Hardcore


Hardcore (Russland/USA, 2015)
- Hardcore Henry -

Blu-ray, Capelight
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 96 Minuten

Extras:
- Audiokommentare
- Behind the Scenes (30:34 Min.)
- Deleted Scenes (8:09 Min.)
- Fan-Chat mit Ilya Naishuller und Sharlto Copley (12:20 Min.)
- Introanimation (1:51 Min.)
- VFX Breakdown (2:21 Min.)
- Musikvideos Biting Elbows (12:43 Min.)
- Teaser und Kinotrailer

Regie:
Ilya Naishuller

Hauptdarsteller:
Sharlto Copley (Jimmy)
Danila Kozlovsky (Akan)
Haley Bennett (Estelle)




Story

Ein Mann kommt mit komplett gelöschtem Gedächtnis in einem flüssigkeitsgefüllten Tank zu sich, der in einem über Moskau schwebenden Luftschiff steht. Sein linker Unterarm und sein linker Unterschenkel fehlen, er kann nicht sprechen und Narben überziehen seinen ganzen Körper. Eine Frau namens Estelle steht vor dem Tank. Sie spricht ihn mit dem Namen "Henry" an und stellt sich als seine Ehefrau vor. Sie erklärt, Henrys infolge eines Unfalls schwer verstümmelter Körper sei mit verschiedenen Implantaten und robotischen Prothesen aufgerüstet worden. Henry ist jetzt ein Cyborg mit übermenschlichen Kräften. Estelle bringt die noch fehlenden künstlichen Gliedmaßen an und führt Henry in einen Nebenraum, wo zwei Kollegen mit der Installation des Sprachmoduls beginnen. Die Prozedur wird durch einen Angriff unterbrochen. Ein mit der Gabe der Telekinese begabter Mann namens Akan dringt mit einigen Schergen ein, tötet einen der beiden Forscher und fordert sein Eigentum zurück. Damit meint er Henry und alle anderen Produkte von Estelles Forschungsarbeit. Estelle und Henry entkommen mit einer Rettungskapsel. Nach der allzu harten Landung erscheinen sofort weitere Söldner in Akans Diensten. Henry hat seinen Cyborgkörper noch nicht ganz unter Kontrolle und wird zusammengeschlagen. Estelle wird entführt.

Henry setzt nun alles daran, seine Frau zu finden und zu befreien. Ein Mann namens Jimmy taucht auf, der ganz genau zu wissen scheint, was es mit Henry auf sich hat. Henry erfährt, dass die Energieversorgung des Cyborgkörpers fast erschöpft ist. Jimmy will Henry mit in sein Labor nehmen, wird aber von Polizisten erschossen, die auf Akans Lohnliste stehen. Henry flieht. In einem Bus begegnet er Jimmy, der jetzt wie ein Obdachloser aussieht. Er entfernt einen Peilsender aus Henrys Unterarm und gibt ihm ein Handy, in dessen Navigationssystem eine Adresse markiert ist. Dort, so erklärt Jimmy, wohnt Akans russischer Kontaktmann Slick Dmitry, der eine ähnliche Energiezelle in sich trägt wie Henry. Ein Söldner Hakans erscheint, nimmt den Bus mit einem Flammenwerfer unter Beschuss und grillt Jimmy. Henry entkommt, sucht Dmitry auf und stellt ihn nach längerer Verfolgungsjagd. Dmitry bietet Henry Informationen im Austausch für sein Leben, wird aber von einem Unbekannten erschossen. Henry reißt die Brust der Leiche auf und schnappt sich die Energiezelle. Jimmy ruft an und fordert Henry auf, in ein bestimmtes Bordell zu kommen. Dort begegnet Henry zwei Jimmys, von denen immer nur einer bei Bewusstsein ist. Die Energiezelle wird eingesetzt. In dem Bordell bekommen Henry und die Jimmys es nicht nur mit Akan und dessen Söldnern zu tun, sondern auch mit Olga und Katya, den schwertschwingenden Besitzerinnen des Etablissements. In der Tiefgarage wird Henry von einem weiteren Jimmy unterstützt, der Informationen über Estelles Verbleib aus einem Söldner herausfoltert.

Henry, Jimmy, Olga und Katya verfolgen einen Fahrzeugkonvoi. In einem der Fahrzeuge findet Henry Estelle. Sie ist wohlauf, doch prompt erscheint Akan und bedroht die Frau. Henry ist Akans telekinetischen Kräften nicht gewachsen. Um Estelle zu retten, bietet er sich selbst als Opfer an. Akan prügelt mit einem Baseballschläger auf Henry ein, bis dieser das Bewusstsein verliert. Akans Schergen wollen Henry (der allmählich wieder zu sich kommt) im Wald verscharren. Jimmy erscheint, tötet die Schergen und flickt Henry wieder zusammen. Ein Panzer greift an. Jimmy wird zerrissen. Henry setzt die Panzerbesatzung sowie weitere per Helikopter anrückende Gegner außer Gefecht. Wieder ruft Jimmy an und schickt eine Adresse auf das Handy. Ein am angegebenen Ort wartender Jimmy-Scharfschütze führt Henry in ein Geheimlabor in einem verlassenen Hochhaus. Dort erfährt Henry, was es mit den vielen Jimmy-Versionen auf sich hat. Sie sind künstlich gezüchtete Aktionskörper für das vollständig gelähmte Original. Jimmy steuert diese Drohnen vom Rollstuhl aus mittels einer mit seinem Gehirn verbundene Haube. Der originale Jimmy, ein genialer Wissenschaftler, war einst für Akan tätig und sollte geklonte Cyborgsoldaten herstellen. Diese waren allerdings nicht einsatzbereit. Akan hatte seinerheit Jimmys Rückgrat gebrochen und ihn den Klonen überlassen. Seither dürstet Jimmy nach Rache.

Dann stellt sich heraus, dass Henrys Cyborgkörper permanent Daten an Akan überträgt. Dessen Armee rückt bereits an. Gemeinsam gelingt es Henry und den letzten Jimmy-Klonen, alle Feinde zu besiegen und mit dem originalen Jimmy aus dem Gebäude zu entkommen, bevor dieses vernichtet wird. Henry, der im Rollstuhl sitzende Original-Jimmy und der letzte Klon kämpfen sich in Akans Firmenzentrale durch die Stockwerke. Jimmy und der letzte Klon werden tödlich verwundet. Bevor Original-Jimmy stirbt, gibt er zu, schon vor einiger Zeit erkannt zu haben, dass Henrys Erinnerungen nicht verloren sind, sondern nur blockiert werden. Mit letzter Kraft entfernt Jimmy die Blockade. Er hat das nicht früher getan, weil er Henrys Hilfe gebraucht hat. In Akans Büro erfährt Henry, welchen Sinn die Datenübertragung hat. Henrys einziger Wunsch - Estelle zu retten - wurde in die Cyborgarmee hochgeladen. Jeder Cyborg hat nun Henrys Erinnerungen des vergangenen Tages, glaubt Estelle retten zu müssen und ist somit ausreichend motiviert, alle Befehle Akans zu befolgen. Einer dieser Cyborgs soll Henry töten. Henry bleibt siegreich. Er entnimmt dem Cyborg die viel leistungsfähigere Energiezelle und setzt sie sich selbst ein. So gestärkt zerlegt er Akans gesamte Armee. Erneut setzt Akan Telekinese ein und verwundet Henry schwer. Endlich erfährt Henry die Wahrheit. Estelle ist nicht mit ihm verheiratet und empfindet nichts für ihn. In Wahrheit ist sie Akans Frau und war nie in Gefahr. Henry rafft sich noch einmal auf. Er tötet Akan und wirft Estelle aus einem startenden Hubschrauber.


Kringels Meinung

Wow, wie kommentiere ich jetzt diesen genialen Höllentrip? Ich sag's mal so: Wenn euch während der Egoshooter-Sequenz in Doom schwindlig wird, wenn euch Crank zu hektisch vorkommt und wenn ihr der Meinung seid, dass in The Expendables zu viel geballert wird, dann schaut euch "Hardcore" auf keinen Fall an. Wenn ihr dagegen die genannten Elemente gut findet, dann werdet ihr mit "Hardcore" noch viel, viel, viel mehr Spaß haben, denn hier wird genau das von der ersten Minute an geboten, und zwar im Turbomodus!

In "Hardcore" schlüpft der Zuschauer von Anfang an in die Identität des Titelhelden. Man erlebt den kompletten Film aus der Egoperspektive. Es gibt keine Ausnahme, das heißt, es wird ausschließlich das gezeigt, was Henry sieht, so als ob man durch seine Augen blicken würde. Henrys Gesicht ist nur ein einziges Mal kurz in einer spiegelnden Fläche zu sehen. Ich glaube, so etwas hat es noch nie zuvor gegeben. Der Egoperspektiven-Effekt wurde durch die konsequente Verwendung kleiner GoPro-Actionkameras erzielt, die den 13 Henry-Darstellern mittels einer komplizierten Vorrichtung vors Kinn geschnallt worden sind. Die Darsteller (Stuntleute und Parkoursportler) sind also die einzigen Kameraleute! Im Grunde wird keine Geschichte erzählt, will sagen, es wird nichts erklärt. Der Zuschauer weiß immer nur so viel wie Henry selbst, es gibt keinen Erzähler, keine Rückblenden oder sonstige Stilmittel, mit denen Filmstorys sonst vermittelt werden. Zugegeben, nicht alles ist mir hundertprozentig überzeugend vorgekommen. So scheint mir der von Akan verfolgte Plan unnötig kompliziert zu sein, außerdem wird Estelle ja sehr wohl in große Gefahr gebracht. Was, wenn die Rettungskapsel am Boden zerschellt wäre? Die zur Herstellung Henrys, der anderen Cyborgs und der Jimmy-Klone zum Einsatz kommende Hightech wirkt anachronistisch, weil der Film offensichtlich nicht in der Zukunft spielt. Außerdem bleibt völlig unklar, woher Akan seine telekinetischen Kräfte hat.

Aber das ist alles zweitrangig. "Hardcore" ist ein fantastisches visuelles Erlebnis. Der Film wird von pausenloser druckvoller Action, tiefschwarzem Humor und einem treibenden Soundtrack geprägt. Nach den vergleichsweise ruhigen ersten Szenen (Henrys Erwachen, letzte Montagearbeiten und Feinjustierungen) dauert es nicht lang, bis Henry die Kräfte seines unverwüstlichen Cyborgkörpers einzusetzen lernt und den Gegnern derart in den Allerwertesten tritt, dass der Body Count aller "Expendables"-Filme locker überboten wird. Die Gewaltdarstellung ist geradezu absurd übersteigert. So übersteht Henry den Beschuss aus allem möglichen Waffen, mäht die feindlichen Schergen dutzendweise nieder und setzt sogar einen Kampfpanzer außer Gefecht. Er reißt sich zwecks Akkuwechsel schon mal selbst den Brustkorb auf, dasselbe geschieht mit zwei Gegnern. Gliedmaßen und Köpfe werden abgetrennt und/oder zermanscht, das Blut spritzt literweise. Im Endkampf gegen Akan zerrt sich Henry ein Auge heraus, um das daran hängende Datenkabel als Garotte einsetzen zu können ... und es wird nicht eintönig, weil immer weiter aufgedreht wird, immer neue verrückte Ideen aufgeboten werden - und weil Jimmy in immer neuen, vollkommen gegensätzlichen Inkarnationen aufkreuzt, um kräftig mitzumischen und meist schon bald wieder ausgeknipst zu werden. Sharlto Copley chargiert in einem guten Dutzend herrlicher Rollen. Seine Spielfreude ist unübersehbar, insbesondere in der Szene, in der Jimmy zur Demonstration der Klon-Fernsteuerung verschiedene Versionen seiner selbst "I've Got You Under My Skin" singen und tanzen lässt.

Der Film ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Meine Faszination angesichts des schieren Irrsinns hat bis zur letzten Minute nicht nachgelassen. "Hardcore" ist für mich der ultimative Splatter-Actionfilm und er trägt seinen Titel völlig zu Recht. Eine Fortsetzung wird angedeutet, denn während des Abspanns ist zu hören, dass Henry schon wieder einen Anruf von Jimmy erhält. Henry soll noch eine Sache für ihn erledigen. Somit bleibt nur die Frage, wie der Wahnwitz in der Fortsetzung noch getoppt werden soll!


Blu-ray-Features

"Wie haben die das gemacht?" Diese Frage habe ich mir beim Anschauen des Films mehrmals gestellt, weil die unglaublichsten Stunts vollkommen echt aussehen und nicht erkennbar ist, dass mittels CGI getrickst worden wäre. Nachdem ich die vier "Behind the Scenes" - Featurettes gesehen habe, ist mir klar geworden, dass die zum Einsatz kommenden Stuntleute und Parkoursportler offenbar wirklich ihr Leben riskiert haben. Regisseur Ilya Naishuller sagt in der Featurette "Fan Chat" (hier werden per Facebook gestellte Fragen von Fans beantwortet) selbst, dass so etwas in einem anderen Land wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre. Man stelle sich vor: Henry verfolgt Slick Dmitry unter anderem über die Bögen der Puschkinskij-Brücke in Moskau. Die Stuntleute machen das völlig ohne Absicherung! Dass da nichts passiert ist ... Allerdings hat offenbar jeder Stuntman zumindest Prellungen davongetragen. Ein Zahn wurde ausgeschlagen, eine Wunde musste mit mehreren Stichen genäht werden. Und damit haben wohl alle noch großes Glück gehabt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Enthusiasmus gutheißen soll! In den Featurettes wird die Herstellung des eigens für den Film entwickelten Kamera-Gestells thematisiert, die Dreharbeiten werden begleitet und man sieht, wie Masken, Animatronics usw. entstanden sind. Henrys Roboterhand war zum Beispiel voll funktionsfähig. Natürlich wurde nicht ganz ohne CGI gearbeitet, wie man in "VFX Breakdown" sehen kann. Da werden einzelne Szenen mit und ohne computergenerierte Ergänzungen gezeigt.

Die nicht verwendeten Szenen sind durchaus sehenswert. Es wird noch mehr in der Tiefgarage gekämpft, Sniper-Jimmy erzählt einen Witz und der Endkampf verläuft etwas anders. Noch interessanter finde ich die drei Musikvideos der Gruppe "Biting Elbows". Ilya Naishuller ist Gründer, Sänger und Gitarrist dieser Band, die drei Titel zum Soundtrack beigesteuert hat. Das Video zu einem davon ("For the Kill") befindet sich beim Bonusmaterial und besteht lediglich aus Hinter-den-Szenen-Material aus "Hardcore". Es sind aber auch die Videos zu "The Stampede" und "Bad Motherfucker" dabei. Die wurden genauso gedreht wie "Hardcore" und erzählen ebenfalls eine kleine zusammenhängende Geschichte. Es geht um den Diebstahl eines futuristischen Geräts, mit dem man sich an einen anderen Ort teleportieren kann, wenn man es nassmacht.


J. Kreis, 28.03.2017




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