Der Hobbit: Smaugs Einöde

Smaugs Einöde - Extended Edition


Der Hobbit: Smaugs Einöde - Kinoversion und Extended Edition (USA/Neuseeland, 2013)
- The Hobbit: The Desolation of Smaug -

Blu-ray / Blu-ray 3D, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 161 Minuten (Kinoversion) / ca. 186 Minuten (Extended Edition)

Extras Kinoversion:
- Neuseeland, Heimat von Mittelerde - Teil 2 (7:11 Min.)
- Peter Jackson lädt Sie auf das Set ein (40:36 Min.)
- Das Live-Event 2013: Im Schneideraum (37:52 Min.)
- Videoblogs (36:41 Min.)
- "I see Fire" - Musikvideo
- Trailer und Game-Trailer

Extras Extended Edition:
- Audiokommentare
- Neuseeland, Heimat von Mittelerde - Teil 2 (7:11 Min.)
- Die Anhänge Teil 9: Im Wilderland - Die Hobbit-Chroniken Teil 2 (5 Stunden, 00:26 Min.)
- Die Anhänge Teil 10: Die Reise nach Erebor (5 Stunden, 05:51 Min.)

Regie:
Peter Jackson

Hauptdarsteller:
Martin Freeman (Bilbo Beutlin)
Ian McKellen (Gandalf)
Richard Armitage (Thorin Eichenschild)
Luke Evans (Bard)
Evangeline Lilly (Tauriel)
Orlando Bloom (Legolas)
Lee Pace (Thranduil)
Mikael Persbrandt (Beorn)
Stephen Fry (Meister von Esgaroth)




Story

Zur Vorgeschichte, siehe Der Hobbit - Eine unerwartete Reise.

Bilbo Beutlin, Gandalf und Thorin Eichenschilds Zwergengesellschaft sind den von Azog angeführten Orks vorerst entkommen, werden aber immer noch verfolgt - und zwar nicht nur von den Wargreitern, sondern auch von einer wilden Kreatur, die die Umgebung des Carrock unsicher macht. Dies ist Beorn, der letzte "Hautwechsler", ein großer Mensch, der die Gestalt eines riesigen Bären annehmen kann. Die Gefährten bringen sich in Beorns Hütte in Sicherheit und werden dort vom Hausherrn, der in menschlicher Gestalt erscheint, mehr oder weniger freundlich bewirtet. Beorn ist ein Todfeind aller Orks, denn diese haben seine Sippe ausgerottet. Beorn selbst ist jahrelang als Sklave Azogs von den Orks gequält worden. Der Gundabad-Ork wird nach Dol Guldur zurückbeordert. An seiner Stelle übernimmt Bolg die Verfolgung der Zwerge, muss sich aber zurückhalten, denn dem Hautwechsler sind die Orks nicht gewachsen. Um keinen gewaltigen Umweg machen zu müssen, wollen die Zwerge den Düsterwald durchqueren. Beorn stellt ihnen Ponys zur Verfügung, mit denen sie den Waldrand rasch erreichen. Dort stellt Gandalf fest, dass ein alter Feind, dessen Rückkehr er und die anderen Mitglieder des Weißen Rates fürchten, seine Macht offensichtlich bereits bis zum Düsterwald ausgeweitet hat. Deshalb verlässt er die Gemeinschaft und trifft sich mit Radagast bei der Gruft, in der die Träger der neun für die Menschen bestimmten Zauberringe bestattet wurden. Die Gruft ist leer, die versiegelten Zellen wurden von innen aufgebrochen. Die Ringgeister sind offensichtlich dem Ruf ihres Herrn gefolgt.

Es dauert nicht lang, bis die Zwerge und Bilbo einem verderblichen Einfluss unterliegen, der in Düsterwald wirksam ist und ihre Sinne verwirrt. Sie verirren sich und werden von riesigen Spinnen angegriffen. Mit Hilfe seines Ringes entkommt Bilbo den Netzen der Riesenspinnen. Er tötet einige der ekelerregenden Kreaturen (so kommt Bilbos Schwert zu dem Namen "Stich") und rettet seine bereits eingesponnenen Freunde. Bilbo bemerkt, dass der Ring Macht über ihn zu gewinnen beginnt - ein Verlust des Ringes wäre für Bilbo inzwischen eine unerträgliche Katastrophe. Er muss ihn erneut einsetzen, als Elben des Waldlandkönigs Thranduil, angeführt von dessen Sohn Legolas und Tauriel, Befehlshaberin von Thranduils Wache, in den Kampf gegen die Spinnen eingreifen und die Zwerge gefangennehmen. Unbemerkt durchquert Bilbo die Tore zu Thranduils Reich. Thorin wird dem Elbenkönig vorgeführt. Dieser würde den Zwerg freilassen, wenn dieser bereit wäre, die Sternenlicht-Edelsteine zurückzugeben, die sich in Smaugs Hort befinden müssen. Thorin geht nicht auf das Angebot ein, denn er erinnert sich nur zu gut daran, dass Thranduil den Zwergen bei Smaugs Angriff nicht geholfen hat. Somit landen alle Zwerge in Kerkerzellen. Dort sprechen Kili und Tauriel miteinander. Sie entdecken, dass sie trotz der alten Feindschaft zwischen Elben und Zwergen viele Gemeinsamkeiten haben. Derweil betätigt sich Bilbo vertragsgemäß als Meisterdieb, stiehlt die Zellenschlüssel und befreit die Zwerge. Versteckt in leeren Fässern, die zurück zur Seestadt Esgaroth geschickt werden sollen, mit der die Elben Handel treiben, fliehen Bilbo und seine Freunde aus Thranduils Hallen. Draußen werden sie von den Elben verfolgt und von Orks überfallen. Kili wird durch einen Morgulpfeil verwundet. Während die Elben mit den Orks aneinandergeraten, können Bilbo und die Zwerge endgültig entkommen.

Von einem gefangenen Ork erfährt Thranduil, dass ein Angriff auf ganz Mittelerde kurz bevorsteht. Das bestärkt den Elbenkönig in dem Beschluss, sich vollends in sein unterirdisches Reich zurückzuziehen und dieses zu versiegeln. Hinter den mächtigen Toren wähnt er sich in Sicherheit. Tauriel ist anderer Ansicht, kann sich damit aber nicht durchsetzen. Befehlswidrig verlässt sie das Waldlandreich, um den Zwergen beizustehen. Legolas folgt ihr. Die Behauptung des Orks war nicht übertrieben. Als Gandalf die alte Festung Dol Guldur untersucht, während Radagast sich zu Galadriel begibt, um sie zu warnen, wird das ganze Ausmaß der Bedrohung offenbar. Eine Armee von Orks unter Azogs Oberbefehl hat sich in den Ruinen versammelt. Ihr Herr ist Sauron, ein uraltes, grausames Wesen, dessen Ziel in der Versklavung aller freien Völker besteht. Elben und Menschen hatten sich vor Jahrtausenden gegen Sauron verbündet und ihn besiegt, doch jetzt ist er neu erstarkt. Tatsächlich ist er bereits zu mächtig für Gandalf. Der Zauberer wird überwältigt und in einen Käfig gesteckt, von dem aus er den Abmarsch der Orkarmee hilflos beobachten muss.

Derweil gelangen Bilbo und die Zwerge zur von Menschen bewohnten Stadt Esgaroth im Schatten Erebors. Sie begegnen einem Fährmann namens Bard, der sie in die Stadt schmuggelt. Der Bürgermeister von Esgaroth führt ein korruptes Regime. Nur wenige Bürger, allen voran Bard, leisten ihm Widerstand. Bard hat keinen leichten Stand, denn er ist der Nachfahre des Herrschers der Stadt Thal, dem es damals nicht gelungen ist, Smaug abzuwehren. Bard verwahrt den letzten jener großen Metallpfeile, die seinerzeit für den Kampf gegen den Drachen eingesetzt worden sind. Als die Zwerge in eine Waffenkammer einbrechen, werden sie verhaftet. Der Bürgermeister behandelt sie jedoch äußerst zuvorkommend, denn das Volk glaubt, dass sich eine alte Prophezeiung erfüllt, der zufolge der König unter dem Berge einst zurückkehren und der Stadt zu neuem Reichtum verhelfen wird. Thorin sichert das dem Bürgermeister zu. Bard ist skeptisch, denn zwischen den Zwergen und dem Schatz steht immer noch der Drache. Die Zwerge werden mit neuer Ausrüstung versorgt und klettern zu der Stelle hinauf, an der sich der Karte zufolge eine Geheimtür befinden muss. Fili, Oin und Bofur bleiben mit Kili, dem es immer schlechter geht, in Bards Haus zurück. Dort werden sie in der Nacht von Bolgs Orks attackiert. Tauriel und Legolas erscheinen und schlagen die Angreifer zurück. Die Elbin heilt Kilis Wunde, während Legolas die fliehenden Orks verfolgt. Bard befürchtet das Schlimmste und will sich auf den Kampf gegen Smaug vorbereiten, wird aber festgenommen.

Als der Durinstag zu Ende geht, ohne dass die Geheimtür gefunden werden konnte, beginnen die Zwerge zu verzweifeln. Im letzten Moment entdeckt Bilbo doch noch das Schlüsselloch; es wird erst im Mondlicht sichtbar. Durch einen schmalen Tunnel dringt er in das ehemalige Zwergenreich ein. Dort schlummert der riesige Drache Smaug auf einem unermesslichen Berg aus Goldmünzen und anderen Schätzen. All diese Reichtümer sind für Thorin allerdings wertlos, solange er nicht den Arkenstein in seinem Besitz hat, jenes Erbstück, das ihn als König unter dem Berge legitimieren würde, so dass er die Zwergenvölker unter seinem Kommando vereinen könnte. Bilbo soll deshalb vor allem nach dem Arkenstein suchen. Das bleibt nicht unbemerkt; Smaug erwacht. Bilbo lässt sich auf ein Gespräch mit dem heimtückischen Drachen ein und verrät ein paar Details zuviel. Smaug weiß nun, dass Bilbo aus Esgaroth gekommen ist. Als er über den Hobbit herfallen will, kommen die Zwerge ihrem Freund zu Hilfe. Nach heftigem Kampf, bei dem Thorin die uralte Zwergenschmiede als Waffe einsetzt, sieht Smaug ein, dass er hier nichts ausrichten kann. Erstmals seit vielen Jahrzehnten verlässt der Drache den Einsamen Berg. Sein Zorn richtet sich jetzt gegen die Seestadt.

Kringels Meinung

Wie ihr hier nachlesen könnt, waren meine Erwartungen nach der Herr der Ringe - Trilogie wahrscheinlich zu hoch, deshalb war ich vom ersten Teil der Hobbit-Trilogie einigermaßen enttäuscht. Somit war die Erwartungshaltung vor dem zweiten Teil eher gedämpft. Trotzdem bin ich auch von Teil 2 nicht so begeistert wie erhofft. Natürlich würde ich niemals behaupten, dass "Smaugs Einöde" ein schlechter Film ist. Bei dem ungeheuerlichen Aufwand, der in die Produktion hineingesteckt wurde, wäre das überhaupt nicht möglich. Tatsächlich gefällt mir der Film etwas besser als der erste Teil - vor allem weil er sehr viel düsterer ist und kaum noch solche peinlichen Szenen wie die mit den rotzenden Trollen und dem singenden Goblinkönig oder andere Blödeleien enthält. Zum Glück hält sich der Film an einigen Stellen, insbesondere was den infantilen Humor betrifft, nicht eng an die Romanvorlage. Hättet ihr etwa gern gesehen, wie Bilbo die Riesenspinnen im Düsterwald mit einem bescheuerten Spottlied von den Zwergen weglockt? Oder wie die Zwerge in Beorns Halle von drollig-vermenschlichten Tieren bedient werden? Ich nicht. Der Ton des ersten Hobbit-Films war mir nicht "erwachsen" genug; dieser Kritikpunkt fällt diesmal weg. Humor ist durchaus noch vorhanden, aber er wird nicht so sehr mit der Holzhammer-Methode vermittelt. Und zum Glück bin ich nicht auf die Idee gekommen, mir im Kino die HFR-3D-Vorstellung anzutun!

Bildgewaltige Fantasy-Kost wird auf jeden Fall geboten, die verschiedenen Schauplätze wurden wunderbar in Szene gesetzt. Düsterwald, Thranduils Hallen, Esgaroth, das Innere Erebors - das ist genau die Qualität, die ich von einem solchen Film erwarte. Gandalfs Kampf gegen Saurons Schatten (coole Idee: Die aus dem Herr der Ringe - Prolog bekannte Kriegergestalt wird quasi zur Pupille des riesigen Auges) ist schon sehr gut gelungen. Noch mehr Sorgfalt wurde offensichtlich in die Erschaffung Smaugs investiert. Der Drache sieht wahrhaft überwältigend aus, ich würde sogar sagen, dass er selbst den Balrog aus Der Herr der Ringe - Die Gefährten noch toppt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er spricht (mal charmant, mal sehr bedrohlich), wodurch ähnlich intensive Momente entstehen wie bei Bilbos Begegnung mit Gollum im ersten Film. Die ekligen Riesenspinnen sind auch sehr gut geworden. Leider gilt das nicht für alle am Computer entstandenen Kreaturen. Die Warge haben mich zum Beispiel überhaupt nicht überzeugt und was Beorns Bärengestalt angeht, ist auch noch Luft nach oben. Als ich das flüssige Gold gesehen habe, mit dem Smaug übergossen wird, da habe ich mich gefragt, wer diese CGI-Pampe eigentlich für echt halten soll. Über die Schauspieler und ihre Rollen habe ich mich ja im Kommentar zum ersten Film schon ausreichend ausgelassen. Es kommen einige wichtige neue Figuren hinzu, unter anderem Beorn, Bard und der Bürgermeister von Esgaroth. Ich habe mir diese Figuren zwar immer anders vorgestellt, trotzdem bin ich mit der Besetzung zufrieden.

Der eigentliche Kritikpunkt liegt woanders. Wie schon im ersten Film wird hier keineswegs die Geschichte von J.R.R. Tolkiens Roman Der Hobbit erzählt, oder vielmehr: Nicht nur diese Geschichte. So ist zum Beispiel die wachsende Bedrohung durch den "Totenbeschwörer" (= Sauron) wesentlicher Bestandteil der Handlung. Das geht für mich in Ordnung. Im Roman "Der Hobbit" werden diese Geschehnisse nur kurz angedeutet, sie sind aber sehr wichtig für den Gesamtzusammenhang. Sauron ist schließlich der Hauptfeind in der Herr der Ringe - Filmtrilogie, und Gandalf zieht hauptsächlich deshalb an Thorins Fäden, weil er schon vermutet, dass mehr hinter dem in Mittelerde wachsenden Bösen steckt als der Weiße Rat bisher angenommen hat. Gandalf muss verhindern, dass sich Smaug mit dieser Macht verbündet. Es ist also völlig OK, dass ausführlich gezeigt wird, was es mit alldem auf sich hat. Die Aufwertung der Rolle des Bogenschützen Bard ist ebenfalls akzeptabel, tatsächlich wird er für meinen Geschmack im Roman etwas zu stiefmütterlich behandelt. Außerdem ist mir klar, dass man eine Geschichte im Film nicht auf dieselbe Weise erzählen kann wie in einem Roman. Dass Beorn und Düsterwald relativ schnell abgehandelt werden ist insoweit ebenso zu verschmerzen wie der Auftritt von Legolas, den ich ansonsten für sinnlos halte.

Ich verstehe nur nicht, warum man es für erforderlich gehalten hat, einen kompletten Handlungsstrang um eine neue Figur herum zu stricken, die meiner Meinung nach nichts zur Handlung beiträgt: Tauriel. Wahrscheinlich soll es am Ende der Hobbit-Filmtrilogie so aussehen, als wäre Legolas durch sie dazu motiviert worden, sich den isolationistischen Bestrebungen seines Vaters zu widersetzen und sich an der Ring-Queste zu beteiligen. Ich halte das für überflüssig, schließlich wird Thranduil im dritten Hobbit-Film ja wohl doch noch einsehen, dass er sich nicht in seinen unterirdischen Hallen verstecken kann - es sei denn, der Film würde hier massiv von der Romanvorlage abweichen. Tauriel mag eine hübsche Elbin und eine tolle Kämpferin sein, aber ihre Dreiecksbeziehung mit Legolas und dem Zwergen-Schönling Kili wirkt für mich aufgepfropft und störend. Nebenbei bemerkt widerspricht sie so ziemlich allem, was ich von Tolkiens Universum zu wissen glaube. Damit nicht genug. Immer wieder wird die Handlung so verbogen, dass - wie schon im ersten Hobbit-Film - ausufernde Action-Szenen eingebaut werden können. Bilbo und die Zwerge stolpern von einem Kampf in den nächsten. Das geht gleich nach dem Prolog damit los, dass sie von Beorn in Bärengestalt verfolgt werden. Warum sollte er das tun? Kaum sind sie in Düsterwald, kommt der Kampf gegen die Spinnen. Danach dauert es nicht lange bis zur nächsten überlangen Verfolgungsjagd: Zwerge in Fässern, die von Orks verfolgt werden, die wiederum von Elben verfolgt werden. Jeder kämpft gegen jeden, dasselbe folgt dann in Esgaroth. Nichts davon kommt im Roman vor, auch nicht der heillos übertriebene Kampf der Zwerge gegen Smaug im Inneren Erebors. So gut die Action inszeniert sein mag, so ermüdend wird das Ganze auf die Dauer - vielleicht wäre weniger mehr gewesen.

Der Film ist definitiv beeindruckender Fantasy-Bombast. Woran liegt es nur, dass er mich nicht so berühren und fesseln kann wie "Der Herr der Ringe - Die Gefährten"? Ich weiß es nicht.

Extended Edition: Wie schon damals bei den Herr der Ringe - Filmen kann man sich auch beim Hobbit wieder jedes Jahr nicht nur auf den Kinostart des nächsten Teils der Trilogie freuen, sondern auch auf die Heimkino-Veröffentlichung einer verlängerten Version des Films. Das ist zur Tradition geworden, und diesmal wurde die Vorfreude im Gegensatz zur Extended Edition des ersten Hobbit-Films nicht enttäuscht! "Smaugs Einöde" ist nun satte 25 Minuten länger, besser, "runder" und überzeugender als die Kinoversion. Denn es kommen viele Szenen hinzu, mit denen die Figurenzeichnung weiter vertieft wird. Deshalb ist das Verhältnis zwischen Charakterszenen und Action im Hinblick auf die Gesamtdauer des Films ausgewogener. Nach einem verlängerten Vorspann (das Treffen Thorins und Gandalfs in Bree mit Rückblick auf den Kampf der Zwerge vor den Toren Morias), der für eine spätere neue Szene wichtig ist, geht es mit Beorn weiter, dem nun viel breiterer Raum gewährt wird. Seine Bedrohlichkeit kommt hier viel besser zur Geltung. Selbst Gandalf hat Angst vor ihm, deshalb stellt er ihm immer nur je zwei Zwerge vor, bevor das nächste Pärchen in Erscheinung treten darf - eine Szene, die auch im Roman vorkommt. Zudem wird klarer, woher Gandalf weiß, was in Dol Guldur vorgeht.

Es werden mehr psychedelische Szenen in Düsterwald geboten, endlich ist auch Bomburs Sturz in den Fluss zu sehen. In Seestadt dürfen der Meister und Alfrid ihre Ränke ausführlicher spinnen. Und schließlich hat Thrain seinen großen Auftritt - oder vielmehr das, was von diesem stolzen Zwerg noch übrig ist. Thorins Vater wurde beim gescheiterten Versuch, Moria zu erobern, von Azog gefangen genommen und verschleppt. Auf diese Weise ist der letzte der Zwergenringe in die Hände des Feindes gefallen. In den folgenden Jahren der Gefangenschaft hat sich Thrains Geist verwirrt. Er vegetiert in den von Sauron besetzten Ruinen Dol Guldurs vor sich hin und greift Gandalf an, als dieser Dol Guldur untersucht. Gandalf bringt den alten Zwerg wieder zur Besinnung und will mit ihm fliehen, wird aber von Azog und Sauron angegriffen. Wie's scheint, wird Thrain schließlich von Sauron verschlungen. Bilder von Thrain und Gandalf wurden schon vor Kinostart des ersten Hobbit-Films gezeigt (im allerersten Trailer, glaube ich), und ich habe mich immer gefragt, wann das im Film zu sehen sein würde. Jetzt endlich kann man diese sehr düsteren Szenen genießen - allerdings weicht der Film an dieser Stelle wieder stark von Tolkiens Werk ab.

Wie dem auch sei: Ich halte alle neuen Elemente für sinnvoll, zumal es sich nicht einfach nur um viele kleine leicht verlängerte Szenen handelt, sondern um komplette Subplots. Sie werten den Film definitiv auf, und zwar so sehr, dass ich mir die Kinoversion wahrscheinlich nie wieder anschauen werde!

Blu-ray-Features

Schon das Bonusmaterial der Kinoversion kann sich wirklich sehen lassen. Am besten und informativsten sind die Videoblogs und die Featurette "Peter Jackson lädt Sie auf das Set ein". Beides zusammen ist schon abendfüllend! Man sieht den ganzen Tagesablauf der Produktionscrew. Die Schauspieler trudeln zu nachtschlafener Zeit bei den Maskenbildnern ein (da arbeitet die Nachtschicht noch - jede Minute jedes Tages musste maximal ausgenutzt werden!), das Catering-Team versorgt die Leute mit Kaffee und Leckereien, die Bühnenbilder werden aufgebaut. Vieles war seit Monaten, d.h. seit dem Ende der Dreharbeiten zum ersten Film, irgendwo eingelagert und musste erst wieder gefunden / ausgepackt werden. Der Ablauf der Szenen wird geplant, dann wird geprobt und gedreht. Zwischendurch wird das Produktionsteam im Catering-Zelt sogar mit Livemusik unterhalten! Geburtstage werden gefeiert, Beziehungen entwickeln sich, am Ende gibt's emotionale Abschiede. Die Sets werden abgebaut und eingemottet oder zerstört. Insgesamt erhält man einen guten Eindruck von der Arbeit der verschiedenen Teams. Der Humor kommt natürlich auch nicht zu kurz. Unter anderem wird gezeigt, wie die Zwerge (also die Schauspieler in voller Maske) Aerobic betreiben, um sich auf die Schlacht der Fünf Heere vorzubereiten. Upps! Die kommt ja erst im dritten Film! Tja, im Bonusmaterial ist einiges zu sehen, was in der Kinoversion von "Smaugs Einöde" definitiv nicht vorkommt. Man kann sich fragen: Ist das Bestandteil der Extended Edition? Oder sind das schon Ausblicke auf Teil 3?

In einem kurzen Beitrag werden die verschiedenen Drehorte in Neuseeland vor Aufbau der Kulissen und ohne CGI-Erweiterungen gezeigt. Hinzu kommt eine gekürzte Version der Live-Videosession, die am 24.03.2013 für Vorbesteller der Blu-ray zugänglich war. Bevor das eigentliche Event losgeht, wandert Peter Jackson mit Jed Brophy durch die Abteilungen des Studios. Dann stellen Fans ihre Fragen via Twitter und Youtube, außerdem werden Schauspieler der Hobbit- und HdR-Filme zugeschaltet.

Mit den zur Extended Edtion gehörenden Anhängen wird eine weitere schöne Tradition fortgesetzt. Jede Extended Edition der Herr-der-Ringe- und Hobbit-Filme hat zwei solche Anhänge. Somit sind wir bei den Teilen 9 und 10 angelangt, und das sind Filmdokumentationen, wie sie besser nicht sein könnten. Wie üblich sind die Anhänge in zahlreiche Kapitel unterteilt, die man einzeln und alle zusammen abspielen kann. Mit wieviel Liebe die Extended Edition produziert wurde, kann man schon an den Menüs erkennen. So enthält das Menü der Film-Disc einen Rundgang durch Beorns Haus, der euch genaue Blicke auf die allerkleinsten Details ermöglicht, und zwar aus Kameraperspektiven, die im Film gar nicht vorgekommen sind. Die Anhänge werden euch viele Abende allerbester Unterhaltung bescheren, denn hier wurde nicht einfach nur ein bisschen was von den Dreharbeiten abgefilmt und mit Interviews / Filmausschnitten vermischt. Die Dokus wurden aufwändig produziert und fangen den Geist des Produktionsprozesses sehr gut ein. Man kann die Hingabe aller Beteiligten und die Bereitschaft zu extremen Leistungen einfach nur bewundern! Man sieht, dass die Teams trotz aller Strapazen viel Spaß bei der Arbeit hatten, und man versteht, was für ein unfassbarer Aufwand betrieben wurde, um den "Hobbit" auf die Leinwand zu bringen. Übrigens ist in den Dokus so manche vollständig produzierte Filmszene zu sehen, die es nicht in den Film geschafft hat. So hätte Peter Jackson einen Cameo-Auftritt als Spion in Seestadt haben sollen. Die Szene wurde nicht verwendet, denn PJs Darbietung war, wie er selbst sagt, allzu grottig... Lobend zu erwähnen ist auch noch, dass diesmal etwas mehr auf die von Guillermo del Toro geleistete Vorarbeit eingegangen wird als in den Anhängen Teil 7 und 8.

Der Umfang der beiden Dokumentationen ist so gewaltig, dass ich gar nicht weiß, was ich an dieser Stelle besonders hervorheben soll. Erwähnenswert ist auf jeden Fall, dass auch über den Tellerrand hinausgeblickt wird. Unter anderem kommen Tom Shippey und John D. Rateliff zu Wort, zwei anerkannte Fachleute für J.R.R. Tolkien. Sie gehen ausführlich auf Tolkiens andere Werke sowie auf seine Inspirationsquellen ein. Letztere sind vor allem die Beowulf-Sage und andere nordische Mythen. Vielleicht genügen ansonsten ein paar verstreute Schlaglichter: Peter Jackson ist nicht nur fast immer barfuß unterwegs, er ist auch fast nie ohne eine Tasse Tee zu sehen - ein Mitarbeiter musste ständig für Nachschub sorgen. Witzig: PJ hat eine echte Spinnenphobie! Bei den Dreharbeiten zur Flucht in Fässern aus dem Waldlandreich konnte der eine oder andere Zwergendarsteller sein Wasser nicht halten - der arme Martin Freeman musste im "kontaminierten" Wasser schwimmen! Außerdem wurden die Zwerge mit Unmengen von echtem Fisch überschüttet! Das muss eine echte Bewährungsprobe gewesen sein. Kaum weniger unangenehm sieht es aus, wie die Zwerge stundenlang in Kokons aus Spinnweben ausharren müssen, bis die Dreharbeiten abgeschlossen sind. Nicht nur Seestadt wurde praktisch komplett aufgebaut, sondern auch Bree. Die Kulissen aus den HdR-Filmen waren nicht mehr vorhanden, für den Vorspann des Films wurde die Stadt aber wieder benötigt. Weit über eine Stunde des 10. Anhangs ist allein Smaug gewidmet. Schon allein die teils sehr bizarren frühen Entwürfe für den Drachen und Benedict Cumberbatchs Performance - er spricht den Text des Drachen nicht nur, er lebt ihn - sind wirklich sehenswert. Hättet ihr gewusst, dass ein nachgebauter Livens Projector (ein im Ersten Weltkrieg zum Einsatz gekommener riesiger Flammenwerfer) als Referenzquelle für das Drachenfeuer benutzt wurde? Oder dass die verfremdete Stimme der siebenjährigen Tochter des Tonmeisters als Basis für Smaugs Brüllen dient? Ähnlich viel Aufmerksamkeit wird der Filmmusik gewidmet.

Die Anhänge sind nicht irgendwelche lieblos zusammengestellten Featurettes, sondern mit großem Aufwand und eigens für's Heimkino-Release produzierte Dokumentationen. Dafür nehme ich mir gerne 10 Stunden Zeit und drücke auf der Fernbedienung nicht die Taste für anderthalbfache Laufgeschwindigkeit, wie ich es beim allzu oft im Gewand eines "Making of" daherkommenden belanglosen Werbematerial manchmal mache!


J. Kreis, 09.05.2014 / 23.02.2015




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