John Wick Kapitel 2


John Wick: Kapitel 2 (USA, 2017)
- John Wick: Chapter 2 -

Blu-ray, Concorde Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 123 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Entfallene Szenen (8:09 Min.)
- Retrowick: Der unerwartete Erfolg von John Wick (4:32 Min.)
- John Wick im Training (11:58 Min.)
- Wick-Vizzed (5:12 Min.)
- Die Verbrecherwelt des John Wick (5:04 Min.)
- Freunde und Vertraute: Keanus und Chads Zusammenarbeit (9:53 Min.)
- Car Fu zum Mitfahren (4:43 Min.)
- Kameratest: Entwicklung einer Kampfszene (10:07 Min.)
- Wicks "Werkzeugkiste" (8:12 Min.)
- Mitgezählt (3:08 Min.)
- Wicks Hund (1:35 Min.)
- Trailer

Regie:
Chad Stahelski

Hauptdarsteller:
Keanu Reeves (Johnathan Wick)
Riccardo Scamarcio (Santino D'Antonio)
Claudia Gerini (Gianna D'Antonio)
Common (Cassian)
Ian McShane (Winston)




Story

Zur Vorgeschichte siehe John Wick.

Nachdem John Wick seinen noch im Besitz von Viggo Tarasovs Bruder Abram befindlichen Ford Mustang zurückgeholt hat, betoniert er die vor wenigen Tagen für den Rachefeldzug gegen Viggo aus einem Versteck geholten Waffen und Goldmünzen wieder ein. Sollte John gehofft haben, seinen "Ruhestand" fortsetzen zu können, so hat er sich getäuscht. Vor gut vier Jahren hat er Santino D'Antonio, ein hochrangiges Mitglied der Camorra, um Hilfe bei jenem unmöglichen Auftrag gebeten, nach dessen Abschluss er ein normales Leben mit seiner geliebten Frau Helen führen konnte. John war gezwungen, eine Schuldmünze für Santino auszustellen. Der Besitzer einer solchen Münze kann einen Gefallen einfordern, den der Aussteller nicht verweigern darf. Santino beabsichtigt die Münze nun einzulösen. John soll Santinos Schwester Gianna töten, damit ihr Bruder ihren Platz in der Hohen Kammer des weltweiten Verbrechersyndikats einnehmen kann, in die sie demnächst aufgenommen werden soll. John weist die Münze zurück. Daraufhin zerstört Santino Johns Haus mit einem Granatwerfer. So verliert John alles, wodurch er noch an Helen erinnert wurde. Um sich an Santino rächen zu können, muss John zunächst dessen Auftrag erfüllen, denn wie ihm von seinem Freund Winston, dem Besitzer des New Yorker Continental-Hotels, unmissverständlich klar gemacht wird, würde er ansonsten aus dem Syndikat ausgeschlossen werden.

John gibt seinen Hund beim Concierge des Continental in Pflege, reist nach Rom, rüstet sich neu aus, infiltriert Giannas Initiationsparty und tritt der Frau unter vier Augen entgegen. Die beiden waren einst befreundet, doch John hat keine Wahl - Gianna muss sterben. Sie will selbst über die Art ihres Todes bestimmen und öffnet sich die Pulsadern. John schießt der Toten in den Kopf und hat seine Blutschuld somit beglichen. Auf dem Weg nach draußen muss John nicht nur Giannas Schergen bekämpfen, sondern auch die ihres Bruders. Santino will es so aussehen lassen, als wolle er den Tod seiner Schwester rächen. Als besonders harter Gegner erweist sich Giannas persönlicher Leibwächter und Freund Cassian. Der Kampf führt die beiden Männer ins Continental von Rom, wo sie die Auseinandersetzung beenden müssen. John kehrt nach New York zurück. Santino setzt ein Kopfgeld von sieben Millionen Dollar auf John aus. Schon bald machen zahlreiche Killer Jagd auf ihn, darunter auch Cassian. John bezwingt alle, muss jedoch vorübergehend untertauchen, um seine Wunden versorgen zu lassen und Santinos Aufenthaltsort ausfindig machen. Das gelingt ihm mit Hilfe des außerhalb des Syndikats stehenden Bettlerkönigs. Es gelingt John, den Mann davon zu überzeugen, dass Santino als neues Ratsmitglied die Kontrolle über die ganze Stadt an sich reißen und einen Krieg gegen die mit ihm rivalisierenden Bettler führen würde. Diese Bedrohung, so verspricht John, wird er beseitigen.

John spürt Santino auf und tötet sämtliche Leibwächter, doch Santino flieht ins Continental. Es gehört zu den unverbrüchlichen Regeln des Syndikats, dass in den Continental-Hotels keine "Geschäfte" gemacht werden dürfen. Somit wäre Santino in Sicherheit, solange er sich dort aufhält. John ignoriert die Regeln und erschießt Santino. Die Camorra verdoppelt das Kopfgeld, der Auftrag ist nun weltweit gültig. Winston ist gezwungen, John zu exkommunizieren. John verliert alle Privilegien, die er als Syndikatsmitglied hatte. Sein Leben ist verwirkt und die Continental-Hotels stehen ihm nicht mehr offen. Als letzten Dienst gibt Winston seinem Freund eine Schuldmünze sowie eine Stunde Vorsprung.


Kringels Meinung

John Wick hat mir aus drei Gründen sehr gut gefallen: Die Motivation der Hauptfigur ist nachvollziehbar, die Action ist extrem dynamisch / sehr stilvoll inszeniert und es wird eine faszinierende Parallelwelt skizziert. Der erste Aspekt kommt in der Fortsetzung nicht so gut rüber, dafür werden bei den anderen noch einige Schippen draufgelegt. Der Reiz des Neuen mag diesmal nicht mehr gegeben sein, so dass ich vom zweiten Kapitel der Geschichte nicht so begeistert bin wie vom ersten, dennoch ist auch dieser Actionfilm ein wahres Fest für Genrefans. Böse Zungen könnten behaupten, dass im Grunde das Gleiche wie im ersten Teil geboten wird. Stimmt, aber die Kampfszenen verlaufen doch immer wieder anders und finden an anderen Schauplätzen statt. Zum Beispiel in uralten römischen Katakomben oder in einem Spiegelkabinett. Für Abwechslung ist auch durch John Wicks Waffenwahl gesorgt. Der Mann kann wirklich alles einsetzen, um einen Gegner auszuschalten - vom Auto über Schusswaffen bis hin zu einem Bleistift! Und es ist einfach eine Freude, Keanu Reeves in den perfekt und einfallsreich choreografierten, trotz hoher Geschwindigkeit stets übersichtlichen Actionszenen zuzusehen. Wie gehabt setzt John Wick sparsame, gleichwohl elegante Bewegungen ein, um sich mit furchtloser Zielstrebigkeit zu seinem Ziel durchzukämpfen. John Wick verfällt niemals in Hektik, sondern agiert mit durchdachter Präzision. Natürlich könnte ich monieren, dass die Gewalt geradezu genussvoll zelebriert wird, aber sie erfüllt einen Zweck, denn sie verleiht dem Film die zur Glaubwürdigkeit benötigte Härte. Im Bonusmaterial sagt jemand: "Wer James Bond töten will, schickt John Wick". Das bringt's auf den Punkt!

Der im ersten Film eingeführten Untergrundgesellschaft der Auftragsmörder, Gangster und sonstigen Verbrecher werden viele neue Details hinzugefügt. Wir erfahren unter anderem, dass es nicht nur in New York Continental-Hotels gibt und dass die dortigen "Sommeliers" keineswegs für das Weinangebot des Hauses zuständig sind, sondern eine riesige Vielfalt großer und kleiner Waffen für interessierte Gäste bereithalten. Außerdem steht über den Continental-Hotels ein Gremium, das als Hohe Kammer bezeichnet wird und anscheinend nicht nur die Einhaltung der Regeln überwacht, sondern die Tätigkeit der zum Syndikat gehörenden Killer organisiert. Es existiert eine Art Registratur, in der vorwiegend reich tätowierte junge Frauen neue Exekutionsaufträge entgegennehmen und per Rohrpost verschicken. Die Daten werden dann mit uralten EDV-Systemen erfasst und bei Bedarf weltweit auf mobile Endgeräte verteilt - dieser besondere Stil voller Anachronismen, also Gerätschaften, Einrichtungsgegenständen usw. aus längst vergangenen Zeiten Seite an Seite mit modernem Design und aktueller Technik, prägt den ganzen Film. Hinzu kommen die Parallel-Parallelwelt des Bettlerkönigs und das Konzept der Schuldmünze. Am Ende wird John Wick aus dieser Gemeinschaft ausgestoßen. Er verkündet, er werde jeden töten, der es wagt, ihn zu jagen. Darf man sich also auf einen dritten Teil freuen?

Was fehlt, ist die emotionale Beteiligung. Im ersten Film wurde deutlich, dass John Wick sich so erbarmungslos rächt, weil ihm die Hoffnung auf eine Existenz fernab der Gewalt (symbolisiert durch den Hund) genommen wurde. Weil er einsehen musste, dass er sich nicht wirklich geändert hat; er ist immer noch genau derselbe gnadenlose Killer, den er am liebsten zusammen mit dem Waffenarsenal und den Goldmünzen im Keller einbetoniert hätte. Dasselbe geschieht jetzt wieder, wie Winston erklären muss, damit es auch jeder Zuschauer kapiert - es funktioniert nur nicht ganz so gut, die besondere Tragik fehlt. Durch die Zerstörung des Hauses hat John Wick die letzte Verbindung zu jenem erträumten normalen Leben sowie die letzte Erinnerung an seine verstorbene Frau verloren. Wahrscheinlich will er einfach nur seine Ruhe haben, deshalb knipst er Santino aus. Nun, das ist gründlich in die Hose gegangen und John hätte sich den Aufwand sparen können. Jetzt ist er exkommuniziert; nichts anderes wäre geschehen, wenn er Santinos Auftrag doch nicht angenommen hätte.


Extras

Das Bonusmaterial besteht aus vielen relativ kurzen Featurettes. Da eine "Alles abspielen" Funktion vorhanden ist, ergeben sie insgesamt eine zwar teils redundante, aber doch sehr interessante Filmdoku. Ebenso wie beim Film stehen die Kampfszenen im Mittelpunkt. Man sieht, wie sich der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten auch schon über 50 Jahre alte Schauspieler im Training sowie bei den Dreharbeiten quält, um so viele Stunts wie nur irgend möglich selbst absolvieren zu können. Er wird von Kampfkünstlern ausgebildet, probt 180-Grad-Kehren mit dem Ford Mustang und geht bei Taran Butler in die Lehre, einem Sportschützen, der in einem Parcours geradezu unglaubliche Schnelligkeit und Treffsicherheit demonstriert, womit bewiesen wäre, dass John Wicks Gun Fu - Kampfstil im Grunde gar nicht übertrieben ist. Recht ausführlich wird auch auf die Freundschaft zwischen Keanu Reeves und Regisseur Chad Stahelski eingegangen. Die beiden haben sich bei den Dreharbeiten zu Matrix kennengelernt. Stahelski war damals Reeves' Stuntdouble. Hinzu kommen genauere Blicke auf die Drehorte, die Waffen und so weiter. Es ist sogar in Zusammenschnitt aller Toten vorhanden, die auf John Wicks Konto gehen. Es sind 116! Aber wenn ich mich nicht sehr irre, ist Cassian nicht dabei. Hat er also überlebt?

Zu den gemeinsam abspielbaren Featurettes gehört eine, die ziemlich aus dem Rahmen fällt: "Wicks Hund". Es handelt sich um einen Kurzfilm, in dem John Wick getötet wird (er wird übrigens nicht von Keanu Reeves gespielt). Sein Hund nimmt Rache und mäht Dutzende Killer nach dem Vorbild seines Herrchens nieder. Die vor dem Leichenberg stehenden Polizisten kratzen sich am Kopf und stellen fest, dass es kein Gesetz gibt, welches einem Hund verbietet, Menschen zu erschießen ...

Zwei der drei entfallenen Szenen machen deutlich, dass Santino auf die Regeln des Verbrechersyndikats pfeift. Er bedroht Wicks Freund, den Automechaniker Aurelio, obwohl dieser unter dem Schutz des Syndikats steht, und in einem Gespräch mit Winston spuckt er entsprechende Töne. Berücksichtigt man das, dann hätte die Hohe Kammer meiner Meinung nach eine Ausnahme machen und Santinos Ermordung im Continental unter den Tisch fallen lassen können! In der dritten Szene besucht John Wick den Vatikan. Wenn mich nicht alles täuscht, begegnet er dem Papst und lässt sich von ihm quasi die Absolution für seine Taten erteilen.


J. Kreis, 20.12.2017




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