Jupiter Ascending


Jupiter Ascending (USA/GB/Australien, 2014)

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 127 Minuten

Extras:
- Jupiter Jones und ihre Bestimmung (6:56 Min.)
- Caine Wise: Ein Krieger zwischen den Welten (5:18 Min.)
- Die Wachowskis: Die Macht des Geistes über die Materie (7:25 Min.)
- Welten über Welten (9:36 Min.)
- Modifizierte Gene (10:25 Min.)
- Die Weiterführung der "Bullet Time" (9:35 Min.)
- Von der Erde zum Jupiter (und überall dazwischen) (9:34 Min.)

Regie:
Andy Wachowski, Lana Wachowski

Hauptdarsteller:
Mila Kunis (Jupiter Jones)
Channing Tatum (Caine Wise)
Eddie Redmayne (Balem Abrasax)
Douglas Booth (Titus Abrasax)
Tuppence Middleton (Kalique Abrasax)
Sean Bean (Stinger Apini)




Story

Die Menschheit hat sich nicht auf der Erde entwickelt, sondern auf einem weit entfernten Planeten, und zwar schon vor einer Milliarde Jahren. Die Menschen haben unzählige Planeten besiedelt und sich durch Genmanipulation an die verschiedenen Lebensbedingungen angepasst. Auch ist es ihnen gelungen, Alter und Tod zu besiegen. Ein Serum wurde entwickelt, unter dessen Einwirkung gealterte Körperzellen durch neue ersetzt werden. Durch ein Bad in dieser Flüssigkeit verjüngt man sich innerhalb von Sekunden und erlangt somit eine Lebenserwartung, die sich nach Jahrzehntausenden bemisst. Eine von unermesslich reichen Adelsfamilien geleitete gigantische Industrie stellt die Versorgung der Privilegierten mit dieser Substanz sicher. Der mächtige Konzern Abrasax Industries produziert die reinste, wirkungsvollste und teuerste Variante des Elixiers, bekannt unter dem Produktnamen ReGenX-E. Das Serum wird aus menschlicher DNS gewonnen, Klone können hierfür nicht verwendet werden. Für einen Liter ReGenX-E müssen 100 Menschen sterben. Zu diesem Zweck werden ganze Planetenbevölkerungen gezüchtet, wobei menschliches Erbgut mit einheimischem Genmaterial vermischt wird, damit ein robuster Genpool entsteht. Überschreitet die Population die Tragfähigkeit des betreffenden Planeten, so wird dieser "abgeerntet". Mit anderen Worten: Die gesamte Bevölkerung wird getötet und in ReGenX-E umgewandelt. Die wertvollste Zuchtwelt im Besitz von Abrasax Industries ist die Erde. Sie wird zum Ende des 21. Jahrhunderts erntereif sein. Nach der Ermordung der Matriarchin des Hauses Abrasax entbrennt ein Machtkampf unter den Erben, den Geschwistern Balem, Titus und Kalique. Balem besitzt einen riesigen Industriekomplex, der unter den Wolkenschichten des Planeten Jupiter verborgen ist. Die Erde hält er für sein persönliches Eigentum.

Von alldem ahnen die Erdbewohner nichts. Zwar sind schon seit langer Zeit getarnte Außerirdische unter ihnen aktiv, doch selbst wenn jemand diese Wesen oder die Produkte ihrer unfassbar weit entwickelten Technologie zu Gesicht bekommen sollte, ist dies kein Problem. Das Erlebte wird dann kurzerhand aus dem Gedächtnis des Betreffenden gelöscht. So ergeht es auch der jungen Putzfrau Jupiter Jones, Tochter einer nach der Ermordung ihres Mannes durch Einbrecher illegal in die USA eingewanderten Russin. Jupiter träumt von einem neuen Leben und lässt sich von einem Verwandten dazu überreden, ihre Eizellen zu verkaufen. Sie meldet sich bei einer Klinik an, die der Familie Abrasax gehört. Die Ergebnisse der Voruntersuchung sorgen dort für Aufruhr, denn Jupiter ist eine Reinkarnation der Abrasax-Matriarchin; ihre Gene sind mit jenen der Verstorbenen absolut identisch. Würde sie ihre Herrschaftsansprüche geltend machen, wären Balem, Titus und Klique entmachtet und fast all ihres Reichtums beraubt. Unabhängig voneinander entsenden die Geschwister Jäger zur Erde. Balem will Jupiter tot sehen, Titus dagegen hat andere Pläne. Da sich Jupiter unter dem Namen einer Freundin für die Eizellenentnahme angemeldet hat, wird diese von Balems Jägern überfallen. Jupiter beobachtet den Vorfall und macht ein Handyfoto von den merkwürdigen Kreaturen. Die Jäger brechen die Aktion ab, denn Jupiters Freundin hat nicht die richtige Gensignatur. Das Gedächtnis beider Frauen wird gelöscht. Wenig später, als die Eientnahme ansteht, gerät Jupiter selbst in Lebensgefahr. In letzter Minute erscheint Caine Wise und rettet Jupiter. Er ist ein wegen Angriffs auf einen Würdenträger aus der Legion ausgeschlossener und seiner Flügelimplantate beraubter Skyjacker. Sein Erbgut wurde mit Wolfsgenen aufgewertet, so dass er zu einem exzellenten Jäger geworden ist. Er hat sich im Auftrag von Titus Abrasax auf Jupiters Spur gesetzt, verzichtet aber darauf, sie an seinen Auftraggeber auszuliefern.

Caine erklärt Jupiter, dass die Menschheit nicht allein im All ist. Die beiden werden von Balems Agenten gejagt. Caine bringt Jupiter zu seinem ehemaligen Vorgesetzten Stinger Apini, der die Verantwortung für Caines Verbrechen auf sich genommen hat und seit einer Strafversetzung mit seiner Tochter auf der Erde lebt. Kurz nachdem Stinger erkannt hat, wer Jupiter wirklich ist, greifen Balems Schergen an. Jupiter wird von den anderen getrennt und eingekreist. Doch zwei Jäger arbeiten in Wahrheit für Kalique. Sie töten die anderen und entführen Jupiter. Caine hängt sich an ihr Raumschiff, Stinger bleibt zurück. In Kaliques Palast erlebt Jupiter erstmals, in welch unvorstellbarem Luxus die Adligen leben, und sie sieht mit eigenen Augen, wie sich Kalique in einem ReGenX-E-Bad verjüngt. Von Kalique erfährt Jupiter, dass sie als wiedergeborene Matriarchin unter anderem Besitzanspruch auf die Erde erheben könnte. Die Adlige gibt sich freundlich und lässt Jupiter ungehindert ziehen, als Caine in den Palast eindringt. Er hat Verstärkung dabei: Die intergalaktische Polizeitruppe Aegis hat ein von Captain Diomika Tsing kommandiertes Raumschiff entsandt, um Jupiter zur Hauptwelt des Commonwealth zu bringen. Stinger ist ebenfalls an Bord. Am Ziel angelangt muss Jupiter einige bürokratische Hürden überwinden, um ihre Rechte als reinkarniertes Oberhaupt des Hauses Abrasax einzufordern. Sobald dies geschehen ist, wird sie von Stinger entführt. Er arbeitet für Titus, von dem er sich Hilfe für seine todkranke Tochter erhofft. Caine, in den sich Jupiter verliebt hat, landet in einer Kerkerzelle in Titus' Raumschiff. Balem war in der Zwischenzeit nicht untätig. Da er keinen Zugriff auf Jupiter hat, vergreift er sich an ihrer Familie. Jupiters Mutter und die Verwandten, bei denen die beiden in Chicago leben, werden zu Balems Basis gebracht.

Titus behandelt Jupiter mit ausgesuchter Höflichkeit. Er offenbart ihr, was es mit dem ReGenX-E wirklich auf sich hat und welches Schicksal der Erde droht - und zwar sehr bald, weil Balem den Planeten lieber verfrüht "abernten" würde, als ihn Jupiter zu überlassen. Titus erklärt, seine Mutter sei ermordet worden, weil sie die Bevölkerungen der Saatplaneten retten und die Produktion von ReGenX-E einstellen wollte. Angeblich verfolgt Titus dasselbe Ziel. Jupiter soll ihn heiraten, um ihm das zu ermöglichen. Obendrein erhält Jupiter eine Begnadigung für Caine, der somit wieder ein vollwertiger Skyjacker ist. In Wahrheit will sich Titus lediglich die Erde aneignen und Jupiter nach vollbrachter Tat beseitigen. Caine erfährt dies, kurz bevor Titus ihn aus einer Luftschleuse wirft. Caine überlebt und wird von Tsings Schiff aufgelesen. Mit Stingers Hilfe holt er Jupiter zurück, kurz bevor die Trauungszeremonie abgeschlossen werden kann. Jupiter möchte nur noch nach Hause, doch in der leeren Wohnung wartet ein Gesandter Balems auf sie. Sie soll auf alle Ansprüche verzichten, dann wird Balem sie und ihre Familie gehen lassen. Jupiter ist gezwungen, sich Balem allein zu stellen. Als ihr klar wird, dass er die Erde entvölkern wird, sobald sie die Verzichtserklärung mit ihrem königlichen Siegel abgezeichnet hat, vernichtet sie das Dokument. Balem ist drauf und dran, Jupiter persönlich zu töten, als Alarm gegeben wird. Es ist Caine gelungen, mit einem kleinen Raumjäger bis zur Raffinerie vorzudringen und diese so schwer zu beschädigen, dass sie von den gewaltigen Stürmen in der Atmosphäre des Planeten Jupiter verschlungen zu werden droht. Zur Evakuierung der Anlage werden alle Blockaden deaktiviert, so dass Tsings Schiff andocken und Jupiters Familie an Bord nehmen kann. Während sich Caine mit Balems Kämpfern herumschlägt, zeigt Jupiter dem Adligen, dass mit ihr nicht zu spaßen ist. Nachdem er zugegeben hat, seine eigene Mutter ermordet zu haben, stürzt er in den Tod. In letzter Sekunde können sich Caine und Jupiter an Tsings Schiff hängen, welches sich durch ein Transmitterportal in Sicherheit bringt.

Obwohl Jupiter rechtmäßige Besitzerin der Erde ist, kehrt sie in ihr altes Leben zurück. Die Erinnerungen ihrer Angehörigen wurden gelöscht. Jupiter muss sich erst darüber klar werden, was sie jetzt anfangen soll. In der Zwischenzeit vergnügt sie sich mit Caine, der nun wieder Flügelimplantate trägt.


Kringels Meinung

Erst letzte Woche habe ich im Kommentar zu Guardians of the Galaxy sinngemäß geschrieben, dass mich dieser Film nicht nur begeistert, sondern den Weg zu meinem Herzen gefunden hat, weil er im Gegensatz zu diversen seelenlosen Blockbustern selbst ein solches besitzt. Tja, und hier wäre dann das Gegenbeispiel! Dabei kann ich nicht einmal genau erklären, warum mich "Jupiter Ascending" weitestgehend kalt gelassen hat. Die Filme können durchaus miteinander verglichen werden, denn beide sind Space Operas, Weltraummärchen, wie man sie heutzutage nur noch selten im Kino zu sehen bekommt. Insoweit verdienen die Wachowskis durchaus Lob: Statt einen weiteren Film nach dem üblichen Strickmuster runterzunudeln, die x-te Comicverfilmung zum Beispiel, haben sie lieber eine eigene Geschichte entwickelt. Actionreich, bunt, vollgestopft mit fantastischen Ideen, bis ins kleinste Detail durchdacht, ausgestattet mit prächtigen Kosümen, spektakulären Spezialeffekten, bizarren Aliens bzw. genetisch veränderten Menschen, exotischen Schauplätzen und dergleichen sind beide Filme. "Guardians" kann darüber hinaus mit selbstironischem Humor, sehr viel naivem Charme und unverwechselbaren Helden aufwarten, die ich sofort ins Herz schließen konnte. Das hat mir in "Jupiter Ascending" gefehlt, hier dominiert die Action. Davon wird sehr viel geboten - eigentlich schon zu viel, denn nach den ganzen Verfolgungsjagden, Dogfights mit Raumjägern und Prügeleien haben sich bei mir deutliche Ermüdungserscheinungen bemerkbar gemacht. Aber das ist schon wieder Meckern auf hohem Niveau, denn was die Schauwerte angeht, kann "Jupiter Ascending" wirklich protzen. Was da an gigantischen Raumschiffen und -stationen aufgefahren wird, an Lasergewitter und netten Technik-Gimmicks wie den Flugstiefeln der Skyjacker, das kann sich wirklich sehen lassen.

Bei all diesen Sinnenreizen geht die im Grunde durchaus interessante Geschichte etwas unter. Jedenfalls wird auf die Gesellschaftsform des Commonwealth nur oberflächlich eingegangen und ständig werden irgendwelche Organisationen wie Aegis, Legion, Skyjacker usw. erwähnt, die weder besonders große Rollen spielen noch mit Hintergrundinfos unterfüttert werden. Was das Schicksal der Saatplaneten angeht, muss man sich mit einer kurzen Szene zu Beginn des Films begnügen, in der sich die drei Abrasax-Erben auf einer abgeernteten Welt treffen. Das Schicksal, welches der Erde droht, bleibt daher unbestimmt. Klar, man kann davon ausgehen, dass alle Menschen sterben müssen, aber ein Gefühl der Dringlichkeit, wenn es um die Rettung der Welt geht, entsteht nie. Natürlich muss man in einem Film nicht immer alles genau zeigen, ausformulieren und erklären, dennoch hatte ich den Eindruck, dass dieses SciFi-Universum nur als mehr oder weniger austauschbarer Hintergrund für bildgewaltige Action dient. Obendrein herrscht mit einer Ausnahme ein bierernster Ton vor. Mit der Ausnahme meine ich Jupiters Odyssee durch die Mühlen der Bürokratie auf der Commonwealth-Hauptwelt. Diese Szenen hätten wunderbar in einen Film mit völlig anderem Grundton gepasst, zum Beispiel Brazil. Ist es Zufall oder eine beabsichtigte Anspielung, dass jener Typ, von dem Jupiter das königliche Siegel erhält, ausgerechnet von Brazil-Regisseur Terry Gilliam gespielt wird? Wie dem auch sei: In "Jupiter Ascending" wirken diese Szenen wie Fremdkörper.

Der größte Mangel sind die Hauptdarsteller. Die Chemie zwischen Kunis und Tatum funktioniert nach meiner bescheidenen Meinung überhaupt nicht. Ausgerechnet die wichtigsten Figuren bleiben blass und beliebig. Weder nehme ich den beiden ab, dass sie sich ineinander verlieben, noch berührt mich Caines Schicksal. Der gute Mann ist ein "Lycantant", d.h. sein Erbgut wurde mit Wolfsgenen vermischt. Er war der schwächste seines Rudels, wurde von diesem ausgestoßen und an die Legion verkauft. Um die in seinen Genen verankerte Sehnsucht nach einem Rudel zu kompensieren ist er zu einem ganz auf den Kampf und die Jagd fokussierten Soldaten geworden. So wird es Jupiter von Stinger erzählt. Aber es wird nicht "gelebt", der Schauspieler bringt nichts von einer innerlichen Zerrissenheit seiner Figur oder dergleichen rüber. Ebenso wenig kann Kunis als junge Frau überzeugen, deren Welt von einem Moment auf den anderen auf den Kopf gestellt wird und die sogar ihre eigene Identität in Frage stellen muss. Das Drehbuch gibt ihr keine Gelegenheit, irgendwas aus dieser Rolle zu machen. Jupiter akzeptiert alles quasi mit einem Schulterzucken und einem Heben der Augenbraue - ab geht's in die nächste Actionszene. Die Antagonisten sind da schon viel interessanter, wobei Kalique und Titus hauptsächlich verwöhnt und dekadent sind, Balem aber nicht das Wasser reichen können. Balem schwankt ständig zwischen Blasiertheit, Melancholie und purem Wahnsinn - Eddie Redmayne gibt alles und kann trotz oder gerade wegen dieses Overactings als einzige Figur rundum überzeugen.


Blu-ray-Features

Wenn das Bonusmaterial aus mehreren kurzen Featurettes besteht, die man - um einige Redundanzen erleichtert - zu einem einzigen Making of hätte zusammenfassen können, weil sie sowieso alle aus derselben bekannten Mischung (Filmausschnitte, Hinter-den-Szenen-Material und Interviewschnipsel) bestehen, dann bin ich schon leicht genervt. Wenn die Interviews dann auch noch zum gleichen Teilen aus Lobhudeleien und der Nacherzählung der Films, den man gerade gesehen hat, zusammengeschustert sind, dann kann ich diese Featurettes nicht mehr ernst nehmen. Besonders viel geben sie wirklich nicht her, immerhin kann man sehen, dass Channing Tatum ziemlich oft auf Inlineskates unterwegs war - so wurde der Flugstiefel-Effekt simuliert.


J. Kreis, 03.12.2015




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme