Der Hobbit - Eine unerwartete Reise

Der Hobbit - Extended Edition


Der Hobbit: Eine unerwartete Reise - Kinoversion und Extended Edition (USA/Neuseeland, 2012)
- The Hobbit: An unexpected Journey -

Blu-ray / Blu-ray 3D, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 169 Minuten (Kinoversion) / ca. 182 Minuten (Extended Edition)

Extras Kinoversion:
- Neuseeland: Heimat von Mittelerde (6:35 Min.)
- Video-Blogs (127:07 Min.)
- Trailer
- Game-Trailer

Extras Extended Edition:
- Audiokommentare
- Neuseeland: Heimat von Mittelerde (6:35 Min.)
- Die Anhänge Teil 7: Eine lang erwartete Reise - Die Hobbit-Chroniken Teil 1 (4 Stunden, 31:11 Min.) mit Einleitung von Peter Jackson (1:54 Min.)
- Die Anhänge Teil 8: Die Rückkehr nach Mittelerde (4 Stunden, 45:19 Min.)

Regie:
Peter Jackson

Hauptdarsteller:
Martin Freeman / Ian Holm (Bilbo Beutlin)
Ian McKellen (Gandalf)
Richard Armitage (Thorin Eichenschild)
Ken Stott (Balin)
Andy Serkis (Gollum)
Sylvester McCoy (Radagast)
Cate Blanchett (Galadriel)
Hugo Weaving (Elrond)
Christopher Lee (Saruman)




Story

Erebor, das letzte große Zwergenkönigreich in Mittelerde, wird vom Drachen Smaug angegriffen. Das Ungeheuer zerstört die benachbarte Menschenstadt Thal und dringt in die prächtigen Hallen Erebors ein. Er hat es auf die gewaltigen Schätze abgesehen, die im Einsamen Berg gehortet wurden. Smaug verwüstet Erebor und vertreibt die Zwerge aus ihrer Heimat. Der Elbenkönig Thranduil beobachtet das Verhängnis, greift aber nicht ein; die Zwerge vergessen und vergeben dies niemals. Später versuchen die Zwerge, das verlorene Reich von Moria in Besitz zu nehmen. Dort haben sich jedoch bereits Massen von Orks breit gemacht. Ihr Anführer, der riesige weißhäutige Gundabad-Ork Azog, hat geschworen, die Linie der Zwergenkönige auszurotten. Er enthauptet Thrór, den alten König. Dessen Sohn Thráin versinkt vor Gram in geistiger Umnachtung und wird gefangen genommen. Den Zwergen droht die völlige Vernichtung. Da stellt sich Thorin, Thráins Sohn, dem siegessicheren Azog entgegen. Der mutige Zwergenprinz schlägt dem Ork einen Arm ab, woraufhin sich das Blatt wendet. Azog flieht, die Zwerge schöpfen neuen Mut. Die Orks werden besiegt. Die Eroberung Morias ist dennoch fehlgeschlagen, denn die Verluste der Zwerge sind zu groß. Thorin erhält den Beinamen Eichenschild, weil er sich mit dem Ast einer Eiche gegen Azog verteidigt hat. Er führt die wenigen überlebenden Zwerge zu neuem Wohlstand, doch sein geschrumpftes Volk findet nie wieder ein richtiges Zuhause.

Jahrzehnte später planen Thorin und seine zwölf treuesten Gefährten mit Hilfe des Zauberers Gandalf die Rückkehr zum Erebor. Man hat schon lange nichts mehr von Smaug gesehen oder gehört, und die Raben kehren zum Einsamen Berg zurück, was als gutes Zeichen gewertet wird. Die Zwerge wollen endlich ihre alte Heimat (ganz abgesehen vom unermesslichen Reichtum Erebors) zurückgewinnen. Gandalf verfolgt eigene Absichten. Er befürchtet, Smaug könne sich mit anderen, finsteren Mächten verbünden und somit zu einer noch größeren Gefahr werden. Ein offener Angriff ist undenkbar, Heimlichkeit muss das Mittel der Wahl sein. Zu diesem Zweck wird ein Meisterdieb benötigt, der sich an dem Abenteuer beteiligen soll. Gandalfs Wahl fällt auf Bilbo Beutlin, einen respektablen Hobbit aus dem Auenland, der allerdings kein Abenteurer und schon gar kein Meisterdieb ist. Obwohl Bilbo nicht auf Gandalfs Angebot eingeht, fallen eines schönen Abends dreizehn hungrige Zwerge über das gemütliche Heim des Hobbits her und schicken sich an, sein beschauliches Dasein zu beenden. Gandalf übergibt Thorin eine Karte Erebors und einen Schlüssel. Beides hat er von Thráin zur Verwahrung erhalten. Der Schlüssel gehört zu einer Geheimtür - es gibt einen Hintereingang zum Einsamen Berg. Die Position der Geheimtür muss auf der Karte verzeichnet sein, aber weder Gandalf noch die Zwerge können sie lesen. Gandalfs Vorschlag, die Elben um Hilfe zu bitten, stößt bei den Zwergen auf wenig Gegenliebe. Bilbo weigert sich zunächst, den vom Zwerg Balin sorgfältig ausgearbeiteten Vertrag zu unterzeichnen. Am nächsten Morgen folgt er den Zwergen trotz seiner Bedenken.

Unterwegs stellt Gandalf fest, dass sich das Böse allmählich wieder in Mittelerde ausbreitet. Orks durchstreifen die Gegend auf der Suche nach den Zwergen - sie dienen Azog, der die Niederlage von Moria überlebt hat und seinen Schwur endlich wahr machen will. Thorins Gemeinschaft wird von Trollen angegriffen, welche nur mit knapper Not besiegt und in Stein verwandelt werden können. Radagast, ein Zauberer wie Gandalf, stößt zu der Gruppe und berichtet von Riesenspinnen im Düsterwald sowie von einem Totenbeschwörer, der sich in den Ruinen der Festung Dol Guldur eingenistet hat. In der Trollhöhle finden Gandalf und die Zwerge drei Elbenklingen aus Gondolin. Gandalf nimmt ein Langschwert an sich, Thorin erhält einen Säbel, Bilbo wird mit einem für seine geringe Körpergröße passenden Kurzschwert ausgestattet. Als die Gruppe von Wargreitern überfallen wird, lenkt Radagast die Feinde ab, so dass Gandalf, Bilbo und die Zwerge fliehen können. Gandalf nutzt das Durcheinander der Flucht, um die Gemeinschaft nach Bruchtal zu führen, zum Sitz des Elbenfürsten Elrond. Die misstrauischen Zwerge werden freundlich empfangen. Elrond identifiziert die Elbenklingen als Glamdring und Orcrist (Bilbos Schwert bleibt zunächst namenlos) und entdeckt verborgene Mondrunen auf der Karte, die genaue Anweisungen für die Benutzung der Geheimtür enthalten. Während sich die Zwerge und Bilbo insgeheim wieder auf den Weg machen, konferiert Gandalf mit dem Weißen Rat, den Wächtern Mittelerdes. Saruman, das Oberhaupt des Zaubererordens, ist skeptisch, als Gandalf die Befürchtung äußert, der für tot gehaltene Hexenkönig von Angmar habe sich wieder erhoben. Gandalf kann eine Morgulklinge vorweisen, die Radagast aus Dol Guldur mitgebracht hat. Die Elbenfürstin Galadriel sichert Gandalf ihre Unterstützung zu.

Nachdem Bilbo und die Zwerge im Nebelgebirge einen Kampf der Steinriesen überstanden haben, suchen sie in einer Höhle Zuflucht. Bilbo will heimlich nach Bruchtal zurückkehren, denn Thorin hat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass der Hobbit seiner Meinung nach nur eine Belastung für die Zwerge ist und nicht zu ihnen gehört. Die Gruppe wird von Goblins überrascht, gefangen genommen und dem Goblinkönig vorgeführt, der sich ein von Azog ausgesetztes Kopfgeld sichern will. In letzter Sekunde erscheint Gandalf und ermöglicht es den Zwergen, sich den Weg nach draußen freizukämpfen. Dabei wird der Goblinkönig getötet. Bilbo hat sich schon zuvor in den Tiefen des Höhlensystems verirrt. Dort findet er einen goldenen Ring und begegnet Gollum, einer widerwärtigen Kreatur, die tief im Abgrund haust und den fetten Hobbit gern verspeisen würde. Als Gollum von Bilbo im Rätselspiel überlistet wird, will er seinen Schatz benutzen - den Ring, den Bilbo gefunden hat. Gollum ahnt, dass Bilbo den Ring an sich genommen hat, und verfolgt den Hobbit. Da gleitet der Ring über Bilbos Finger und macht den Hobbit unsichtbar. Bilbo kann Gollum folgen, der ihn unabsichtlich zum Ausgang führt. Bilbo hätte die Möglichkeit, seinen Gegner zu töten, aber er verschont ihn. Gollum schwört den Beutlins ewige Feindschaft. Im Freien stößt Bilbo zu seinen Gefährten. Die Wiedersehensfreude ist kurz, denn jetzt greift Azog an der Spitze seiner Wargreiter persönlich an. Im Kampf beweist Bilbo Mut und rettet Thorin das Leben. Die Zwerge werden in die Enge getrieben. Den sicheren Tod vor Augen werden sie von Riesenadlern gerettet, die Gandalf zu Hilfe gerufen hat.

Gandalf, Bilbo und die Zwerge werden von den Riesenadlern auf dem Carrock abgesetzt, einer Felsspitze im Flusstal des Anduin jenseits des Nebelgebirges. Thorin entschuldigt sich bei Bilbo für seine Zweifel; er akzeptiert den Hobbit als vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft. Vom Carrock aus ist Erebor in der Ferne zu erkennen. Bilbo glaubt, das Schlimmste sei jetzt überstanden. Doch tief im Inneren des Einsamen Berges ist Smaug noch immer wachsam...

Kringels Meinung

Nach dem gewaltigen Erfolg der Herr der Ringe - Trilogie war es nur eine Frage der Zeit, bis die Vorgeschichte verfilmt werden würde, nämlich J.R.R. Tolkiens Roman Der Hobbit. Die Erwartungshaltung war entsprechend groß, in meinem Fall war sie womöglich zu groß. Ich bin mit dem Ergebnis nämlich nicht ganz glücklich. Jedenfalls kommt "Der Hobbit" nicht annähernd an die HdR-Filme heran. Tatsächlich ist dies vielleicht das erste Mal, dass ich mir gewünscht habe, eine Verfilmung möge sich nicht eng an die Romanvorlage halten, denn "Der Hobbit" ist ein Kinderbuch und entspricht so gar nicht der epischen Düsternis des Herrn der Ringe. Versteht mich nicht falsch: Weder halte ich Tolkiens Buch für schlecht, nur weil es sich explizit an Kinder richtet, noch hätte ich es schrecklich gefunden, wenn daraus ein Kinderfilm geworden wäre. Das wäre dann eine werksgetreue Verfilmung gewesen. Ich hatte mir für die Verfilmung nur einfach einen anderen, "erwachsenen" Ton gewünscht. Peter Jacksons Film versucht beides gleichzeitig zu erfüllen, und meiner Meinung nach funktioniert das nicht. Jedenfalls hätte ich darauf verzichten können, einen etwas zu schusseligen Bilbo Beutlin zu sehen, der von einem lispelnden Troll vollgerotzt wird. Oder Zwerge (die teilweise für meinen Geschmack zu un-zwergisch wirken) in Unterhosen, die allerlei Schabernack treiben. Oder Radagast mit Vogelscheiße im Gesicht auf einem von Rennkaninchen gezogenen Schlitten. Vom wabbelbäuchigen, singenden Goblinkönig und anderen Albernheiten ganz zu schweigen. Ähnlich missglückte Momente gibt es natürlich auch in den HdR-Filmen, aber nicht in diesem Ausmaß, und dort beißt sich der Humor nicht so sehr mit der ansonsten vorherrschenden Ernsthaftigket. Im "Hobbit" wirkt sich das Geblödel meiner Meinung nach viel störender aus.

Leider gibt es noch andere Probleme. Bestand die Heldengruppe im ersten HdR-Film aus neun Personen, so sind es beim "Hobbit" fünfzehn. Und bis auf Bilbo, Gandalf, Thorin und vielleicht noch Balin sind alle nichts anderes als Staffage. Wer sind die elf anderen Zwerge? Warum sollte mir ihr Schicksal etwas bedeuten? Warum sollten sie mir überhaupt sympathisch sein? Der Film schafft es nicht, mir diese Figuren näherzubringen. Sie laufen halt mit, das ist alles. Ich finde es schon bezeichnend, dass man das offizielle Begleitbuch und das offizielle Filmbuch lesen muss, um die Hintergrundgeschichten der Zwerge zu erfahren. Als ich diese Bücher gelesen habe, musste ich erstaunt feststellen, dass sich das Produktionsteam wirklich viele Gedanken zu jedem einzelnen Zwerg gemacht hat. Das sind Details, die sich nicht aus Tolkiens Roman ergeben; dort werden die meisten Zwerge sogar noch stiefmütterlicher behandelt als im Film. Außerdem dauert es geraume Zeit, bis der Film wirklich in Fahrt kommt und leistet sich dann einige Längen. Betrachtet man ihn als Auftakt einer Trilogie, dann kann man akzeptieren, dass er sich viel Zeit für die Expositionsphase lässt. Aber das in die Länge gezogene Troll-Gelaber, die nicht enden wollenden Verfolgungsjagden mit den Wargreitern und in den Goblinhöhlen... da hat sich bei mir dann doch Langeweile eingestellt. Eine Anmerkung zur neuen HFR-Technik: Ich habe den Fehler gemacht, den Film erstmals in dieser Version anzuschauen. Das war wirklich ein großer Fehler, denn die doppelte Bildwiederholrate zerstört jegliches Kino-Feeling. Das Bild wirkt irgendwie künstlich. Ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, eine Fernseh-Videoproduktion zu sehen. Ich habe mir geschworen, nie, nie, nie, niemals wieder einen Film in HFR-3D zu gucken! Zum Glück hat man dieses Problem bei der Heimkino-Version nicht.

Nichtsdestotrotz ist "Der Hobbit" natürlich spektakulärer Fantasy-Bombast, ein Fest für die Augen. Immer wieder bleibt einem der Mund offen stehen bei bildgewaltigen Momenten wie zum Beispiel dem ersten Blick auf Bruchtal. So manche Szene sorgt für Gänsehaut, und zumindest in den Rückblicken erreicht der Film durchaus die überwaltigende Qualität der HdR-Filme. Das Innere Erebors, Smaugs Angriff, der Kampf vor den Toren von Moria - wow! Besser geht's gar nicht. Die Besetzung der Hauptrollen ist hervorragend. Ian McKellen ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Thorin mag zu jung sein, aber man nimmt ihm die zwergische Sturheit ebenso ab wie die Führungsqualitäten. Obwohl er wie schon erwähnt manchmal etwas zu trottelig-hasenfüßig daherkommt, ist Martin Freeman eine gelungene Besetzung für Bilbo. Sein erstes Zusammentreffen mit Gandalf ist wirklich grandios gespielt. Ich finde, dass Freeman dem Schauspieler Billy Boyd (Peregrin Tuk) ähnelt. Das würde passen, denn Bilbo ist ja mit den Tuks verwandt. Cate Blanchett, Hugo Weaving und selbst der deutlich gealterte Christopher Lee zeigen eine gewohnt beeindruckende Präsenz. Neben Gollum, der hier logischerweise ein bisschen frischer aussieht als in den HdR-Filmen und einen wirklich starken Auftritt hat, wirkt eine zweite komplett computergenerierte Haupt-Nebenfigur mit: Azog, der Albino-Ork. Er ist ebenso gut gelungen wie Gollum, obwohl er in diesem Film eigentlich gar nicht vorkommen dürfte.

Damit kommen wir zu einem Aspekt, der Puristen möglicherweise stören wird. "Der Hobbit" enthält nicht nur die Story des gleichnamigen Romans - bzw. einen Teil davon, zwei Filme kommen ja noch - sondern darüber hinaus zahlreiche Elemente aus anderen Erzählungen Tolkiens. Und es gibt einige Abweichungen. Azog zum Beispiel kommt im Roman "Der Hobbit" nicht vor. In Tolkiens Universum wird er in der Schlacht vor den Toren Morias getötet, und zwar nicht von Thorin, sondern von seinem Verwandten Dáin. Radagast kommt im Roman ebenfalls nicht vor, und der ganze Subplot um den Totenbeschwörer in Dol Guldur wird nur am Rande erwähnt.

"Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" ist ein guter oder meinetwegen sogar sehr guter Fantasyfilm - nur eben kein Meisterwerk wie Der Herr der Ringe - Die Gefährten.

Extended Edition: Eine schöne Tradition, die mit den "Herr-der-Ringe"-Filmen begründet wurde, wird beim "Hobbit" wieder aufgegriffen. Einige Monate nach der Kinoversion erscheint eine verlängerte Fassung für den Heimkinomarkt! Aber im Gegensatz zu den Extended Editions der drei HdR-Filme habe ich mich schon im Vorfeld gefragt, ob die ohnehin schon recht aufgeblähte "Hobbit"-Kinoversion überhaupt noch zusätzliche Szenen nötig hat. Und so finde ich es nicht überraschend, dass die Extended Edition nur ca. 13 Minuten länger ist. Bei den HdR-Filmen war es jeweils mehr als eine halbe Stunde! Machen die hinzugefügten Szenen den Film denn nun besser? Ja und nein. Einige Ergänzungen sind durchaus sinnvoll, andere hätten besser weggelassen werden sollen.

So finde ich es gut, dass etwas genauer auf das gespannte Verhältnis zwischen Elben und Zwergen eingegangen wird. Im Prolog sieht man, wie Thrór dem Elbenkönig eine Schatulle voller Edelsteine präsentiert. Obenauf liegt ein wunderschönes Halsband. Bilbo erklärt im Voiceover-Kommentar, dass die Elben behaupten, die Zwerge hätten ihren Schatz gestohlen, während die Zwerge der Meinung sind, man hätte sie um ihren Lohn betrogen. Damit wird wahrscheinlich auf die Geschichte vom Nauglamir angespielt. In dieser Geschichte wird erklärt, warum Elben und Zwerge nicht besonders gut aufeinander zu sprechen sind. Sie kommt im Roman "Der Hobbit" allerdings nicht vor, sondern im "Silmarillion" und im "Buch der Verschollenen Geschichten". Außerdem waren weder die Zwerge vom Erebor noch Thranduils Elben auch nur im Entferntesten an diesen Geschehnissen beteiligt. Im Roman "Der Hobbit" wird eine andere Halskette erwähnt: Der in Smaugs Hort liegende Halsschmuck Girions, des Fürsten von Thal. Der wird im Film aber wohl nicht gemeint sein.

Hinzu kommen einige sehr schöne Szenen vom idyllischen Leben in Hobbingen (man sieht Bilbo als Kind bei einer Feier des Alten Tuk) sowie von Bruchtal. Elrond bietet Bilbo an, in Bruchtal zu bleiben, Gandalf und Elrond unterhalten sich länger über die wahren Pläne des Zauberers. Dass sich Kili für eine vermeintliche Elbin interessiert, wobei er sich im Geschlecht irrt, ist als humorvolle Ergänzung in Ordnung. Auch das von Bofur zum Besten gegebene Lied vom Mann im Mond ist noch akzeptabel. Aber Zwerge, die nackt in einem Springbrunnen baden? Noch mehr Gesang des Goblinkönigs? Vergebliche Versuche der Zwerge, sich beim Goblinkönig mit dummem Geschwätz herauszureden? Das hätte ich nicht sehen müssen. Während ich die Extended Editions der HdR-Filme für die deutlich besseren Versionen halte, kann ich die zusätzlichen Szenen im "Hobbit" lediglich als nettes, insgesamt aber verzichtbares Beiwerk bezeichnen.

Blu-ray-Features

Das Bonusmaterial der Kinoversion gefällt mir schon fast besser als der Film: Ein kurzer Beitrag über die verschiedenen Drehorte in Neuseeland sowie zehn Videoblogs, die schon vorab im Internet zu sehen waren. Die Videoblogs dokumentieren ausführlich jede Phase des Produktionsprozesses, beginnend mit der Eröffnungszeremonie (incl. Haka) am 14. April 2011 bis zur Weltpremiere in Wellington am 14. Dezember 2012. Da schon Szenen des zweiten Films zusammen mit denen des ersten gedreht wurden, kann man zum Beispiel Teile von Düsterwald sowie Zwerge in Fässern sehen. Andere Elemente aus dem zukünftigen Film sind dagegen verpixelt - man will sich den Spaß ja nicht verderben! Peter Jackson persönlich führt den Zuschauer in allen Blogs durch die Kulissen, Werkstätten und Drehorte, wobei er Erklärungen abgibt. Hinter-den-Szenen-Material, Interviews und Filmausschnitte wurden zu einer interessanten, umfassenden Dokumentation zusammengestellt, die kaum Fragen offen lässt. Die Kamera ist immer hautnah dabei. Man begleitet das Team sogar zur Comic-Con in San Diego im Jahre 2012.

Es wurde aber nicht einfach nur das Geschehen bei den Dreharbeiten und in der Nachproduktion abgefilmt. Man merkt, dass da jemand mit Spaß bei der Sache war, der sich immer wieder was neues hat einfallen lassen. Zum Beispiel wird PJ aus Neuseeland zu den Pinewood-Studios in England gebeamt, wo er dann orientierungslos umherirrt und von Christopher Lee im Saruman-Kostüm misstrauisch beäugt wird. Kiran Shah äußert den Wunsch, die Rolle des Legolas zu übernehmen. Der wird umgehend erfüllt, und so sieht man, wie der 126 cm große Mann im Legolas-Kostüm gegen Orks antritt. Cool! Liebevoll gestaltete Karten, Grafiken und Animationen werden zur Erläuterung eingeblendet und natürlich machen sämtliche Schauspieler / Teammitglieder allerlei Scherze. Es ist schon interessant, die Schauspieler mal ohne Masken zu sehen.

Insgesamt erhält man einen guten Einblick in die Arbeit der verschiedenen Abteilungen. Es ist kaum zu glauben, wie viele Menschen an so einer Großproduktion beteiligt sind und was für ein Aufwand allein schon dafür betrieben werden muss, dass sie reibungslos zusammenarbeiten können. Ganz zu schweigen vom Bau der teils riesigen Sets und der Erkundung der wunderschönen Landschaft Neuseelands, die gar nicht groß per CGI aufgehübscht werden musste, um für ehrfürchtiges Staunen beim Zuschauer zu sorgen.

Zum Bonusmaterial der Extended Edition gehört auch die o.g. kurze Featurette "Neuseeland: Heimat von Mittelerde". Tja, und dann kommen die Anhänge, und zwar Teil 7 und 8, denn hiermit werden die Anhänge der Special Extended Editions der drei "Herr der Ringe" - Filme fortgesetzt. Sie sind in mehrere Kapitel aufgeteilt, die man auch alle zusammen abspielen kann, und haben insgesamt eine Laufzeit von über neun Stunden! Die Anhänge werden euch viele Abende allerbester Unterhaltung bescheren, denn hier wurde nicht einfach nur ein bisschen was von den Dreharbeiten abgefilmt und mit Interviews / Filmausschnitten vermischt, wie es in so manchem langweiligem "Making of" der Fall ist. Nein, die Anhänge verdienen es wirklich, als Dokumentationen bezeichnet zu werden. Sie wurden aufwändig und mit viel Liebe produziert und fangen den Geist des Produktionsprozesses sehr gut ein. Man kann die Hingabe aller Beteiligten einfach nur bewundern und man versteht, was für ein unfassbarer Aufwand betrieben wurde, um den "Hobbit" auf die Leinwand zu bringen. Sehr lobenswert finde ich, dass es sich um vollständig neues Material handelt, d.h. mir sind keine Wiederholungen aus den Videoblogs aufgefallen. Ich finde hier wirklich nur einen Kritikpunkt: Bekanntlich war zunächst Guillermo del Toro als Regisseur für den "Hobbit" vorgesehen. Es wurde schon einiges an Zeit und Arbeit in die Vorproduktionsphase hineingesteckt - aber in den Anhängen wird nur sehr, sehr wenig davon gezeigt. Wenigstens fällt dieser Teil der Entstehungsgeschichte nicht ganz unter den Tisch. Ich hätte nur gern mehr von dem gesehen, was Guillermo del Toro sich für den Film schon überlegt hatte.

Die Zwerge werden natürlich besonders ausführlich vorgestellt, und hier tritt wieder der Effekt ein, den ich schon bei "Kringels Meinung" erwähnt habe: Das Produktionsteam hat sich sehr viele Gedanken über Aussehen, Charaktereigenschaften, Sprache und Hintergrundgeschichten aller Zwerge gemacht, sowie darüber, wie man all das durch Bewegungen und Verhaltensweisen der Zwerge, durch den Stil der Kleidung und Details der Ausrüstung zum Ausdruck bringen kann. Viele Kleinigkeiten, die man während des Films vielleicht gar nicht wahrnimmt, werden gezeigt. Hättet ihr zum Beispiel gewusst, dass Orcrists Griff aus einem Drachenzahn besteht und was die auf die Klinge gravierten Runen bedeuten? Im Film geht das alles ziemlich unter. Im Grunde müsste man zuerst diese Dokumentation anschauen und dann erst den "Hobbit", denn dann hätte man die Zwerge besser kennengelernt und wäre eher in der Lage, mit ihnen mitzufiebern. Sehenswert ist auch die Entwicklung der Zwergengesichter. Einige Masken haben zu Anfang völlig anders ausgesehen! Und endlich wird das Rätsel um Azog gelöst. In diversen Publikationen, zum Beispiel den oben verlinkten Filmbüchern, ist immer wieder ein Ork zu sehen, der im Film gar nicht vorkommt. Das ist einer der ersten Entwürfe für Azog. Es hat sehr lange gedauert, bis man sich auf die endgültige Version entschieden hat, ursprünglich hätte Azog sogar von einem Schauspieler verkörpert werden sollen. Zumindest einer der früheren Entwürfe wurde für einen anderen Ork verwendet, aber eben nicht der, der in den Büchern abgebildet ist.

Es würde zu weit führen, wollte ich noch näher auf diese wunderbaren Dokumentationen eingehen. Sie sind perfekt - mehr gibt's dazu nicht zu sagen.


J. Kreis, 24.07.2013 / 31.12.2013




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