Hara kiri


Hara-Kiri - Tod eines Samurai (Japan/GB, 2011)
- Ichimei -

Blu-ray, Ascot Elite Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 128 Minuten

Extras:
- Trailer

Regie:
Takashi Miike

Hauptdarsteller:
Ichikawa Ebizo (Tsugumo Hanshiro)
Eita Nagayama (Chijiiwa Motome)
Hikari Mitsushima (Miho)
Koji Yakusho (Saito Kageyu)
Munetaka Aoki (Omodaka Hikokuro)




Story

In den Jahren nach der Schlacht von Sekigahara wird Japan nach und nach befriedet. Das einfache Volk kann aufatmen, aber für die Samurai, deren Dienste nun nicht mehr benötigt werden, brechen schwere Zeiten an - insbesondere dann, wenn sie Herren gedient haben, die in der Schlacht besiegt wurden. Viele Ronin (herrenlose Samurai) wenden einen Trick an, um eine neue Anstellung zu finden oder wenigstens etwas Geld zu erhalten. Sie geben vor, am Hofe eines Fürsten rituellen Selbstmord begehen zu wollen, wodurch sie den Hausherrn in eine unangenehme Situation bringen. Er darf die Bitte den Traditionen zufolge eigentlich nicht abschlagen, würde aber durch den Selbstmord Ansehen verlieren. Viele Ronin wurden deshalb bereits ins Gefolge des betroffenen Fürsten aufgenommen oder mit einem Geschenk abgewimmelt.

Im Jahre 1634 spricht der ehemalige Samurai und jetzige Schirmmacher Tsugumo Hanshiro am Hof des abwesenden Fürsten Li vor und bittet um die Erlaubnis, seinem schmachvollen Leben ein Ende durch Hara-Kiri im Innenhof des Palasts setzen zu dürfen. Saito Kageyu, Gefolgsmann des Fürsten und Verwalter des Palasts, hält Hanshiro für einen Ronin-Bettler. Um ihn loszuwerden, erzählt der Verwalter, was dem jungen Ronin Chijiiwa Motome widerfahren ist, der vor zwei Monaten mit derselben Bitte am Hofe erschienen ist. Motome war tatsächlich nur auf ein Geldgeschenk aus, um einen Arzt für seine kranke Frau und sein im Sterben liegendes Kind bezahlen zu können. Man hatte ihm aber kein Almosen gegeben, stattdessen hatte man ihn beim Wort genommen und alles für das Seppuku-Ritual vorbereitet. Auf diese Weise sollte ein abschreckendes Exempel statuiert werden. Doch damit nicht genug: In seiner Geldnot hatte Motome schon vor längerer Zeit seine Schwerter gegen Waffen aus Bambus eingetauscht und musste nun (nicht zuletzt auf Drängen seines Sekundanten Omodaka Hikokuro) Selbstmord mit dem stumpfen Imitat begehen. Gnade war ihm nicht gewährt worden, weil er im Angesicht des Todes in entwürdigender Weise um Geld und einen Aufschub gebettelt hatte. Motome hatte sich den Leib mit dem zersplitternden Bambusschwert aufgeschlitzt. Mit dieser Tat hatte er immerhin den Mut eines echten Samurai bewiesen.

Hanshiro lässt sich nicht umstimmen. Er äußert seinen letzten Wunsch: Omodaka Hikokuro oder zwei andere hochrangige Vasallen des Fürsten sollen ihm beim Hara-Kiri sekundieren. Die drei Männer sind aber unauffindbar. Hanshiro erhält die Erlaubnis, Motomes Geschichte zu erzählen, während die Sekundanten gesucht werden. Hanshiro gibt zu, dass er Motome kannte. Der junge Mann hatte Hanshiros Tochter Miho geheiratet. Die junge Frau und ihr Kind waren schwer erkrankt. Motome hatte keine Anstellung, und so war die Familie immer weiter verarmt. Nach Motomes Tod hatte Miho Selbstmord begangen, das Baby war schon zuvor gestorben. Hanshiro hat Omodaka Hikokuro und die beiden anderen Männer vor seinem Besuch am Fürstenhof zum Zweikampf aufgefordert. Sie wären ihm unterlegen gewesen, haben aber nicht bis zum Ende gekämpft, sondern zugelassen, dass Hanshiro ihnen die Haarknoten abschnitt. Nur mit einem Holzschwert bewaffnet stellt sich Hanshiro Dutzenden Samurai des Fürsten und hält sie problemlos in Schach, da sie sich als ebenso feige erweise wie die drei Vasallen. Während des Kampfes wird die im Palast ausgestellte fürstliche Rüstung beschädigt. Erst als Hanshiro keine Gegenwehr mehr leistet, wird er von der Meute niedergemetzelt. Als der Fürst zurückkehrt, interessiert er sich nur für den Zustand der Rüstung. Diese wurde inzwischen wieder aufgestellt und poliert. Der Fürst ist zufrieden.

Kringels Meinung

"Hara-Kiri" ist ein Remake eines gleichnamigen Films aus dem Jahre 1962, den ich nicht kenne. Nach 13 Assassins ist das schon das zweite Historienfilm-Remake des japanischen Regisseurs Takashi Miike, von dem ich zuvor hauptsächlich ziemlich schrägen Stoff wie Full Metal Yakuza, Dead or Alive, Audition, Visitor Q, The Call, Imprint und Yatterman gewöhnt war. Wurde in "13 Assassins" die Endphase des Tokugawa-Shogunats thematisiert, so ist es in "Hara-Kiri" die Anfangszeit. Wie Tokugawa Ieyasu, Begründer des nach ihm benannten Shogunats, an die Macht gekommen ist, könnt ihr in der Fernsehserie Shogun sehen, obwohl der Kriegsherr dort einen anderen Namen trägt. Die Zeit unmittelbar nach dem Ende des Shogunats wird im Film Last Samurai dargestellt.

Ebenso wie "13 Assassins" hat mich auch "Hara-Kiri" durch die authentische Atmosphäre, die wunderbaren Kostüme und die detailverliebte Ausstattung begeistert. Der Film ist jedoch noch ernster und sehr viel ruhiger als "13 Assassins". Großmaßstäbliches Schlachtengetümmel darf man ebenso wenig erwarten wie ausufernde Zweikämpfe. Bizarr-überdrehte Elemente wie in den oben verlinkten älteren Filmen kommen überhaupt nicht vor. Und das ist gut so, denn aus genau diesem Grund gefällt mir "Hara-Kiri" sogar fast noch besser als "13 Assassins". Lange Einstellungen, in denen sich die Kamera überhaupt nicht oder nur sehr langsam bewegt, wirken fast wie wunderschön arrangierte Stillleben, zum Beispiel vom Inneren des Fürstenpalasts. Musik wird äußerst sparsam eingesetzt. So entsteht eine ganz besondere, der tragischen Story angemessene Stimmung. Action ist durchaus vorhanden, und zwar nicht erst am Schluss, als Hanshiro allein gegen Dutzende Widersacher antritt. Schon die Anfangsphase bietet mit Motomes Selbstmord eine äußerst eindrucksvolle Szene. Seine nicht enden wollende Todesqual ist starker Tobak, obwohl (zum Glück) nicht in allen blutigen Details gezeigt wird, was Motome mit dem zersplitterten Bambusschwert bei sich selbst anrichtet. Die Geräusche sind schon deutlich genug! Die Action wird behutsam eingesetzt, auf übertrieben choreografierte Kämpfe und dergleichen wurde verzichtet. Umso realistischer wirkt alles.

Thema des Films ist natürlich zunächst einmal die Entlarvung eines scheinheiligen, in sinnlosen Regeln erstarrten Systems. Den Gefolgsleuten des Fürsten wird deutlich vor Augen geführt, dass ihr Gerede von Ehre, Tapferkeit und Gesichtsverlust ebenso hohl und leer ist wie die Fürstenrüstung. Die von Hanshiro erzählte Lebensgeschichte Motomes bildet jedoch den Löwenanteil der Handlung. Die anfänglich heile Familienidylle wird allmählich zur Hölle, anschaulich gemacht durch den fortschreitenden Zerfall des Hauses, in dem Motome mit Frau und Kind lebt. Seine Verzweiflung nimmt solche Ausmaße an, dass er zu Taten bereit ist, die ihm zuvor unmöglich erschienen sind. Dann erst versteht man wirklich, wer dieser vermeintliche Bettler und Feigling war, dessen Tod man zu Beginn des Films gesehen hat, und wodurch er bis zum Äußersten getrieben wurde. Der Film ist fast so etwas wie ein Kammerspiel, denn es gibt nur wenige Schauplätze. Das meiste spielt sich am Fürstenhof und in Motomes Haus ab. Trotzdem war ich von Anfang bis Ende gefesselt.


J. Kreis, 14.05.2014




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme