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jabberwocky Jabberwocky (GB, 1977)
DVD - Regionalcode 2, Columbia Tristar Home Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 101 Minuten

Extras
Audiokommentare, Poster-Galerie, Sketche-Galerie, Trailer

Regie:
Terry Gilliam

Hauptdarsteller:
Michael Palin (Dennis Cooper)
Max Wall (König Bruno der Fragwürdige)
Deborah Fallender (Prinzessin)
Anette Badland (Griselda)




Inhalt:

Wir befinden uns im Mittelalter. Und es ist schwärzer, als man es sich je hätte vorstellen können. Nicht genug damit, daß Armut, Krankheit und Habgier überall herrschen; neuerdings macht auch noch das schreckliche Ungeheuer Jabberwocky das Reich von König Bruno dem Fragwürdigen unsicher, frißt harmlose Fallensteller und arglose Wanderer, läßt immer wieder sein fürchterliches Gebrüll erklingen und sorgt dafür, daß alles Volk sich hinter den vermeintlich sicheren Mauern der Hauptstadt zusammendrängt. Sehr zur Freude der reichen Kaufleute übrigens, die geradezu astronomische Umsätze machen und auch sehr zum Vergnügen der Kirche, die mehr Zulauf hat als je zuvor. In dieser Zeit lebt Dennis, Sohn eines Küfers, irgendwo im Sumpf. Er liebt die fettleibige Griselda (die von ihm aber nichts wissen will) und träumt von einer Karriere in der Stadt. Als sein Vater stirbt, nicht ohne Dennis noch auf dem Totenbett zu verfluchen, macht der junge Mann sich auf den Weg in die weite Welt. Mit sich führt er eine gammelige Kartoffel, von der er glaubt, sie sei ein Liebesbeweis seiner Angebeteten (in Wirklichkeit wollte sie ihn mit einem gezielten Wurf vertreiben).

Leider ist die Stadt schon völlig überlaufen, so daß man dem armen Dennis den Zutritt verwehrt, denn etwas wertvolleres als seine Kartoffel hat er nicht dabei. Letztlich schafft er es doch, sich durch eine Hintertür einzuschleichen und macht sogar die Bekanntschaft der romantisch veranlagten Prinzessin, die ihn für einen Prinzen hält und sich ihm gern an den Hals werfen möchte. Dennis stolpert von einem Mißgeschick ins andere. Er wird von religiösen Fanatikern bedrängt, die sich dann aber lieber selbst opfern. Ein Bettler, der sich selbst den Fuß abgehackt hat, möchte mit Dennis in Geschäftsbeziehungen treten - zu diesem Zweck soll der Bursche sich ebenfalls von einem Fuß trennen.

Während König Bruno ein Turnier anberaumt, um den tapfersten Ritter zu küren, der dann die ehrenvolle Aufgabe erhalten soll, das Ungeheuer zu töten und die Hand der Prinzessin sowie das halbe Königreich zu gewinnen, tut Dennis sich per Zufall mit einem Schildknappen zusammen. Der fällt einem amourösen Abenteuer zum Opfer und so findet Dennis sich plötzlich selbst als Knappe an der Seite des Helden wieder, der sich dem Monster entgegenstellen will. Doch da ist noch der geheimnisvolle Schwarze Ritter, der von den Kaufleuten angeworben wurde. Diese Geschäftsmänner sehen nämlich ihre Felle davonschwimmen und wollen verhindern, daß Jabberwocky beseitigt wird. Der Schwarze Ritter spaltet den Helden, dem Dennis dient, mit einem Hieb. Bevor er das gleiche aber mit Dennis machen kann, taucht tatsächlich das Ungeheuer auf. Nach hartem Kampf schleudert es den Schwarzen Ritter in einen Abgrund und wendet sich dann Dennis zu. Der duckt sich furchtsam unter ein Schwert und hat mehr Glück als Verstand, denn das Monster spießt sich selbst auf.

Mit Jabberwockys abgetrenntem Kopf kehrt Dennis als gefeierter Held in die Stadt zurück. Doch wieder stellt sich etwas seinem Glück in den Weg. Bevor er nämlich Griselda endlich heiraten kann, macht der König sein Versprechen wahr und gibt dem verzweifelten Dennis die schöne Prinzessin zur Frau...

Der Film:

"Jabberwocky" ist eigentlich ein Ungeheuer in einem Gedicht aus Lewis Carrolls Buch "Alice hinter den Spiegeln". Um diesen Namen und um dieses Monster herum hat Terry Gilliam, Mitglied der Monty Python - Truppe, einen Film gedreht, der einem außer Kontrolle geratenen Gemälde von Hieronymus Bosch gleicht. Jabberwocky ist Gilliams erster eigener Film. Gilliam, einziger Amerikaner unter den Pythons, muß eine mindestens genauso kranke Phantasie haben wie ich. Man denke nur an Filme wie Brazil und "Twelve Monkeys". Jabberwocky hat zwar noch nicht diese alptraumartige Atmosphäre wie spätere seiner Werke, aber sein Stil ist auch hier schon unverkennbar. Und weil dieser Stil ganz anders ist als das, was die Pythons z.B. in "Die Ritter der Kokosnuss" und "Das Leben des Brian" zeigen, ist es völlig verfehlt, Jabberwocky mit dem Namen "Monty Python" anzupreisen. Wer witzige Sketche wie in den Python-Filmen erwartet, dürfte jedenfalls ziemlich enttäuscht sein. Außerdem ist Michael Palin das einzige Mitglied aus der Python-Truppe, das in diesem Film neben Gilliam selbst und Terry Jones (die beide nur ganz kurze Cameo-Auftritte haben) mitspielt.

Jabberwocky ist denn auch nicht so amüsant wie die Python-Filme, er sorgt eher wegen der bizarren Figuren (genial übrigens Max Wall als König Bruno der Fragwürdige) und der teils sehr drastischen Szenen für Erheiterung. Das hier gezeigte Mittelalter unterscheidet sich grundlegend von den pieksauberen Ritter-Szenarien, die man in Historienfilmen sonst zu sehen bekommt. Hier waten die Leute knöcheltief in Dreck und Abfällen, werden Nachttöpfe auf die Straße geschüttet, zerbröckeln die maroden Mauern des muffigen, staubigen, düsteren Schlosses und selbst der König trägt altes, verrottendes Zeug, Gewalt und plötzlicher Tod lauern an jeder Ecke. All der schwarze Humor, die Abscheulichkeiten und Grausamkeiten sind nur zu ertragen, weil man nie das Gefühl hat, daß der Film "ernst gemeint" ist. Er ist eine einzige Karikatur, ein Cartoon mit realen Schauspielern, die aber durch die Bank hervorragende Arbeit leisten und offensichtlich eine Menge Spaß beim Dreh hatten. Nur schade, daß Dennis nach vielen Zurückweisungen immer noch so sehr für Griselda schwärmt, selbst dann noch, als er die wunderschöne Prinzessin ehelichen kann - das ist ein bißchen arg unlogisch.

Wenn die chaotisch-aberwitzige Story und der nicht für jedermann verständliche Humor vielleicht für manche die Negativpunkte des Films sein mögen (ich finde beides genial, wenn auch manchmal etwas zu albern), so ist er wegen der ganzen Atmosphäre her doch absolut sehenswert. Und die Szenen, in denen Jabberwocky seine Opfer verspeist, bis nur noch die blutigen Gerippe mit dem unversehrten Kopf übrig sind - die sind schon ziemlich starker Tobak, aber extrem gut gemacht.

Die DVD:

Ob als Kinotrailer absichtlich "Der erste Ritter" und "Ritter aus Leidenschaft" gewählt wurden? Denn einen krasseren Unterschied dieser Filme zu dem Mittelalter, das in Jabberwocky gezeigt wird, kann man sich kaum vorstellen. Weiteres Extra ist ein Audiokommentar von Terry Gilliam und Michael Palin. Was die beiden (natürlich in englischer Sprache, es gibt aber auch Untertitel) so alles zu erzählen haben, ist nicht nur interessant, sondern stellenweise lustiger als der Film... Und dann ist da noch ein Vergleich zwischen Terry Gilliams Skizzen und den Szenen, die dann im fertigen Film zu sehen sind. Witzig!

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