Being John Malkovich


Being John Malkovich (USA, 1999)

Blu-ray, Universal
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 112 Minuten

Extras:
- American Arts Culture präsentiert John Horatio Malkovich, Tanz der Verzweiflung und Desillusionierung (4:17 Min.)
- Ein Interview mit Regisseur Spike Jonze (2:47 Min.)
- Orientierung zum 7 1/2. Stock (2:12 Min.)
- Ein intimes Porträt der Kunst des Puppenspielens (7:19 Min.)
- Ein intimes Porträt der Kunst des Hintergrundfahrens (6:29 Min.)

Regie:
Spike Jonze

Hauptdarsteller:
John Cusack (Craig Schwartz)
Cameron Diaz (Lotte Schwartz)
Catherine Keener (Maxine Lund)
John Malkovich (John Horatio Malkovich)
Orson Bean (Dr. Lester)




Story

Craig Schwartz ist ein ebenso begnadeter wie erfolgloser Marionettenspieler. Seine Frau Lotte betreibt eine Tierhandlung, verdient damit aber nicht genug. Deshalb sucht sich Craig einen Job. Aufgrund seiner Fingerfertigkeit wird er als Aktensortierer bei LesterCorp angestellt. Die Firma residiert im siebeneinhalbten Stock des Mertin-Flemmer-Buildings in Manhattan. Das Gebäude wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert von einem Captain James Mertin gebaut. Der siebeneinhalbte Stock wurde auf die Bedürfnisse der kleinwüchsigen Frau des Captains zugeschnitten. Er hat deshalb nur halbe Höhe, entsprechend niedrig sind dort jetzt die Mieten. Craig freundet sich mit dem Chef (Dr. Lester) an und verliebt sich in seine Kollegin Maxine Lund, kann bei ihr aber nicht landen. Eines Tages stößt Craig durch Zufall auf eine von Aktenschränken verdeckte winzige Tür. Dahinter liegt ein enger Tunnel. Wer hineinkriecht, wird von einer unwiderstehlichen Kraft tiefer hineingezogen, findet sich praktisch im Kopf von John Malkovich wieder und nimmt alles wahr, was der berühmte Schauspieler sieht, hört und fühlt. Malkovich merkt davon nichts. Nach ungefähr fünfzehn Minuten wird man hinausgeschleudert und landet im Graben einer Schnellstraße außerhalb von New York City.

Craig weiht Maxine ein. Die beiden schlagen Kapital aus der Entdeckung, indem sie John-Malkovich-Trips für 200 Dollar verkaufen. Auch Lotte probiert es einmal aus und ist überwältigt. Sie glaubt nun, transsexuell zu sein und verliebt sich ebenfalls in Maxine. Die beiden Frauen verabreden sich: Maxine verführt Malkovich während jener Viertelstunde, die Lotte in seinem Kopf verbringt. Bei dieser Gelegenheit wird Maxine schwanger. Craig rast vor Eifersucht, sperrt Lotte in einen ihrer Tierkäfige und zwingt sie, ein weiteres Rendezvous zu vereinbaren. Diesmal ist Craig in Malkovichs Kopf, wovon Maxine aber nichts ahnt. Craig stellt fest, dass er nicht nur passiver Zuschauer ist. Er kann Malkovich wie eine Marionette lenken und durch seinen Mund sprechen. Das bleibt Malkovich nicht verborgen. Es ist ihm sowieso schon seltsam vorgekommen, dass Maxine darauf besteht, ihn beim Sex "Lotte" zu nennen. Er folgt Maxine unbemerkt und benutzt das Portal, obwohl sich schon jemand im Tunnel befindet. Prompt findet er sich in seinem eigenen Geist wieder - ein traumatisches Erlebnis. Vergeblich untersagt er Craig die weitere Nutzung des Portals. Stattdessen lernt Craig, wie er für unbegrenzte Zeit in Malkovich bleiben kann. Er gewinnt die vollständige Kontrolle über dessen Körper. Davon ist Maxine derart beeindruckt, dass sie nun doch eine Beziehung mit Craig/Malkovich eingeht.

In den folgenden Monaten erlebt die begeisterte Öffentlichkeit mit, wie sich John Malkovich neu erfindet. Er feiert Triumphe als Meister des Marionettenspiels. Niemand ahnt, dass Craig im wahrsten Sinne des Wortes hinter diesem Wandel steckt. Craig könnte glücklich sein, doch Maxine (inzwischen Craigs Ehefrau) wendet sich von ihm ab. Sie bereut die Trennung von Lotte. Lotte wiederum wendet sich an Dr. Lester, denn während ihres ersten Besuchs in seinem Haus hat sie einen Raum gefunden, der so etwas wie ein Malkovich-Museum darstellt. Er gesteht ihr, dass er in Wahrheit Captain Mertin ist. Mertin hat das Portal genutzt, um von einem "Wirtskörper" zum nächsten zu wechseln und auf diese Weise Unsterblichkeit zu erlangen. Er will den gealterten Lester-Körper verlassen und stattdessen John Malkovich übernehmen. Dabei will er einige Freunde mitnehmen, auch Lotte soll dieses Privileg zuteil werden. Allerdings müsste Craig den Körper zuerst verlassen, denn er beherrscht ihn zu gut. Das Ganze muss spätestens an Malkovichs 44. Geburtstag geschehen, denn danach führt das Portal in einen anderen Geist. Wer das Portal später benutzt, landet im Kopf eines Neugeborenen und bleibt als ohnmächtiger Beobachter darin gefangen.

Lester/Mertin entführt Maxine und setzt Craig unter Druck. Craig bemerkt nicht, dass Maxine durch das Portal flieht und von Lotte verfolgt wird. Da Craigs Präsenz zu stark ist, werden die Frauen in Malkovichs Unterbewusstsein verdrängt. Nach der üblichen Viertelstunde landen sie im Straßengraben. Lotte versöhnt sich mit Maxine, als diese sagt, in gewisser Weise habe Lotte ihr Kind gezeugt. Nur deshalb habe sie es behalten. Craig räumt seinen Platz in Malkovichs Geist, nur um festzustellen, dass er Maxine und Lotte verloren hat. Lester und die alten Leute durchqueren den Tunnel, sie übernehmen Malkovich. Jahre später weiht Lester/Malkovich einen Freund in das Geheimnis der Unsterblichkeit ein. Neuer Wirt soll Maxines Tochter sein. Doch dort hat sich schon Craig eingenistet...


Kringels Meinung

"Being John Malkovich" ist mit bizarren Momenten nur so vollgestopft, stellenweise zum Brüllen komisch und lädt zum Nachdenken ein. Nebenbei wird der Hollywood-Starkult durch den Kakao gezogen. Ich wage aber zu behaupten, dass es Spike Jonze nicht darum gegangen ist, hochphilosophisches Kunstkino zu fabrizieren, existenzielle Fragen zu behandeln und so weiter. Stattdessen dient die verblüffende Grundprämisse (die man als gegeben hinnehmen muss, erklärt wird sie nicht - wie auch?) als Basis für ein Karussell denkwürdiger Szenen, wobei die Handlung manchmal ein bisschen untergeht. Die abgedrehten Ideen reißen es aber wieder heruas. Beispiele: Als John Malkovich das Portal benutzt, findet er sich in einer Welt wieder, die ausschließlich von ihm selbst bevölkert ist. Jeder Mensch in dieser Welt (Männer und Frauen, Kinder und Greise) trägt sein Gesicht, jedes gesprochene und geschriebene Wort lautet "Malkovich". Die Welt ist also ein Abbild seiner totalen Ichbezogenheit! Später gelangen Lotte und Maxine in Malkovichs Geist und liefern sich eine wilde Verfolgungsjagd quer durch seine Erinnerungen. Sie stolpern durch Räume, in denen alle möglichen verdrängten Traumata offenbar permanent wiederholt werden. Malkovich spielt all diese verschiedenen Rollen mit wunderbarer Selbstironie!

Aber auch außerhalb von John Malkovichs Kopf nehmen die unterhaltsamen Verrücktheiten kein Ende. Das fängt schon mit Cameron Diaz und John Cusack an. Sie als ungeschminkte, schlecht frisierte Tierhandlungsbesitzerin mit Schimpansen-Mutterkomplex, er als leicht verlotterter Loser mit einer Fixierung auf Puppen... Welche Bedeutung der siebeneinhalbte Stock für die Handlung hat, habe ich nicht begriffen. Womöglich ist das nur eine originelle Idee, die um ihrer selbst willen eingebaut wurde, aber witzig ist sie durchaus. Ebenso die furchtbar schwerhörige Dame im Vorzimmer von Dr. Lester, die gar nicht begreift, dass sie es ist, die alles falsch versteht. Dann noch ein paar herrliche Cameo-Auftritte von Charlie Sheen und Sean Penn. Sogar Brad Pitt und andere Hollywoodgrößen sind kurz zu sehen. Für mich die beste Szene des ganzen Films: Lotte wurde von Craig gefesselt und in einen Käfig gesperrt. Darin sitzt außerdem der Schimpanse, den Lotte immer bemuttert. Das arme Tier, so meint Lotte, hat ein Kindheitstrauma nicht verarbeitet und leidet deshalb inzwischen unter verschiedenen Beschwerden. Jetzt sieht man, dass Lotte nicht spinnt, denn der Affe erinnert sich in einem Rückblick an den Tag, an dem seine ganze Familie irgendwo im Busch von Tierfängern geschnappt worden ist. Nur unser spezieller Schimpanse ist zunächst frei geblieben, hat es aber nicht rechtzeitig geschafft, die Fesseln der anderen Tiere zu lösen. Köstlich: Das Schimpansen-Gezeter ist untertitelt! Jedenfalls schafft er es jetzt, Lottes Fesseln zu lösen. Es bleibt zu hoffen, dass er somit sein Trauma endlich überwunden hat!


Blu-ray-Features

- "American Arts Culture präsentiert John Horatio Malkovich, Tanz der Verzweiflung und Desillusionierung": Das ist die komplette fiktive Reportage über John H. Malkovichs neue Karriere als Puppenspieler, die im Film vorkommt.
- "Ein Interview mit Regisseur Spike Jonze": Der Regisseur fährt im Auto von A nach B, gibt kurze Allgemeinplätze über die Regiearbeit von sich, dann steigt er aus und übergibt sich. Habe ich nicht verstanden. Soll womöglich ein ironischer Seitenhieb auf sinnfreie Mini-Interviews im Bonusmaterial von Filmen sein...
- "Orientierung zum 71/2. Stock": Derselbe "Einführungsfilm" für Neulinge im Mertin-Flemmer-Building, den sich Craig anschauen muss.
- "Ein intimes Porträt der Kunst des Puppenspielens": Endlich mal eine richtige Doku! Sie handelt von dem Puppenspieler Phillip Huber. Sein Marionettenspiel wurde für den Film verwendet, d.h. er hat die Marionetten eigens für den Film hergestellt. Die Doku wurde von Lance Bangs gemacht. Er erzählt, dass viele Puppenspieler die Eröffnungsvorstellung von "Being John Malkovich" besucht haben. Man sieht, wie er sie interviewt, bis er von einem Wachmann vertrieben wird!
- "Ein intimes Porträt der Kunst des Hintergrundfahrens": Wieder etwas, das ich nicht verstehe. Eine junge Frau fährt im Auto von A nach B und lästert über eine Kollegin. Kann sein, dass das eine Komparsin ist, die einfach mit dem Auto herumfahren musste, damit die entsprechenden Szenen im Film verwendet werden konnten.


J. Kreis, 05.03.2015




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