Imprint


Imprint - Black Edition (USA/Japan, 2006)

DVD Regionalcode 2, Splendid Film
Altersfreigabe: SPIO/JK: Keine schwere Jugendgefährdung
Laufzeit: ca. 61 Minuten

Extras
- Imperfect Beauty - Das Making of (15:17 Min.)
- Imprinting - Das Special (47:38 Min.)
- Interview mit Takashi Miike (41:26 Min.)
- Biografie von Takashi Miike (Text)

Regie:
Takashi Miike

Hauptdarsteller:
Billy Drago (Christopher)
Youki Kudoh (Frau)
Michie Ito (Komomo)
Toshie Negishi (Bordellchefin)




Inhalt:

Der amerikanische Journalist Christopher sucht in Japan nach der jungen Prostituieren Komomo, die er vor Jahren kennen und lieben gelernt hat. Er hat ihr versprochen, sie mit nach Amerika zu nehmen, konnte sie seinerzeit aber nicht mehr finden. Seine Suche führt ihn zu einem Bordell auf einer Insel in einer abgelegenen Gegend. Dort ist Komomo angeblich nicht bekannt. Christopher ist gezwungen, die Nacht auf der Insel zu verbringen und die Dienste einer Prostituierten in Anspruch zu nehmen. Er entscheidet sich für eine Frau, deren rechte Gesichtshälfte entstellt ist. Die Frau behauptet, Komomo habe sehr wohl in dem Bordell gelebt. Sie habe sich vor einiger Zeit erhängt, weil ihr Geliebter nicht wie versprochen gekommen sei, um sie zu befreien. Als Christopher fragt, wie es dazu gekommen ist, behauptet die Frau, Komomo sei grausam gefoltert worden. Die Bordellchefin habe Komomo zu Unrecht verdächtigt, einen wertvollen Ring gestohlen zu haben. Komomo habe die Schmerzen nicht mehr ertragen und deshalb Selbstmord begangen. Christopher ahnt, dass die Frau ihm noch immer etwas verschweigt und gibt sich nicht mit dieser Version zufrieden. Deshalb erzählt ihm die Frau die Geschichte ihres eigenen Lebens.

Die Eltern der Frau sind Geschwister. Ihr Vater ist ein dem Alkohol ergebener Bettler, ihre Mutter eine "Engelmacherin". Sie will auch ihr eigenes Kind abtreiben, doch es überlebt. Das Mädchen wird aufgrund seiner Entstellung von allen anderen Kindern gemieden und verspottet. Die Kleine assistiert ihrer Mutter bei der grausigen Arbeit. Eines Tages wird das Kind vom eigenen Vater missbraucht. Auch ein buddhistischer Mönch, der dem Mädchen einredet, für böse Taten komme man in die Hölle, vergeht sich an ihr. Eines Tages erschlägt das Mädchen seinen Vater. Wenig später wird das Kind verkauft und geht durch mehrere Hände, bis es im Bordell auf der Insel landet. Dort wird die Frau auch als Erwachsene von allen schlecht behandelt. Nur Komomo ist freundlich zu ihr. Die Frau stiehlt den Ring, verleumdet Komomo und ermordet sie eigenhändig, um ihr einen Gefallen zu tun. Sie will verhindern, dass Komomo wegen der Freundschaft zu ihr in die Hölle kommt. Sie glaubt, aufgrund der durchlittenen Qualen stehe Komomo der Himmel offen.

Das ist aber immer noch nicht die ganze Wahrheit. Christopher zwingt die Frau, ihm alles zu sagen. Sie zeigt ihm daraufhin ihren parasitären Zwilling: Ein unerentwickeltes, mit ihr verwachsenes Geschöpf, das normalerweise in ihrem auftoupierten Haar verborgen ist. Das Wesen wirft Christopher vor, er habe seine kleine Schwester missbraucht und ermordet. Christopher erschießt die Frau. Sie scheint sich in Komomo zu verwandeln. Christopher wird wegen Mordes ins Gefängnis gesperrt. Dort wird er von den Geistern seiner Opfer heimgesucht...

Kommentar

...jedenfalls interpretiere ich die vorletzte Szene des Films so. Komomos Geist und das kleine Mädchen, das vermutlich seine Schwester sein soll, stehen neben Christopher im Kerker. In einem Holzkübel mit Gefängnisfraß sieht Christopher außerdem einen abgetriebenen Fötus. Möglicherweise hat Christopher alles nicht wirklich erlebt; es könnte sein, dass er Komomo ermordet und sich den ganzen Rest nur eingebildet hat, als er schon längst im Kerker war. Die allerletzte Szene ist noch rätselhafter. Man sieht die entstellte Frau. Sie ist quicklebendig und brutzelt sich einen Fisch. Im Interview (siehe "DVD-Features") sagt Takashi Miike, dass er sehr zufrieden mit der Aussage dieser Szene sei. Leider erklärt er nicht, welche Aussage das sein soll - ich hab's nämlich nicht begriffen. Die Geschichte wird übrigens keineswegs im richtigen chronologischen Ablauf und so zusammenhängend erzählt, wie es die obige Zusammenfassung vermuten lässt. Die Frau rückt nur nach und nach mit der Wahrheit heraus; sie erzählt verschiedene Versionen der Geschichte, die dann in Rückblenden gezeigt werden.

Der nur gut eine Stunde lange Film ist die dreizehnte Episode der Fernsehserie "Masters of Horror". Die Geschichte basiert auf einer Novelle von Shimako Iwai. Die Autorin hat eine Rolle im Film; sie spielt die Frau, die Komomo foltert. Diese erbarmungslose, demütigende Folterung ist zweifellos äußerst starker Tobak. Wer Angst vor Nadeln hat, wird sich diese Szenen womöglich nicht ansehen können! Hinzu kommen noch diverse unappetitliche Momente in den Rückblick-Szenen (Abtreibungen). So ist es nicht verwunderlich, dass die ungeschnittene Version des Films nicht mal eine FSK-18-Einstufung erhalten hat, sondern nur die so genannte "leichte" SPIO/JK-Freigabe. In den USA wurde die Episode der Wikipedia zufolge aufgrund der vielen brutalen und verstörenden Szenen nicht ausgestrahlt. Aber es wäre falsch, den Film auf die Splatter- und Bondage-Elemente zu reduzieren, zumal die entsprechenden Szenen eher kurz sind. Mindestens ebenso wichtig ist die düstere Atmosphäre. Wie Miike im Interview selbst sagt, handelt es sich zwar nicht um eine historisch korrekte Darstellung Japans im 19. Jahrhundert, aber es wird ganz auf jegliche romantische Verklärung verzichtet. Schon das Ambiente des Bordells hat etwas Bedrückendes und Ernüchterndes. Die Rückblicke auf die Jugend der namenlosen Frau zeigen das Leben der armen Landbevölkerung in Dreck und Elend.

Prächtige Ausstattung, gelungene Spezialeffekte, Gruselmomente und geschickt dosierte Gewalt - das klingt nach einem rundum gelungenen Film, aber leider gibt es zwei Dinge, die nicht unerheblich stören. Da wäre zum Beispiel Billy Dragos Overacting. Der Mann gebärdet sich viel zu theatralisch, so dass sich mehrmals unfreiwillige Komik einschleicht. Das wäre noch zu ertragen, aber der gesamte Film kippt, sobald die "Zwillingsschwester" der namenlosen Frau gezeigt wird: Eine aus ihrem Kopf wachsende Hand mit einem winzigen deformierten Gesicht. Das bizarre Wesen kann sprechen und singen. Ich weiß nicht, wie man das besser hätte darstellen können, aber dieses Ding sieht aus, als wäre es der Muppet Show entsprungen. Die Handpuppe kann schlicht und einfach nicht überzeugen und zieht den Film komplett ins Lächerliche. Kann natürlich Absicht sein, aber ich finde es unpassend.

DVD-Features

Eigentlich hätte man die Featurettes "Imprinting" und "Imperfect Beauty" sowie das Interview mit Takashi Miike zusammenfassen können, denn alle drei Extras sind praktisch gleich aufgebaut: Interviews, Hinter-den-Szenen-Material und Filmausschnitte werden zusammengestellt, um einen Einblick in den Produktionsprozess und die Arbeitsweise des Regisseurs zu ermöglichen. So berichtet die Autorin des zugrunde liegenden Romans, inwieweit der Film von der Vorlage abweicht, man bekommt zu sehen, wie die japanischen Schauspieler an einem Sprachtraining teilnehmen (alle Schauspieler sprechen in der Originalversion während des ganzen Films englisch) und wie die Handbuppe hergestellt / bedient wurde. Lustig: Vor Beginn der Dreharbeiten wurde ein shintoistisches Reinigungsritual vollzogen - trotzdem gab's heftige Regenfälle, Erdbeben und andere Probleme...


Screenshots


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Schon als Kind wird die Namenlose aufgrund ihrer Entstellung von allen gemieden...


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...dennoch ist sie nie allein.


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Der Priester redet der Namenlosen ein, dass man für böse Taten in die Hölle kommt.


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Als Erwachsene muss die Namenlose im Bordell arbeiten.


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Nur Komomo ist der Namenlosen gegenüber freundlich eingestellt.


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Ein weiblicher Folterknecht...


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...und das Ergebnis der Tortur.


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Christopher (rechts) auf dem Weg zur Insel.


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Der Ring war in all der Zeit gut versteckt.


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Christopher im Kerker.


J. Kreis, 17.01.2012




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