie lässt sich vom Geplapper der Echokugeln nicht verwirren; als Fledermaus reagiert sie schließlich nur auf Ultraschall. Sie verjagt die Kugeln und führt Max zu seinen Freunden. Auf Anraten der Ratte bauen Querro und Quarro eine Falltür über dem Schlot der Vulkaniden. Sollte Kalle dort hineinstürzen, wird das die Vulkaniden derart verärgen, dass es zu einem Vulkanausbruch kommen wird. Auf diese Weise soll Kalle zur Erdoberfläche befördert werden. Zoppos Schergen können sich Zeit lassen, denn wegen eines vom schon unruhig gewordenen Vulkan ausgelösten Erdbebens müssen Kalle und seine Begleiter einen Umweg machen. Allerdings fallen Querro und Quarro in die eigene Falle, erleiden somit das Kalle zugedachte Schicksal und werden aus dem Vulkankegel geschleudert. Sie fallen Juke in die Hände und müssen später für ihn schuften. Aber noch ist die Ratte nicht mit ihrem Latein am Ende. Sie dreht einfach den an den heißen Quellen aufgestellten Wegweiser in eine andere Richtung. Kalle soll sich in den von den Quellen ausgestoßenen Dampfwolken verirren.



Kleiner König Kalle Wirsch

(Bild 4: Tutulla)


Folge 4: Der Zweikampf

Kalle, Jenny und Max schlagen den falschen Weg ein und betreten einen Stollen, dessen Eingang anschließend von Zoppo und der Ratte durch Gesteinstrümmer versperrt wird. Der Stollen hat nur einen Ausgang, und der führt zur Höhle des Murrumesch. Dieses drachenähnliche Wesen ist der größte Feind der Erdmännchen. Vor einiger Zeit hat er den Uranstein gestohlen. Diesen Stein, den Kalle tausend Jahre lang gehütet hat und mit dem tödliche Strahlen verschossen werden können, trägt Murrumesch jetzt auf der Stirn. Mit Jennys Handspiegel kann Kalle die Uransteinstrahlen zum Ausgangspunkt zurücklenken. Somit grillt sich Murrumesch selbst, als er Kalle angreift. Kalle erleidet nur eine leichte Handverletzung. Er nimmt den Stein an sich und schneidet mit den Strahlen eine Öffnung in die Felswand. Um rechtzeitig zur Erdmännchenfestung zu gelangen, müssen Kalle und seine Begleiter die Lava durchqueren. Zu diesem Zweck nehmen sie die Dienste des Feuerwurms in Anspruch. Zoppo behauptet, Kalle habe sich mit den Menschen gegen die Erdmännchen verbündet. Tutulla wurde gefangen genommen und soll Kalles angebliche Untaten bestätigen. Doch Zoppo freut sich zu früh. Kalle trifft ein und stellt sich der Herausforderung. Die Ratte setzt sich unbemerkt ab. Der Zweikampf beginnt. Er geht über drei Runden. In der ersten, bei der ein Loch in eine Granitplatte geschlagen werden muss, unterliegt Kalle wegen der Handverletzung. Bei der zweiten Aufgabe muss ein Kristall zum Wachsen gebracht werden. Hier gewinnt Kalle mit Abstand. In der letzten Aufgabe versuchen die Kontrahenten einander zum Schrumpfen zu bringen. Zoppos Attacke bleibt wirkungslos. Kalle ist stärker, Zoppo schrumpft. Somit bleibt Kalle König. Er bringt Jenny und Max nach Hause zurück und verschwindet. Die Kinder entraxeln sich. Ihre Doppelgänger lösen sich in Nichts auf.



Kleiner König Kalle Wirsch

(Bild 3: Zoppo Trump inmitten seiner Schergen)


Kringels Meinung

Ach, die Fernsehproduktionen der Augsburger Puppenkiste ... damit verbinde ich ganz frühe Erinnerungen. Diese Serien haben mich durch die ganze Kindheit begleitet und waren sicherlich nicht unmaßgeblich an der Prägung meiner Phantasie beteiligt. Ich glaube aber nicht, dass ich "Kleiner König Kalle Wirsch" bei der Erstausstrahlung im Jahre 1970 gesehen habe. Da wäre ich erst drei Jahre alt gewesen. Durfte ich in diesem zarten Alter überhaupt schon fernsehen? Das ließ sich jetzt nicht mehr klären. Jedenfalls habe ich seit Jahrzehnten das von Zoppo und seinen Schergen gesungene Lied von der Falle, die sie dem kleinen Kalle legen wollen und aus der sie ihn nicht mehr rauslassen wollen, im Kopf. Das ist noch so ein Phänomen: Die Augsburger Puppenkiste hat nicht nur unvergessliche Figuren wie Kalle Wirsch, Jim Knopf, das Urmel und so weiter in unsere Wohnstuben gebracht, sondern auch echte Ohrwürmer erschaffen. Auch die Raxel-Wurzel, den Zweikampf ("Du sollst schrrrrrrumpfen!"), den unheimlichen blinden Fährmann, den steinernen Wächter des Rubinberges, die stets fies kichernde Spinne und andere Details habe ich nie vergessen. Die DVD anzuschauen ist somit für mich ein purer Nostalgie-Trip. Wenn ihr wie ich mit den Geschichten der Augsburger Puppenkiste aufgewachsen seid, wird es euch sicher genauso gehen.

Wenn ihr "Kleiner König Kalle Wirsch" noch nicht kennt, werdet ihr euch vermutlich fragen, was daran so toll sein soll. Kalle Wirschs Abenteuer mögen in obiger Zusammenfassung nach einer epischen Heldenfahrt klingen, werden aber sehr schnell abgehandelt. Das Ganze wird mit Gesang und Tanz der Erdmännchen ganz schön gestreckt. Der pseudo-schweizerdeutsche Dialekt Tutullas (die Fledermaus tritt auch als Erzählerin auf) klingt furchtbar und mit einem Abstand von ca. vierzig Jahren muss ich mich wundern, mit welch einfachen Mitteln wir Kinder seinerzeit zufrieden gestellt werden konnten. Allein schon die umfallenden bemalten Papptafeln, die für den Vorspann verwendet wurden ... Natürlich macht gerade diese Einfachheit den besonderen Charme der Puppenkiste aus, aber bei so manchem Spezialeffekt musste ich doch schmunzeln. Wenn zum Beispiel Murrumeschs Todesstrahl reflektiert wird, sieht man ganz genau, dass da Wunderkerzen zum Einsatz gekommen sind!


DVD-Features

Die DVD enthält einen ordentlichen Batzen Bonusmaterial. In einer Retrospektive aus dem Jahre 1994 sind Interviews mit zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern enthalten. So erzählt Max Kruse, literarischer Urmelvater, wie er auf die Idee zu seiner bekanntesten Schöpfung gekommen ist. Seniorchef Hanns-J. Marschall, Klaus Marschall (Theaterleiter seit den Neunzigerjahren), Kameramann Horst Thürling, Regisseur Harald Schäfer, Produzent Josef Göhlen, Bühnenbildnerin Traudel Vogler und viele andere kommen zu Wort. Außerdem sieht man mal, welche Gesichter zu den bekannten Stimmen gehören, zum Beispiel Herbert Meyer (Kalle Wirsch) und Margot Schellmann (Tutulla und die Spinne). Eine Voiceover-Kommentatorin erzählt die Geschichte der Puppenkiste und es werden viele recht lange Ausschnitte gezeigt, wobei nicht nur Eigenproduktionen der Puppenkiste berücksichtigt wurden, sondern auch andere Sendungen, an denen die Puppenkiste beteiligt war. Hinzu kommen Archivbilder und Ausschnitte unter anderem aus Sendungen über die Puppenkiste, die im Jahre 1964 und 1988 entstanden sind. Hier sind dann die Oehmichens und Manfred Jenning zu sehen, Ausschnitte von den Dreharbeiten zu "Die Wetterorgel" werden gezeigt. Der komplette Urmel-Rock-Videoclip schließt die Doku ab.

Auch "Hinter den Kulissen" aus dem Jahre 2005 beschäftigt sich mit der Geschichte der Puppenkiste. Kasperl und der Intendant Klaus Marschall führen durch das Gebäude, eine Erzählerin stellt das Puppenlager und das Museum vor. Marschall berichtet, wie alles begonnen hat, dazu wird historisches Bildmaterial gezeigt. In dieser Kurzdoku sind Ausschnitte aus einer aktuellen Aufführung im Theater enthalten, so dass man sehen kann, wie die Puppenspieler arbeiten. Interessant: Die Stimmen der Figuren kommen vom Tonband und sind somit immer noch dieselben wie vor Jahrzehnten!


J. Kreis, 03.09.2015




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme