Hercules


Hercules - Extended Cut (USA, 2014)

Blu-ray, MGM
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 98 Minuten (Kinoversion) / 101 Minuten (Extended Cut)

Extras:
- Audiokommentar (nur für Kinoversion)
- Brett Ratner und Dwayne Johnson: Eine Einführung (5:32 Min.)
- Hercules und seine Söldner (11:07 Min.)
- Waffen! (5:24 Min.)
- Die Bessi-Schlacht (11:54 Min.)
- Die Effekte von Hercules (12:28 Min.)
- Entfernte / erweiterte Szenen (14:38 Min.)

Regie:
Brett Ratner

Hauptdarsteller:
Dwayne Johnson (Hercules)
Rebecca Ferguson (Ergenia)
John Hurt (Cotys)
Ian McShane (Amphiaraus)
Rufus Sewell (Autolycus)
Reece Ritchie (Iolaos)
Ingrid Bolso Berdal (Atalanta)
Aksel Hennie (Tydeus)
Joseph Fiennes (Eurystheus)
Tobias Santelmann (Rhesus)
Peter Mullan (Sitacles)




Story

Man sagt, Hercules sei der Sohn des Gottes Zeus und einer Sterblichen. Hercules ist ein Hüne mit gewaltiger Körperkraft und gilt als größter Held Griechenlands. Er soll schon zahlreiche Ungeheuer bezwungen haben, darunter den nemeischen Löwen, dessen undurchdringliches Fell er seitdem wie einen Panzer trägt. Zumindest sind das die phantasievoll ausgeschmückten Geschichten, die Iolaos, der Neffe und ständige Begleiter des Helden, wortgewaltig verbreitet. So kommt es, dass man Hercules überall für einen Halbgott hält, dem man besser nicht ins Gehege kommt. In Wahrheit vollbringt Hercules seine Heldentaten nicht allein, sondern mit der Hilfe treuer Gefährten. Neben dem jungen Iolaos sind dies die amazonenhafte Bogenschützin Atalanta, der Seher und Speerkämpfer Amphiaraus, der Messerwerfer Autolycus und der Berserker Tydeus. Hercules und seine Freunde sind stets darauf bedacht, den für sie sehr nützlichen Nimbus des unbesiegbaren Helden aufrecht zu erhalten. Sie müssen sich als Söldner verdingen, seit Hercules von Eurystheus, dem König von Mykene und Tyrins, verbannt wurde. Hercules soll seine Frau und seine drei Kinder ermordet haben, kann sich aber nur bruchstückhaft an die fragliche Nacht erinnern. Er wird von Schuldgefühlen gequält und hat immer wieder Visionen, in denen er die blutüberströmten Leichen seiner Liebsten sowie den dreiköpfigen Höllenhund Zerberus sieht.

Im Jahre 358 v.Chr. wird Hercules von Cotys angeworben, dem König von Thrakien. Cotys zufolge leidet die Bevölkerung unter den ständigen Angriffen des grausamen Rebellen Rhesus. Cotys will den legendären Ruf des Helden nutzen, um seiner demoralisierten und schlecht ausgebildeten Armee neuen Mut zu geben. Hercules willigt ein, was nicht zuletzt der Vermittlung durch Ergenia zu verdanken ist, der ebenso schönen wie ehrenhaften Tochter des Königs. Die Tatsache, dass Hercules zum Lohn das Doppelte seines Gewichts in Gold erhalten soll, ist ebenfalls nicht zu verachten. Hercules und seine Gefährten beginnen mit der Ausbildung des größtenteils aus Bauern bestehenden Heeres, doch da erhält Cotys von seinen Spähern die Nachricht, Rhesus werde demnächst ein weiteres Dorf niederbrennen. Cotys und dessen General Sitacles ignorieren Hercules' Warnungen und ziehen ins Feld. Doch sie gehen in eine Falle und werden angegriffen. Nur den Kampfkünsten der Söldner, die mit Klingen bestückte Streitwagen zum Einsatz bringen, ist es zu verdanken, dass die drohende Niederlage in einen Sieg verwandelt werden kann. Jetzt endlich werden die Soldaten ausgebildet und mit neuen Waffen ausgerüstet, die nach Hercules' Plänen hergestellt wurden. Die Redekunst des Iolaos, der den Soldaten Mut zuspricht, tut ein Übriges. Schließlich ist die Armee bereit, es mit den Aufrührern aufzunehmen und den Sieg gegen die zahlenmäßig überlegenen Feinde zu erringen. Hercules bezwingt Rhesus persönlich.

Rhesus wird als Gefangener zum Hof des Königs geführt und gedemütigt. Er sagt, nicht er habe die Dörfer vernichtet und Hercules habe auf der falschen Seite gekämpft. Zur Rede gestellt bestätigt Ergenia, dass in Wahrheit Cotys der Aggressor ist. Er hat Ergenias Ehemann vergiftet, um selbst auf dem Thron Platz nehmen zu können, und verwendet Ergenias kleinen Sohn Arius (den rechtmäßigen Thronfolger) als Druckmittel gegen seine Tochter. Sie bittet Hercules, Arius mit sich zu nehmen, damit er eines Tages König werden und dem Land Frieden bringen kann. Cotys leugnet seine Expansionspläne nicht. Tatsächlich will er jetzt Herrscher von ganz Griechenland werden. Mit den von Hercules ausgebildeten Soldaten, die ihrerseits weitere Kämpfer unterrichten können, hat er das perfekte Werkzeug für seine Ambitionen in der Hand. Er bietet Hercules an, die Männer weiterhin anzuführen, doch der Held lehnt ab. Er erhält den versprochenen Lohn und könnte nun ein ruhiges Leben am Schwarzen Meer verbringen, wie er es sich immer erträumt hat. Doch der Gedanke, mit verantwortlich für die Unterdrückung eines ganzen Landes zu sein, würde ihn ewig verfolgen. Deshalb bleibt er in Thrakien, um gegen Cotys vorzugehen. Seine Gefährten stehen ihm zur Seite. Nur Autolycus ist dazu nicht bereit. Er nimmt das Gold und setzt sich ab.

Hercules und seine Freunde versuchen Rhesus zu befreien, stehen aber einer Übermacht gegenüber, landen im Kerker und sollen zusammen mit Ergenia sterben. Eurystheus ist ebenfalls zugegen; er macht mit Cotys gemeinsame Sache. Eurystheus hat drei abgerichtete Wölfe dabei, in denen Hercules den Zerberus aus seinen Visionen erkennt. Eurystheus gibt zu, Hercules unter Drogen gesetzt und die Wölfe auf dessen Familie gehetzt zu haben. Hercules ist seinerzeit aufgrund seiner Beliebtheit und Unbestechlichkeit zu einer Bedrohung für den Herrscher geworden. Da Eurystheus den Helden nicht einfach töten konnte, wollte er dessen Ruf zerstören. Angefeuert von Ampiaraus sprengt Hercules seine Ketten und tötet den Scharfrichter sowie die Wölfe. Nun kämpfen Hercules und seine Gefährten mit Rhesus Seite an Seite. Hercules ersticht Eurystheus, wird aber von Sitacles niedergeworfen. Iolaos stellt seinen Mut unter Beweis, indem er den General tötet. Vor dem Palast stehen die Gefährten dem gesamten Heer gegenüber, außerdem setzt Cotys Arius das Messer an die Kehle. Die aussichtslose Situation wird von Autolycus gerettet, der seine Freunde doch nicht im Stich lassen konnte. Tydeus wird tödlich verwundet, als er Arius mit seinem eigenen Körper vor Pfeilen schützt, und stirbt in Hercules' Armen. Cotys rückt an der Spitze der Soldaten gegen die Gefährten vor. Da wirft Hercules eine gewaltige Statue der Göttin Hera um. Cotys wird von den Trümmern erschlagen. Nach diesem Beweis übermenschlicher Kraft sind die Soldaten endgültig davon überzeugt, einem Halbgott gegenüberzustehen. Sie strecken die Waffen, knien nieder und skandieren Hercules' Namen.


Kringels Meinung

Ihr kennt das: Jemand vollbringt eine außergewöhnliche Leistung, indem er beim Angeln den größten Fisch fängt, ein besonders gelungenes Tor beim Vereinsfußball erzielt oder ähnliches. Natürlich wird immer wieder von diesem tollen Ereignis erzählt. Bei jeder Erzählung wird der Fisch größer, der Kick spektakulärer, bis die Storys irgendwann nicht mehr glaubwürdig sind. Warum sollte es bei den Ereignissen, die Eingang in die antike Sagenwelt gefunden haben, anders gewesen sein? So werden die Heldentaten des Halbgotts Hercules in diesem Film interpretiert, und diesen clever umgesetzten Ansatz finde ich besonders charmant! Das ist außerdem mal was Neues, jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, jemals einen ähnlichen Hercules-Film gesehen zu haben. Dennoch gibt es für fast alle Figuren des Films Vorbilder aus den griechischen Götter- und Heldensagen. Hercules und seine Gefährten entsprechen ihren Vorbild bis ins Detail und sie waren Zeitgenossen. Auch der literarische Herakles trägt das Löwenfell mit dem Schädel als Helm, muss Aufgaben für Eurystheus erledigen und soll im von der eifersüchtigen Göttin Hera gesandten Wahn Frau und Kinder erschlagen haben. Atalante ist eine meisterhafte Bogenschützin, die an der Jagd auf den Kalydonischen Eber mitgewirkt hat. Daran war auch der Seher Amphiaraus beteiligt. Autolykos ist ein Dieb, von dem sein Enkel Odysseus die Gerissenheit geerbt hat. Nur Tydeus fällt aus dem Rahmen, denn in der griechischen Mythologie ist er ein Königssohn und Vater des Trojakämpfers Diomedes.

Hercules tritt natürlich als großer Held auf. Er ist ja auch wirklich ein irrsinnig starker Kerl und geschickter Kämpfer. Tatsächlich wirken im Hintergrund aber stets seine Gefährten mit, jeder von ihnen besitzt einzigartige Fähigkeiten. So kann Hercules scheinbar Dinge vollbringen, die für einen einzigen Menschen völlig unmöglich wären. In der genialen Eröffnungsszene sehen wir, wie dieser Trick funktioniert. Hercules' Feinde bekommen die Gefährten des Helden nie zu Gesicht; sie sehen nur das Ergebnis. Der Geschichtenerzähler schmückt das Ganze aus, wobei ihm die Sensationslust des abergläubischen Volks zugute kommt. Und so werden die an sich schon großen Taten des Helden zu Aufgaben, die eines Halbgotts würdig sind. Zum Beispiel ist die Hydra in Wahrheit kein Ungeheuer mit unzähligen Schlangenköpfen, die immer wieder nachwachsen. Stattdessen wird es sich wohl um eine Gruppe von Übeltätern handeln, die Helme in Form von Schlangenköpfen benutzen - in einer Rückblende ist zu sehen, wie Hercules dem Eurystheus einen Sack mit den abgeschlagenen Köpfen überbringt. Die gefürchteten Zentauren in Rhesus' Armee sind Reiter auf gepanzerten Pferden, die aus dem richtigen Blickwinkel so aussehen, als handele es sich um Menschen mit Pferdeleibern. Die Frage, ob Hercules denn nun wirklich ein Sohn des Zeus ist, bleibt unbeantwortet. Jedenfalls übersteigt seine Körperkraft menschliches Normalmaß bei weitem. Und nachdem Hercules die Hera-Statue umgeworfen hat, zucken am Himmel effektvoll die Blitze. Zufall? Oder huldigt Göttervater Zeus seinem Sohn mit Donnerkeilen? Egal, sagt Amphiaraus, solange man an sich selbst glaubt, kann jeder ein Held sein. Somit hat der Film auch noch eine Botschaft. Was will man mehr?

Na ja, ein bisschen mehr muss schon noch geboten werden. Und da kann ich mich nicht beschweren! Alle Rollen sind bestens besetzt. Dwayne Johnson ist ein perfekter Hercules, denn er hat nicht nur Muskeln, sondern auch Köpfchen und Charisma. Er besitzt jene undefinierbare Eigenschaft, die echte Kinohelden ausmacht! Die Gefährten des Hercules sind durch die Bank sympathisch, jedem wird ausreichend Aufmerksamkeit gezollt, so dass Tydeus' Tod durchaus wehtut. Mein Favorit ist Ian McShane in der Rolle des durch diverse Kräuter stets leicht bekifften Sehers, der angeblich genau weiß, wann und wie er sterben wird. Mehrmals freut er sich schon darauf, endlich seinen großen Abgang zu haben, aber das will einfach nicht klappen! John Hurt und Joseph Fiennes sind angemessen fiese Gegenspieler. An Ausstattung und Action gibt's ebenfalls nichts auszusetzen. Überzeugende Kulissen, schöne Kostüme und Rüstungen, große Schlachten mit vielen Komparsen, wuchtige Einzelkämpfe - das alles ist vielleicht nicht ganz so spektakulär, wie man es in anderen Historienfilmen gesehen hat, aber genau das finde ich gut. Es muss ja nicht alles immer größer-mehr-schneller werden, solange es realistisch bleibt, und das ist in diesem Film gut gelungen. Jedenfalls nehme ich es dem muskelbepackten Hercules durchaus ab, dass er seine Feinde mit der gewaltigen Keule meterweit durch die Luft schlagen oder einen Reiter mitsamt Pferd umwerfen kann. Ein kleiner Ausreißer sind die computergenerierten Wölfe. Sie wirken künstlich und unglaubwürdig. Es wäre besser gewesen, den Zerberus in Hercules' Visionen nur als dreiköpfigen Schatten zu zeigen und in der Kerkerszene echte Tiere einzusetzen. Ansonsten ist der Spagat zwischen Heldenpathos und Realismus, Humor und Ernsthaftigkeit sehr gut gelungen. Ich finde, "Hercules" ist eine wunderbare Mischung aus modernem Actionkino und Sandalenfilm alter Schule. Daumen hoch!


Blu-ray-Features

Die Blu-ray enthält sowohl die Kinoversion als auch den leider nur dreieinhalb Minuten längeren Extended Cut. Obwohl die Handlungserweiterungen nicht wirklich von Bedeutung sind, würde ich dem Extended Cut jederzeit den Vorzug geben, denn hier ist die Gewaltdarstellung härter und somit realistischer. Einige Kampfszenen sind jetzt minimal länger, vor allem wurde Blut eingefügt. Bei der Kinoversion kann man sich fragen, ob da Untote gegeneinander kämpfen, denn Blut ist kaum zu sehen. Neue Szenen: Atalanta wird von General Sitacles belästigt, weist ihn aber problemlos in die Schranken. Ein Späher (der sich nur im Extended Cut später als Verräter erweist) soll geköpft werden. Autolycus verhindert das und unterstellt die Kundschafter seinem Befehl. Ein Rückblick auf Hercules' Verbannung durch Eurystheus ist zu sehen und der eine oder andere Dialog ist ein bisschen länger.

Einige dieser Szenen sind nochmal gesondert beim Bonusmaterial zu sehen. Dazu gehören aber auch weitere nicht verwendete Szenen, etwa ein Auftritt von Göttervater Zeus persönlich. Er nähert sich Alkmene, der schönsten Frau ihrer Zeit, in einem Sonnenstrahl, so dass man ihn nicht genau erkennen kann. In einer anderen nicht verwendeten Szene wird gezeigt, was aus dem Typen wird, dessen Schergen Hercules und seine Freunde zu Beginn des Films aufmischen. Der Ärmste hängt am selben Seil über einem zugespitzten Pfahl wie zuvor Iolaos! Außerdem wird der verräterische Späher in zwei Varianten von seinem Schicksal ereilt. Version 1: Atalanta erschießt ihn aus der Ferne. Version 2: General Sitacles behauptet, er werde ihn entkommen lassen, sofern es ihm gelinge, eine bestimmte Stelle zu erreichen, bevor er bis zehn gezählt habe. Sitacles verrät den Verräter jedoch und streckt ihn per Speerwurf nieder, bevor er bei Zehn angelangt ist. Auch das Ende des Films verläuft etwas anders. So erhält Tydeus eine Feuerbestattung und zu guter Letzt nimmt Hercules dem kleinen Arius das Versprechen ab, ein guter König zu sein, bevor er mit seinen Gefährten davonfährt - aber nicht etwa zum Schwarzen Meer, sondern nach Athen.

Die fünf relativ kurzen Featurettes hätten eine "Alle abspielen"-Funktion verdient gehabt, denn zusammengenommen bilden sie eine ganz gute Filmdoku. So habe ich vorher nicht gewusst, dass der Film auf der Graphic Novel "Hercules: The Thracian Wars" basiert. Dwayne Johnson erzählt humorvoll von den Dreharbeiten und berichtet von schmerzhaften Verletzungen, die er sich bei WrestleMania zugezogen hat und die er nicht hat operativ versorgen lassen, um die Filmproduktion nicht zu gefährden! Es ist auch interessant zu sehen, wie viel von dem, was ich für computergeneriert gehalten habe, wirklich gebaut wurde. Dwayne Johnson sagt, dass er sehr stolz auf das Endergebnis ist. Das glaube ich ihm gern und ich finde, der Stolz ist gerechtfertigt.


J. Kreis, 05.08.2015




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