Ironclad


Ironclad - Bis zum letzten Krieger (GB/USA, 2011)
- Ironclad -

Blu-ray, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 121 Minuten

Extras:
- Interviews mit Cast & Crew
- B-Roll
- Trailer
- BD Live

Regie:
Jonathan English

Hauptdarsteller:
James Purefoy (Thomas Marshall)
Brian Cox (Baron William de Albany)
Paul Giamatti (König John)
Kate Mara (Lady Isabel)
Charles Dance (Erzbischof Stephen Langton)
Vladimir Kulich (Tiberius)
Derek Jacobi (Reginald de Cornhill)
Aneurin Barnard (Guy)




Story

Im Jahre 1215 wird der englische König John, ein grausamer Tyrann, vom rebellierenden Adel zur Unterzeichung der Magna Carta gezwungen. Mit dieser Vereinbarung wird die Position des Königs gegenüber dem Adel und dem freien Volk geschwächt. Er denkt allerdings nicht daran, die Magna Carta anzuerkennen. Er wendet sich an den Papst, der das Dokument für nichtig erklärt. König John verstärkt seine Streitmacht mit dänischen Söldnern unter dem Kommando von Hauptmann Tiberius. Er verspricht den Dänen, die Kirche werde sich aus ihrem Land fernhalten, und führt mit ihrer Hilfe einen erbarmungslosen Feldzug gegen alle, die sich gegen ihn gestellt haben. Dazu gehört auch der Orden der Tempelritter, denn dieser hat an der Seite der Barone gegen John gekämpft. Zufällig halten sich der Templer Thomas Marshall, zwei seiner Ordensbrüder und der Abt Marcus in einer Burg auf, die von John eingenommen wird. Marshalls Ziel ist Canterbury, wo er aus dem Kriegsdienst entlassen zu werden hofft. Als der Burgherr aufgeknüpft werden soll, versucht der Abt vergeblich, den König zur Mäßigung zu bewegen. Dem alten Mann wird die Zunge herausgeschnitten, woran er später stirbt. Die Templer stellen sich den dänischen Söldnern entgegen, stehen aber auf verlorenem Posten. Die beiden anderen Templer opfern sich, um Marshalls Flucht zu decken.

Marshall reist nach Canterbury und sucht Erzbischof Langton auf, den Verfasser der Magna Carta, und berichtet von Johns jüngster Gräueltat. Baron William de Albany, einer der rebellierenden Adligen, äußert große Besorgnis. Sollte es dem König gelingen, die strategisch besonders wichtige Festung Rochester Castle einzunehmen, so würde er ganz Südengland kontrollieren und könnte auf London marschieren. Rochester Castle, Heimat des Barons Cornhill, muss unbedingt bis zum Eintreffen der von Langton zu Hilfe gerufenen französischen Armee gehalten werden. Marshall und der von seinem Knappen Guy begleitete Baron stellen eine kleine Gruppe treuer Kämpfer zusammen. In Rochester Castle werden sie schon von einigen Söldnern erwartet, denn nicht alle Rekrutierungsversuche Albanys waren erfolgreich. Ein Mann hat die Pläne des Barons an den König verraten. Tiberius hat sechs seiner Leute vorausgeschickt. Diese werden von Albanys Leuten nach kurzem Kampf unschädlich gemacht. Albany übernimmt die Burg gegen den Widerstand Cornhills. Die Anlage ist stark befestigt, hat aber keinen Wassergraben. Außerdem steht nur ein Dutzend Soldaten zur Verfügung. Lady Isabel, die junge Gattin des betagten Burgherrn, wirft ein Auge auf Marshall. Der Templer ist jedoch durch seine Gelübde zur Keuschheit verpflichtet und bleibt auf Distanz.

Dann trifft John ein. Der König ist nicht erfreut, als es seinem Heer trotz großer zahlenmäßiger Überlegenheit und des Einsatzes von Kriegsmaschinen nicht gelingt, die Mauern von Rochester Castle zu bezwingen. Zwei Angriffe werden zurückgeworfen, wobei allerdings auch die Verteidiger schmerzliche Verluste erleiden. Aufgrund des Wintereinbruchs verlegt sich John darauf, die Burgbewohner auszuhungern. In einer tollkühnen Aktion erbeutet Marshall Vorräte aus dem feindlichen Lager, so dass die Verteidiger die Wintermonate überstehen. Die Hoffnung auf Entsatz durch die Franzosen schwindet. Tatsächlich muss Langton erst persönlich nach Frankreich reisen, um Prinz Ludwig, der Johns Platz auf dem Thron einnehmen soll, zum Aufbruch zu bewegen. In dieser Zeit kommen sich Marshall und Isabel immer näher. Schließlich lässt sich der Templer von Isabel verführen. Am Morgen nach der Liebesnacht unternehmen die Dänen einen Überraschungsangriff von zwei Seiten. Infiltratoren öffnen die Tore, so dass die Hauptstreitmacht eindringen kann. Viele Verteidiger und Zivilisten werden niedergemetzelt. Marshall unternimmt einen Ausfall zu Pferd und kann sich mit den Überlebenden, darunter Isabel, Cornhill und Guy, in den Bergfried zurückziehen. Der schwer verwundete Albany und zwei weitere Männer werden von den Söldnern gefangen genommen.

Marshall muss tatenlos mit ansehen, wie den Gefangenen Hände und Füße abgehackt werden. Noch kurz vor seinem Tod fordert Albany die letzten Verteidiger auf, nicht zu kapitulieren. In dieser ausweglosen Situation erhängt sich Cornhill. Der königliche Baumeister unterminiert den Bergfried. Ein mit Schweinefett angeheiztes Feuer wird in dem Tunnel entzündet, so dass er zusammenbricht. Dadurch wird eine Seite des Turms zerstört. Tiberius führt seine Männer durch die Bresche. Die Verteidiger fallen, bis nur noch Marshall, Guy und Isabel am Leben sind. Marshall stellt Tiberius zum Zweikampf und tötet ihn. Währenddessen treffen Langton und Prinz Ludwig an der Spitze einer gewaltigen Streitmacht ein. Die Dänen suchen ihr Heil in der Flucht. John muss sich zurückziehen. Er stirbt einige Zeit später an der Ruhr. Sein Kronschatz geht verloren. Der Erzbischof entbindet Marshall vom Templergelübde, so dass er und Isabel in eine gemeinsame Zukunft aufbrechen können.


Kringels Meinung

Die Magna Carta gilt heute als bedeutender Meilenstein auf dem Weg zu modernen gesellschaftlichen Verhältnissen, als Verbriefung der Freiheitsrechte des Volkes. Im Jahre 1215 war das noch ganz und gar nicht so. Im Grunde ging es nur um das Verhältnis zwischen Adel und Krone, außerdem hatten wohl beide Seiten keine großen Ambitionen, die einzelnen Artikel des Dokuments durchzusetzen. Es ist also nicht ganz passend, wenn sich Baron William de Albany in diesem Film quasi als Anwalt des von John unterdrückten Volkes gebärdet. Die Schlacht von Rochester war wirklich ein Wendepunkt im Krieg der Barone, sie ist jedoch etwas anders verlaufen, als es in "Ironclad" dargestellt wird. Vor allem war König John erfolgreich. Die Burg wurde eingenommen und die Franzosen sind erst ein halbes Jahr später in England eingetroffen. Der reale Albany hatte bei weitem kein so grausiges Schicksal wie sein Film-Pendant. Die Idee mit der Unterminierung des Turmes, bei der 40 Schweine dran glauben mussten, wurde allerdings auch in der Realität umgesetzt. Die Dänen, im Film als heidnische Wilde dargestellt, waren im 13. Jahrhundert längst christianisiert.

"Ironclad" mag also nicht historisch korrekt sein - realistisch ist er dennoch, und zwar was die Gewaltdarstellung angeht. In mehreren großen Actionszenen wird gemetzelt, was das Zeug hält, und genau so wird es wohl wirklich gewesen sein, als die Leute mit Schwertern, Streitäxten, Kriegshämmern und ähnlich krudem Werkzeug aufeinander losgegangen sind. Mit den Ritterfilmen früherer Zeiten, in denen kein Tropfen Blut fließt, hat "Ironclad" wirklich nichts zu tun. Da werden Körperteile abgetrennt, was nicht immer beim ersten Hieb gelingt, Schädel werden gespalten, Knochen spießen aus aufgehackten Körpern hervor und der rote Lebenssaft fließt reichlich. Auf den Einsatz von CGI-Blut wurde verzichtet (zum Glück - ich kenne keinen Film, in dem das überzeugend ausgesehen hätte), stattdessen wurde auf bewährte handwerkliche Effekte gesetzt. Das zahlt sich aus! Die Kampfszenen sind hart und mitreißend, aber es wird nichts verharmlost oder als "cool" dargestellt. Es gibt keine heldenhaften Tode, sondern nur ein brutales Abschlachten. Anschließend werfen sich die Sieger nicht in heroische Posen, sondern sitzen erschöpft und traumatisiert im blutigen Matsch. Das hier gezeigte Mittelalter wirkt viel grimmiger als die klinisch reinen Hochglanzwelten älterer Filme. Insgesamt entsteht eine sehr düstere Atmosphäre, die mir gut gefällt.

Leider ist nicht alles, was zwischen den Kampfszenen geschieht, genauso überzeugend. So geht die Zusammenstellung der Gruppe rund um Marshall und Albany sehr schnell. Zu schnell vielleicht, das heißt, alle stürzen sich bedenkenlos in ein Selbstmordunternehmen. Zugestehen muss ich, dass selbst Nebenfiguren wie Guy, Becket, Coteral, Wulfstan und Marks Profil gewinnen, so dass ihre Tode (d.h. Guy überlebt ja) durchaus weh tun. Brian Cox und Charles Dance sind so klasse in ihren Rollen, wie man es von diesen erfahrenen Profis erwarten darf. Purefoy macht sich gut als Kreuzzugsveteran, der den Bihänder gern an den Nagel hängen möchte. Doch die Liebesgeschichte wirkt aufgesetzt und sie trägt den Film in den "Zwischenräumen" nicht. Somit haben sich leichte Längen eingeschlichen; zumindest habe ich irgendwann gehofft, die Dänen möchten bald wieder angreifen. Mein Held ist (wie sollte es anders sein) der Bösewicht. Paul Giamatti chargiert hart an der Grenze zur Karikatur. Merkwürdigerweise funktioniert gerade das sehr gut! Und König John bringt sogar ein gutes Argument für seine Gnadenlosigkeit. Er darf nicht zulassen, dass die Autorität der Krone geschwächt wird und muss daher mit aller Härte gegen jeden vorgehen, der sie in Frage stellt.


Blu-ray-Features

Schade, dass sich niemand die Mühe gemacht hat, die teils extrem kurzen Interviewschnipsel sowie das unkommentierte Hinter-den-Szenen-Materiel zu einer vernünftigen Einheit zusammenzustellen und vielleicht noch ein paar historische Hintergrundinformationen einfließen zu lassen. Auf diese Weise hätte eine schöne Dokumentation incl. Vergleich des Films mit realer Geschichte entstehen können. Leider ist das meiste, was Schauspieler und Filmteam zu sagen haben, denkbar uninteressant, wenn man den Film schon gesehen hat. Die Handlung wird nacherzählt, die Figuren werden erläutert und das war's im Großen und Ganzen auch schon. Wenigstens kann man gut erkennen, mit welchen Schwierigkeiten die Dreharbeiten verbunden waren. Gedreht wurde in Wales, und da hat's typischerweise öfters wie verrückt geregnet ...


J. Kreis, 17.01.2017




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme