Hangover


Hangover (USA, 2008)
- The Hangover -

DVD Regionalcode 2, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 96 Minuten

Extras
- Map of Destruction (15:48 Min.)
- Gag Reel (7:57 Min.)
- Three best Friends Song (1:25 Min.)

Regie:
Todd Phillips

Hauptdarsteller:
Bradley Cooper (Phil Wenneck)
Ed Helms (Dr. Stuart Price)
Zach Galifianakis (Alan Garner)
Justin Bartha (Doug Billings)
Heather Graham (Jade)




Inhalt:

In zwei Tagen wird Doug Billings heiraten. Zuvor fährt er mit seinen beiden besten Freunden, dem Lehrer Phil Wenneck und dem Zahnarzt Stuart Price, zu einem Junggesellenabschied nach Las Vegas. Sein zukünftiger Schwager Alan Garner ist ebenfalls mit von der Partie. Dougs zukünftiger Schwiegervater stellt ein wertvolles Mercedes-Cabrio für die Fahrt zur Verfügung. Das Quartett quartiert sich in einer luxuriösen Suite des "Caesars Palace" ein. Eine Runde Jägermeister auf dem Dach des Hotels bildet den Auftakt für eine durchfeierte Nacht. Als Phil, Stu und Alan am nächsten Morgen mit einem schrecklichen Kater aufwachen, ist die Suite völlig verwüstet, im Badezimmer sitzt ein ausgewachsener Tiger, im Schrank liegt ein Baby, Stu hat einen Schneidezahn verloren und Doug ist verschwunden. Das Trio kann sich an rein gar nichts mehr erinnern - später stellt sich heraus, dass Alan Rohypnol in den Jägermeister gemischt hat, in der Annahme, es handele sich um Ecstasy. Dieses Medikament hat den Gedächtnisverlust verursacht. Auf der Suche nach Doug versuchen die drei Freunde, die Geschehnisse der vergangenen Nacht zu rekonstruieren. Dass sie es besonders wild getrieben haben müssen, wird ihnen klar, als ein Hotelpage ihnen die Schlüssel zu ihrem Wagen aushändigt: Es ist ein gestohlenes Polizeiauto.

Erste Anlaufstelle ist das Krankenhaus, in dem Phil einem Armbändchen zufolge behandelt worden sein muss. Der behandelnde Arzt teilt ihnen mit, dass sie von einer Hochzeit in der Best Little Wedding Chapel gekommen sind. Dort erfahren sie, dass Stu die Stripperin Jade geheiratet hat - ein Schock für den erzkonservativen Zahnarzt, der seit Jahren mit einer extrem dominanten Frau zusammenlebt, die er eigentlich demnächst ehelichen wollte und der er erzählt hat, er sei mit Phil und Doug zu einem Weinseminar gefahren. Als sich die Freunde auf den Weg zu Jade machen wollen, werden sie aus unerfindlichen Gründen von Gangstern angegriffen, können aber entkommen. Bei Jade angekommen, wird vor allem Stu stürmisch begrüßt. Das Baby ist Jades Kind. Stus Wiedersehensfreude hält sich in Grenzen und wird durch das Eintreffen der Polizei getrübt. Die Männer werden wegen des Streifenwagen-Diebstahls verhaftet, können sich aber noch einmal herausreden. Wenigstens ist der Mercedes noch unbeschädigt, aber im Kofferraum befindet sich ein nackter Asiate. Als er befreit wird, verprügelt er das Trio und flieht.

In der Suite wartet die nächste Überraschung: Mike Tyson ist da und will seinen Tiger wiederhaben. Die Freunde müssen das Raubtier zurückbringen. Der Mercedes übersteht diese Prozedur nicht unbeschädigt, und nach getaner Arbeit wird er von den Gangstern gerammt. Sie gehören zu Mr. Chow, dem (jetzt nicht mehr nackten) Asiaten. Er behauptet, das Trio habe sein Herrenhandtäschchen mit Jetons im Wert von 80.000 Dollar gestohlen. Angeblich ist Doug in seiner Gewalt. Die Freunde müssen das Geld auftreiben, damit Doug frei gelassen wird. Sie bleiben eine weitere Nacht in Las Vegas. Alan gewinnt etwas mehr als den geforderten Betrag durch Kartenzählen beim Black Jack. Am nächsten Tag findet die Übergabe statt, aber der Doug, der sich in Mr. Chows Gewalt befindet, ist nicht der Bräutigam in spe, sondern der Dealer, von dem Alan die Rohypnol-Tabletten erhalten hat. Plötzlich fällt Stu ein, dass der "echte" Doug nur an einem Ort sein kann: Auf dem Hoteldach. Tatsächlich finden ihn die Freunde dort vor. Bis auf einen gewaltigen Sonnenbrand ist er wohlauf - und er hat die Tasche mit Mr. Chows Jetons bei sich.

In höchster Eile rasen die wiedervereingten Freunde zurück und kommen gerade noch rechtzeitig zur Hochzeit an. Während der Feier macht Stu mit seiner Freundin Schluss, denn die hat ihn ohnehin betrogen und Stu hat sich in Jade verliebt. Alan findet eine Digitalkamera mit Fotos von der Nacht, an die sich die Freunde sich nicht mehr erinnern können.

Der Film:

Ich fürchte, ich bin zu erwachsen für diesen Film. Hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber so muss es wohl sein, denn ich kann mich absolut nicht mit den drei bzw. vier Kindsköpfen identifizieren und ich kann recht wenig Komik in ihren zotigen Witzeleien und den Auswüchsen ihrer Sauftour entdecken. Wer es lustig findet, dass sich Stu am Früchstückstisch erbricht oder dass Alan seinen Urinstrahl überallhin lenkt, nur nicht in die Kloschüssel, der wird wahrscheinlich auch während des übrigen Films was zu lachen haben - meine Art von Humor ist das nicht. Eigentlich stören mich gar nicht so sehr die heillos übertriebenen Eskapaden dieser anscheinend in einem frühen Stadium der Pubertät stecken gebliebenen Typen an sich, sondern die Art und Weise, wie das Drehbuch damit umgeht. Das Komasaufen und alle daraus erwachsenden Folgen werden nicht einen Sekundenbruchteil lang als negativ oder wenigstens bedenklich dargestellt. Nö, ist doch alles super-lustig: Zerstören wir doch mal ein Hotelzimmer, klauen wir ein Auto usw. - wird alles schon nicht so schlimm sein. Zu guter Letzt ist ja auch genug Geld da, mit dem die Schäden bezahlt werden können. Folgen irgendwelcher Art sind also nicht zu befürchten, am Schluss ist alles wieder in Butter. Also immer schön weitersaufen, gnadenlos abfeiern und sich auf Kosten anderer amüsieren. Das ist nicht witzig, nicht mal dann, wenn Mike Tyson das Opfer ist. Die naiv-nette Stripperin mit dem guten Herzen wird von Heather Graham zwar sehr liebenswert verkörpert, ist aber nur ein weiteres peinliches Klischee.

Dabei ist die Grundidee gar nicht so schlecht: Eben nicht zu zeigen, was wirklich in der verlorenen Nacht geschehen ist, nicht mal in Rückblicken, und es den Rekonstruktionsversuchen der Hauptfiguren sowie der Phantasie des Zuschauers zu überlassen, sich die Dinge zurechtzulegen - das ist durchaus geschickt gemacht. Die gute Idee verkommt aber zum bloßen Aufhänger für Kalauer der flachsten Art und öden Fäkal-Humor. Zwischendurch darf Alan ein paar seltsame Andeutungen machen, die darauf schließen lassen, dass er ein verurteilter Kinderschänder oder so etwas ähnliches ist, oder völlig sinnlose Fragen stellen, die seine Merkwürdigkeit noch betonen sollen. Das wirkt einfach nur aufgesetzt. Noch erbärmlicher ist die unübersehbare Doppelmoral, die hier propagiert wird: Erst in Las Vegas saufen, Frauen aufreißen, viel Geld verzocken und was weiß ich noch, aber hinterher schön sauber in Weiß heiraten. Ein Film für die verantwortungslose Spaßgesellschaft. Kein Wunder, dass er so erfolgreich war. "Zum Brüllen komisch" soll der Film sein. Ich finde ihn bis auf wenige amüsante Szenen und einzelne überraschende Wendungen eher zum Heulen langweilig. Wohlgemerkt: Ich habe nichts gegen anarchischen Humor oder sinnlose Brachial-Gags. Sonst wäre ich wohl kaum Fan von Monty Python und würde bei Filmen wie Dumm und Dümmer oder Ace Ventura keine Lachkrämpfe kriegen. Aber bei "Hangover" ist der Funke leider nicht übergesprungen. Liegt vielleicht auch daran, dass ich Junggesellenabschiede hasse...

DVD-Features:

Man könnte die Featurette "Map of Destruction" als Mini-Making-Of bezeichnen, denn sie enthält die für solche Beiträge übliche Mischung aus Interviewschnipseln, Filmausschnitten und Hinter-den-Szenen-Material. Man erfährt zum Beispiel, dass im echten Caesars Palace und anderen Originalschauplätzen in Las Vegas gedreht wurde. "Gag Reel" enthält eine Zusammenstellung schiefgegangener Szenen, die fast lustiger ist als der Film selbst, und in "Three best Friends Song" kommt man in den Genuss einer verlängerten Fassung des von Alan gesungenen Liedes - vorher gibt Stu einen Rap zum Besten.


J. Kreis, 08.06.2011




Gastkommentare


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Gastkommentar von Michel Wuethrich (10.06.2011):

Danke für diese offenen Worte. Nun sind wir bereits zu dritt!
;-)
Als ich damals den Film mit meinen Kumpels im Kino sah, fühlte ich mich mit meiner negativen Kritik doch sehr alleine und einsam, habe es aber überlebt, grins. -Ist auch schon öfter vorgekommen, dass ich mit meiner Ansicht anders lag, als meine Kumpels (41 und 34 und ich 44). Ob's definitiv am Alter liegt? Oder an meinem Humor?

Genau so ist es doch, dass "Hangover" von der Kritik zu einem besseren Film gemacht wurde, als er tatsächlich war.
Die Diashow im Abspann fand ich besser, als der ganze Film überhaupt.
Der zweite Teil wird wohl in die selbe Kerbe schlagen. Da schaue ich mir doch lieber gleich etwas anderes an!


Gastkommentar von Dr. Nick (09.06.2011):

Hey Jo,

endlich mal eine Kritik zu diesem Filmchen, die passt. Ich dachte schon, ich bin allein auf der Welt mit meiner Meinung zu Hangover. Wie können "seriöse" Filmkritiker auf die Idee kommen, das wäre ein lustiger Film? Das ist ein Film, bei dem die Hauptdarsteller keinesfalls über 19 sein sollten (und natürlich auch die Zuschauer), dann würde es vielleicht einen passablen Teenie-Streifen abgeben.
Irgendwie hat man all das schon selber erlebt (jaja, durchaus, macht den Film aber nicht besser), oder von einem Kumpel gehört, der einen Kumpel hat, und der hat das erlebt. Das ist für die dabeigewesenen ganz lustig, wenn man sich 5 oder besser 10 Jahre später darüber erzählt, aber nur für die. Typischer Fall von Erzählung alter Bundeswehrgeschichten.
Habe neulich im Nachtprogramm "Animal House" mit John Belushi gesehen. Auch da zündet nun bei mir, als 60er Jahrgang, längst nicht mehr jeder Gag wie zu meiner Studienzeit, aber der ist immer noch -zig mal lustiger als Hangover. Und freu Dich drauf: Laut Cinema, die ja den ersten Teil schon voll knorke fand, sollen in Teil zwei in Bangkok die Gags aus dem ersten Teil bildgenau und 1 : 1 receycelt werden, was Cinema wiederum ganz knorke findet. Zitat gefällig? "Den Spaß am Film trübt das freilich nicht. Im Gegenteil."
Na, da sind wir aber froh.



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