Herz aus Stahl


Herz aus Stahl (USA/GB, 2014)
- Fury -

Blu-ray, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 134 Minuten

Extras:
- Entfallene und erweiterte Szenen (56:13 Min.)
- Blutsbrüder (11:08 Min.)
- Kriegstagebuch des Regisseurs (17:32 Min.)
- Gepanzerte Krieger: Echte Männer in den Shermans (12:11 Min.)
- Die Bestie zähmen: Fahren, feuern und schießen in einem 30-Tonnen-Panzer (12:48 Min.)
- Fotogalerie
- Trailer

Regie:
David Ayer

Hauptdarsteller:
Brad Pitt (Don Collier)
Logan Lerman (Norman Ellison)
Shia LaBeouf (Boyd Swan)
Michael Pena (Trini Garcia)
Jon Bernthal (Grady Travis)
Alicia von Rittberg (Emma)




Story

April 1945. Die Alliierten Truppen sind tief ins Kerngebiet des Deutschen Reiches vorgedrungen und marschieren auf Berlin. Sie stoßen immer noch auf heftigen Widerstand. Der Totale Krieg wurde befohlen und die Sherman-Panzer der US-Streitkräfte sind den deutschen Tiger-Panzern unterlegen. Die Besatzungsmitglieder des Sherman-Panzers Fury (Fahrer Trini Garcia, Ladeschütze Grady Travis und Richtschütze Boyd Swan unter dem Kommando von Sergeant Don Collier) sind die einzigen Überlebenden ihres Zuges. An einem Sammelpunkt fassen sie neue Munition. Bei dieser Gelegenheit wird Fury einem Zug zugeteilt, dem nur noch drei Panzer zur Verfügung stehen. Der Zug soll unter Beschuss liegende Soldaten retten sowie eine Kleinstadt erobern. Der Schreibstubensoldat Norman Ellison wird als Ersatz für einen gefallenen Kameraden der Fury-Besatzung abkommandiert. Der völlig unerfahrene Rekrut hat es nicht leicht unter den Veteranen, die schon seit den Kämpfen in Nordafrika zusammen sind und ein eingeschworenes Team bilden. Während der Fahrt zum Einsatzort sieht Ellison einen bewaffneten Feind im Unterholz, eröffnet aber nicht das Feuer und hat somit den Tod einer gesamten Panzerbesatzung zu verantworten. Der Zugführer stirbt einen qualvollen Tod, als die Deutschen (eine Einheit von Hitlerjungen) die Kolonne mit Panzerfäusten angreifen. Bei einem späteren Feuergefecht weigert sich Ellison, gefallene Gegner unter Beschuss zu nehmen. Daraufhin wird er von Collier gezwungen, einen deutschen Soldaten zu erschießen, der sich bereits ergeben hat.

Nach dem Tod des Zugführers hat Collier das Kommando. Unter seiner Leitung wird die Stadt eingenommen. Danach quartiert er sich mit Ellison in einer Wohnung ein, in der eine Frau und deren jüngere Cousine Emma leben. Ellison und Emma verlieben sich ineinander. Kurz nachdem die beiden miteinander geschlafen haben, dringen Colliers Leute in die Wohnung ein. Die betrunkenen Männer versetzen die Frauen in Angst und Schrecken, bis sie durch einen neuen Einsatzbefehl abberufen werden. Kaum haben die Soldaten das Haus verlassen, wird dieses durch Artilleriebeschuss zerstört. Emma liegt tot in den Trümmern. Ellison kann nichts tun; die vier Panzer müssen schnellstens abrücken, um eine strategisch wichtige Kreuzung zu sichern. Sollten deutsche Truppen an dieser Stelle durchstoßen, könnten sie die verwundbaren alliierten Nachschublinien zerschlagen. Die Kolonne gerät in einen Hinterhalt. Ein deutscher Tiger-Panzer vernichtet zwei Shermans. Fury wird ebenfalls getroffen, doch durch ein geschicktes Lenkmanöver Garcias und Swans Schießkünste gelingt es den Männern, den Tiger auszuschalten. Da die Funkanlage ausgefallen ist, kann Collier keine Verstärkung herbeirufen.

Direkt an der zu schützenden Kreuzung fährt Fury auf eine Mine. Die Kette bricht und das Fahrwerk wird beschädigt. Ellison, der sich inzwischen den Respekt seiner Kameraden verdient hat, nimmt einen Beobachtungsposten ein, während sich die anderen den Reparaturarbeiten widmen. Er beobachtet den Anmarsch eines kompletten Bataillons der Waffen-SS und warnt Collier rechtzeitig. Garcia, Travis und Swan wollen vor der Übermacht fliehen, doch Collier ist fest entschlossen, die Stellung zu halten. Als Ellison sich ihm anschließt, bleiben auch die anderen. Fury stellt sich tot. Erst im letzten Moment wird das Feuer eröffnet, so dass die völlig überraschten SS'ler schon in den ersten Minuten schwere Verluste erleiden. Das Gefecht zieht sich bis in die Nacht hin. Dann wird Travis durch eine Panzerfaust getötet. Garcia stirbt, als er sich über eine Handgranate wirft, um seine Kameraden zu schützen. Swan wird von einem Scharfschützen erschossen, der auch Collier anschießt. Zwei in den Panzer geworfene Handgranaten erledigen den Rest. Ellison entkommt durch eine Fluchtluke und versteckt sich unter dem Panzer. Ein feindlicher Soldat sieht ihn, verrät ihn aber nicht. Dann ziehen die Deutschen ab.

Am nächsten Morgen kriecht Ellison unverletzt in den Panzer zurück, wo er von US-Soldaten entdeckt wird, die ihm sagen, dass er ein Held ist.


Kringels Meinung

Auf dem Cover steht, "Herz aus Stahl" sei der beste Kriegsfilm seit Der Soldat James Ryan und "Platoon". Solche Vergleiche würde ich nicht anstellen, aber ein beeindruckender, weil sehr realistischer Kriegsfilm ist "Herz aus Stahl" auf jeden Fall. Von Anfang an wird kein Zweifel daran gelassen, dass der Krieg ein äußerst dreckiges Geschäft ist und dass es keine strahlenden Helden geben kann. Im Krieg macht sich jeder die Hände schmutzig. In "Herz aus Stahl" wird gezeigt, zu welchen Grausamkeiten Menschen in Extremsituationen fähig sind. Manchen macht das Spaß, andere zerbrechen daran. Es ist schon eher ungewöhnlich, dass eine positive Hauptfigur wie Collier ein Kriegsverbrechen begeht, indem er einen bereits in Gefangenschaft geratenen Soldaten erschießt, und das auch noch im Zweiten Weltkrieg, also in einem "gerechten" Krieg, wie in Hollywoodfilmen gern betont wird.

Die Fury-Besatzung folgt nicht dem üblichen Heldenklischee. Grady Travis benimmt sich permanent wie ein primitives Arschloch, Trini Garcia säuft im Einsatz und bei Boyd Swan weiß man nicht so recht, ob er einfach nur gläubig oder vollkommen durchgedreht ist. Wenn die drei Typen in die Wohnung der beiden Frauen hereingeplatzt kommen, deren Vertrauen Collier und Ellison gerade erst gewonnen haben, ist sofort klar: Das gibt Ärger. Gleichwohl zeigen sie alle Mut und Opferbereitschaft, wenn es darauf ankommt. Die Männer sind nach den gemeinsam erlebten und auch selbst begangenen Kriegsgräueln abgestumpft und verroht. Da ist kein Platz für Heldentum. Es geht nur ums Überleben. Diese ambivalente Figurenzeichnung ist eine Stärke dieses Films. Gestört hat mich eigentlich nur die Szene, in der Ellison und Emma miteinander schlafen. Das heißt, ich nehme an, dass sie das tun. Gezeigt wird es nicht. Emma und ihre Cousine waren gerade noch völlig verängstigt, wenige Minuten später verhalten sich Emma und Ellison wie frisch Verliebte, die einen zärtlichen Moment miteinander teilen. Hier stimmt die Dramaturgie nicht.

Die andere Stärke des Films ist der Realismus. Das geht schon damit los, dass die Panzerfahrer permanent dreckig sind und sich in der bedrückenden Enge des Panzers auf der Pelle sitzen. Beides kenne ich aus eigener Erfahrung! Was im Film natürlich nicht rüberkommt, ist der Geruch, der in so einem Panzer herrscht. Wenn mehrere Personen tagelang im Einsatz sind, dann wird es allmählich pikant ... "Schöne" Erinnerungen an meine Bundeswehrzeit werden auch wach, wenn zu sehen ist, wie sich die Kettenfahrzeuge durch den Matsch wühlen. Nein, die Arbeit mit solchen Fahrzeugen ist kein reines Vergnügen, das könnt ihr mir glauben. Im Film wird das gut eingefangen. Die Gewaltdarstellung ist ebenfalls kompromisslos realistisch. Die Feuergefechte sind sehr intensiv; Kopfschüsse und blutige Treffer, zerfetzte Leichen, in Flammen stehende Menschen - das ist ganz schön starker Tobak für einen ab 16 Jahren freigegebenen Film. Highlights sind definitiv die Panzerkämpfe, insbesondere das Gefecht zwischen den drei Shermans und dem Tiger. So etwas habe ich noch in keinem Kriegsfilm gesehen. Ich finde die Kampfszenen besonders beeindruckend, weil weitgehend auf CGI verzichtet wurde. Stattdessen sind echte Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt worden!


Blu-ray-Features

Die erstaunlich lange Laufzeit der entfallenen/erweiterten Szenen täuscht. Recht viel davon ist auch im Film zu sehen. Manche Dialoge wurden verlängert und wirken etwas dick aufgetragen. Zum Beispiel berichtet Garcia von seiner Arbeit in einem Schlachthof, durch die er einiges für den Krieg gelernt habe. Travis gesteht Collier, dass er die Belastung nicht mehr aushält. Collier selbst führt ein "Männergespräch" mit Ellison und erzählt, warum es für ihn kein Zuhause gibt: Er hat seine Freundin und seinen Bruder zu Tode gefahren, als er alkoholisiert vor der Polizei geflohen ist. Daher stammen die Brandnarben auf seinem Rücken. Kurz danach waren die USA in den Krieg eingetreten und der Richter hatte gesagt, Collier solle für sein Land sterben. Ganz neu ist eine Szene am Sammelpunkt. Da dreht ein anderer Panzerfahrer durch, weil er nicht wieder an die Front will. Er sprengt sich selbst die Hand weg. Auch wird gezeigt, dass der Kommandant, von dem Collier in der Stadt neue Befehle erhält, beim Artilleriebeschuss tödlich verwundet wird. Und schließlich sieht man, wie die Panzer an toten KZ-Häftlingen vorbeifahren. Sie waren auf einen Todesmarsch geschickt worden.

Die vier Featurettes enthalten die übliche Mischung aus Filmszenen, Interviews und Hinter-den-Szenen-Material. Darüber hinaus sind historische Filmaufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu sehen. Interviewt werden nicht nur Schauspieler und Produktionsteam, sondern auch Veteranen, die hinzugezogen worden sind, weil die Schauspieler erfahren sollten, wie es damals wirklich war. Dan Evans, George Smilanich, Paul Andert und Ray Stewart lassen hier auch den Zuschauer an ihren teils wahrhaft traumatischen Kriegserinnerungen teilhaben. Die Schauspieler mussten an einem militärischen Training teilnehmen, wodurch sie nach eigener Angabe zu einem echten Team zusammengeschweißt wurden. Sie mussten auch mit den echten, aus dem britischen Bovington Tank Museum entliehenen Panzern üben und haben die Kolosse ins Herz geschlossen. Lustigerweise konnte Michael Pena danach besser mit dem Sherman umgehen als die Stuntfahrer und wurde entsprechend eingesetzt!


J. Kreis, 06.05.2016




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