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Impostor Impostor (USA, 2002)
DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 92 Minuten

Extras
Featurette "The Impostor Files", Original Kurzfilm, Biografien (Texttafeln)

Regie:
Gary Fleder

Hauptdarsteller:
Gary Sinise (Dr. Spencer Olham)
Madeleine Stowe (Maya Olham)
Vincent D'Onofrio (Major Hathaway)
Mekhi Phifer (Cale)




Inhalt:

Im Jahr 2079 befindet sich die Erde schon seit Jahrzehnten im Krieg mit Außerirdischen: Die Feinde kommen von Alpha Centauri und terrorisieren die Erde immer wieder mit Bombenangriffen aus der Ferne. Man hat deshalb alle noch nicht zerstörten Städte zum Schutz vor den Angriffen aus dem All mit Energieschirmen überkuppelt, die der Feind (noch) nicht knacken kann. Alle Nationen haben sich unter einer totalitär angehauchten Weltregierung zusammengeschlossen. Es ist ein Überwachungsstaat entstanden, in dem das Wohl des Einzelnen nicht mehr viel wert ist. Geniale Wissenschaftler wie Dr. Spencer Olham arbeiten ständig an der Entwicklung neuer Waffen, aber noch herrscht ein Gleichgewicht der Kräfte. Olhams neueste Erfindung, eine Superbombe, könnte allerdings die Entscheidung in diesem Krieg bringen. Eines Tages wird Olham aus heiterem Himmel von Major Hathaway, dem Chef einer Spezialeinheit des Geheimdiensts zur Bekämpfung feindlicher Infiltration, festgenommen. Olham wird unter Drogen gesetzt und verhört. Hathaway behauptet, Dr. Spencer Olham sei in Wirklichkeit ermordet worden. Der Mörder, ein perfekter Android, der von einem echten Menschen nicht zu unterscheiden sei, habe seinen Platz eingenommen. Der Android trage eine Bombe in seiner Brust und solle einen Anschlag auf eine hochrangige, als Kriegstreiberin bekannte Politikerin verüben. Das alles habe man einer abgefangenen Geheimnachricht des Feinds entnommen.

Für Olham klingt das wie Wahnsinn, denn er müßte es schließlich selbst am Besten wissen, wenn er tatsächlich nur ein Kunstwesen wäre - er ist aber überzeugt, der "echte" Olham zu sein. Würde er sich sonst an alle Details aus Olhams Leben erinnern? Hätte seine Frau Maya ihn nicht längst entlarvt, wenn er kein echter Mensch wäre? Als Olham eine tödliche Operation über sich ergehen lassen soll (man will ihm die Bombe aus der Brust bohren), dreht er durch und flieht, wobei er versehentlich seinen besten Freund erschießt. Olham entkommt aus der Stadt, der gnadenlose Major Hathaway setzt sich sofort auf seine Spur. Doch die verliert sich in den Ruinen der alten Stadtbezirke außerhalb der Energiekuppel. Dort trifft Olham den undurchsichtigen Outlaw Cale, der ihn zunächst an die Sicherheitskräfte verkaufen will. Olham kann Cale mit dem Versprechen auf seine Seite ziehen, ihm Zugang zu den Medikamentenschränken des Krankenhauses zu verschaffen, in dem Maya arbeitet. Cale braucht das Geld - bzw. die Medikamente - nämlich nicht, um sie als Drogen zu verkaufen, sondern um seiner kranken Frau zu helfen. Olham selbst will versuchen, im Krankenhaus einen Bioscan anfertigen zu lassen, den man mit der Aufzeichnung einer ca. drei Jahre zurückliegenden Untersuchung vergleichen könnte. Wären die Ergebnisse identisch, dann wäre das der Beweis dafür, daß Olham wirklich "er selbst" ist.

Der Einbruch gelingt zwar, doch Olham hat nicht genug Zeit für den Bioscan, denn Major Hathaway läßt sich nicht abschütteln. Wieder muß Olham fliehen. In der Nacht nimmt er Kontakt mit Maya auf und lotst sie zu einem Treffpunkt im Wald, denn inzwischen meint er herausgefunden zu haben, bei welcher Gelegenheit die Centaurier den Austausch hatten durchführen wollen: Er hatte vor Kurzem einen Campingurlaub mit seiner Frau in eben diesem Wald gemacht. Olham meint, das Raumschiff der Außerirdischen müsse abgestürzt sein und deshalb sei der Übernahmeversuch fehlgeschlagen. Jetzt will er das Wrack finden, um zu beweisen, daß der Olham-Android sich noch darin befindet. Tatsächlich entdecken Olham und Maya das abgestürzte Schiff, doch da taucht Hathaway mit einer Einsatztruppe auf. Zu Olhams Entsetzen findet er in dem Wrack nicht den Olham-Androiden, sondern die Leiche der echten Maya! Ist ihr Replikant also der Attentäter und war Olham das eigentliche Ziel? Es scheint fast so, aber dann wird eine zweite Leiche in dem Wrack gefunden. Man kann sich vorstellen, wer der Tote ist! Als der Mann, der sich die ganze Zeit für Spencer Olham gehalten hat, folgende Worte ausspricht: "Aber wenn das Olham ist...", explodiert die Bombe in seiner Brust...

Der Film:

Wie eine ganze Reihe anderer bekannter Filme (stellvertretend sei hier nur Blade Runner genannt) basiert auch "Impostor" auf einer Kurzgeschichte des genialen SF-Autors Philip K. Dick. Und wie so manche andere Geschichte des leider schon 1982 verstorbenen Autors hat auch diese das Schicksal erlitten, nicht gerade adäquat verfilmt worden zu sein. In den meisten Storys und Romanen von P.K. Dick geht es um Fragen wie "Was ist Identität?", "Wie real ist das, was wir für die Wirklichkeit halten?", "Wie verläßlich sind Erinnerungen?" und so weiter. Die Protagonisten ("Helden" wäre das falsche Wort) seiner Geschichten sind gebrochene Figuren, deren gesamtes Weltbild in Frage gestellt wird, die in ausweglose Situationen geraten und am Ende nicht mehr wissen, woran sie überhaupt noch glauben sollen. All das ist auch Thema der Story "Impostor", aber dieses Thema findet sich im gleichnamigen Film nur ansatzweise wieder. Olham stellt nie seine Überzeugung in Frage, der "echte" Olham zu sein. Es geht ihm nur darum, es auch seinen Verfolgern zu beweisen. Der Film-Olham ist eigentlich nur dazu da, endlos von A nach B gehetzt zu werden und in die eine oder andere Schießerei und Schlägerei zu geraten. Hier hat der Film deutliche Längen! Eine Charakterentwicklung findet praktisch nicht statt und "Impostor" ist nichts anderes als eine neunzigminütige Verfolgungsjagd, bei der neben ein paar Details lediglich der Schluß hundertprozentig mit der Story-Vorlage übereinstimmt. Sogar Olhams letzte Worte sind 1:1 der Story entnommen. Aber leider hat Gary Sinise, der den Olham spielt und den ich eigentlich für einen guten Schauspieler halte, kaum die Möglichkeit, mehr aus seiner Rolle zu machen. Um die eigentlich recht dünne Story herum (hey, es war schließlich nur eine Kurzgeschichte, kein Roman!) wird im Film noch so mancher uninteressante Subplot gestrickt, etwa der mit dem gar-nicht-so-bösen Outlaw, der Olham hilft. Dadurch wird der Film noch mehr in die Länge gezogen - und wird noch langweiliger. Von der beklemmenden Atmosphäre, die ich mir für eine Verfilmung dieser Story (die ich vorher schon kannte) gewünscht hätte, ist jedenfalls nichts zu spüren.

Ein paar Logik-Bugs sind auch vorhanden. Warum z.B. nimmt der Geheimdienst nicht einfach den von Olham angestrebten Bioscan vor, anstatt zu riskieren, versehentlich den kriegswichtigen Top-Wissenschaftler zu töten? Schließlich gibt es zu Anfang keinen Beweis dafür, daß Olham ein Replikant ist. Nun, er ist ein Replikant - aber wie haben die Centaurier, die ja offensichtlich im wahrsten Sinn des Wortes noch keinen Fuß auf die Erde gekriegt haben, es geschafft, ihn (und seine Frau) in so kurzer Zeit so perfekt zu kopieren? Komplett mit allen sehr privaten Erinnerungen? Warum kann Olham aus diesem superbewachten Hochsicherheitstrakt entkommen? Warum merkt man nie auch nur das Geringste von dem angeblich ununterbrochenen Bombardement, unter dem die Erde zu leiden hat? Wer oder was ist überhaupt das Ziel des Bombenanschlags? Die Kanzlerin? Olham selbst? Seine Frau? Major Hathaway? Und so weiter und so fort.

Darüber hinaus ist "Impostor" noch nicht einmal ein Augenschmaus. Der Film beginnt zwar mit netten CGI-Sequenzen, in denen der Krieg gegen die Centaurier dargestellt wird. Davon verabschiedet der Film sich dann aber auch gleich wieder, die meiste Zeit bekommt man dann nur noch die ewig gleichen nächtlichen Ruinen-Sets oder regennasse Betonkulissen vorgesetzt. Irgendwie hat man das alles schon x-mal gesehen. Gut, es wird viel mit Geräten herumhantiert, die schöne bunte Displays haben und man kann nicht behaupten, daß der Film billig aussieht. Aber warum kommen mir manche der Eröffnungsszenen so seltsam bekannt vor - ebenso wie die Einsatzanzüge der Geheimdienstler? Ich habe gelesen, hier sei von anderen Filmen geklaut worden, nämlich von "Armageddon" und Starship Troopers. Etwas fragwürdig fand ich auch die Sounduntermalung in Actionszenen. Da muß Olham nur mal den Kopf wenden und schon wird eines jener Zischgeräusche eingeblendet, die man aus asiatischen Martial-Arts-Filmen kennt...

"Impostor" ist für mich leider eine ziemliche Enttäuschung gewesen. Wenn man die Story noch nicht kennt (und meine Inhalts-Zusammenfassung nicht gelesen hat), kann man ihn vielleicht sogar spannend finden, aber wirklich packend ist er nicht. Schade eigentlich...

Die DVD:

Das "Making of" ist eine ca. elfminütige Featurette mit einem Schwerpunkt auf Interviews. Man bekommt auch ein paar Blicke hinter die Kulissen gewährt und kann sehen, daß ziemlich viel Geld in den Film gesteckt worden sein muß. Eine richtige Dokumentation ist dieser kurze Beitrag aber nicht.

"Impostor" war eigentlich als Kurzfilm gedacht. Er hätte Bestandteil einer Kurzfilm-Trilogie sein sollen, wurde dann aber doch auf abendfüllende Länge aufgebläht. Daß diese Entscheidung falsch war, merkt man dem Film an - aber wie "Impostor" eigentlich hätte aussehen können und daß er als Kurzfilm erheblich besser gewesen wäre, kann man erst anhand der entsprechenden Schnittversion erkennen, die bei den DVD-Extras zu finden ist. Der Kurzfilm läuft ca. 38 Minuten, er enthält sogar die eine oder andere Szene, die in der Langversion so nicht enthalten ist. Der gesamte sinnlos gestreckte Teil mit Olhams Flucht durch die Ruinen außerhalb der Kuppel, seiner Begegnung mit Cale, dem Einbruch im Krankenhaus usw. ist im Kurzfilm nicht vorhanden - und das ist eine wahre Wohltat! Auch die versöhnlich stimmende Szene mit Cale nach der Explosion wurde weggelassen. Man könnte also denken, daß die in Olham versteckte Bombe die gesamte Erde vernichtet hat... Durch diese Weglassungen liegt der Schwerpunkt viel mehr auf dem Verhör und der Szene am Wrack - auch Maya gewinnt im Verhältnis zur Gesamtlänge des Kurzfilms mehr an Bedeutung. Diese Version entspricht sehr viel besser dem Geist von P.K. Dicks Story - weniger wäre also mehr gewesen!

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