Zurück zu den Filmen

Der Höllentrip Der Höllentrip (USA, 1980)
DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 99 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Ken Russell

Hauptdarsteller:
William Hurt (Prof. Eddie Jessup)
Blair Brown (Emily Jessup)
Bob Balaban (Arthur Rosenberg)
Charles Haid (Mason Parrish)




Inhalt

Der hoch begabte Wissenschaftler Prof. Jessup ist auf der Suche nach etwas, das er "Ur-Bewußtsein" nennt. Er meint, im genetischen Material aller Lebewesen - oder vielleicht in den Molekülen, aus denen die Gene zusammengesetzt sind - müsse eine kollektive Erinnerung an den Ursprung allen Lebens gespeichert sein. Er meint außerdem, der Wahnsinn sei nur eine besondere Zustandsform des Geistes, die möglicherweise eine Hilfe bei der Suche nach dem Ur-Bewußtsein sein könnte. Er versucht deshalb, den Urzustand durch eine Veränderung des eigenen Bewußtseins zu erreichen. Jessup ist so besessen von seiner Idee, daß er einige riskante Selbstversuche durchführt, bei dem eine exotische Droge eine wichtige Rolle spielt, die er von einem mexikanischen Indianerstamm erhalten hat. Die Droge, so heißt es, soll den Menschen zu seinen Anfängen zurückführen. Jessup hat unter dem Einfluß dieser Droge zwar die unglaublichsten Visionen, aber die letzte Erkenntnis verschließt sich ihm hartnäckig. Um sie zu erreichen, müßte er die Drogendosis zu sehr erhöhen - damit würde er sich jedoch vergiften.

Jessup findet schließlich eine Alternative: Er schließt sich in einem Isolationstank ein, in dem er von jeglichen äußeren Sinneseindrücken abgeschnitten ist. Jetzt gelingt es ihm tatsächlich, sich selbst zur Urform des Menschen zurückzuentwickeln, und zwar nicht nur geistig, sondern auch körperlich. Er verwandelt sich in einen Urmenschen, der nur noch seinen Trieben folgt. Später kann er sich an diese Zeit zwar nur noch brüchstückhaft erinnern, er empfindet die primitive Zustandsform aber als äußerst befriedigend. In seiner Urmenschen-Gestalt schlägt er zwei Wachmänner nieder, flieht aus dem Labor und bricht in einen Zoo ein, wo er eine Antilope reißt. Die Verwandlung ist nur vorübergehend, doch in den folgenden Wochen muß Jessup feststellen, daß es nicht bei diesem einen Ereignis bleibt. Immer wieder stellt er Deformationen seines Körpers auch außerhalb des Isolationstanks fest. Und immer noch ist er nicht zufrieden mit dem, was er erreicht hat. Er will das Experiment wiederholen - diesmal aber unter wissenschaftlicher Beobachtung, damit er seine Behauptungen auch beweisen kann.

Das wiederholte Experiment ist erfolgreicher als gedacht. Diesmal entwickelt Jessup sich nicht nur zu einem Urmenschen zurück, sondern degeneriert zu einer Art amorpher Masse, möglicherweise zur Urform der Materie. Der Isolationstank explodiert, das Labor wird völlig verwüstet und ein Strudel bildet sich, in den der Klumpen Fleisch, aus dem Jessup jetzt besteht, zu stürzen droht. Jessups Frau Emily, die unter der Besessenheit ihres Mannes leidet, ihn aber immer noch liebt, reißt ihn im letzten Moment aus dem Strudel heraus. Als die beiden allein zu Hause sind, erleidet Jessup jedoch einen Rückfall - und als er Emily berührt, verwandelt auch sie sich in ein bizarres, kaum noch menschliches Gebilde. Durch eine Willensanstrengung gelingt es Jessup, die Verwandlung rückgängig zu machen. Auch Emily kann er auf diese Weise retten. Jetzt begreift er endgültig, daß das, wonach er so lange gesucht hat, alles andere als erstrebenswert ist. Die Liebe seiner Frau ist ihm wichtiger.

Der Film:

Dies ist wieder so ein "Schätzchen" aus den Achtzigern, die jetzt im Sog des DVD-Booms neu aufgelegt werden. Und wie bei vielen Filmen dieser Art, die ich damals ziemlich genial gefunden habe, ist der "Lack" inzwischen doch ein wenig abgeblättert. So ist mir erst jetzt, beim wiederholten Anschauen aufgefallen, daß besonders der erste Teil des Films extrem dialoglastig ist. Wobei erschwerend hinzukommt, daß diese geschwätzigen Dialoge (bei denen oft auch fröhlich durcheinander geplappert wird) aus ziemlich viel Technobabble bzw. pseudowissenschaftlichem (oder vielmehr: Fast schon esoterischem) Brimborium bestehen und deren Eloquenz nicht darüber hinwegtäuschen kann, daß eigentlich gar nichts gesagt wird. Wahrscheinlich soll damit deutlich gemacht werden, was für ein faustischer Charakter dieser Prof. Jessup ist und wie er überhaupt dazu gekommen ist, nach Antworten auf die Fage nach dem Ursprung allen Seins zu suchen.

Leider funktioniert die ganze Vorgeschichte mit dem Krebstod des Vaters und den daraus entstehenden religiösen Zweifeln Jessups, die zum Verlust seiner kindlichen Gottes-Visionen führen, nicht so recht. Zu gering ist die Rolle, die diese Vorgeschichte im weiteren Verlauf des Films noch spielt. Auch die Beziehung zwischen Jessup und seiner Frau ist... hm... seltsam. Man fragt sich, warum er sie überhaupt heiratet und warum er es ist, der Jahre später die Scheidung will. D.h. seine Beweggründe erklärt er durchaus wortreich und sie sind auch verständlich, wenn man seinen Charakter berücksichtigt. Aber man fragt sich, warum Emily diesem selbstzerstörerischen Irren, der nur für seinen Wahn lebt, nicht schon lange vorher selbst den Laufpaß gegeben hat. Jessups Rettung durch Emilys Liebe - und umgekehrt - sorgt denn auch für einen ziemlich fragwürdigen, wenn nicht gar albernen "Showdown".

Läßt man all das einmal beiseite, bleibt immer noch ein visuell sehr interessanter Film übrig. Der Zuschauer erlebt Jessups Visionen mit - und die haben es in sich. Trotz relativ einfacher Tricktechnik werden eigenartige Szenen geboten, die tatsächlich wie ein Drogenrausch wirken. In schnellen Schnitten werden die absonderlichsten Bilder zu symbolträchtigen, unheimlichen Collagen zusammengefügt. Untermalt wird das Ganze durch einen Soundtrack aus elektronischen Klängen und verfremdeten Geräuschen. Auch Jessups körperliche Verwandlung kann sich mehr als sehen lassen. Besonders die qualvolle Verzerrung zu einem klobigen, wie geschmolzen aussehenden Etwas beim letzten Experiment, das beinahe von einem Strudel des Nichts verschluckt wird, ist ziemlich beeindruckend.

Die DVD:

Keinerlei Extras, dafür aber überraschend gute Bild- und Tonqualität. Den Anti-Raubkopierer-Werbespot, der vor Beginn des Films automatisch und unerwünscht startet, kann man ja nun wirklich nicht als Bonusmaterial bezeichnen...

J. Kreis, 26.01.2006
Seitenanfang