John Carter


John Carter - Zwischen zwei Welten (USA, 2012)
- John Carter -

Blu-ray, Disney
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 132 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Von Edgar Rice Burroughs' Büchern zum Film (10:43 Min.)
- Zusätzliche Szenen mit optionalem Audiokommentar (19:02 Min.)
- Making of: John Carter - 360 Grad (34:32 Min.)
- Pannen auf Barsoom (1:56 Min.)

Regie:
Andrew Stanton

Hauptdarsteller:
Taylor Kitsch (John Carter)
Lynn Collins (Dejah Thoris)
Mark Strong (Matai Shang)
Dominic West (Sab Than)
Daryl Sabara (Edgar Rice Burroughs)
Ciaran Hinds (Tardos Mors)




Story

Der Mars ist nicht die unbewohnbare Einöde, für die er von den Bewohnern der Erde gehalten wird. Dort leben Menschen, die ihre Heimat Barsoom nennen. Die uralte, hoch entwickelte Zivilisation der roten Marsianer befindet sich allerdings im Niedergang. Verantwortlich dafür ist die mobile Stadt Zodanga, die alle Ressourcen des einst blühenden Planeten rücksichtslos ausbeutet, was bald zur völligen Zerstörung Barsooms führen wird. Nur die Bewohner der Stadt Helium sind noch fähig, Zodanga Widerstand zu leisten. Die einstige Hochkultur der nichtmenschlichen Tharks ist bereits untergegangen. Die drei Meter großen vierarmigen und grünhäutigen Wesen führen ein vergleichsweise primitives Dasein in den Ruinen. Sie folgen einem strengen Ehrenkodex, es gilt das Recht des Stärkeren. Der tausendjährige Krieg zwischen Zodanga und Helium erfährt eine dramatische Wende, als die Therns in den Konflikt eingreifen. Die Therns sind unsterbliche Gestaltwandler (sie können allerdings getötet werden) und besitzen überlegene technische Hilfsmittel. Matai Shang, das Oberhaupt der Therns, stattet Sab Than, den grausamen Herrscher Zodangas, mit einer mächtigen Waffe aus und steht ihm beratend zur Seite. Nun kann Zodangas Eroberungsfeldzug nicht mehr aufgehalten werden. Auf Anweisung Matai Shangs bietet Sab Than dem Herrscher Heliums einen Waffenstillstand an. Als Gegenleistung fordert er die Hand von Dejah Thoris, der Tochter des Königs Tardos Mors. Die junge Frau ist davon nicht begeistert, zumal sie kurz davor steht, eben jene Energieform nutzbar zu machen, die die Therns Sab Than als Waffe zur Verfügung gestellt haben.

Auf der Erde des Jahres 1881 erfährt Edgar Rice Burroughs, dass er zum Alleinerben seines Onkels John Carter erklärt wurde. Zum Nachlass gehört ein Tagebuch, das den Bestimmungen Carters zufolge nur von Burroughs gelesen werden darf. Begeistert stürzt sich Burroughs in die Lektüre. Die unglaubliche Geschichte beginnt im Jahre 1868. Carter hat im Sezessionskrieg Frau und Kind verloren. Er betätigt sich jetzt als Goldsucher in Arizona. Er gerät zwischen die Fronten eines Kampfes zwischen Soldaten und Apachen, muss in eine von Goldadern durchzogene Höhle fliehen und steht dort plötzlich einem Unbekannten gegenüber, der ihn angreift. Carter schießt den Mann nieder und nimmt dessen Medaillon an sich. Der Fremde ist ein Thern von Barsoom. Seine letzten Worte sind ein Code, der das Medaillon aktiviert. Carter wird auf den Mars versetzt. Dort gewinnt Carter aufgrund seiner an die Erde angepassten Körperstruktur übermenschliche Kräfte. Unter anderem kann er gewaltige Sprünge vollführen. Tars Tarkas, der Anführer eines Clans der Tharks, beobachtet dies und nimmt Carter gefangen, um sich seine Stärke zu Nutze zu machen. Das Medaillon fällt dem Thark in die Hände. Die junge Thark-Frau Sola erhält den Auftrag, sich um Carter zu kümmern. Sie flößt ihm eine Flüssigkeit ein, die ihn die Sprache der Marsianer verstehen lässt. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch soll er bestraft werden, doch die Zeremonie wird unterbrochen, als Flugmaschinen der roten Marsianer erscheinen, die sich gegenseitig bekämpfen.

Als Carter sieht, dass die Flugmaschinen von Menschen bemannt sind, und dass unter ihnen eine schöne Frau ist, die sich in Gefahr befindet (es ist Dejah Thoris, die aus Helium geflohen ist), greift er ein. Er rettet das Leben der Prinzessin, die von dem gutaussehenden Fremden recht angetan ist. Von ihr erfährt Carter, dass er sich auf dem Mars befindet. Sie glaubt zwar zunächst nicht, dass er vom Nachbarplaneten stammt, erklärt sich aber bereit, ihm bei der Suche nach einem Rückweg zu helfen. Sie dringt mit ihm in einen Tempel der Tharks ein. Sola versucht vergeblich, die beiden aufzuhalten, denn der Tempel ist tabu. Im Tempel findet Dejah Thoris einen Hinweis auf einen heiligen Fluss. Dort soll die Rückkehr zur Erde möglich sein. Der Tabubruch bleibt jedoch nicht unbemerkt. Carter, Dejah Thoris und Sola sollen hingerichtet werden. Tars Tarkas verhilft ihnen zur Flucht, denn Sola ist seine Tochter. Die drei ungleichen Gefährten und Woola (eine Art Haustier mit riesigem Maul, treuem Herzen und extrem flinken Stummelbeinen) reiten zum Fluss. Dort erhebt sich eine gewaltige Struktur, die sich für Carter öffnet. Im Inneren erhalten Carter und Dejah Thoris Informationen über jene Energieform, der die Therns ihre Macht verdanken, sowie über die Funktionsweise des Amuletts. Sie müssen fliehen, denn Matai Shang hat einen anderen Thark-Clan auf sie gehetzt. Carter bleibt zurück, um die Flucht seiner Freunde zu decken, wird aber gefangen genommen. Tardos Mors hat inzwischen in die Hochzeit seiner Tochter mit Sab Than eingewilligt.

Mit Hilfe eines Gefolgsmannes der Prinzessin kann Carter entkommen, außerdem erhält er das Medaillon zurück. Doch Matai Shang nimmt Carter wieder fest. Carter erfährt, dass die Therns schon auf vielen Welten - auch auf der Erde - aktiv waren und einige in den Untergang getrieben haben. Dasselbe Schicksal droht Barsoom. Dejah Thoris soll sterben, weil sie dem Geheimnis der von den Therns genutzten Energie auf die Spur gekommen ist. Woola verhilft Carter zur Flucht. Er will die Tharks um Hilfe bitten, landet aber in der Kampfarena, denn Tars Tarkas wurde von dessen Rivalen Tal Hajus entmachtet. Carter besiegt die gegen ihn in den Ring geschickten Kreaturen, tötet Tal Hajus und führt die Tharks zum Angriff auf Zodanga. Dort stoßen Carter und seine Kämpfer nur auf minimalen Widerstand, denn Sab Than ist anlässlich der Hochzeit mit seiner gesamten Streitmacht nach Helium gezogen. Carter kommt rechtzeitig dort an, um die Zeremonie zu unterbrechen. Sab Thans Soldaten greifen an, doch mit vereinten Kräften tragen die Tharks und die Armee von Helium den Sieg davon. Matai Shang tötet Sab Than, bevor dieser etwas ausplaudern kann, und verschwindet. Carter und Dejah Thoris heiraten. In der Hochzeitsnacht wirft Carter sein Medaillon weg, denn Barsoom ist für ihn zur neuen Heimat geworden. Darauf hat Matai Shang, der dies in anderer Gestalt beobachtet, nur gewartet. Mit seinem eigenen Medaillon versetzt er Carter zur Erde. Carter kommt in seinem ursprünglichen Körper zu sich, der seit vielen Monaten im Koma gelegen hat - beim Ortswechsel wird nur das Bewusstsein versetzt, am Ziel wird ein neuer Körper erschaffen. Als Besitzer der Goldhöhle ist Carter nun märchenhaft reich. Da die Therns Matai Shang zufolge auch auf der Erde aktiv waren, hofft Carter, sie hätten dort ein Medaillon zurückgelassen. Er setzt sein Vermögen für die Suche danach ein.

Das Tagebuch endet mit einem Eintrag, der vermuten lässt, Carter habe nach Jahren vergeblicher Suche ein Medaillon gefunden und seinen Tod nur vorgetäuscht, um den auf der Erde nach ihm suchenden Therns zu entkommen. Burroughs nimmt an, aus demselben Grund habe sein Onkel festgelegt, dass er nach seinem "Tod" in einem Mausoleum aufgebahrt werden solle, das nur von innen geöffnet werden kann - oder durch die Eingabe einer nur Burroughs bekannten Buchstabenkombination an der Grabinschrift. Carter warnt Burroughs im Tagebuch so eindringlich vor den Terns, dass Burroughs das Mausoleum öffnet. Tatsächlich ist ein Thern anwesend. Als er sich anschickt, Burroughs hinterrücks zu erstechen, wird er von Carter erschossen. Dieser war nie im Inneren des Mausoleums. Er hat auch kein Medaillon gefunden. Es ist ihm nur darum gegangen, einen Thern anzulocken und dessen Medaillon zu erbeuten. Nun steht Carters Rückkehr zum Mars nichts mehr im Wege. Sein alter Körper bleibt auf der Erde zurück und muss beschützt werden, weil sein Tod gleichbedeutend mit dem Ende der auf Barsoom weilenden "Kopie" wäre. Diese Aufgabe fällt Burroughs zu.


Kringels Meinung

Das ist ein überraschendes Ende, nur leider gibt es ein Problem: Das Mausoleum kann sehr wohl von außen geöffnet werden und Burroughs weiß, wie sich das bewerkstelligen lässt. Was hindert die Therns daran, den jungen Mann zu schnappen und die benötigte Information aus ihm herauszufoltern? Übrigens: Bevor Carter nach Barsoom zurückkehrt, fordert er Burroughs auf, sein Leben zu genießen und vielleicht mal ein Buch zu schreiben. Nun, der reale Edgar Rice Burroughs hat mehr als das getan. Hierzulande ist er wahrscheinlich besser bekannt als Schöpfer des Lianenschwingers Tarzan. Der Roman, in dem Tarzan das Licht des Dschungels erblickt, ist jedoch das zweite Werk des Autors. Das erste, "Die Prinzessin vom Mars" und 1917 erschienen, bildet den Auftakt einer ganzen Reihe von Abenteuern mit John Carter und Dejah Thoris, auf ihm basiert dieser Film. Ich habe noch keinen einzigen Roman aus der Feder von Burroughs gelesen, kann also nicht beurteilen, ob es sich um eine werkgetreue Verfilmung handelt.

Jedenfalls entstammt der Roman einer Zeit, in der die Science Fiction noch gar nicht als solche bezeichnet wurde und größtenteils aus naiven oder zumindest oberflächlichen Abenteuergeschichten bestand, bei denen es im Grunde egal ist, ob sie im Weltraum, auf dem Mars oder im Urwald spielen. Und das merkt man dem Film deutlich an. Die Handlungszusammenfassung ist nur deshalb so lang geworden, weil die Story etwas wirr und gleichzeitig nach altbekanntem Schema verläuft. Gut und Böse sind klar getrennt, die Bösen streben wie üblich nach der absoluten Macht oder gleich nach der Vernichtung der Welt. Eine leicht bekleidete Dame muss gerettet werden - mal vor den Klingen ihrer Gegner, dann vor dem zudringlichen Möchtegern-Gatten, und stets in letzter Minute. Ständig wird John Carter von irgendwem gefangen genommen, kann fliehen oder wird befreit, nur um dem nächsten Bösewicht in die Hände zu fallen. Wer auf Barsoom gegen wen kämpft und warum alle so schrecklich verfeindet sind, wer die Therns eigentlich sind, was sie wirklich wollen und so weiter - das ist nicht so wichtig.

Immerhin wird der Versuch gemacht, zumindest den beiden Hauptfiguren ein wenig charakterliche Tiefe zu verleihen. John Carter ist ein desillusionierter Bürgerkriegsveteran, der nur noch die eigenen Interessen verfolgt und nicht bereit ist, sich für sonst irgendwen einzusetzen. Das ändert sich erst, als er sich in Dejah Thoris verliebt. Dann kommt die für einen Filmhelden unverzichtbare Opferbereitschaft, gepaart mit Charisma und Führungswillen, doch wieder zum Vorschein. Dumm nur, dass ich dem Hauptdarsteller den grantigen Einzelgänger viel eher abnehme als den edlen Helden! Dejah Thoris, so wird behauptet, ist eine prima Kämpferin und Wissenschaftlerin. Ersteres darf sie unter Beweis stellen, letzteres muss man einfach glauben, denn gezeigt wird es nicht. Es spielt im weiteren Verlauf des Films sowieso keine Rolle mehr.

In erster Linie ist "John Carter" ein schön anzuschauendes Effektfeuerwerk mit interessanten Gegensätzen (Wildwest-Atmosphäre in der Auftaktphase, dann Wechsel zur kargen Wüstenwelt Barsoom), phantastischen Umgebungen, Schiffen, Kostümen und so weiter. Manche Bilder sehen tatsächlich aus, als hätten Fantasy-Künstler wie Boris Vallejo oder Frank Frazetta sie gemalt! Ich gehe davon aus, dass das kein Zufall ist. Die Tharks wirken ausreichend glaubwürdig, was für Kreaturen wie Woola und die "Weißen Affen" leider nicht hundertprozentig zutrifft. Die verschiedenen Fluggeräte sind toll designt und die Kostüme/Rüstungen lassen viel Haut sehen - ganz so, wie man es von Illustrationen der genannten Maler kennt. So erhält der Film einen ganz eigenen Charme - zumindest optisch. Was die Figuren und die Story angeht, ist der Funke bei mir dagegen nicht übergesprungen. Ich kann nur nicht sagen, woran das liegt. Vielleicht an John Carters übertriebener Springerei, mit der er selbst den Hulk noch weit in den Schatten stellt?


Blu-ray-Features

In der Featurette "Von Edgar Rice Burroughs' Büchern zum Film" erfährt man so einiges über den Autor, sein Werk und dessen Einflüsse auf die Popkultur. Außerdem sind ganz kurze Probeaufnahmen zu einer früheren Verfilmung zu sehen. Vor Jahrzehnten hatte jemand die Idee, aus "John Carter" einen Zeichentrickfilm zu machen. Das Projekt wurde aber nie realisiert. Das "Making of" ist praktisch die Zusammenfassung eines kompletten Drehtages im Zeitraffer. Lynn Collins und Andrew Stanton treffen früh morgens am Set ein. Während die Schauspielerin stundenlang geschminkt, frisiert und angekleidet wird, stürzt sich der Regisseur ins Getümmel der Dreharbeiten. Mühsam koordiniert er das Chaos um sich herum und versucht die vielen verschiedenen gleichzeitig ablaufenden Arbeitsschritte im Überblick zu behalten. Zwischendurch sorgen die Caterer fürs leibliche Wohl, man übt Stunts, macht Scherze und baut das Set um. Schließlich trifft die in Dejah Thoris verwandelte Schauspielerin ein, vollführt einige Proben und kann dann loslegen. Erst spät abends ist Drehschluss. Interessant gemacht!

Die zehn zusätzlichen bzw. erweiterten Szenen (plus Einführung des Regisseurs) sind teilweise nicht fertig produziert. Anstelle computergenerierter Effekte sieht man dann eingefügte Trickzeichnungen oder "Platzhalter", die den Schauspielern als Referenzpunkte dienen. Die Szenen sind nicht besonders aufregend, immerhin kommt deutlicher zum Ausdruck, warum Zodanga den Mars so gnadenlos ausbeutet. Man ist auf der Suche nach Radium, das zur Energieerzeugung gebraucht wird und sehr knapp geworden ist. Die Bewohner von Zodanga machen sich dennoch nicht die Mühe, nach alternativen Energiequellen zu suchen. Das tun nur die Bewohner von Helium, vor allem Dejah Thoris. So entdeckt sie den mysteriösen "Neunten Strahl", eine unerschöpfliche Quelle sauberer Energie.


J. Kreis, 29.01.2015




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