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Hellraiser 2 Hellbound - Hellraiser 2 (GB, 1988)
DVD - Regionalcode 2, Movie World
FSK: Keine
Laufzeit: ca. 99 Minuten

Extras
Audiokommentare von Tony Randel, Ashley Laurence und Pete Atkins (Drehbuchautor). Featurette: "Lost in the Labyrinth" (ca. 17 Minuten). Bildergalerie. Trailer

Regie:
Tony Randel

Hauptdarsteller:
Ashley Laurence (Kirsty Cotton)
Clare Higgins (Julia Cotton)
Kenneth Cranham (Dr. Philip Channard)
Imogen Boorman (Tiffany)
Doug Bradley (Pinhead/Captain Elliot Spencer)
William Hope (Kyle MacRae)
Sean Chapman (Frank Cotton)




Inhalt:

Zur Vorgeschichte siehe Hellraiser.

Mit knapper Not ist Kirsty Cotton den Cenobiten entkommen. Sie wurde in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert, wo sie beunruhigende Visionen hat: Sie glaubt, ihr Vater (der von Onkel Frank gehäutet und getötet worden ist), sei in der Hölle und rufe nach ihr. Natürlich glaubt ihr niemand, denn die wirre Geschichte von Dämonen, die ihre Opfer in die Hölle zerren, um sie dort unbeschreiblichen Qualen auszusetzen, klingt ja nun wirklich etwas unglaubwürdig. Jedenfalls ist der ermittelnde Polizeibeamte, dessen Leute im Haus der Cottons über zahlreiche übel zugerichtete Leichen stolpern, dieser Ansicht. Da er keine verwertbare Information aus Kirsty herausbekommt, überläßt er sie der Obhut von Dr. Channard, dem Chefarzt der Anstalt. Kirsty ahnt nicht, daß sie damit in die Hände eines Mannes gefallen ist, der nicht nur äußerst fragwürdige Experimente mit seinen Patienten anstellt, sondern sich auch - getrieben von dem Wahn, die Antworten auf die letzten Fragen der menschlichen Existenz zu finden - seit langer Zeit mit dem Mythos der Rätselboxen beschäftigt. Channard wird hellhörig, als Kirsty verlangt, die Matratze, auf der ihre Stiefmutter Julia unter den Händen der Cenobiten ihr Leben ausgehaucht hat, müsse unbedingt vernichtet werden, weil Julia sonst ins Leben zurückkehren könnte. Channard läßt sich die blutüberströmte Matratze sofort nach Hause liefern.

Das wiederum macht seinen Assistenten Kyle MacRae mißtrauisch. Er bricht in Channards Haus ein und entdeckt dort eine Sammlung bizarrer Sammelobjekte und obskurer Artikel, die sich allesamt mit dem Jenseits und dem Leben nach dem Tode beschäftigen. Da erscheint Channard. Er hat einen seiner Patienten dabei, einen besonders schweren Fall, der von der Wahnvorstellung gequält wird, seine Haut werde von Maden, Würmern und Insekten zerfressen. Kyle versteckt sich hinter einem Vorhang und wird unbemerkt Zeuge, wie Julia Cotton "wiedergeboren" wird. Channard gibt dem Wahnsinnigen nämlich ein Rasiermesser in die Hand, mit dem der bedauernswerte Mann sich prompt die Haut aufschlitzt. Blut strömt auf Julias Matratze und bringt die Tote aus der Dimension der Cenobiten zurück. Nachdem sie den Wahnsinnigen völlig ausgesaugt hat, ist Julia aber nur teilweise wiederhergestellt. Sie braucht mehr Opfer - und Channard verschafft sie ihr, denn Julia soll ihm helfen, ein Tor ins Jenseits aufzustoßen. Kyle sucht inzwischen das Weite und befreit Kirsty aus der Anstalt, denn nun glaubt er ihr jedes Wort. Gemeinsam kehren sie in Channards Haus zurück, wo Kirsty Hinweise auf Pinheads früheres Leben entdeckt - der Cenobit war vor langer Zeit ein ganz normaler Mensch und ist selbst dem Fluch der Puzzlebox erlegen.

Kyle hat derweil eine unangenehme Begegnung mit der wiedergeborenen Julia. Sie "vernascht" ihn, denn ihr fehlt noch ein kleines Stückchen Haut. Dann schlägt sie Kirsty nieder, doch bevor sie sie töten kann, erscheint Channard mit einer weiteren Patientin, der jungen Tiffany. Das Mädchen spricht zwar nicht, ist aber sehr geschickt im Lösen von Rätseln. Channard gibt ihr eine Puzzlebox und beobachtet zusammen mit Julia das weitere Geschehen aus einem Versteck heraus. Tiffany bringt die Rätselbox dazu, die "Lament-Konfiguration" anzunehmen. Prompt öffnen sich Portale zur Hölle und die Cenobiten erscheinen. Allerdings verschonen sie Tiffany, denn Pinhead erkennt, daß etwas nicht stimmt. Tatsächlich haben Channard und Julia sich unbemerkt durch eines der Portale geschlichen und erkunden ungehindert die Hölle. Jetzt bekommt Channard seine "Antworten" - er wird unter grausigsten Qualen in einen Cenobiten verwandelt. Auch Kirsty ist durch eines der Portale getreten, denn sie will ihren Vater retten. Nur allzu bald stellt sie fest, daß Onkel Frank sie wieder einmal in die Irre geführt hat: Er war es, der ihr die Visionen geschickt hat. Frank ist in seiner eigenen Hölle, wo sein Verlangen bis in alle Ewigkeit unerfüllt bleibt. Weil das auf die Dauer langweilig ist, will er sich an Kirsty vergreifen.

Diesmal macht Julia Frank einen Strich durch die Rechnung, denn er hat sie seinerzeit in die Hölle geschickt. Sie rächt sich an ihm, indem sie ihm das Herz herausreißt. Kirsty und Tiffany können Julia entkommen, denn die wird in einen Abgrund gerissen, wobei sie ihre gerade erst wiedergewonnene Haut verliert. Gejagt vom Channard-Cenobiten fliehen die beiden jungen Frauen in die reale Welt, doch Channard folgt ihnen selbst dorthin und verwandelt die Irrenanstalt in ein Schlachthaus. Kirsty und Tiffany kehren in die Hölle zurück, um die dort vergessene Rätselbox wieder zu schließen. Das gelingt ihnen nur mit Hilfe der anderen Cenobiten. Kirsty schafft es, die Erinnerung der Dämonen an ihre verlorene menschliche Existenz zu wecken, so daß sie sich gegen Channard wenden, wodurch sie Kirsty und Julia die Flucht ermöglichen. Die beiden nähern sich Leviathan, dem Gott des Höllenlabyrinths. Tiffany muß versuchen, die Rätselbox zu schließen, um Leviathan zu bannen. Channard will das natürlich verhindern, so daß Kirsty zu einem Trick greifen muß: Sie streift sich Julias Haut über und lenkt Channard ab. Als Tiffany die Rätselbox schließt, ist das auch Channards Ende. Gerade noch rechtzeitig durchqueren die beiden jungen Frauen die Höllenportale, bevor diese sich unwiderruflich schließen.

Letzte Szene: Möbelpacker räumen Channards Haus aus. Einer findet eine blutüberströmte Matratze und wird von herausschießenden Armen hineingerissen. Als sein Kollege den Raum betritt, schiebt sich eine rotierende Foltermaschine aus dem blutigen Chaos hervor und ein mit dem bizarren Ding verschmolzenes Gesicht fragt den Mann nach seinen Wünschen...

Der Film:

Dies ist die ungeschnittene englische Version von "Hellraiser 2". Der Film basiert nicht mehr auf der Novelle "The hellbound Heart" von Clive Barker, sondern führt nur die Geschichte des ersten Films weiter. Es handelt sich tatsächlich um eine direkte Fortsetzung, d.h. zwischen Kirstys Flucht aus dem brennenden Haus und ihrem Erwachen in der Irrenanstalt sind wahrscheinlich nur wenige Stunden vergangen. Da alle Schauspieler des ersten Teils wieder mit von der Partie sind und da der ganze Look dem ersten Film gleicht, bleibt auch eine gewisse Kontinuität erhalten, was ich immer lobenswert finde. Die Cenobiten sind wie gewohnt zunächst sehr geheimnisvoll und furchteinflößend, zum Glück wurden ihre Masken kaum verändert (nur der weibliche Cenobit und der Chatterer sehen etwas anders aus). Der neue Channard-Cenobit ist sehr gut gelungen, wenn auch die Stop-Motion-Effekte, die bei ihm teilweise zum Einsatz kommen, im Zeitalter der digitalen Filmtricks fast schon lächerlich aussehen. Channard als faustische Figur, der die ersehnten Antworten auf ganz andere Weise erhält als erwartet - das hat schon was. Es gibt einige nette surreale Szenen in der Hölle - allerdings hätte ich mir gerade diesbezüglich mehr erwartet; man hat den Eindruck, daß in der Hölle wohl gerade Ferien sind, denn bis auf ein paar vereinzelte Leidende ist niemand zu sehen. Und das Labyrinth an sich ist eigentlich kein gar so schlimmer Ort - ein bißchen arg zugestaubt und mit Spinnweben behangen vielleicht, aber von Inferno keine Spur. Das vom cenobitifizierten Channard heimgesuchte Irrenhaus wirkt da viel überzeugender und beunruhigender.

Leider hat die Fortsetzung einige Schwächen, vor allem wirkt sie wie ein Low-Budget-Film, wie ein B-Movie - diesen Eindruck hatte ich beim ersten Film nicht. Die Story ist womöglich sogar noch dünner als die des ersten Teils. Warum man sich vor Leviathan - einem komischen schwebenden Riesenpolyeder mit schwarzen Strahlen, die seinen Seiten entspringen - fürchten sollte, wird nicht so recht klar. Er kann zwar die schlimmsten Erinnerungen eines Menschen zum Leben erwecken, aber furchteinflößend wirkt er (es?) zu keinem Zeitpunkt. Die größte Schwäche besteht aber wohl darin, daß der Mythos der Cenobiten vernichtet wird. Daß sie einst Menschen waren, die von Leviathan in Dämonen verwandelt wurden, ist ja keine schlechte Idee, aber dadurch wird das Geheimnis der Cenobiten schon zerstört. Daß sie plötzlich auch noch anfangen, menschliche Gefühle zu entwickeln (Ein Cenobit und Mitleid? Lächerlich!) und sich nach ihrem früheren Dasein zurückzusehnen, halte ich für einen großen Fehler. In dem Moment, als Pinhead sich in einen Menschen zurückverwandelt, ist er für mich gestorben und seine Rückverwandlung in einen Cenobiten im 3. Teil der inzwischen auf 6 Filme angewachsenen Serie finde ich unglaubwürdig. Was Julia in der ganzen Geschichte soll bzw. will, ist mir schleierhaft. Wollte sie die Macht in der Hölle übernehmen? Wenn sie aber - wie später Channard - im Auftrag Leviathans unterwegs war: Warum durfte sie dann ihre menschliche Gestalt behalten? Wie hat Frank es geschafft, Kontakt mit Kirsty aufzunehmen? Und warum fällt das Gör schon wieder auf ihn herein?

"Hellraiser 2" ist trotz aller Schwächen immer noch ein sehenswerter Fantasy-Horrorfilm, der dankenswerterweise "ernst gemeint" ist. D.h. es gibt kein Comic relief und keine alberne Verbindung von Gewalt und Komik. Mit auch heute noch sehr gut aussehenden Splatter-Effekten wird auch diesmal nicht gegeizt. Vor allem Julias extrem blutige "Wiedergeburt" ist äußerst eindrucksvoll, diese Szenen sind weit besser gelungen als Franks Neuentstehung auf dem Dachboden im ersten Teil. Auch Pinheads "Entstehung" ist eine recht derbe Szene, die man einmal gesehen haben sollte.

Die DVD:

Nett: Obwohl diese DVD aus England kommt, ist auch eine deutsche Synchronisation vorhanden. Es gibt aber einen unschönen Fehler, der sehr störend auffällt: Bis zum Layerwechsel sind Bild und Ton nicht synchron, d.h. der Ton "hinkt" dem Bild um einige Sekundenbruchteile hinterher. Nach dem Layerwechsel stimmt alles wieder. Leider ist der Ton oft auch etwas undeutlich und verrauscht, insbesondere in der englischen Originalversion.

Die gut eine Viertelstunde laufende Featurette ist nichts weiter als ein Zusammenschnitt von wenig aussagekräftigen Interviewschnipseln, zusammengemixt mit Filmausschnitten. Informationen zur Entstehung des Films, Aufnahmen von den Dreharbeiten oder ähnliches darf man nicht erwarten - man bekommt lediglich ein paar Meinungen zum Inhalt zu hören. Immerhin kommt auch Clive Barker wieder zu Wort. Seltsamerweise hat diese Featurette einen kleineren Bildausschnitt als der Film. Das sieht so aus wie ein "Bild im Bild".

Die Bildergalerie ist nicht uninteressant, denn sie enthält ein paar Aufnahmen, die darauf schließen lassen, daß einige Szenen es nicht in den endgültigen Film geschafft haben. Beispielsweise eine Szene, in der Kirsty und Tiffany ins Untergeschoß der Irrenanstalt gelangen.

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