Die Jungfrau und das Ungeheuer


Die Jungfrau und das Ungeheuer (Tschechoslowakei, 1978)
- Panna a netvor -

DVD Regionalcode 2, Ostalgica
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 88 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Juraj Herz

Hauptdarsteller:
Zdena Studenkova (Julia)
Vlastimil Harapes (Ungeheuer)
Vaclav Voska (Kaufmann)




Inhalt

Ein reicher Kaufmann wird plötzlich mittellos, als seine mit erlesenen Kostbarkeiten aus aller Herren Länder beladenen Fuhrwerke in einem als verzaubert geltenden Wald vom Weg abkommen und in einen reißenden Fluss stürzen. Der Kaufmann hat nicht nur sein eigenes Vermögen in die Lieferung gesteckt, sondern auch Kredite von Geschäftspartnern aufgenommen, denen er im Gegenzug seine beiden ältesten Töchter zu Ehefrauen geben wollte. Um die Schulden zurückzahlen zu können, muss der Kaufmann fast sein gesamtes Hab und Gut veräußern, darunter ein Gemälde, auf dem seine verstorbene Frau zu sehen ist. Er macht sich persönlich auf den Weg, um einen Käufer für das Bild zu finden. Im Wald bricht sein Pferd tot zusammen. Der Kaufmann folgt einem Licht und erreicht ein halb verfallenes Schloss. Dort wird er von einem Unbekannten, den er nicht zu Gesicht bekommt, mit Speis und Trank bewirtet. Am nächsten Tag ist das Bild verschwunden. Der Unbekannte hat so viel Geschmeide zur Bezahlung hinterlassen, dass der Wohlstand des Kaufmanns wiederhergestellt ist. Auf dem Weg nach draußen pflückt er eine Rose, um sie seiner jüngsten Tochter Julia mitzubringen. Damit begeht er unwissentlich einen schweren Frevel, denn die Rosen sind der wertvollste Besitz des Schlossherrn, der sich jetzt erstmals zeigt. Er ist ein schreckliches Ungeheuer mit Klauenpranken und Vogelkopf. Die Kreatur bietet dem Kaufmann an, ihn am Leben zu lassen, sofern eine seiner Töchter freiwillig an seiner Stelle stirbt. Der Kaufmann ist hierzu nicht bereit. Er bittet das Ungeheuer, ihn gehen zu lassen, damit er seine Angelegenheiten regeln und die Töchter versorgen kann. Er schwört, danach zum Schloss zurückzukehren.

Der Kaufmann bringt es nicht über sich, seinen Kindern die Wahrheit zu verschweigen. Die älteren Töchter denken gar nicht daran, ihr Leben für den Vater hinzugeben. Julia dagegen zögert keine Sekunde und reitet zum Schloss, bevor ihr Vater sie aufhalten kann. Das Ungeheuer verschont Julia. Die hässliche Kreatur ist bezaubert von der Schönheit und Reinheit der jungen Frau. Julia verbringt die nächsten Monate im Schloss. Hin- und hergerissen zwischen seiner wachsenden Liebe zu Julia und den kaum zu unterdrückenden mörderischen Instinkten seiner tierhaften Natur stattet das Ungeheuer Julia stets nur abends einen kurzen Besuch ab. Seinen Blutdurst stillt es tagsüber im Wald mit der Jagd auf Wild. Es ist Julia verboten, ihren Gastgeber anzusehen. Sie kennt nur seine sanfte Stimme. Sie fühlt sich nicht als Gefangene; tatsächlich steht es ihr frei zu gehen. Zur großen Freude des Ungeheuers entscheidet sie sich jedoch zu bleiben, denn sie fühlt sich mehr und mehr zu ihrem Gastgeber hingezogen. Als sie ihm eines Abends einen Pokal reicht, berührt sie ihn unabsichtlich. Im selben Moment verwandeln sich die klauenbewehrten Pranken in wohlgestaltete menschliche Hände. Das Ungeheuer wagt zu hoffen, dass der auf ihm lastende Fluch gebrochen werden könnte. Allerdings ist ein Teil der Macht des Ungeheuers verloren gegangen, denn mit den menschlichen Händen kann es nicht mehr jagen.

Durch Zufall sieht Julia das abstoßende Raubvogelgesicht des Ungeheuers in einer spiegelnden Fensterscheibe. An ihren Gefühlen ändert sich nichts, doch sie kann ihre Angst nicht überwinden und flieht nach Hause. Das Ungeheuer lässt Julia ziehen. Es ist bereit zu sterben. Nach einiger Zeit bereut Julia ihre Flucht. Gegen den Widerstand ihres Vaters kehrt sie zum Schloss zurück. Das Ungeheuer ist tot, doch als Julia es beweint und ihre Liebe zu ihm gesteht, erwacht es zum Leben - in der Gestalt eines gutaussehenden Mannes. Das verzauberte Schloss erstrahlt für die Liebenden in neuem Glanz.


Die Jungfrau und das Ungeheuer

Die Jungfrau und das Ungeheuer


Kringels Meinung

Es gibt die tschechischen Märchenfilmklassiker wie zum Beispiel Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Die Märchenbraut und Das Mädchen auf dem Besenstiel, bei denen Vaclav Vorlicek Regie geführt hat - und es gibt Filme von Juraj Herz. Wer die verlinkten Klassiker wie ich heiß und innig liebt, nach vergleichbaren Werken sucht und wegen des Titels dieses Films nicht zu Unrecht glaubt, es handle sich um eine Verfilmung des französischen Volksmärchens "Die Schöne und das Biest", der könnte eine Überraschung erleben. Man sollte unvoreingenommen an dieses Werk herangehen, denn mit den Filmen und Serien Vaclav Vorliceks hat "Die Jungfrau und das Ungeheuer" so wenig zu tun, dass man von zwei völlig verschiedenen Genres sprechen kann. Ich habe diesen Film Anfang der Achtzigerjahre gesehen, als er mal im Fernsehen gezeigt wurde. Da hatte ich bestimmt erst ungefähr das Alter, ab dem der Film heute freigegeben ist. Ich fand den Film natürlich wundervoll, aber auch sehr furchteinflößend, denn wo Vorliceks Märchenwelt humorvoll und kindgerecht ist, da ist "Die Jungfrau und das Ungeheuer" tragisch und schaurig. Der Film ist auch nicht im geringsten mit der Disney-Verfilmung des genannten Märchens aus dem Jahre 1991 vergleichbar. Hier gibt es keinen bunten Kitsch, dafür umso mehr düstere Atmosphäre!

Schon bei der Auftaktsequenz wird deutlich, dass "Die Jungfrau und das Ungeheuer" nicht für Kinder gedacht ist. Hier ist eine Hofschlachtung zu sehen. Tiere werden getötet und ausgeweidet - und zwar echte Tiere! Ich weiß nicht, ob die Schlachtungen eigens für den Film vorgenommen worden sind, aber die PETA hätte heutzutage hierzu sowie zu einer Szene, in der ein Hirsch gejagt wird, sicher was zu sagen ... Ebenso realistisch, wenn auch nicht so blutig, geht es sogleich weiter. Eine Wagenkolonne quält sich durch tiefen Schlamm. Die Fuhrleute sind völlig verdreckt. Die Pferde mühen sich mit der schweren Last ab. Mitten im nebligen Wald geht es nicht weiter. Eine Dornenhecke überwuchert das, was nur mit viel gutem Willen als Pfad durchgeht. Unheimliche Geräusche sind zu hören; ein unsichtbarer Reiter nähert sich. Die ängstlichen Fuhrleute versuchen die Hecke zu beseitigen. Einer pflückt eine Rose - ganz schlechte Idee! Plötzlich bricht Feuer aus, die Pferde gehen durch. Die Wagen stürzen in einen reißenden Fluss voller abgeknickter Baumstämme und Felsen, an denen die Transportkisten zerschellen. Das Geschmeide ergießt sich über das Gestein. Die Fuhrleute können ihre Gier nicht zügeln und metzeln einander nieder. Eine Marketenderin, die sich die Rose ins Mieder gesteckt hat, flieht vor dem Ungeheuer (das man jetzt noch nicht zu Gesicht bekommt) in den weglosen Wald. Sie stürzt, eine Krallenpranke nähert sich ihrem vor Grauen verzerrten Gesicht ... Das alles wirkt völlig echt; man könnte fast meinen, man habe es mit einem Film von Werner Herzog zu tun!

Zudem wird kaum etwas erklärt. Die eigene Phantasie ist gefragt. Man erfährt nicht, von wem und warum das Ungeheuer verflucht wurde. Was sind das für merkwürdige Wesen im verzauberten Schloss? Eines lauert im Kamin, ein anderes in einem Leuchter. Es sich handelt sich wohl um die ebenfalls verfluchte Dienerschaft des Ungeheuers. Das Surreale und Traumartige der Szenen im Schloss, das wirklich sehr überzeugende, ungewöhnliche Aussehen des Ungeheuers, sein Ringen mit der inneren Stimme - obwohl im Grunde kaum etwas geschieht, finde ich das alles immer noch faszinierend.


Extras

Die DVD enthält keinerlei Bonusmaterial, aber ein Booklet mit Informationen zum Film sowie zum Regisseur. Darin steht, der Film werde hier erstmals in High Definition präsentiert und das Bildmaterial sei so weit als möglich restauriert worden. Nun, wenn das stimmt, dann möchte ich nicht wissen, wie die unrestaurierte Fassung aussieht! Die Bildqualität der DVD ist nämlich keineswegs gut. Verschmutzungen/Beschädigungen sind recht oft zu sehen und das Bild ist teilweise sehr dunkel. Passt irgendwie zur ganzen Stimmung, aber ich glaube nicht, dass das beabsichtigt ist.


J. Kreis, 08.08.2018




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