Jack Reacher


Jack Reacher (USA, 2012)

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 130 Minuten

Extras:
- Audiokommentare
- Wenn der Mann auftaucht (26:49 Min.)
- Niemand verarscht Jack Reacher: Kampf & Waffen (10:27 Min.)
- Das Reacher-Phänomen (11:10 Min.)

Regie:
Christopher McQuarrie

Hauptdarsteller:
Tom Cruise (Jack Reacher)
Rosamund Pike (Helen Rodin)
Jai Courtney (Charlie)
David Oyelowo (Emerson)
Werner Herzog (Zec Chelovek)
Richard Jenkins (Alex Rodin)
Joseph Sikora (James Barr)
Robert Duvall (Martin Cash)




Story

Ein Heckenschütze tötet fünf Menschen in Pittsburgh, Pennsylvania, und verschwindet unerkannt. Detective Emerson leitet Ermittlungen ein. Alle Indizien belasten einen Irakkriegsveteranen namens James Barr. Unter anderem findet sich am Tatort eine Münze mit Barrs Fingerabdrücken in einer zur Tatzeit benutzten Parkuhr. Barr wird aufgespürt und verhaftet. Aufgrund der eindeutigen Beweislage ist sich Staatsanwalt Alex Rodin seiner Sache sicher und fordert Barr auf, ein Geständnis abzulegen. Nur so kann Barr der Todesstrafe entgehen. Barr schreibt jedoch nur drei Worte auf das ihm vorgelegte Formblatt: "Get Jack Reacher". Ansonsten schweigt er sich aus. Emerson und Rodin haben keine Möglichkeit, mit Reacher in Kontakt zu treten, denn der Mann ist ein Phantom. Er hat keinen festen Wohnsitz, bleibt nie lange an einem Ort und hinterlässt keine Spuren, die zu ihm zurückverfolgt werden könnten. Es ist nur bekannt, dass er ein Elitesoldat und äußerst fähiger Militärpolizist war. Der Detective und der Staatsanwalt müssen nicht weiter nach Reacher suchen. Er taucht von selbst bei ihnen auf, denn Barr ist ihm wohlbekannt und er hat in den Nachrichten gesehen, was Barr getan hat. Reacher ist nicht Barrs Freund, vielmehr will er den Mörder unter die Erde bringen.

Barr kann nicht befragt werden, denn während eines Gefangenentransports wurde er von Mithäftlingen ins Koma geprügelt. Reacher lehnt jegliche Kooperation ab, weil man ihm den Zugang zum Beweismaterial verweigert. Er begegnet Barrs Verteidigerin Helen Rodin, der Tochter des Staatsanwalts. Helen macht Reacher ein Angebot, um seine Hilfe in dem scheinbar aussichtslosen Fall zu erlangen. Er soll offiziell für sie ermitteln und hätte somit Zugriff auf alle Asservate und Unterlagen. Reacher stimmt zu, macht Helen aber klar, dass es ihm keineswegs darum geht, Barr zu retten. Er hat schon einmal gegen Barr ermittelt. Kurz vor Ende des Truppenabzugs aus dem Irak ist Barr, damals Scharfschütze der US-Army, Amok gelaufen und hat wahllos mehrere Personen erschossen. Es hatte sich allerdings herausgestellt, dass die Opfer Mitarbeiter einer für die USA arbeitenden privaten Sicherheitsfirma waren und zuvor zahlreiche Frauen und Kinder über Wochen hinweg vergewaltigt haben. Deshalb wurde die Angelegenheit vertuscht, Barr wurde nie angeklagt. Reacher hat Barr seinerzeit geschworen, er werde ihn endgültig unschädlich machen, sollte er je wieder einen Mord begehen.

Reacher fordert Helen auf, mit den Angehörigen der Opfer zu sprechen, während er sich in den Fall einarbeitet. Er findet es seltsam, dass Barr keine günstigere Position für die Tat gewählt hat. Nur ein viel besserer Schütze als Barr konnte vom Tatort aus ohne Fehlschüsse morden. Zudem kommt ihm die Vielzahl der von Barr zurückgelassenen Spuren merkwürdig vor. Warum zum Beispiel sollte jemand, der gleich Amok laufen wird, zuerst noch Geld in eine Parkuhr werfen? Anhand der von Helen gesammelten Informationen wird klar, dass nur vier der fünf Opfer zufällig ausgewählt wurden. Auf diese Weise sollte verschleiert werden, dass eine Frau namens Oline Archer das eigentliche Ziel war. Sie hat sich geweigert, ihre Baufirma zu verkaufen und sollte deshalb beseitigt werden. Somit steht für Reacher fest, dass die gegen Barr sprechenden Beweise manipuliert wurden. Reacher bemerkt, dass er beschattet wird. Die wahren Täter müssen Beziehungen zu Polizeikreisen haben. In Frage kommen nur Emerson und Helens Vater, denn niemand außer ihnen wusste, dass Reacher für Helen arbeitet. Mit Hilfe einer jungen Frau namens Nancy Holt inszenieren ein paar Schläger im Auftrag der Hintermänner eine Prügelei, um Reacher einzuschüchtern. Reacher besiegt die Schläger mit Leichtigkeit und stattet Nancy später einen Besuch ab, um mehr zu erfahren. Entscheidende Hinweise erhält er von Martin Cash, einem ehemaligen US-Marine, der ein Waffengeschäft mit Schießstand betreibt. Dort hat Barr geübt. Er war nicht allein; der wahre Mörder war dabei. Sein Gesicht ist auf einem Überwachungsvideo zu sehen. Er hat damals schon Spuren ausgelegt, die nach vollbrachter Tat auf Barr hinweisen sollten.

Helen verdächtigt ihren Vater, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Sie irrt sich - in Wahrheit ist Emerson der Maulwurf. Er gehört zu einer von Zec Chelovek angeführten Verbrecherbande, die schon in mehreren Großstädten unter dem Deckmantel legaler Geschäfte aktiv geworden ist. Chelovek räumt skrupellos hinter sich auf, auch Helfer werden nicht verschont. So wird Nancy ermordet, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellt. Diese Tat soll Reacher zur Last gelegt werden, doch er kann sich der Festnahme entziehen. Daraufhin entführen die Gangster Helen, um Reacher in eine Falle zu locken. Doch Reacher ist nicht auf sich allein gestellt, Cash steht ihm bei. Gemeinsam schalten sie Cheloveks Schergen einschließlich des wahren Mörders aus. Emerson droht Helen zu töten und wird von Reacher erschossen. Chelovek verhöhnt Reacher, denn der hat alle getötet, die gegen Chelovek aussagen könnten. Wer würde einem des Mordes verdächtigen Herumtreiber wie Reacher glauben? Reacher findet das einleuchtend. Da Chelovek gute Chancen hat, straffrei auszugehen, erschießt Reacher ihn. Reacher und Cash setzen sich ab, bevor die Polizei eintrifft. Anschließend taucht Reacher wieder unter. Er überlässt es Helen, seinen Namen reinzuwaschen.

Barr erwacht aus dem Koma. Helen ist zuversichtlich, ihn erfolgreich verteidigen zu können. Barr kann sich nicht an die Tat erinnern, die man ihm zur Last legt, aber er bezweifelt aufgrund seiner Vergangenheit nicht, sie begangen zu haben. Er ist zu einem Geständnis bereit, denn es gibt jemanden, den er mehr fürchtet als alle Staatsanwälte und Polizisten zusammengenommen - einen unerbittlichen Streiter für die Gerechtigkeit namens Jack Reacher.


Kringels Meinung

Neulich habe ich mich darüber gefreut, dass Keanu Reeves mit John Wick im Jahre 2014 einen knackigen Actionthriller mit grimmiger Hauptfigur abgeliefert hat. Dabei hat Tom Cruise dasselbe schon zwei Jahre früher getan! Ich möchte die beiden Filme nicht miteinander vergleichen, denn "John Wick" spielt in einer Parallelwelt, die nicht ganz unserer Realität entspricht, was bei "Jack Reacher" nicht der Fall ist. Dieser Film folgt einem realistischeren Ansatz, was auch für die zwar handfeste, aber nicht übertriebene Action gilt. Außerdem sind die titelgebenden Hauptfiguren zu unterschiedlich, zumindest was Hintergrund und Motivation angeht. Jack Reacher mag kein auf einem Rachefeldzug befindlicher Ex-Auftragskiller sein wie John Wick, problematisch ist sein Handeln dennoch, denn wie Barr am Ende des Films sagt, interessiert sich Reacher nicht für Gesetze. Er will Gerechtigkeit - beziehungsweise das, was er selbst für Gerechtigkeit hält - und verübt Selbstjustiz. Schließlich ist dies kein "unrealistischer" Superheldenfilm! Reacher macht im Prinzip dasselbe wie Judge Dredd. Er hält sich für Ankläger, Richter und Vollstrecker in Personalunion. Er kennt nur eine Strafe: Den Tod. Das ist schon ganz schön starker Tobak, zumal Reachers Taten niemals irgendwie in Frage gestellt, sondern durchweg positiv bewertet werden. Die Gewaltdarstellung hat's in sich, aber ich kann lobend anmerken, dass Reacher nicht nur Muskeln hat, sondern auch Köpfchen. Seine Kombinationsgabe wirkt umso glaubwürdiger, als er die von ihm gezogenen Schlüsse nicht lang und breit erläutern muss, sondern kurz und knapp skizzieren kann, weil sie sich für den Zuschauer schlüssig aus der Handlung ergeben.

Der Film basiert auf einer Romanreihe von Lee Child. Darin ist Jack Reacher ein fast zwei Meter großer, blonder und blauäugiger Hüne. Kritiker haben angemerkt, dass Tom Cruise diesem Vorbild nicht ganz entspricht. Stimmt, ist aber egal, denn das Aussehen ist nicht von Belang. Viel wichtiger ist die Frage, ob es der Darsteller schafft, die unbeirrbare Zielstrebigkeit der Romanfigur glaubhaft rüberzubringen. Und das gelingt Cruise definitiv. Um denn doch einen Vergleich mit "John Wick" anzustellen, kann ich sagen, dass Reacher genauso durchdacht, präzise und furchtlos vorgeht wie John Wick, und dass Cruise dabei eine sehr gute Figur macht. So kann man Reachers Überlegenheit durchaus akzeptieren. In einer anderen Zeit wäre dies meiner Meinung nach eine prima Rolle für Arnold Schwarzenegger gewesen, und an diese alte Zeit erinnert der Film auch ein wenig. Ganz wie Actionhelden alter Schule scheint Reacher kugelsicher und auch sonst unverwüstlich zu sein; selbst nach einem herzhaften Hieb mit einem Baseballschläger auf den Hinterkopf ist er gleich wieder kampfbereit und zerlegt drei böse Buben auf einmal - eine Szene übrigens, die hart am Slapstick entlangschrammt, weil sich zwei der Angreifer unglaublich dämlich anstellen. Das ist aber die einzige Szene dieser Art. Ansonsten kommt der Humor nicht so sehr mit dem Holzhammer daher, eher wird er mit trockenen Onelinern vermittelt. Cruises Charisma ist es zudem zu verdanken, dass man über die Selbstjustiz-Problematik hinwegsehen kann. Dasselbe muss man mit einzelnen Handlungselementen tun. Zum Beispiel verstehe ich nicht, warum Cash sein Leben aufs Spiel setzt, um Reacher zu helfen, oder warum sich Reacher beim Showdown unbewaffnet auf einen Nahkampf einlässt.

Aber was soll's! "Jack Reacher" ist ein richtig schön spannender Thriller mit solide konstruiertem Plot, und das, obwohl der Zuschauer von Anfang an weiß, wer die wahren Täter sind. In diesem Zusammenhang darf Werner Herzog nicht unerwähnt bleiben. Ich wusste gar nicht, dass der Regisseur, dem wir unvergessliche Klaus-Kinski-Filme wie Aguirre und Nosferatu zu verdanken haben, auch als Schauspieler arbeitet. In der Rolle des bizarren Bösewichts, der nicht verstehen kann, warum sich eines seiner Opfer lieber erschießen lässt, als sich die eigenen Finger abzunagen (was er selbst in seiner Zeit als Gulag-Gefangener tun musste, um zu überleben), brilliert Herzog gerade deshalb, weil er nicht schauspielert. Er spricht sogar in genau derselben schleppend-eintönigen Art und mit scharfem "s", die ich für seinen normalen Alltags-Tonfall halte. Einfach köstlich.


Blu-ray-Features

Die Featurette "Wenn der Mann auftaucht" enthält die übliche wenig aussagekräftige Mischung aus Filmszenen, Interviews und Hinter-den-Szenen-Material. Immerhin kommen auch Werner Herzog und Lee Child zu Wort. Letzterer hat übrigens eine kleine Rolle im Film. Er ist der Polizist, von dem Reacher bei der Haftentlassung nach der Kneipenschlägerei seine Besitztümer zurückerhält. In "Niemand verarscht Jack Reacher" geht's um Action und Stunts. Wie man es von Tom Cruise nicht anders kennt, war er wieder mit vollem Körpereinsatz dabei und hat härter trainiert als alle anderen.

In "Das Reacher-Phänomen" spricht Lee Child über seine Romanserie, die Hauptfigur und das Schreiben. Child gibt eine kleine Anekdote zum Besten und erzählt, wie er auf den Namen der Hauptfigur gekommen ist. Er war arbeitslos, als er den ersten Roman geschrieben hat, hatte also viel Zeit und musste daher im Haushalt helfen (ein Problem, das jeder in einer Beziehung lebende Mann kennen dürfte). Beim Einkaufen im Supermarkt wurde er von einer älteren Dame gebeten, etwas aus einem hohen Regal zu holen. Daraufhin meinte Childs Ehefrau, sofern er keinen anderen Job finde, könne er immer noch als Anreicher ("Reacher") im Supermarkt arbeiten. Jack Reacher war geboren!


J. Kreis, 21.09.2016




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