The Hateful 8


The Hateful 8 (USA, 2015)

Blu-ray, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 167 Minuten

Extras:
- Beyond the 8: Ein Blick hinter die Kulissen (4:58 Min.)
- Der Zauber von 70 mm (7:32 Min.)
- Trailer

Regie:
Quentin Tarantino

Hauptdarsteller:
Samuel L. Jackson (Marquis Warren)
Kurt Russell (John Ruth)
Jennifer Jason Leigh (Daisy Domergue)
Walton Goggins (Chris Mannix)
Tim Roth (Oswaldo Mobray)
Michael Madsen (Joe Gage)
Demián Bichir (Bob)
Bruce Dern (Sanford Smithers)
James Parks (O.B. Jackson)
Channing Tatum (Jordan Domergue)




Story

Der Kopfgeldjäger John Ruth ist mit einer Kutsche unterwegs nach Red Rock, um dort 10.000 Dollar für seine Gefangene zu kassieren, die berüchtigte Kriminelle Daisy Domergue. Mitten in einem aufziehenden Blizzard, der schon bald alle Straßen unpassierbar machen wird, gabelt er seinen schwarzen "Kollegen" Marquis Warren auf, dessen Pferd verendet ist. Warren, ein ehemaliger Major der Nordstaaten, beabsichtigt ebenfalls ein paar tausend Dollar Kopfgeld einzuheimsen, allerdings ist er im Gegensatz zu Ruth nicht bestrebt, die Gesuchten lebend abzuliefern. Warren sitzt buchstäblich auf drei tiefgefrorenen Leichen. Ruth bleibt misstrauisch, verweigert Warren aber die Hilfe nicht, denn dieser hätte in dem Schneesturm keine Überlebenschance. Nachdem Warren und der Kutscher O.B. Jackson die Leichen auf die Kutsche gebunden haben, kann die Fahrt weitergehen. Dann taucht in einiger Entfernung ein weiterer Fußgänger namens Chris Mannix auf. Ruth ist nicht geneigt, auch noch diesen Mann mitzunehmen. Mannix behauptet jedoch, der neue Sheriff von Red Rock zu sein, jener Beamte also, der Ruth und Warren die Kopfgelder auszuzahlen hat. Schließlich kommen Ruth und Warren überein, sich gegenseitig beizustehen. Mannix darf mitfahren.

Bei der mitten im Nirgendwo stehenden, den Kopfjägern gut bekannten Kutschstation "Minnies Haberdashery" ist die Reise aufgrund des heftigen Schneefalls vorerst zu Ende. Minnie, ihr Mann und ihre Gehilfen sind nirgendwo zu sehen. Stattdessen befinden sich vier Fremde in dem Blockhaus: Ein Mexikaner namens Bob, der angeblich seit ein paar Wochen in Minnies Diensten steht und das Geschäft in ihrer Abwesenheit beaufsichtigen soll, der alte Südstaatengeneral Sanford Smithers, der Cowboy Joe Gage und Oswaldo Mobray, der sich als Henker der Stadt Red Rock vorstellt. Sie alle werden nun mehrere Tage lang von der Außenwelt abgeschnitten sein und müssen gemeinsam auf das Ende des Sturms warten. Schon bald kommt es zu Problemen, denn Warren kennt Smithers nur zu gut. Bei der Schlacht von Baton Rouge, in der Warren mitgekämpft hat, wurden mehrere Schwarze auf Befehl des Generals exekutiert. Um sich an Smithers rächen zu können, provoziert Warren den alten Mann so lange, bis dieser zur Waffe greift. Warren ist schneller und tötet Smithers. Während alle Anwesenden abgelenkt sind, vergiftet jemand den Kaffee. Ruth und O.B. trinken davon. Sie sterben unter Qualen. Es gelingt Ruth gerade noch, Mannix davon abzuhalten, ebenfalls von dem Kaffee zu trinken.

Warren und Mannix halten die drei anderen Männer in Schach. Aufgrund verschiedener Indizien hat Warren bereits erkannt, dass Bob ein Lügner ist und die Besitzerin der Kutschstation ermordet hat. Außerdem steht für ihn fest, dass mindestens einer der Anwesenden gemeinsame Sache mit Daisy macht. Warren erschießt Bob und droht Daisy etwas vom vergifteten Kaffee einzuflößen. Daraufhin gibt Gage zu, das Gebräu vergiftet zu haben. In Wahrheit sind Bob, Gage und Mobray - alles Mitglieder der Domergue-Bande - schon am Vormittag mit Daisys Bruder Jordan bei dem Blockhaus angekommen. Sie haben alle Anwesenden außer Smithers ermordet, um Ruth eine Falle zu stellen und Daisy zu befreien. Smithers durfte weiterleben, damit das Gesamtbild glaubwürdiger wirkt. Jordan hat sich die ganze Zeit im Keller versteckt gehalten. Er feuert durch den Holzfußboden auf Warren und verwundet ihn schwer. Mobray schießt Mannix ins Bein, erhält aber selbst einen Bauchschuss. Mit Daisy als Druckmittel wird Jordan gezwungen, sein Versteck zu verlassen. Warren erschießt ihn.

Da mit Warren nicht zu reden ist, schlägt Daisy Mannix einen Deal vor. Angeblich werden 15 weitere Gangmitglieder eintreffen, sobald sich der Sturm gelegt hat. Wenn Mannix weiterleben und verhindern will, dass alle Einwohner Red Rocks massakriert werden, soll er Warren töten. Dann könnte er außerdem das Kopfgeld für Jordan und den im Sterben liegenden Mobray verlangen. Als Mannix nicht darauf eingeht, weil er die Geschichte von den 15 Gangstern für einen Bluff hält, greift Gage nach einem versteckten Revolver. Warren und Mannix kommen ihm zuvor und schießen ihn nieder. Entkräftet vom Blutverlust bricht Mannix zusammen. Daisy versucht zu einer auf dem Boden liegenden Waffe zu robben. Mannix kommt rechtzeitig wieder zu sich und verpasst ihr eine Kugel. Warren besteht darauf, dass Daisy so umkommt, wie Ruth es gewollt hat. Mit vereinten Kräften knüpfen die beiden Männer die Frau auf. Am Ende sind nur noch Mannix und Warren am Leben - mehr oder weniger.


Kringels Meinung

"The Hateful 8" ist ein derart typischer Tarantino-Film, dass ich ihn nicht uneingeschränkt empfehlen kann. Wer Tarantinos Filme liebt (und zu dieser Gruppe gehöre ich), der wird auch diesen mögen. Wer nicht, wird durch "The Hateful 8" wahrscheinlich nicht zum Fan. Wenn ich "typisch" schreibe, dann meine ich damit, dass die Story für einen zweieinhalb-Stunden-Film eher dürftig ausfällt. Man könnte fast sagen, dass es überhaupt keine Story gibt! Die Expositionsphase, also die Vorstellung der Figuren und die Etablierung der Ausgangssituation, macht den Löwenanteil aus. Es werden viele lange Dialoge geführt, die nicht (oder zumindest nicht in diesem Ausmaß) zur Weiterführung der Story gebraucht werden. Ein Rückblick wird eingeschoben, durch den erklärt wird, was vor der Ankunft von Ruths Kutsche geschehen ist. Das Ganze mündet in sehr blutige Gewaltausbrüche. So ähnlich verlaufen alle Tarantino-Filme, die ich kenne. Mir gefällt's, aber wie gesagt: Ich kann es nicht jedem empfehlen.

In einer Internet-Review habe ich gelesen, "The Hateful 8" sei ein politischer Film. Es gehe um Gewaltausübung durch Autoritäten, Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Na ja. Zumindest gibt es, abgesehen vielleicht vom Kutscher O.B., keine einzige positive Figur, also keinen Helden. Daisy wird ständig wie beiläufig verprügelt. Warren schleppt einen Brief mit sich herum, der angeblich beweist, dass er ein Brieffreund von Präsident Lincoln ist. Den Brief hat er selbst geschrieben. Er setzt ihn ein, wenn er mal wieder Schwierigkeiten mit Weißen hat. Passt schon, aber als "politisch" würde ich den Film deshalb noch lange nicht bezeichnen, eher als Hommage an ein ausgestorbenes Genre. Die gesamte Musik wurde eigens von Ennio Morricone komponiert und schon die Schriftart der Titel im Vorspann erinnert an alte Western. Vor allem aber schwelgt Tarantino in herrlich epischen Naturaufnahmen, die auf der großen Kinoleinwand geradezu überwältigend gewirkt haben müssen. Und so kann ich dem Regisseur keineswegs böse sein, wenn er zu Beginn des Films minutenlang einfach nur eine sechsspännige Kutsche durch die tief verschneite Landschaft fahren lässt.

Eine andere Behauptung besagter Review kann ich bestätigen. Darin heißt es, mit "The Hateful 8" habe Tarantino eine Szene aus "Inglourious Basterds" auf Spielfilmlänge ausgedehnt, nämlich jene, in der die Basterds in einer Kneipe auf deutsche Offiziere stoßen, in Gespräche verwickelt werden und so weiter. Man belauert sich und am Ende sind fast alle tot. Nichts anderes geschieht in "The Hateful 8". Ich betrachte das nicht als Negativkritik, denn besagte Szene ist sehr spannend - und ich finde, dass dasselbe Konzept auch bei einer Laufzeit von über zwei Stunden funktioniert! Die Atmosphäre des gegenseitigen Misstrauens und der unterschwelligen Bedrohung (die hier sogar im wahrsten Sinne des Wortes "unterschwellig" von Anfang an lauert) wird hervorragend in Szene gesetzt und von den exzellenten Schauspielern genial rübergebracht. Apropos: Geht es nur mir so oder sieht Kurt Russell wirklich aus wie Hans Süper vom Colonia Duett? Muss am Bart liegen. ...


Blu-ray-Features

Das Bonusmaterial ist kurz, aber nicht uninteressant. Abgesehen von der üblichen Werbe-Featurette ("Beyond the 8"), die aus kurzen Interviews, Filmszenen und ein bisschen Hinter-den-Szenen-Material besteht, wird in "Der Zauber von 70 mm" von einem begeisterten Samuel L. Jackson erklärt, was es mit der Roadshow-Fassung dieses Films auf sich hat. Der Film wurde mit Objektiven, die jahrzehntelang in den Archiven von Panavision geschlummert haben und erst einmal aufbereitet werden mussten, auf 65-mm-Film gedreht. In einzelnen Kinos, bei denen die entsprechende Projektionstechnik vorhanden war, konnte "The Hateful 8" wie einst bei den großen Monumentalfilmen mit einem besonders breiten Bildformat gezeigt werden. Außerdem hat die Roadshow-Fassung eine Ouvertüre und eine Pause, so dass sich eine 20 Minuten längere Laufzeit ergibt. Beides ist in der Blu-ray-Version leider nicht vorhanden.


J. Kreis, 23.03.2017




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