Hellboy II


Hellboy II: Die goldene Armee - Special Edition (USA, 2008)
- Hellboy II: The golden Army -

Blu-ray, Universal
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 120 Minuten

Extras
- Audiokommentare mit Regisseur und Schauspielern
- U-Control: Schufften-Brille, Concept-Art-Galerie, Notizbuch des Regisseurs, Besuche am Set
- Comic-Werkstatt
- BD-Live
- Hellboy: Im Dienste des Dämons (2:34:50 h) mit Vorwort des Regisseurs (0:23 Min.)
- Unveröffentlichte Szenen mit optionalem Kommentar
- Trollmarktbesucht mit Guillermo del Toro (12:23 Min.)
- Nachwort von Zinco (5:16 Min.)
- Produktions-Workshop
- Bildergalerien: Vorproduktionsarchiv, Marketing-Kampagne

Regie:
Guillermo del Toro

Hauptdarsteller:
Ron Perlman (Anung Un Rama, alias "Hellboy", alias "Red")
Selma Blair (Liz Sherman)
Doug Jones (Abe Sapien)
John Alexander / James Dodd / Seth MacFarlane (Johann Krauss / Stimme von Johann Krauss)
Luke Goss (Prinz Nuada)
Anna Walton (Prinzessin Nuala)
Jeffrey Tambor (Tom Manning)
John Hurt (Professor Trevor "Broom" Bruttenholm)




Inhalt:

Zur Vorgeschichte siehe Hellboy.

Vor langer Zeit herrschte Krieg zwischen den unersättlichen, nach Macht gierenden Menschen auf der einen und den Elfen, Trollen und Kobolden auf der anderen Seite. Um den Vormarsch der Menschen zu stoppen, boten die Kobold-Schmiede dem Elfenkönig Balor nach Jahren verlustreicher Kämpfe ihre Hilfe an. Sie erschufen die "Goldene Armee": 70 mal 70 unzerstörbare, unaufhaltsame mechanische Krieger, die die Menschenarmee mit unerbittlicher Grausamkeit dezimieren sollten. Nur jemand von königlichem Blut konnte diese Armee kontrollieren, und dazu benötigte er eine besondere Krone. Balor setzte die Goldene Armee erfolgreich ein, bereute das Blutvergießen jedoch und schloss ein Bündnis mit den Menschen. Diese sollten sich künftig auf ihre Städte beschränken, während die magischen Wesen ausschließlich in den Wäldern leben sollten. Die Menschen willigten ein, und so wurde die Goldene Armee in einem Geheimversteck eingeschlossen. Die Krone wurde in drei Teile aufgeteilt. Zwei blieben bei den Elfen, eines wurde den Menschen übergeben. Prinz Nuada, Balors Sohn, traute dem Frieden nicht. Wäre es nach ihm gegangen, hätte die Goldene Armee die Menschheit vernichtet. Er ging ins selbstgewählte Exil und schwor, er werde zurückkehren, sollte sein Volk ihn jemals brauchen.

Diese Geschichte liest Professor Bruttenholm seinem Ziehsohn "Hellboy" am Weihnachtsabend 1955 vor. Dass die vermeintliche Gutenachtgeschichte nur zu wahr ist, erfährt Hellboy Jahrzehnte später, als Unbekannte ein Massaker bei einer Auktion anrichten. Dahinter stecken der aus dem Exil zurückgekehrte Prinz Nuada und dessen Trollfreund Wink. Nuada will den Menschen den Krieg erklären, da sie die uralte Vereinbarung gebrochen und fast alle Wälder vernichtet haben. Seitdem fristen die magischen Wesen ein vergleichsweise erbärmliches Dasein im Untergrund der Städte. Nuada metzelt die Auktionsteilnehmer mit Hilfe gefräßiger kleiner Wesen nieder, die den Namen "Zahnfeen" tragen, weil sie ihre Opfer vollständig zernagen - beginnend mit den Zähnen. Nuadas Ziel ist das Bruchstück der Krone, das einst von den Menschen in Verwahrung genommen ist. Nachdem er es an sich gebracht hat, sucht er Balor auf, um ihn aufzufordern, die Goldene Armee wiederzuerwecken. Da Balor sich weigert, tötet Nuada seinen eigenen Vater und nimmt das zweite Bruchstück an sich. Das dritte Bruchstück ist im Besitz von Nuadas Zwillingsschwester Nuala. Sie teilt Nuadas Ansichten nicht und flieht. Nuada kann sie nicht töten, denn die Zwillinge sind so eng miteinander verbunden, dass jeder genau das empfindet, was dem anderen widerfährt. Das ist allerdings auch der Grund dafür, dass Nuala nirgendwo sicher ist; früher oder später wird Nuada sie wegen der Bindung überall aufspüren können.

Derweil untersuchen Hellboy und seine Freunde vom Bureau for Paranormal Research and Defense (B.P.R.D.) das Auktions-Massaker. Hellboy ist ein wenig abgelenkt, denn seine Beziehung mit Liz steckt in einer ernsthaften Krise. Obwohl Liz schwanger ist, wovon Hellboy allerdings nichts ahnt, will sie ihn verlassen, da sie nicht dauerhaft in seiner mit Spielzeug, Katzen, Junkfood und sonstigem Krimskrams vollgestopften Bude hausen will. Hellboy ist zu sehr mit sich und seinem ungeliebten Chef Manning beschäftigt, um etwas davon zu bemerken. Zwar kann Liz alle "Zahnfeen" mit einer Feuerwalze vernichten, aber dadurch wird Hellboy ins Freie und mitten zwischen die auf der Straße aufgelaufenen Kamerateams geschleudert. Somit weiß nun alle Welt über die Existenz Hellboys Bescheid. Da man nicht zu Unrecht annimmt, dass Hellboy genau das gewollt hat, erhält das B.P.R.D.-Team einen neuen Anführer: Johann Krauss, ein körperloses, aus Ektoplasma bestehendes Medium. Krauss kann jegliche unbelebte Materie kontrollieren und steckt in einer Art Tiefseetaucheranzug. Es gelingt ihm, eine der "Zahnfeen" für kurze Zeit wiederzubeleben. So erfahren die Agenten, wo ihr noch unbekannter Gegner die "Zahnfeen" erworben hat: Auf dem Trollmarkt unter der Brooklyn Bridge. Dort begegnet Abe Sapien Prinzessin Nuala. Die beiden telepathisch begabten Wesen vertrauen einander sofort. Nuala ist deshalb bereit, die Agenten ins B.P.R.D.-Hauptquartier zu begleiten. Zuvor muss Hellboy aber noch Nuadas Freund Wink ausschalten. Nuada rächt sich, indem er einen riesigen Elementar auf Hellboy hetzt, der einige Zerstörungen in der Stadt anrichtet. Obwohl Hellboy den Elementar besiegt und somit Schlimmeres verhindert, wendet sich die Menschenmenge gegen ihn. Hellboy, der sich nach Anerkennung sehnt, ist mehr als nur verärgert. Er begreift, dass eine von Nuada gestellte Frage durchaus berechtigt ist: Warum kämpft er überhaupt für die Menschen, wenn die ihn nur für ein Monster halten?

Nachdem alle ins Hauptquartier zurückgekehrt sind, versteckt Nuala dort das Bruchstück der Krone in einem von Abes Büchern. Abe, der sich in Nuala verliebt hat, und Hellboy, der Liz zu verlieren fürchtet, bekämpfen ihren Liebeskummer gemeinsam mit Dosenbier und schnulziger Musik. Deshalb ist Hellboy kein Gegner für Nuada, der ins Hauptquartier eindringt und Nuala entführt. Hellboy wird besiegt. Ein Stück von Nuadas Klinge bleibt in seinem Körper stecken. Es kann nicht entfernt werden und dringt allmählich bis zu seinem Herzen vor. Nuada verlangt, das Bruchstück der Krone solle zu ihm gebracht werden, sonst werde Hellboy sterben. Das Team folgt Nuada nach Nordirland, aber Abe verschweigt seinen Freunden, dass er das Bruchstück gefunden hat. In einer Vorhalle des Verstecks der Goldenen Armee begegnen Liz und der immer schwächer werdende Hellboy dem Todesengel. Dieser offenbar Liz, Hellboy werde eines Tages die Welt vernichten und sie selbst werde am meisten zu leiden haben. Trotzdem bittet Liz den Engel, Hellboy zu retten, was dieser umgehend erledigt. Liz bringt Hellboy wieder auf die Beine, indem sie ihm ihre Schwangerschaft gesteht. Als das Team Nuada in der gigantischen Höhle der Goldenen Armee gegenübersteht, überlässt Abe ihm das Kronenbruchstück, um Nuala zu retten. Sofort aktiviert Nuada die Goldene Armee und befiehlt die Exekution des Teams. Gegen die 4900 Kampfmaschinen kann selbst Hellboy nichts ausrichten, aber er kann Nuada die Herrschaft über die Armee streitig machen. Nach altem Brauch muss Nuada diese Herausforderung annehmen, denn auch Hellboy ist als Satans Sohn quasi von königlichem Blut. Diesmal behält Hellboy im Zweikampf die Oberhand, tötet Nuada jedoch nicht, weil dies auch Nualas Ende wäre. Leichtsinnigerweise wendet er Nuada den Rücken zu. Als Nuada versucht, Hellboy zu erdolchen, gibt Nuala sich selbst und somit auch ihrem Zwillingsbruder den Tod. Liz schmilzt die Krone ein, wodurch die Goldene Armee dauerhaft deaktiviert wird.

Draußen wartet schon Manning, um Hellboy für dessen Alleingang wieder einmal die Leviten zu lesen. Hellboy zeigt sich wenig beeindruckt und kündigt, damit sein Kind in Ruhe und Frieden aufwachsen kann. Liz und Abe machen dasselbe. Zu guter Letzt erfährt Hellboy noch, dass Liz Zwillinge erwartet...

Der Film:

Wie schon im ersten Hellboy-Film ist die Story zwar auch diesmal eher flach und nebensächlich. Da die Schauwerte aber enorm gesteigert wurden und den Nebenfiguren mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als im ersten Teil, kann man zufrieden konstatieren: "Hellboy II" bietet nicht nur mehr von allen Elementen, die im ersten Teil zu gefallen wussten - die Fortestzung ist außerdem der bessere Film. Zunächst einmal darf man sich über eine unglaubliche Vielzahl der verrücktesten Kreaturen freuen. Die für Normalsterbliche unsichtbare Parallelwelt und ihre Bewohner sind an Originalität kaum noch zu überbieten. Die Bandbreite reicht von den winzigen "Zahnfeen" über bizarre Gestalten wie den Kammerherrn mit den langen Fingern oder die "Kartenmacher"-Kreatur mit einem Kopf in Form einer hölzernen Stadt bis hin zu gigantischen Kreaturen wie dem Elementar oder dem Steinriesen, der sich aus der Erde hervorarbeitet. Die Kampfmaschinen der goldenen Armee mit ihren bis ins kleinste Zahnrad ausgetüftelten Mechanismen (Uhrwerke sind eine Marotte des Regisseurs, scheint mir) und die unglaublich detailreichen, phantasievollen Sets (der Trollmarkt ist der Höhepunkt) sind nochmal eine Klasse für sich. Nicht zu vergessen die Eröffnungsszenen! Die Idee, die Vorgeschichte zu Prinz Nuadas Rachefeldzug in Form einer Art Puppentheater zu zeigen, während Prof. Bruttenholm diese Geschichte dem kleinen Hellboy vorliest, damit dieser sich hinterher auch brav die Zähne putzt, kann man nur noch als genial bezeichnen.

Eine große Schwäche des ersten Teils war der Oberbösewicht Rasputin. Der war so gar nicht bedrohlich und wurde allzu problemlos abserviert. Prinz Nuada dagegen ist ein mehr als würdiger Gegner! Er bringt Hellboy mit seinen beeindruckenden Kampfkünsten (toll choreografierte Kämpfe!) mehr als einmal ins Schwitzen und ist nicht einfach nur böse. Er kämpft für etwas, seine Motive sind verständlich. Nur in der Wahl seiner Mittel und in seiner Unerbittlichkeit schlägt er den falschen Weg ein - am Ende scheint er das sogar einzusehen, aber er kann einfach nicht mehr aufhören. So wird er nicht nur zu einem starken Antagonisten, sondern darüber hinaus zu einer geradezu tragischen Figur. Dass man ihn nicht töten kann, ohne gleichzeitig seine Schwester umzubringen, verleiht dem Ganzen noch eine ganz besondere Note. Mal ganz abgesehen von seinem wirklich coolen Gothic-Look! Der Stellenwert der Nebenfiguren hat sich ebenfalls erheblich verbessert. Liz und Abe erfüllen wichtige Aufgaben - Liz macht eine richtig gute Figur, sie kann auch ordentlich austeilen. Johann Krauss ist trotz seiner buchstäblichen Gesichtslosigkeit eine merkwürdige Figur mit interessanten Fähigkeiten. Die Szene, in der er die Kontrolle über Spindtüren übernimmt, von denen Hellboy dann nach Strich und Faden verprügelt wird, ist einfach köstlich.

Natürlich schießt Hellboy selbst nach wie vor den Vogel ab. Der Schwerpunkt liegt jetzt mehr auf seinem Wunsch, von den Menschen respektiert und vielleicht sogar geliebt zu werden. Also sägt er sich weiterhin die Hörner ab und nutzt jede Gelegenheit, um das Geheimhaltungsgebot zu umgehen. Es dauert eine Weile, bis er erkennt, dass diejenigen, um deren Anerkennung er sich bemüht, diese Bemühungen gar nicht verdient haben. Sein Aussehen, sein betont cooles Gehabe, seine trockenen Kommentare und nicht zuletzt seine Vorliebe für Katzen machen ihn zu einem ebenso ungewöhnlichen wie sympathischen Superhelden. Ron Perlman ist die perfekte Besetzung für Hellboy - ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein anderer Schauspieler diese Rolle auch nur annähernd so gut hätte spielen können. Und wenn er zusammen mit Abe ziemlich schräg "Can't smile without you" von Barry Manilow singt, dann bleibt kein Auge trocken.

Der Film ist aber vor allem von Anfang bis Ende ein einziger bizarrer Augenschmaus. Ein so buntes und gut gemachtes Sammelsurium der abgedrehtesten Ideen bekommt man selten zu sehen. Da haben alle Beteiligten sich wirklich austoben und ihre Phantasie hemmungslos spielen lassen dürfen. Besonders gefällt mir, dass auf den Einsatz von CGI wann immer möglich verzichtet wurde. Natürlich ist vieles am Computer entstanden, aber wo Ganzkörpermasken, Make-up und dergleichen die bessere Wahl waren, da wurden sie auch eingesetzt. Diese Mischung funktioniert prächtig, und so kann man die rasante Fantasy-Action mit viel Humor und sympathischen Charakteren uneingeschränkt genießen.

Blu-ray-Features:

Herzstück des äußerst umfangreichen Bonusmaterials, auf das ich ansonsten gar nicht im Detail eingehen möchte, ist die mehr als zweieinhalb Stunden lange Dokumentation "Hellboy: Im Dienste des Dämons". Alle Phasen des Produktionsprozesses werden ausführlich behandelt, von den ersten Besprechungen über die Proben und Drehaufnahmen bis zur Post-Produktion. Man sieht, wie die Masken und Figuren hergestellt wurden, wie die CGI-Effekte entstanden sind, wie nachvertont wurde und so weiter - nur die Entstehung der Musik kommt zu kurz. Trotzdem kann man mit der Dokumentation sehr zufrieden sein, denn sie ist sehr unterhaltsam gestaltet und macht erst so richtig deutlich, was für ein immenser Aufwand betrieben wurde. Ohne dieses Making-of wäre mir gar nicht bewusst gewesen, wie viele Kreaturen und Sets eben nicht am Computer entstanden, sondern "real" sind. So wurde der Trollmarkt in einem aufgegebenen Bergwerk aufgebaut. Stehen gelassene Gesteinssäulen wurden in dieses gigantische Set integriert. Einen noch genaueren Blick auf den Trollmarkt ermöglicht die Featurette "Trollmarktbesuch mit Guillermo del Toro". Der Regisseur führt durch das Set und zeigt unzählige Details, die man im Film gar nicht wahrnimmt - was den Set-Designern meist auch völlig klar war. Dass sie sich trotzdem solche Mühe gegeben haben, ist ein weiterer Beweis für das viele Herzblut, das in diesen Film gesteckt wurde.

Auch noch erwähnenswert: Das so genannte "Nachwort von Zinco" ist ein animierter Comicstrip, in dem man sieht, wie jemand namens Zinco Kroenens Kopf aus dem ewigen Eis birgt und einem Mech einsetzt. Daraufhin erscheint Rasputin und sagt, er habe einen weiteren Auftrag für seine treuen Diener. Kroenen und Rasputin sind die beiden tot geglaubten Gegner aus dem ersten Hellboy-Film. Möglicherweise ist dies eine Andeutung, die auf die Handlung von "Hellboy III" schließen lässt?

Einen eigenen Comicstrip kann man im Feature "Comic-Werkstatt" aus Filmszenen und vorgegebenen Textzeilen zusammenstellen. Die Filmszenen werden so umgewandelt, dass sie wie gezeichnet aussehen. Das Ganze kann man sogar abspeichern und später jederzeit wieder öffnen.

Die sechs nicht verwendeten Szenen sind dagegen nicht der Rede wert. Sie sind alle sehr kurz, bei den meisten fehlen noch die CGI-Effekte.


J. Kreis, 26.01.2011




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