Der Hobbit - Die Schlacht der fünf Heere

Die Schlacht der fünf Heere - Extended Edition


Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere - Kinoversion und Extended Edition (USA/Neuseeland, 2014)
- The Hobbit: The Battle of the Five Armies -

Blu-ray / Blu-ray 3D, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 144 Minuten (Kinoversion) / ca. 164 Minuten (Extended Edition)

Extras Kinoversion:
- Neuseeland, Heimat von Mittelerde - Teil 3 (6:07 Min.)
- Die Zusammenstellung der fünf Heere (11:39 Min.)
- Mittelerde: Ein Abschluss (Eine sechsteilige Saga - 9:54 Min., Eine Reise über 17 Jahre - 8:59 Min.)
- Ein letzter Abschied (Hinter den Kulissen - 11:18 Min., Musikvideo - 4:21 Min.)
- Trailer

Extras Extended Edition:
- Audiokommentar
- Neuseeland, Heimat von Mittelerde - Teil 3 (6:07 Min.)
- Die Anhänge Teil 11: Der aufziehende Sturm - Die Hobbit-Chroniken Teil 3 (4 Stunden, 52:49 Min.)
- Die Anhänge Teil 12: Am Ende der Reise (5 Stunden, 00:14 Min.)
- Butt-Numb-A-Thon 2011 Begrüßung (11:43 Min.)
- "Rivers of Gold" Musikvideo (4:32 Min.)
- Der wahre Adam Brown (5:25 Min.)
- In Erinnerung an Andrew Lesnie (5:47 Min.)
- Trailer

Regie:
Peter Jackson

Hauptdarsteller:
Martin Freeman (Bilbo Beutlin)
Ian McKellen (Gandalf)
Richard Armitage (Thorin Eichenschild)
Luke Evans (Bard)
Evangeline Lilly (Tauriel)
Orlando Bloom (Legolas)
Lee Pace (Thranduil)
Cate Blanchett (Galadriel)
Hugo Weaving (Elrond)
Christopher Lee (Saruman)
Billy Connolly (Dain Eisenfuß)




Story

Zur Vorgeschichte, siehe Der Hobbit - Eine unerwartete Reise und Der Hobbit - Smaugs Einöde.

Smaug bringt Tod und Vernichtung über Esgaroth. Die Menschen versuchen verzweifelt, die brennenden Ruinen ihrer Stadt hinter sich zu lassen - allen voran der Bürgermeister, der so viele Reichtümer wie möglich an sich rafft und die Bürger sich selbst überlässt. Bard entkommt aus dem Gefängnis und stellt sich Smaug allein. Mit normalen Waffen ist dem Drachen nicht beizukommen, aber Bards Sohn Bain hat den letzten Schwarzen Pfeil sicher verwahrt. Bard visiert die einzige verwundbare Stelle im Panzer des Drachen an. Smaug wird tödlich getroffen und stürzt in den See, wobei er das Boot des Bürgermeisters unter sich begräbt. Bard wird als Held gefeiert und als neuer Anführer der Geretteten akzeptiert. Alle in Esgaroth zurückgebliebenen Zwerge haben überlebt. Sie schließen sich ihren Gefährten in Erebor an. Da der Winter naht, suchen die Überlebenden aus Seestadt in den Ruinen Thals Zuflucht. Es sind jedoch kaum Vorräte vorhanden. Bard wendet sich an Thorin, aber vom König unter dem Berge hat er keine Hilfe zu erwarten. Thorin ist der "Drachenkrankheit" anheimgefallen, einer unstillbaren Gier nach Gold, die ihm das Urteilsvermögen raubt. Er ist nicht bereit, auch nur den kleinsten Teil der Schätze Erebors herausgzugeben. Die Zwerge verbarrikadieren das große Eingangstor und bereiten sich auf einen Angriff vor. Thorin schenkt Bilbo ein Kettenhemd aus Mithril. Noch immer suchen die Zwerge vergeblich nach dem Arkenstein. Bilbo verschweigt, dass er dieses unschätzbar wertvolle Symbol des königlichen Herrschaftsanspruchs bereits gefunden hat. Balin meint, es wäre besser, wenn das Juwel für immer verschwunden bliebe. Tauriel und Legolas folgen Bolgs Spur zum ehemaligen Königreich von Angmar. Sie beobachten eine riesige Orkarmee, die sich von der alten Festung Gundabad aus Richtung Erebor in Marsch setzt.

Ein zweites Orkheer unter Azogs Führung ist bereits von Dol Guldur zum Einsamen Berg abmarschiert. Gandalf wird noch immer vom Nekromanten gefangen gehalten. Dieser ist mit Sauron identisch. Galadriel, Elrond und Saruman befreien Gandalf. Sie vertreiben Sauron und die von ihm erweckten Ringgeister aus Dol Guldur. Dabei verbraucht Galadriel einen großen Teil ihrer Kraft. Gandalf eilt zum Erebor, um seine Freunde vor dem bevorstehenden Angriff zu warnen. Ihm ist klar, dass der Berg aufgrund seiner strategischen Lage entscheidende Bedeutung für Saurons Pläne hat. Würde das Königreich von Angmar wieder erstarken, wäre ganz Mittelerde bedroht. Gandalf kommt nur bis Thal. Dort ist inzwischen Thranduil mit einem Elbenheer eingetroffen. Gandalfs Warnungen interessieren den Elbenkönig nicht. Nun, da der Drache tot ist, will er den Schatz einfordern, den ihm die Zwerge seiner Ansicht nach schulden. Er versorgt die Überlebenden Esgaroths mit Lebensmitteln und gewinnt somit Bards Unterstützung. Bilbo erkennt, dass es nur eine Möglichkeit gibt, Thorin zum Einlenken zu zwingen. Er geht heimlich nach Thal, um Thranduil und Bard den Arkenstein zu überreichen. Er betrachtet das Juwel als das ihm zustehende Vierzehntel der Beute. Anschließend schleicht er zurück zu den Zwergen. Die Armee der Elben und Menschen nimmt vor den Toren Erebors Aufstellung. Thorin zeigt sich wenig beeindruckt, bis ihm der Arkenstein präsentiert wird. Außer sich vor Zorn fällt er über Bilbo her. Gandalf bewegt Thorin dazu, den Hobbit freizugeben. Da erscheint Dain Eisenfuß, der dem Ruf seines Vetters Thorin gefolgt und mit einer großen Zwergenstreitmacht von den Eisenbergen herbeigeeilt ist. Doch letztlich kämpfen Zwerge, Elben und Menschen Seite an Seite, denn Azogs Heer trifft ein und geht sofort zum Angriff über.

Als die Orks, Trolle und anderen Kreaturen eine zweite Front bei Thal eröffnen und somit die Oberhand zu gewinnen drohen, überwindet Thorin endlich den Bann des Drachengoldes und macht mit seinen zwölf Gefährten einen überraschenden Ausfall. Ihm ist klar, dass er der Schlange den Kopf abschlagen muss, um die Schlacht schnell zu beenden. Gemeinsam mit Dwalin, Kili und Fili kämpft er sich deshalb zum Rabenberg durch, auf dem Azog seinen Kommandoposten hat. Doch Azog erhält Verstärkung durch Bolgs Heer. Bilbo nutzt den Zauberring, um den Rabenberg zu erreichen und Thorin zu warnen, denn Thranduil ist hierzu nicht bereit. Seiner Meinung nach sind schon zu viele Elben gestorben. Bilbo kommt zu spät. Thorin und seine Begleiter werden umzingelt. Tauriel und Legolas kämpfen an ihrer Seite, können aber nicht verhindern, dass Kili und Fili getötet werden. Bilbo wird von Bolg bewusstlos geschlagen. Legolas besiegt Bolg, während Thorin seine Nemesis Azog nach hartem Kampf überwindet, wobei er tödlich verwundet wird. Die Orks werden endgültig geschlagen, als Radagast und Beorn mit den Großen Adlern in die Kämpfe eingreifen. Bilbo kommt wieder zu sich und findet Thorin, der im Sterben liegt. Kurz vor seinem Tod versöhnt sich der Zwergenkönig mit dem Hobbit. Dain wird neuer König unter dem Berg. Er ist bereit, zum Versprechen Thorins zu stehen und Erebors Reichtum mit den Menschen von Esgaroth zu teilen. Bilbo verspürt wenig Lust, sich an den Siegesfeiern zu beteiligen. Stattdessen macht er sich mit Gandalf auf den Heimweg. Legolas macht seinen Frieden mit Thranduil, aber er kann nicht ins Waldlandreich zurückkehren. Sein Vater rät ihm, nach Norden zu gehen und nach einem jungen Waldläufer namens Streicher zu suchen.

An der Grenze zum Auenland verabschiedet sich Gandalf von Bilbo. Der Zauberer lässt durchblicken, dass er über Bilbos Ringfund im Bilde ist. Er weiß nur noch nicht, dass es sich um Saurons Ring der Macht handelt. Bilbo kommt gerade rechtzeitig in Beutelsend an, um die Versteigerung seines Besitzes zu verhindern. Aufgrund seiner langen Abwesenheit wurde er für tot erklärt! Tatsächlich ist er (wie von Gandalf vorhergesagt) nicht mehr derselbe Hobbit, der vor Monaten zu einer unerwarteten Reise aufgebrochen ist, doch das gibt Lobelia Sackheim-Beutlin noch lange nicht das Recht, sich mit Bilbos Silberbesteck aus dem Staub zu machen. Da Bilbo mit Balins Vertrag ein Schriftstück vorweisen kann, das seine Identität bestätigt, kann er in sein altes Leben zurückkehren. Sechzig Jahre später klopft wieder einmal jemand an Bilbos Tür. Es ist Gandalf, der anlässlich der Feierlichkeiten zum hundertelften Geburtstag seines Freundes ins Auenland gekommen ist. Fortsetzung folgt!


Kringels Meinung

Tja, was soll ich sagen - meine Begeisterung über die Hobbit-Trilogie hält sich in Grenzen. Die Dramaturgie funktioniert nur, wenn man alle drei Filme als Einheit betrachtet und ohne Unterbrechung nacheinander anschaut. Dann ist die lange Expositionsphase von "Eine unerwartete Reise" im Hinblick auf die Gesamtdauer angemessen, in "Smaugs Einöde" werden alle Schachfiguren in die richtigen Positionen gebracht, in "Die Schlacht der fünf Heere" kommt es zur Entscheidung. Wenn es sich um einen einzigen Film handeln würde, dann wäre das ein vernünftiger Handlungsaufbau. Teilt man das Ganze aber in drei Filme auf, dann knirscht es gewaltig im Gefüge, da fehlt die erzählerische Ausgewogenheit in jedem einzelnen Film. Das trifft besonders für den letzten Teil zu, denn der Höhepunkt einer Geschichte wird üblicherweise schnell abgehandelt. Nicht umsonst ist der dritte Film zwanzig Minuten kürzer als die beiden anderen Teile! Und über zwei Stunden lang ist er nur deshalb, weil er mit Smaugs Ende beginnt, das man ebensogut als Höhepunkt für den zweiten Teil hätte nehmen können.

Was gibt es denn noch zu erzählen? Abgesehen von der Entscheidungsschlacht, auf die alle Ereignisse hinsteuern, ist das nicht viel. Und so besteht der Film größtenteils aus ermüdend langen Kämpfen. Hinzu kommen Handlungselemente wie die Kili-Tauriel-Beziehungskiste, die mir völlig sinnlos vorkommen, und Nebenfiguren wie Alfrid, die ebenfalls keinerlei erkennbaren Nutzen für die Story haben. Rückschauend betrachtet muss ich sagen, dass ich die Entscheidung, aus dem angedachten Zweiteiler eine Trilogie zu machen, für falsch halte. Selbst die Unterfütterung von Tolkiens Kinderbuch mit allerlei Stoff aus anderen Quellen gibt meines Erachtens einfach nicht genug für ein achtstündiges Epos her. Hätte man ein paar heillos ausufernde Actionszenen gekürzt (Verfolgungsjagd mit Wargreitern, Herumrennen in den Goblinhöhlen, Wildwasserfahrt mit Elben und Orks, Kampf in der Zwergenschmiede usw.), auf die eine oder andere Nebenfigur verzichtet (Radagast, Tauriel, Alfrid) und auch sonst ein paar Straffungen vorgenommen, dann hätte das den Filmen sicher nicht geschadet. Dabei hätte ein packender Zweiteiler herauskommen können. Aber so? Ich weiß nicht. Einerseits ist die Trilogie zu lang, andererseits kommt mir das Ende von Teil 3 zu hastig vor. Das soll alles gewesen sein? Nach gefühlten Stunden voller Kämpfe ist plötzlich alles vorbei, kurze Abschiedsszene vor den Toren Erebors und das war's? Bilbos Rückkehr ins Auenland hat mich ein klein wenig versöhnt, tatsächlich haben mir diese kurzen Szenen am besten gefallen. Vielleicht bin ich überkritisch, aber meine Enttäuschung nach "Die Schlacht der fünf Heere" war so groß, dass ich mich noch immer nicht davon erholt habe.

Natürlich ist auch dieser Film weit davon entfernt, schlecht zu sein. Ganz im Gegenteil, bildgewaltige Fantasykost wird wie gewohnt am laufenden Band geboten. Der Abwechslungsreichtum ist nicht so groß wie in den beiden anderen Filmen, denn Thorins Reisegesellschaft ist am Ziel angekommen und somit fällt die Durchwanderung neuer Schauplätze weg. Wir befinden uns zumeist im Inneren Erebors oder in der näheren Umgebung des Berges, hinzu kommen Dol Guldur, Thal, Esgaroth und ganz am Schluss das Auenland. Smaugs Angriff auf die Seestadt ist ein beeindruckendes Inferno und die aus verschiedenen Perspektiven gezeigte Massenschlacht vor den Toren Erebors hat wahrhaft epische Ausmaße. Hierbei gefällt mir die Kampfweise der Zwerge besonders gut. Genau so habe ich mir diese kleinen Einmann-Panzer immer vorgestellt! Sehr schön finde ich auch die Verbannung Saurons und der Ringgeister durch den Weißen Rat. Hier wird der düstere Grundton des Films besonders augenfällig und zumindest das gefällt mir besser als die Albernheiten von "Eine unerwartete Reise". Leider wurden wieder manche Actionszenen zu sehr übertrieben. Wenn sich Legolas an eine Riesenfledermaus hängt, diese per Kopfschuss erledigt und auf die Spitze eines Türmchens springt, das er später mit Hilfe eines auf bizarre Weise modifizierten Trolls zum Einsturz bringt, um es als Brücke zu benutzen und Bolg zu bekämpfen, während die Trümmer unter den beiden wegbröckeln, so dass Legolas von herunterfallendem Stein zu herunterfallendem Stein hüpfen muss, um nicht in die Tiefe zu stürzen - dann erkennt man Peter Jacksons Handschrift überdeutlich.

Die Schauspieler mühen sich redlich, dem monotonen Gemetzel ein wenig Figurenzeichnung und Gefühl entgegenzusetzen. Thorins Wahnsinn, seine Läuterung, Bilbos "Verrat", Emotionskarussell bei Thranduil, Legolas und Tauriel - alles gut und schön. Doch letzten Endes hat mich das alles nicht wirklich mitgerissen. Schade! Aber wie schon gesagt: Man muss die Trilogie als Einheit betrachten, vielleicht sollte man sogar die Herr-der-Ringe-Filme mit einbeziehen und von einem sechsteiligen Zyklus ausgehen. Das geht durchaus, denn die Filme wirken wie aus einem Guss. Insgesamt würde ich den Sechsteiler als monumentales Filmkunstwerk bezeichnen, das seinen Platz in der populären Kultur bereits gefunden hat, wobei ich Der Herr der Ringe: Die Gefährten für den mit weitem Abstand besten und "Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere" für den schwächsten Teil halte.

Extended Edition: Wie schon damals bei den Herr der Ringe - Filmen ist auch bei den Hobbit-Filmen alljährlich einige Monate nach dem Heimkino-Release der Kinoversion eine verlängerte Version veröffentlicht worden. Die Extended Edition von "Die Schlacht der fünf Heere" ist knapp zwanzig Minuten länger als die Kinoversion. Ich konnte mich bis jetzt noch nicht entscheiden, welche Version mir besser gefällt. Zumindest einen meiner Kritikpunkte kann ich bei der Langfassung abmildern, denn das Ende wirkt nicht mehr so überhastet, weil eine angemessene Bestattungszeremonie für Thorin, Kili und Fili eingefügt wurde. Erst nach der Trauerfeier und Dains Inthronisation verlässt Bilbo den Erebor, um ins Auenland zurückzukehren. Leider wurden aber auch die an sich schon zu langen und teils zu slapstickhaften Kampfszenen noch erheblich verlängert. Es wurde etwas mehr Gewalt und Splatter eingebaut. Einige blutige Tode und Verstümmelungen sind zu sehen, so dass ich mich über die FSK-12-Freigabe wundere. Außerdem darf Beorn mehr von seiner beeindruckenden Kampfeswut zeigen. Ob jedoch die lange Fahrt mit dem von Balin gelenkten, von Widdern gezogenen Zwergen-Streitwagen hätte sein müssen, oder ein Kampf Gandalfs gegen einen Oger, der sich anschließend buchstäblich an Alfrid verschluckt (nur in der SEE findet der Widerling sein verdientes Ende) ... ich weiß nicht so recht.

Bei all dem Gemetzel bleibt kaum Zeit für andere zusätzliche Inhalte. Es sind fast durchweg nur Kleinigkeiten. So erfährt man, dass Gandalf den Stab, den er in "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" trägt, von Radagast erhält. Bifur wird "geheilt": Das Axtfragment wird aus dem Kopf entfernt, danach kann er normal reden. Als sich Bilbo aus dem Erebor schleicht, um den Arkenstein hinauszuschmuggeln, wird er von Bofur überrascht, der ihn jedoch ziehen lässt. Einige Dialoge sind etwas länger, verschiedene Szenen haben einen geringfügig anderen Ablauf. Einzige Ausnahme ist die bereits erwähnte Trauerfeier. Die hätte meiner Meinung nach definitiv in die Kinoversion hineingehört und das ist die einzige Szene, die ich für unverzichtbar halte. Alles andere wäre nicht nötig gewesen, insbesondere hätte die finale Schlacht nicht noch weiter aufgebläht werden müssen.


Blu-ray-Features

Das Bonusmaterial der Kinoversion ist diesmal ziemlich mager ausgefallen. Neben der obligatorischen Präsentation der wunderschönen Drehorte ("Neuseeland, Heimat von Mittelerde") sind nur ein paar relativ kurze Featurettes vorhanden. In "Die Zusammenstellung der fünf Heere" ist zu sehen, wie die Statisten und Komparsen in ihre Kostüme schlüpfen, trainiert werden, Regieanweisungen erhalten, herumstehen oder -laufen und ansonsten lange auf ihren Einsatz warten müssen, verköstigt werden, während all der Zeit recht viel herumalbern und am Ende des Drehtags wieder nach Hause gehen. "Mittelerde: Ein Abschluss" ist ein Resümee aller sechs Filme. Es wird erklärt, wie die Geschehnisse der Hobbit-Trilogie mit den HdR-Filmen zusammenhängen, welche Anspielungen und Überleitungen es gibt usw., außerdem wird nochmal auf den irrsinnigen Aufwand zurückgeblickt, der für diesen sechsteiligen Zyklus betrieben wurde. "Ein letzter Abschied" beschäftigt sich ganz mit der Entstehung des von Billy Boyd gesungenen Abschlussliedes.

Mit den zur Extended Edtion gehörenden Anhängen geht eine schöne Tradition zu Ende. Jede Extended Edition der Herr-der-Ringe- und Hobbit-Filme enthält zwei solche Anhänge. Somit sind wir bei den Teilen 11 und 12 angelangt, und das sind Filmdokumentationen, wie sie besser nicht sein könnten. Wie üblich sind die Anhänge in zahlreiche Kapitel unterteilt, die man einzeln und alle zusammen abspielen kann. Mit den unter dem irreführenden Titel "Making of" bezeichneten nichtssagenden Werbe-Featurettes, wie sie nur allzu oft beim Bonusmaterial von Heimkinoveröffentlichungen zu finden sind, haben die Anhänge wirklich nichts zu tun. Mit den Dokumentationen könnt ihr viele Abende allerbester Unterhaltung genießen, denn hier wurde nicht einfach nur ein bisschen was von den Dreharbeiten abgefilmt und mit Interviews / Filmausschnitten vermischt. Die Dokus wurden aufwändig produziert und fangen den Geist des Produktionsprozesses sehr gut ein. Jedenfalls glaube ich, dass man erkennen kann, mit wie viel Hingabe, (absolut berechtigtem) Stolz und Bereitschaft zu extremen Leistungen alle Beteiligten gearbeitet haben. Natürlich kann das alles geschönt sein. Kritische Töne klingen aber durchaus an. Peter Jackson und andere betonen mehrfach, dass viel zu wenig Vorbereitungszeit zur Verfügung gestanden hat. Es wird sogar von Planlosigkeit gesprochen. Nicht nur einmal wurden in letzter Minute völlig neue Anforderungen an CGI-Künstler, Kulissenbauer und so weiter gestellt. Ich kann mir aus eigener Erfahrung gut vorstellen, wozu diese Verhältnisse geführt haben. Dennoch hatte das Team sichtlich viel Spaß, es wurde hemmungslos herumgealbert und man hat sich so einiges einfallen lassen, um für gute Stimmung zu sorgen: Man durfte am Glücksrad drehen, ein Orden für Leute, die besonders auf Kontinuität geachtet haben, wurde verliehen ... Auch diesmal ist in den Dokus so manche teilweise oder gar vollständig produzierte Filmszene zu sehen, die es nicht in den Film geschafft hat. So bekommt man die geheime Schatzkammer des Bürgermeisters der Seestadt zu sehen. Gandalf findet in Dol Guldur einen Palantir und hält am Ende eine bewegende Grabrede. Bilbo pflanzt eine Eichel als Symbol für den Wiederaufbau in Thal.

Beim gewaltigen Umfang der beiden Anhänge kann ich unmöglich auf alles eingehen. Ich wüsste nicht einmal, was ich hier besonders hervorheben soll, denn die Dokus sind von der ersten bis zur letzten Minute sehenswert. Auch diesmal kommen wieder die Tolkien-Fachleute Tom Shippey, John D. Rateliff und Jude Fisher zu Wort. Sie erläutern, warum Tolkien Mittelerde überhaupt entwickelt hat, von welchen Mythen, Sagen und Legenden er inspiriert wurde und auf welche Inspirationsquellen das Produktionsteam wiederum für die filmische Umsetzung von Tolkiens nicht immer ausformulierten Visionen zurückgegriffen hat. Wer hätte gedacht, dass das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig eines der Vorbilder für das Tor von Erebor war? Interessant finde ich auch, wie viele teils schon komplett fertig gestellte Kostüme und Requisiten verworfen wurden. Davon waren vor allem die Zwergenrüstungen betroffen. Thorin und seine Gefolgsleute hätten nach ursprünglicher Planung schwer gerüstet in die finale Schlacht stürmen sollen, aber die Schauspieler konnten sich in den Panzern kaum bewegen. Bei Billy Connolly (der sich übrigens für meinen Geschmack ein paarmal zu oft sehr abfällig über Tolkiens Werk äußert) und Evangeline Lilly gab es ähnliche Probleme. Es ist interessant zu sehen, wie akribisch vieles ausgearbeitet worden ist, das man beim Anschauen des Films gar nicht wahrnimmt. So konnte man in den Kulissen der noch nicht zerstörten Stadt Thal das Gefühl haben, sich wirklich irgendwo am Mittelmeer zu befinden - wie im Urlaub. Ein Kapitel des 12. Anhangs ist ganz diesem Set gewidmet, so dass man es angemessen würdigen kann. Und habt ihr bemerkt, dass Thranduils Elben immer in Dreiergruppen kämpfen? Zwei Schwertträger flankieren stets einen Bogenschützen. Diese Kampfweise wird in den Anhängen erklärt. Witzig: Als Statisten kamen nicht nur Teammitglieder und Angehörige (z.B. Orlando Blooms Mutter) zum Einsatz, sondern auch die Bewohner eines nahe gelegenen Seniorenheimes. Sie alle waren mit Begeisterung bei der Sache, die alten Damen und Herren haben mit viel Schmackes in einer Kampfszene mitgemischt!

Als wären die Anhänge noch nicht genug, finden sich erstmals (neben dem dritten Teil der schon zu den Extras der Kinoversion gehörenden Featurette "Neuseeland - Heimat von Mittelerde") noch vier weitere Beiträge beim Bonusmaterial. Ein größtenteils unkommentierter Kurzfilm zeigt Stationen aus dem Leben des im April 2015 verstorbenen Kameramanns Andrew Lesnie, der schon seit "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" zum Team gehört hat. "Der wahre Adam Brown" ist ein hoffentlich als Gag gemeinter Beitrag, in dem die Schauspieler so tun, als wäre das vermeintlich harmloseste Mitglied der Truppe in Wahrheit ein hinterhältiger Schurke. "Rivers of Gold" ist eine Art Musikvideo von Jed Brophy. Rappende Zwerge?!? Das hat man wohl noch nie zuvor gesehen! Der jährlich stattfindende "Butt-Numb-A-Thon" ist ein von Harry Knowles ausgerichteter Filmmarathon - eine lange Filmnacht deluxe sozusagen. Im Jahre 2011 wurde dabei eine echt witzige Videobotschaft gezeigt, die in voller Länge auf der Blu-ray vorliegt.


J. Kreis, 27.05.2015 / 18.02.2016




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