Hellraiser

Hellraiser Blu-ray


Hellraiser - DVD-Version und Limited Uncut Black Edition (GB, 1987)

DVD - Regionalcode 2, Cinema Club
DVD - Regionalcode 2 / Blu-ray, Kinowelt
Altersfreigabe DVD-Version: BBFC 18
Altersfreigabe Limited Uncut Black Edition: Ungeprüft
Laufzeit: ca. 93 Minuten

Extras DVD-Version
- Audiokommentar von Clive Barker und Ashley Laurence
- Featurette "Resurrection" (24:25 Min.)
- Trailer
- Bildergalerie

Extras Limited Uncut Black Edition
- Featurette: "To the Limits of Horror and beyond" (5:53 Min.)
- Interviews mit Clive Barker (3:10 Min.), Andrew Robinson (2:29 Min.), Clare Higgins (2:11), Ashley Laurence (2:01 Min.) und Doug Bradley (5:10 Min)
- Trailer und TV-Spots
- Vorschau auf weitere Hellraiser-Teile
- Pressematerial und Produktionsnotizen (DVD-ROM)

Regie:
Clive Barker

Hauptdarsteller:
Andrew Robinson (Larry Cotton)
Clare Higgins (Julia Cotton)
Ashley Laurence (Kirsty Cotton)
Sean Chapman (Frank Cotton)
Oliver Smith (wiedergeborener Frank Cotton)
Doug Bradley (Pinhead)
Nicholas Vince (Chatterer)
Simon Bamford (Butterball)
Grace Kirby (weiblicher Zenobit)
Robert Hines (Steve)




Inhalt:

Frank Cotton glaubt, er habe nach einem ausschweifenden, lasterhaften Leben alle weltlichen Genüsse ausgekostet und die Grenzen der menschlichen Erfahrungswelt ausgelotet. Auf der Suche nach neuen Reizen erwirbt er eine geheimnisvolle Rätselbox. Wem es gelingt, den faustgroßen, mit verschlungenen goldenen Symbolen verzierten Würfel zu öffnen, dem eröffnen sich angeblich neue Welten der Lust weit jenseits aller Vorstellungskraft. Frank nistet sich im leer stehenden Haus seiner verstorbenen Eltern ein und versucht das Puzzle zu enträtseln. Als er an den richtigen Stellen Druck ausübt, beginnen sich Segmente des Würfels ineinander zu verschieben. Frank stellt fest, dass die Box Türen öffnet. Was jenseits dieser Türen liegt, ist aber nicht ganz das, was er sich gewünscht hat. Die Zenobiten erscheinen - Dämonen aus einer höllischen Dimension, die ihre Vorstellung von Lust an den eigenen grausig verstümmelten Körpern sichtbar gemacht haben. Sie bescheren Frank unaussprechliche Wonnen, untrennbar verbunden mit schrecklichsten Qualen. Am Ende bleibt von Frank nichts übrig außer zerfetztem Gewebe und Blut. Pinhead, der Anführer der Zenobiten, stellt die Ausgangsposition der Rätselbox wieder her. Die Zenobiten und ihr Schlachthaus verschwinden - nur ein leeres Zimmer bleibt zurück.

Einige Zeit später beziehen Franks gutmütiger Bruder Larry und dessen zweite Frau Julia das Haus als neues Domizil. Larrys Tochter Kirsty, deren Verhältnis zu ihrer Stiefmutter mehr als gespannt ist, zieht nicht mit ein. Larry hofft, seine in eine Krise geratene Ehe mit diesem Ortswechsel retten zu können, erreicht aber das Gegenteil. In genau jenem Zimmer, in dem Frank Bekanntschaft mit den Zenobiten geschlossen hat, hatte sich Julia ihm vor Jahren hingegeben, kurz vor ihrer Hochzeit mit Larry. Sie war Frank hörig und hätte alles für ihn getan - ihre Ehe mit dem ahnungslosen Larry war nur eine Farce. Als Julia das Zimmer betritt, kommen all diese Erinnerungen zurück. Larry packt beim Umzug selbst mit an, zieht sich aber an einem hervorstehenden Nagel eine tiefe Wunde an der Hand zu. Er torkelt hilfesuchend in das Zimmer, sein Blut tropft reichlich auf den Boden. Julia und Kirsty bringen ihn ins Krankenhaus. Am selben Abend feiert die Familie den Einzug mit Freunden. Niemand ahnt, dass sich noch jemand im Haus befindet: Frank. Seine Seele ist in der Dimension der Zenobiten gefangen, wo sie in Ewigkeit gefoltert werden soll. Gleichzeitig ist Frank an den Ort seines Todes gebunden. Larrys Blut ermöglicht es ihm, sich Stück für Stück in die Realität zurückzuquälen, aber die Wiedergeburt ist unvollkommen. Zu wenig Blut wurde vergossen; Frank ist kaum mehr als ein hilfloses, mit ein wenig Fleisch überzogenes Skelett.

Als die von ihren geheimen Sehnsüchten getriebene Julia das Zimmer erneut betritt und Frank begegnet, verwandelt sich ihre anfängliche Abscheu schnell zu Gier. Sie will ihren Liebhaber zurückhaben. Frank benötigt mehr Blut, um sich vollständig regenerieren und den Zenobiten entkommen zu können. Frank war schon zu Lebzeiten gewissenlos und grausam, jetzt schrecken weder er noch Julia vor Mord zurück. Julia lockt ein männliches Opfer nach dem anderen ins Haus, lüsterne Männer, die sie irgendwo aufreißt und in Franks Zimmer mit einem Hammer erschlägt. Frank saugt die Körper aus und erholt sich allmählich, bis ihm nur noch eine neue Haut fehlt. Obwohl Larry von alldem nichts bemerkt, bleiben ihm doch beunruhigende Veränderungen in Julias Verhalten nicht verborgen. Er bittet Kirsty, mal bei Julia vorbeizuschauen und Freundschaft zu schließen. So wird Kirsty Zeugin eines weiteren Mordes. "Come to Daddy", sagt das hautlose Monster, das gerade sein Opfer ausgesaugt hat. Frank will sich auch über Kirsty hermachen, doch das Mädchen findet seine Schwachstelle: Die Puzzlebox. Sie lenkt Frank ab, indem sie den wertvollen Gegenstand aus dem Fenster wirft, und kann fliehen. Draußen hebt sie die Box auf, aber sie kommt nicht weit. Geschockt und verwirrt bricht sie auf der Straße zusammen. Sie wird zur Beobachtung in einem Krankenhaus aufgenommen.

Kirsty macht sich zwar schreckliche Sorgen um ihren Vater, aber die Tür ihres Krankenzimmers ist abgeschlossen. Das Mädchen spielt mit der Box herum und öffnet sie. Es entsteht ein Riss in der Realität, durch den Kirsty die Welt der Zenobiten betreten kann. Sie wird sofort von einem bizarren Monster angegriffen, kann aber im letzten Moment entkommen. Doch dann erscheinen Pinhead und drei weitere Zenobiten. Pinhead lässt Kirstys Beteuerung, nichts von der Bedeutung der Box gewusst zu haben, nicht gelten und will sie mit in die Hölle nehmen. Kirsty begreift, dass Frank von dort geflohen sein muss und schlägt den Zenobiten vor, sie zu ihm zu führen. Pinhead willigt ein, aber Frank muss sich mit eigenen Worten zu erkennen geben. Zu Hause scheint alles in Ordnung zu sein, aber dann erkennt Kirsty, dass ihr Vater tot ist - Frank hat seinen eigenen Bruder ermordet und sich buchstäblich in dessen Haut versteckt. Auf der Jagd nach Kirsty ersticht Frank Julia, woraufhin er sie aussaugt. Als er Kirsty zu sich ruft, und dabei seinen wahren Namen nennt, erscheinen die Zenobiten und zerreißen Frank zum zweiten Mal. Allerdings denken sie nicht daran, auf ein weiteres Opfer zu verzichten. Kirsty ist aber immer noch im Besitz der Box. Es gelingt ihr, die Zenobiten zurück in die Hölle zu schicken, indem sie das Puzzle in die Ausgangsposition zurückversetzt.

Das Haus beginnt zu brennen und in sich zusammenzufallen. Kirstys Freund Steve tritt die Tür ein und hilft dem Mädchen zu entkommen. Kirsty wirft die Box in die Flammen. Da erscheint ein Landstreicher, dem sie schon mehrmals begegnet ist. Der unheimliche Mann tritt mitten in die Flammen hinein und verbrennt. Er verwandelt sich in ein grässliches geflügeltes Wesen, das mit der Box in den Klauen davonfliegt. Es dauert nicht lange, bis sich ein neuer Interessent für das Rätsel findet...

Fortsetzung: Siehe Hellbound - Hellraiser 2


Der Film:

Es gibt keine ungeschnittene, FSK-geprüfte Version dieses Films. In allen FSK-geprüften Versionen wurden u.a. die Mordszenen und Franks endgültiges Ende recht drastisch gekürzt. Jahrelang musste man auf Importe zurückgreifen, um "Hellraiser" in voller Länge genießen zu können. Das habe auch ich getan, und so habe ich mir eine englische DVD zugelegt (siehe oben, erstes Bild), die sogar eine deutsche Tonspur enthält. Seit Juli 2011 gibt es eine neue Blu-ray-Version, die zwar ebenfalls nicht von der FSK geprüft, aber ohne große Umwege erhältlich ist. Vorübergehend war sie sogar mal bei Amazon im Angebot.

Der Film basiert auf der Novelle "The hellbound Heart" (hierzulande veröffentlicht als Hellraiser) Clive Barkers, und ist bis auf wenige Abweichungen sehr werktreu - kein Wunder, Barker hat ja selbst Regie geführt. Die bizarre, bis ins absolute Extrem gesteigerte sadomasochistische Welt der Zenobiten mag als Musterbeispiel für die ganz besondere "Körperlichkeit" gelten, die Barkers Romane und diesen Film zu etwas Besonderem macht: Explizite Gewaltdarstellungen in Verbindung mit verdrehter Sexualität, wobei die Grenzen zwischen Lust und Qual, Schönheit und Hässlichkeit verschwimmen oder ganz aufgehoben werden. Die Novelle geht in dieser Hinsicht sogar noch weiter als der Film. "Hellraiser" folgt nicht dem üblichen Horrorfilm-Schema, bei dem die Hauptpersonen nur deshalb vorgestellt werden, damit sie nacheinander auf möglichst "interessante" Weise umgebracht werden können. Es gibt nur wenige Szenen, bei denen man sich fürchten soll, d.h. das übliche Herumgeirre in düsteren Gängen, hinter deren Ecken überall das Monster lauern könnte, wird auf ein Minimum beschränkt. Stattdessen wird auf eine Atmosphäre der Ausweglosigkeit und auf eine fantastische, gleichzeitig faszinierende und abstoßende Bildersprache gesetzt. Irgendwie ist "Hellraiser" für mich eher Fantasy als Horror, wenn auch eine dunkle, böse und blutige Spielart von Fantasy.

Außerdem findet sich in "Hellraiser" nichts von dem, was mich bei anderen Genrefilmen oft stört: Die Verbindung von Gewalt und Komik. Vor allem muss keine trottelige Nebenfigur ertragen werden, die den Horror durch betont "lustiges" Verhalten abmildern soll. Nein, Erleichterung dieser Art gibt es bei "Hellraiser" nicht. Aus diesen Gründen gilt "Hellraiser" zu Recht als einer der einflussreichsten Horrorfilme der Achtziger- und Neunzigerjahre. Man kann ihn als stilbildend bezeichnen, und Pinhead, Wortführer der Zenobiten, ist zu einer Ikone dieses Genres geworden. Er und die anderen Zenobiten sind eigentlich keine Monster. Jedenfalls nicht im "klassischen" Sinn; mit den Monstern der damals üblichen Slasherfilme haben sie kaum etwas zu tun. In einem Interview sagt Doug Bradley selbst, für ihn sei Pinhead eher so etwas wie ein Richter. Das trifft es recht gut. Leider treten die Zenobiten vergleichsweise selten in Erscheinung, denn diese Szenen sind es, die den Film unvergesslich machen. Sie verbreiten eine Faszination, der man sich nicht entziehen kann. Wie Pinhead selbst sagt: Für manche sind die Zenobiten Dämonen, für andere Engel...

Leider wirken manche Spezialeffekte aus heutiger Sicht ziemlich lächerlich. Damit meine ich vor allem die Lichteffekte, die von der Box ausgehen und in denen die Zenobiten erscheinen oder verschwinden. Ein komisches Wesen mit Skorpionstachel und Piranhamaul, mit dem es Kirsty im Krankenhaus zu tun bekommt, kann ebenfalls nicht überzeugen - man sieht viel zu deutlich, dass das eine Puppe ist. Die maskenbildnerischen Effekte können sich dagegen auch heute noch sehen lassen. Dasselbe gilt für die Kostüme der Zenobiten. Die geradezu liebevoll präparierten Körperpartien werden freigelassen oder auch mit dem Leder der Kleidung verflochten. Der mit Klammern offengehaltene Luftröhrenschnitt der weiblichen Zenobitin, die über den Schädel nach hinten gezerrte Kopfhaut des Chatterers und Pinheads Extrem-Piercing, dem er seinen Namen verdient - das waren damals Dinge, die man in einem Horrorfilm noch nicht gesehen hatte.

Der Film verdankt seine Glaubwürdigkeit natürlich nicht nur den Effekten, sondern zum Großteil den Schauspielern. Andrew Robinson schafft es problemlos, zwei völlig verschiedene Rollen zu spielen. Man glaubt sofort, dass Frank seinem Bruder die Haut abgezogen und sich selbst gerade erst übergestreift hat. Dazu sind gar keine großartigen Effekte erforderlich, der Schauspieler schafft das allein mit leichten Veränderungen in Mimik und Sprache. Clare Higgins ist hundertprozentig überzeugend als teils eiskalte, teils von Leidenschaften getriebene Frau, die zwischen Lust und Abscheu schwankt. Kaum zu glauben, wie sympathisch sie in den Interviews wirkt, die zum Bonusmaterial gehören.

DVD (Cinema Club):

Die Bildqualität der DVD von Cinema Club lässt etwas zu wünschen übrig; die Farben sind ziemlich blass. Das Zusatzmaterial dagegen ist okay. In der Bildergalerie kann man u.a. ein paar schöne Fotos von Franks Opfern sehen. Die Featurette "Resurrection" bietet mit Filmausschnitten gewürzte Interviews, vor allem mit Clive Barker selbst, aber auch mit Ashley Laurence, Doug Bradley sowie einigen anderen Schauspielern und an der Produktion beteiligten Personen. Am krassesten fand ich ein kurzes Interview mit einer Gruppe von Performancekünstlern, die sich "Puncture" nennen und sich Dinge antun, die selbst für die Piercing-Szene ungewöhnlich sein dürften. Sie sagen im Hinblick auf die Zenobiten und deren "Körperkunst": "We can do that"! Also: Das können wir auch! Und sie können es tatsächlich. Diese Leute treiben sich Haken unter die Haut und hängen sich mit eigenartigen Konstruktionen an Ketten auf, so dass sie sich wie in einem verrückten Kettenkarussell drehen können. Oder - quasi für den schnellen Schmerz zwischendurch - sie befestigen Drähte an den Piercings, die sie ja sowieso immer tragen (z.B. an den Augenlidern!) und zerren daran herum...

DVD/Blu-ray (Kinowelt):

Die im Juli 2011 erschienene Mediabook-Ausgabe ist auf 3000 Exemplare limitiert und in zwei Versionen erhältlich: Eine mit weißem und eine mit schwarzem Cover. Das Mediabook enthält ein Booklet mit einigen Szenenfotos. Der Film liegt sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD vor. Selbst auf DVD wirkt die Bildqualität besser als in der Ausgabe von Cinema Club. Von der Blu-ray darf man zwar keine Wunder erwarten, aber das Bild wirkt doch noch etwas schärfer und die Farben sind brillanter als in der DVD-Version. Insgesamt kann man damit zufrieden sein.

Für das Bonusmaterial gilt das nicht unbedingt. Die Featurette "To the Limits of Horror and beyond" und die Interviews mit Barker, Robinson, Higgins sowie Laurence haben fast genau denselben Inhalt, "netto" käme man auf eine Laufzeit von insgesamt nicht mal zehn Minuten. Der Aufbau ist immer derselbe: Interviewschnipsel, Filmszenen und kurze Blicke hinter die Kulissen. Interessant ist nur, wie unglaublich jung Clive Barker hier noch aussieht. Die Interviews sind wahrscheinlich 1987 entstanden - schon in der o.g. Featurette "Resurrection" wirkt Barker deutlich gealtert. Und wer nur aktuelle Aufnahmen von ihm kennt, der wird kaum glauben können, dass das ein und derselbe Mann ist. Nur das Interview mit Doug Bradley ist nicht redundant. Es wurde wohl anlässlich der Veröffentlichung von "Hellraiser: Inferno" (Teil 5 der Reihe, aus dem Jahre 2000) geführt.

Hinzu kommen noch drei PDF-Dateien, die man nur nutzen kann, wenn man über ein DVD-ROM-Laufwerk verfügt: Ein 54-seitiges Dokument mit Produktionsnotizen zu "Hellraiser", ein Werbe-Flyer zu "Hellraiser 2" und ein 53-seitiges Dokument mit Produktionsnotizen zu "Hellraiser 3".


Screenshots

(Alle Screenshots entstammen der DVD-Version von Kinowelt)


Hellraiser

Die Puzzlebox findet einen neuen Besitzer


Hellraiser

Larry und Julia betreten ihr neues Heim - Begeisterung sieht anders aus!


Hellraiser

Frank tritt in Julias Leben


Hellraiser

Der wiedergeborene Frank labt sich an seinem dritten Opfer


Hellraiser

Kirsty macht Bekanntschaft mit dem "Chatterer"-Zenobiten


Hellraiser

Weiblicher Zenobit mit sauberem Luftröhrenschnitt


Hellraiser

Pinhead


Hellraiser

Na, sitzt die neue Haut gut?


Hellraiser

Pinhead, flankiert von "Chatterer" und "Butterball"


J. Kreis, 26.07.2011 (Update Blu-ray, Screenshots hinzugefügt)




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