Hell


Hell (D, 2011)

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 89 Min.

Extras
- Making of (28:34 Min.)
- Geschichte (2:49 Min.)
- Besetzung (2:59 Min.)
- Trailer
- Premierentrailer

Regie:
Tim Fehlbaum

Hauptdarsteller:
Hannah Herzsprung (Marie)
Lisa Vicari (Leonie)
Lars Eidinger (Phillip)
Stipe Erceg (Tom)
Angela Winkler (Elisabeth)




Inhalt

Vier Jahre lang brennt die aus unbekannten Gründen heißer gewordene Sonne erbarmungslos auf die Erde herab und lässt alles Leben verdorren. Die öffentliche Ordnung bricht zusammen, Hungersnöte brechen aus. Wasser und Nahrungsmittel werden zum kostbarsten Gut. Wer sich ungeschützt ins Freie wagt, wird von der Sonne verbrannt. Im Jahre 2016 gehören Marie, ihre jüngere Schwester Leonie und Maries Freund Phillip zu den wenigen Überlebenden. Mit ihrem altersschwachen Volvo lassen sie die Ruinen der Zivilisation hinter sich. Sie hoffen die Berge zu erreichen, denn Gerüchten zufolge soll es oberhalb der Baumgrenze noch Quellen geben. Als sie eine scheinbar verlassene Tankstelle durchstöbern, stoßen sie auf Tom, der ihre Vorräte zu stehlen versucht. Sie nehmen ihn dennoch mit, denn er ist Mechaniker und kann das Auto reparieren. Er erweist sich schon bald als verlässlicher Freund.

Wenig später muss ein über die Straße gestürzter Mast weggeräumt werden. Am Abhang liegt ein Autowrack, dessen Tank noch Benzin enthält. Während die Erwachsenen abgelenkt sind, stehlen Unbekannte den Volvo und entführen Leonie. Die Erwachsenen folgen den Wegelagerern und entdecken deren Lager im Wald. Dort werden außer Leonie noch andere Menschen gefangen gehalten. Tom lenkt die Wegelagerer mit einem Molotow-Cocktail ab, um die Gefangenen zu befreien. Dabei fällt er seinen Gegnern jedoch selbst in die Hände. Philipp und Marie fliehen mit dem Volvo. Dabei verletzt sich Philipp am Bein. Er kann Marie deshalb nicht begleiten, als sie den Unbekannten, die ihr Lager abbrechen, weiter folgt. Völlig erschöpft schläft Marie in einer kleinen Kirche ein. Dort wird sie von der Bäuerin Elisabeth gefunden. Sie gibt Marie Wasser, nimmt sie mit zu ihrem Hof und verspricht, ihr Sohn werde Marie bei der Suche nach Leonie helfen. Zu spät erkennt Marie, dass sie den Wegelagerern in die Hände gefallen ist. Elisabeth ist das Oberhaupt einer Gruppe von Überlebenden, die eine Lösung für die Nahrungsmittelknappheit gefunden haben. Sie halten ihre Gefangenen wie Vieh im Stall und essen Menschenfleisch. Philipp wird ebenfalls aufgegriffen und eingesperrt.

Marie und Leonie dürfen jedoch weiterleben. Die jungen Frauen sollen Elisabeths Söhnen Kinder gebären, damit die Familie nicht ausstirbt. In einem unbeobachteten Moment kann Leonie fliehen. Sie versteckt sich im Wald. Marie wird überwältigt und ins Schlachthaus geworfen. Philipp wird vor ihren Augen mit einem Bolzenschussgerät ermordet. Leichtsinnigerweise lassen die Kannibalen Philipps Kleidung in Maries Nähe liegen; in der Hosentasche ist ein Klappmesser. Damit kann sich Marie befreien. Das Bolzenschussgerät nimmt sie mit. Sie ermöglicht Tom und den anderen Gefangenen die Flucht. Die Kannibalen stürmen ihnen hinterher und fangen die geschwächten Flüchtlinge wieder ein. Nur Tom und Marie kommen davon. Im Wald sind Elisabeth und einer ihrer Söhne dabei, Leonie zu fesseln. Marie tötet die mit einem Messer bewaffnete Elisabeth mit dem Bolzenschussgerät. Marie, Leonie und Tom erreichen das Gebirge. Dort gibt es tatsächlich noch fließendes Wasser, aber die Gegend ist ebenso öde wie das Tiefland. Allerdings kreisen einige Vögel am Himmel, also ist noch nicht alles Leben erloschen.

Kommentar

Endzeit-Action aus deutschen Landen, wer hätte gedacht, dass es sowas nochmal geben würde. "Hell" ist ein wirklich spannender, geradliniger und kompromissloser Genrefilm mit beeindruckender Atmosphäre, wie man ihn sich schöner kaum wünschen kann. Natürlich drängen sich sofort Vergleiche mit "Der Hügel der Blutigen Augen", "Blutgericht in Texas" und The Road auf. "Hell" ist praktisch eine Mixtur aus diesen Filmen. Ähnlich wie "The Road" hält sich der Film nicht mit langen Erklärungen auf. Die Katastrophe hat bereits stattgefunden. Mehr als ein kurzer einleitender Text und die Schlagzeile einer alten in der verlassenen Tankstelle gefundenen Zeitung sind nicht nötig, um die Ausgangssituation zu verdeutlichen. Man sieht ja, was aus der Welt geworden ist: Eine ausgetrocknete Ödnis im tödlichen Sonnenlicht. Die entsprechenden Überstrahlungseffekte sind sehr gut gelungen! Man glaubt die Hitze fast selbst zu spüren. Der ganze Look des Films ist überzeugend und wirkt wie aus einem Guss. Warum sich die Sonne derart aufgeheizt hat? Keine Ahnung, ist aber nicht wichtig. Die postapokalyptische Welt soll nur der Hintergrund für ein menschliches Drama sein, die Moralkeule wird hier nicht geschwungen. Auch in der Figurenexposition beweist der Regisseur ein gutes Händchen. Man sieht, wie Marie, Leonie und Philipp nach Mad Max-Vorbild durch die Lande fahren und Benzin beschaffen, wo sie nur können. Die Spannung zwischen den drei Personen wird ohne langes Getue prima vermittelt - kurze Dialogzeilen und Blicke genügen.

Als die Gruppe die Straßensperre erreicht, weiß der Zuschauer schon, was jetzt kommt. Hier hakt's ein bisschen, denn Marie und ihre Freunde verhalten sich unglaublich dumm. Alles an dieser Situation schreit "FALLE!" Trotzdem lässt man den Wagen seelenruhig stehen und untersucht das Wrack des anderen Fahrzeugs. Es mag sein, dass der Kannibalismus noch nicht sehr weit verbreitet ist, aber für die Überlebenden der immerhin schon Jahre zurückliegenden Katastrophe dürfte die Existenz von Wegelagerern nicht neu sein. In der Tankstelle - wo sich Marie und Leonie ebenfalls sehr unvorsichtig verhalten haben - sind sie ja gerade erst in einer ähnlichen Situation gewesen. Jedenfalls legt der Film jetzt einen Zahn zu, und spätestens beim Auftritt der vielleicht etwas zu zwielichtigen Elisabeth (mir war gleich klar, dass die ein falsches Spiel spielt) wird aus "Hell" ein waschechter Backwoods-Horrorfilm. Somit gewinnt der Titel "Hell" eine ganz andere Bedeutung. Allerdings sind Elisabeth und die Bewohner ihres Hofes keine wahnsinnigen Hinterwäldler oder blutdürstigen Mutanten, sondern auch nur Menschen, die um jeden Preis überleben wollen.

Filme dieser Art funktionieren nur mit guten Identifikationsfiguren und starken Gegnern. Hannah Herzsprung und Angela Winkler füllen diese Rollen hervorragend aus. Marie löst sich aus der Bevormundung durch Phillip und beweist Überlebenswillen - die Schauspielerin stellt das absolut glaubwürdig dar. Angela Winkler zeigt eine enorme unterschwellige Bedrohlichkeit, ganz ohne Kettensägen und Blut ;)

Als Genre-Fan kann ich nicht umhin, die Inspirationsquellen (um es mal vorsichtig auszudrücken) für "Hell" zu erkennen. Das mindert die Begeisterung für diese kleine Perle zwar nicht, aber ich muss zugeben, dass ich den Film vielleicht kritischer beurteilen würde, wenn er nicht ausgerechnet aus Deutschland käme und das Regiedebüt eines jungen Mannes wäre, der anscheinend dieselben Filme mag wie ich. Egal! "Hell" steckt so manche seelenlose Hollywood-Großproduktion locker in die Tasche!

Blu-ray-Features

Die Ausstattung mit Bonusmaterial ist leider nicht sehr üppig. Das "Making of" enthält neben Filmausschnitten und ein wenig Hinter-den-Szenen-Material immerhin einige aufschlussreiche Interviewfetzen. So erfährt man zum Beispiel, wie der überraschend realistische Look des Films erzielt wurde. Unter anderem wurde auf Korsika gedreht, und zwar in einem Waldgebiet, das durch Brände vernichtet worden ist. Ich hatte mich schon gefragt, wo sich diese Drehorte wohl befinden mögen! Unmengen von Staub wurden in die Luft geblasen, und es wurden starke Lichtquellen sowie Spiegel eingesetzt, um den Eindruck großer Hitze und gleißenden Sonnenlichts zu erwecken. Schon erstaunlich, welch großen Effekt man mit relativ einfachen Mitteln erzielen kann. Außerdem bekommt man Ausschnitte von Tim Fehlbaums Kurzfilm "Am Flaucher" zu sehen. Die sind sehr interessant - hätte man nicht den kompletten Kurzfilm mit auf die Blu-ray packen können? Hinzu kommen zwei kurze Featurettes, die wahrscheinlich als Werbung für den Film eingesetzt wurden. Darin werden die Hauptfiguren und ihre Darsteller vorgestellt, außerdem wird die Handlung (spoilerfrei) nacherzählt.


J. Kreis, 21.08.2012




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