John Wick


John Wick (USA, 2014)

Blu-ray, Studiocanal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 101 Minuten

Extras:
- Audiokommentar der Regisseure
- Don't f*ck with John Wick - Die Stunts (15:17 Min.)
- Calling in the Cavalry - Die Schauspieler (11:58 Min.)
- Destiny of the Collective - Die Regisseure (6:19 Min.)
- Assassin's Code - Die Unterwelt (5:18 Min.)
- Red Circle - Der Club (6:26 Min.)
- NYC Noir - Das Design (5:59 Min.)
- Making of (9:59 Min.)
- Trailer

Regie:
Chad Stahelski, David Leitch

Hauptdarsteller:
Keanu Reeves (Johnathan Wick)
Mikael Nyqvist (Viggo Tarasov)
Alfie Allen (Iosef Tarasov)
Willem Dafoe (Marcus)
Adrianne Palicki (Ms. Perkins)
Ian McShane (Winston)




Story

John Wicks über alles geliebte Frau Helen liegt im Koma und wird nur noch von Maschinen am Leben erhalten. Eines Tages muss John deshalb eine schwere Entscheidung treffen. Kurz nach Helens Beerdigung erhält John ein Geschenk. Ihm wird eine Transportbox mit einem jungen Hund zugestellt, deren Versand Helen in Auftrag gegeben haben muss, als sie schon krank war, aber noch nicht handlungsunfähig. Im beigelegten Brief erklärt Helen, dass John nach ihrem Tod etwas braucht, das er lieben kann. Tatsächlich hilft ihm das anhängliche Tier ein wenig über den Verlust hinweg. Doch das ist nicht von langer Dauer. Iosef Tarasov, der Sohn des russischen Gangsterbosses Viggo Tarasov, sieht Johns 1969er Ford Mustang an einer Tankstelle und und will das Auto kaufen. Als John ablehnt, wird er von Iosef beleidigt und zahlt mit gleicher Münze zurück. In der Nacht brechen Iosef und zwei seiner Schergen bei John ein, schlagen ihn zusammen, demolieren die Wohnung, stehlen den Mustang und erschlagen den Hund.

Iosef bringt das Auto zu Aurelio, einem Geschäftsfreund seines Vaters, der dem Mustang eine neue Identität verpassen soll. Aurelio jagt Iosef mit einem Faustschlag davon, denn er kennt das Auto und dessen Besitzer nur zu gut. Aurelio wird von Iosefs Vater zur Rede gestellt, doch als Viggo erfährt, wessen Auto sein Sohn gestohlen hat, richtet sich sein Zorn gegen Iosef. John hat bis vor vier Jahren als Auftragskiller für Viggo gearbeitet und war in der gesamten Unterwelt gefürchtet. John kennt keine Angst, kämpft hochkonzentriert und präzise, lässt sich durch nichts und niemanden aufhalten und hat einen unmöglichen letzten Auftrag für Viggo erledigt, um aus dessen Diensten austreten und ein friedliches Leben mit Helen führen zu können. Das Gemetzel, das John damals angerichtet hat, war die Grundlage für Viggos heutige Machtposition. Viggo weiß, dass John nicht mit sich reden lässt und nicht ruhen wird, bis Iosef tot ist. Er entsendet ein mehrköpfiges Killerkommando und setzt später ein Kopfgeld von zwei Millionen Dollar auf John aus.

Mit wem er es zu tun hat, erfährt John von Aurelio. John holt Waffen und Gold aus einem Versteck. Viggos Killer dringen in Johns Haus ein und sind wenige Minuten später tot. Um seinen Rachefeldzug in Ruhe vorbereiten zu können, nimmt John ein Zimmer im Hotel Continental. Das Haus wird hauptsächlich von Unterweltprofis frequentiert, denn der Besitzer, ein mit John befreundeter Mann namens Winston, hat die unumstößliche Regel aufgestellt, dass im Continental keine "Geschäfte" gemacht werden dürfen. Eine als Ms. Perkins bekannte Killerin ist bereit, dieses Gesetz zu brechen, denn Viggo bietet für diesen Fall das doppelte Kopfgeld. Von Winston erfährt John, dass sich Iosef im Red Circle Club aufhält. John infiltriert den Club und tötet die meisten Gangster, wird aber vom Chef der Bodyguards aufgehalten und verwundet. Iosef entkommt. John kehrt ins Hotel zurück und lässt sich vom Arzt des Hauses zusammenflicken. Perkins dringt in Johns Zimmer ein, doch er wird durch einen Schuss gewarnt, den Marcus, ein alter Freund Johns, von einem gegenüberliegenden Dach abgibt. Marcus hat den Mordauftrag ebenfalls angenommen, aber nur zum Schein. In Wahrheit will er John schützen. John macht Perkins unschädlich, lässt sie aber am Leben. Er vertraut sie der Obhut eines befreundeten Killers an.

Von Perkins hat John erfahren, wo Viggo sein Vermögen aufbewahrt. John überfällt den Ort und vernichtet das gesamte Geld sowie Datenträger, auf denen brisante Informationen gespeichert sind, mit denen Viggo alle möglichen Leute erpresst. Wie erwartet taucht Viggo wenig später persönlich auf. John attackiert Viggo und dessen Leibwächter, wird aber überwältigt und soll beseitigt werden. Marcus greift ein und verschafft John die Gelegenheit, sich zu befreien. Diesmal behält John die Oberhand. Er könnte Viggo erschießen, doch der kauft sich frei, indem er John verrät, wo Iosef jetzt versteckt gehalten wird. Außerdem zieht er das Kopfgeld zurück. Jetzt kann John seine Rache vollenden. Perkins hat inzwischen ihren Bewacher erschossen. Sie verrät Viggo, dass Marcus John geholfen hat. Marcus wird entführt, gefoltert und erschossen. Telefonisch brüstet sich Viggo gegenüber John mit dieser Tat, um ihn in einen Hinterhalt zu locken, in dem Perkins bereits wartet. Derweil will Viggo die Stadt per Helikopter verlassen. Allerdings wird Perkins von Winston für den Bruch der Hotelregeln mit dem Tode bestraft. Winston informiert John über Viggos Fluchtplan. John fängt Viggos Fahrzeugkonvoi ab und schaltet alle Leibwächter aus. Am Ende stehen sich nur noch John und Viggo gegenüber. John erleidet eine Stichwunde, doch es gelingt ihm, Viggo zu töten. In einer nahe gelegenen Veterinärklinik versorgt sich John notdürftig. Er wird auf einen kleinen Hund aufmerksam, der eingeschläfert werden soll. John nimmt ihn mit.


Kringels Meinung

Ich habe eine Filmkritik gelesen, in der moniert wurde, es sei nicht glaubwürdig, dass John Wick wegen der Tötung eines Hundes einen derart ausgedehnten Amoklauf startet. Das sehe ich anders, denn natürlich geht es John nicht um den Hund, obwohl das Tierchen echt niedlich ist. Er selbst erklärt es wie folgt: Der Hund war so etwas wie ein Symbol. Durch die postume Geste seiner Frau wurde er tief berührt, so dass er irgendwie die Kraft gefunden hat, um nach Helens Tod weiterzumachen. Doch die aufkeimende Hoffnung wurde ihm auf brutale Weise genommen. John musste außerdem erkennen, dass er im Innersten immer noch derselbe Killer ist, der er einst war, und dass ein normales Leben für ihn unmöglich ist. Viggo hat wohl nicht ganz Unrecht, wenn er behauptet, John habe sich selbst etwas vorgemacht. Durch Iosefs Tat wurde John quasi aufgeweckt, die Selbsttäuschung ist in sich zusammengefallen. Das ist Johns Motivation für den Rachefeldzug, und dieser hat nichts mit einem Amoklauf zu tun. John tötet nicht wahllos. Wer sich nicht zwischen John und sein eigentliches Ziel (Iosef) stellt, wird verschont wie der Wachmann vor dem Hintereingang des Red Circle Clubs oder gar Viggo. Wer dagegen so dumm ist, John anzugreifen, muss eben mit den Konsequenzen leben bzw. sterben. Insoweit finde ich "John Wick" sogar tiefgründiger und (was die Motivation der Hauptfigur angeht) nachvollziehbarer als manch anderen Actionfilm. Interessant finde ich auch, dass ständig die verschiedensten Hintergrundgeschichten angedeutet, aber nicht erzählt werden. So bleibt unklar, woher John Ms. Perkins kennt, welche Beziehung er und Marcus früher hatten und wie es geschehen konnte, dass sich jemand in den allseits gefürchteten Killer John Wick verliebt. Dem Schauspieler Keanu Reeves ist es zu verdanken, dass man letzteres überhaupt akzeptieren kann. Schließlich ist John Wick alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse. Doch trotz aller von ihm verübten Gewalttaten bleibt er sympathisch.

Sobald John in den Terminator-Modus umgeschaltet hat, verläuft der Film ganz in den für das Genre üblichen Bahnen. Falls das negativ klingt, sei gesagt, dass "John Wick" ein Actionfilm in Perfektion ist: Schnell, geradlinig, spannend bis zuletzt. Aber was da so alles geschieht, ist im Grunde nicht von Belang. Viel wichtiger ist, wie es inszeniert wird. Hierbei habe ich mich immer wieder an den Film Equilibrium erinnert gefühlt. Dort kommt sogar ebenfalls ein kleiner Hund vor, der wird allerdings gerettet. Ganz ähnlich wie Christian Bale in der Rolle eines "Klerikers", dessen Gefühle durch Medikamente unterdrückt werden und der die "Gun Kata" - Kampfkunst einsetzt, um sich unbeschadet durch große Gegnergruppen zu metzeln, setzt auch Keanu Reeves sparsame, gleichwohl elegante Bewegungen ein, um sich mit furchtloser Zielstrebigkeit zu seinem Ziel durchzukämpfen. John Wick verfällt niemals in Hektik, sondern agiert mit durchdachter Präzision. Dementsprechend sind die Kampfszenen zwar schnell, aber nie unübersichtlich. Keanu Reeves macht hierbei eine richtig gute Figur! Eine Regel in Actionfilmen lautet, dass der Held mit fast jedem Schuss trifft, während von 100 auf ihn abgegebenen Schüssen höchstens einer sein Ziel findet. So ist es auch hier, dennoch kriegt John durchaus was ab. Nun kann man über Sinn und Zweck von Gewaltdarstellungen geteilter Ansicht sein. Bei diesem Film würde ich sie als zumindest teilweise allzu liebevoll choreografiert und genussvoll zelebriert bezeichnen. Dennoch erfüllen sie einen Zweck, denn sie verleihen dem Film die zur Glaubwürdigkeit benötigte Härte sowie eine packende Dynamik.

Ein weiterer interessanter Aspekt dieses Films ist die merkwürdige Parallelwelt, in der er spielt. Wir befinden uns eindeutig in New York, aber das kann nicht "unsesr" New York sein. Jedenfalls wüsste ich nicht, dass das Flatiron-Building als Hotel für Assassinen genutzt wird! Das Hotel ist ein Mikrokosmos für sich mit eigenen Gesetzen. Alle Gangster scheinen einen bestimmten Codex zu folgen. Bezahlt wird mit Goldmünzen. Hinter der Fassade einer Kirche verbirgt sich Viggos Geldspeicher ... Außerdem fällt auf, dass die Gesetzeshüter durch Abwesenheit glänzen. Abgesehen von einem Cop, der bei John klingelt, nachdem dieser Viggos Killer dutzendweise ausgeknipst hat (die beiden kennen sich, es geht nur um Ruhestörung), ist kein einziger Polizist an einem der diversen Schauplätze von Feuergefechten zu sehen. Die Gangster können offenbar in der ganzen Stadt nach Belieben schalten und walten. In diesem New York herrscht eine besondere Atmosphäre, die durch eindrucksvolle Bilder vermittelt wird. Alles wirkt irgendwie überhöht, stilisiert, so als ob es sich um eine Comicverfilmung handeln würde. Das ist aber nicht der Fall! "John Wick" ist düster und brutal, aber sehr schön anzuschauen. Ein moderner Film noir, könnte man sagen. Eine Fortsetzung ist schon in Arbeit. Her damit!


Blu-ray-Features

Die Featurettes des Bonusmaterials sind nicht sonderlich interessant und wiederholen sich teilweise, aber es ist ganz gut zu erkennen, wie sehr sich insbesondere Keanu Reeves hineingehängt hat, um viele Stunts selbst machen zu können. Er hat ein monatelanges intensives Training absolviert, auch hinter dem Steuer. Wenn mal wieder ein Auto auf die Kamera zugedriftet kommt, kann man davon ausgehen, dass es wirklich von Reeves gelenkt wurde! In einer Featurette wird behauptet, den "Gun-Fu-Stil", also die Verwendung von Schusswaffen im Nahkampf, habe es zuvor nicht gegeben. Wie ich im Kommentar geschrieben habe, ist das nicht ganz richtig. Aber es stimmt schon: So genial wie in "John Wick" wurde dieser Kampfstil wohl wirklich noch nie zuvor eingesetzt.


J. Kreis, 16.06.2016




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