Vierzig Wagen westwärts


Vierzig Wagen westwärts (USA, 1965)
- The Hallelujah Trail -

DVD Regionalcode 2, MGM / Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 149 Minuten

Extras:
- Original Kinotrailer

Regie:
John Sturges

Hauptdarsteller:
Burt Lancaster (Thaddeus Gearhart)
Lee Remick (Cora Templeton Massingale)
Donald Pleasence (Oracle Jones)
Martin Landau (Häuptling Krummer Rücken)
Robert J. Wilke (Häuptling Fünf Fässer)
Jim Hutton (Paul Slater)
Pamela Tiffin (Louise Gearhart)
Brian Keith (Frank Wallingham)




Inhalt

November 1867. In der Bergwerksstadt Denver kommt es zu einer dramatischen Situation. Der Whiskey geht zur Neige und aufgrund des von Oracle Jones, eines angeblich hellseherisch begabten Trappers, vorhergesagten harten Winters wird die Stadt monatelang von der Außenwelt abgeschnitten sein. Man kommt auf die naheliegende Idee, einfach sofort Nachschub anzufordern, und zwar in derart großer Menge, dass selbst den äußerst trinkfesten Bergmännern genug Treibstoff bis zur Schneeschmelze zur Verfügung stehen wird. In Frank Wallingham aus der gut 200 Meilen entfernten Siedlung Julesburg finden die verzweifelten Bewohner Denvers einen verlässlichen Lieferanten, der in der Lage ist, vierzig mit hochprozentigem Inhalt beladene Planwagen auf die Reise zu schicken. Die Transaktion hätte in aller Heimlichkeit abgewickelt werden sollen, wird jedoch in der Zeitung angekündigt. Völlig zu Recht nimmt Wallingham an, dass die Indianer, deren Gebiet zwischen Julesburg und Denver liegt, Wind von der Sache bekommen und einen Überfall vorbereiten werden. Deshalb fordert er eine Militäreskorte an. Colonel Thaddeus Gearhart, Kommandant von Fort Russell, wird offiziell mit dieser Aufgabe beauftragt.

Noch ahnt Wallingham nicht, dass nicht nur von den Indianern Gefahr für den Treck ausgeht. Die von Cora T. Massingdale angeführten Feministinnen sind eine womöglich noch größere Bedrohung. Mrs. Massingdale ist der Überzeugung, dass die Männerwelt vor sich selbst gerettet und somit von dem alle niederen Instinkte verstärkenden Gift namens Alhohol ferngehalten werden muss. Mrs. Massingdale sowie einige Dutzend begeisterte Frauenrechtlerinnen, darunter Gearharts Tochter Louise, demonstrieren in Fort Russell lautstark für Gleichberechtigung und Abstinenz, wie Gearhart zu seinem größten Missvergnügen feststellen muss, als er von einem mehrtägigen Patrouillenritt zurückkehrt. Sein Stellvertreter, der junge Captain Slater, liebt Louise, wurde von ihr um den Finger gewickelt und hat das Ganze genehmigt. Nachdem Gearhart das Chaos einigermaßen bereinigt und (vergeblich) versucht hat, Mrs. Massingdale in ihre Schranken zu verweisen, stellt er einige Kavalleristen unter Slaters Kommando zum Schutz des Whiskeytransports ab. Mrs. Massingdale und ihre Anhängerinnen sind wild entschlossen, den Transport abzufangen und den Schnaps zu vernichten. Gearhart kann Mrs. Massingdale nicht aufhalten, außerdem weicht Louise nicht von ihrer Seite. Also setzt sich der schon leicht genervte Colonel persönlich an die Spitze einer weiteren Reiterabteilung, um die Damen sicher an ihr Ziel zu bringen.

Unterwegs kommt es ständig zu Reibereien zwischen Gearhart und Mrs. Massingdale. Der Colonel mag es gar nicht, dass seine Autorität permanent in Frage gestellt wird. Trotzdem fühlt er sich mehr und mehr zu der schönen Witwe hingezogen. Seine Gefühle bleiben nicht unerwidert. Inzwischen wurde in Denver die allerletzte Flasche geleert. Die ebenso durstigen wie ungeduldigen Bergleute stellen eine Miliztruppe auf, die dem Transport unter der Führung von Oracle Jones entgegenmarschiert. Auch die Indianer sind schon unterwegs. Die Häuptlinge Fünf Fässer und Krummer Rücken vom Stamme der Sioux haben einen brillanten Schlachtplan entworfen, doch die Mühe hätten sie sich sparen können, denn die fünf Gruppen treffen in einem heftigen Sandsturm aufeinander, bei dem man die Hand nicht vor den Augen sieht. Als sich der Sturm verzieht, bringt Gearhart seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass so viele Personen so viele Kugeln innerhalb so kurzer Zeit abfeuern konnten, ohne irgendjemanden zu treffen. Eine Pattsituation ist entstanden und es wird verhandelt. Aufgrund eines Übersetzungsfehlers glaubt Gearhart, die Indianer seien bereit, zu ihren Jagdgründen zurückzukehren. Die Häuptlinge wiederum haben den Colonel so verstanden, dass man ihnen im Gegenzug zehn Wagen voller Whiskeyfässer überlassen wird. Die Situation wird durch einen Streik der für Wallingham arbeitenden irischen Fuhrleute verschärft.

Oracle Jones kundschaftet einen sicheren Weg durch die Treibsandsümpfe aus, den er mit Stoffstreifen markiert. Bei der nächsten Gelegenheit wollen er und Wallingham sich klammheimlich mit der wertvollen Fracht aus dem Staub machen, bevor sich die Iren oder die Indianer daran vergreifen können. Mrs. Massingdale durchschaut den Plan und setzt die Wegmarken um. Währenddessen fraternisieren die trickreichen Häuptlinge zum Schein mit den Frauenrechtlerinnen und geben vor, sie hätten sich zum Alkoholverzicht bekehrt. Im richtigen Augenblick nehmen sie die Damen als Geiseln. Zähneknirschend muss Gearhart ihre Forderungen erfüllen. Damit dürfte seine Karriere beendet sein, denn es ist strengstens verboten, den Indianern Whiskey zu geben. Allerdings enthalten die den Sioux überlassenen Wagen gar keinen Whiskey, sondern französischen Champagner. Als Mrs. Massingdale das erfährt, sorgt sie dafür, dass die Pferde bei der Übergabe durchgehen. Sobald sich die Indianer über die in der Hitze der Prärie gut durchgeschüttelten Flaschen hermachen, erleben sie ihr schäumendes Wunder. Mehr oder weniger ernüchtert machen sie sich auf den Heimweg. Gleichzeitig versinken die übrigen Wagen im Sumpf. Wallingham, der sein ganzes Geld in den Deal gesteckt hat, ist ruiniert. Gemeinsam mit Oracle Jones lässt er sich häuslich am Rande des Sumpfes nieder. Slater und Louise sowie Gearhart und Mrs. Massingdale heiraten. Einige Zeit später kommen zahlreiche im Sumpf versunkene Whiskeyfässer wieder an die Oberfläche, so dass auch Wallingham und Oracle Jones glücklich und zufrieden sind. Der Winter von 1867 geht als einer der mildesten seit Menschengedenken in die Geschichte ein.


Kringels Meinung

Diesen Film schaut man sich am besten in der englischsprachigen Fassung an. Es gibt nämlich einen Voice-Over-Kommentar, der im Original todernst in leicht salbungsvollem Ton und tiefer Stimmlage gesprochen wird, in der deutsch synchronisierten Version aber von einem witzelnden, kieksenden Hans Clarin. Das ist nicht nur unpassend, sondern extrem störend.

"Vierzig Wagen westwärts" mag eine Westernkomödie sein, ist aber sicher keine Low-Budget-Produktion. Ganz im Gegenteil! Mit seinen epischen Landschaftsaufnahmen, den zahlreichen Komparsen und einigen großmaßstäblichen Actionszenen, in denen viel geritten, geschossen und mit Planwagen durch die Prärie gerast wird, muss sich der Film nicht hinter den Edelwestern-Großproduktionen der damaligen Zeit verstecken. Ich habe den Film als Kind geliebt und finde ihn auch heute noch unterhaltsam, teils sogar witzig. Er ist nur viel zu lang. Für einen Film mit einer Laufzeit von mehr als zwei Stunden bräuchte es ein solideres Handlungsgerüst und eine Figurenzeichnung, die sich nicht in der mehrfachen Wiederholung derselben Situation erschöpft. Außerdem finde ich es gelinde gesagt irritierend, wie stereotyp die Sioux als tumbe Saufköppe dargestellt werden. Zugegeben, die Weißen werden nicht besser behandelt; das gleicht sich also aus. Übrigens: Von der Gesamtlaufzeit muss man Ouvertüre und Pause abziehen. Mehrere Minuten lang bleibt der Bildschirm schwarz und es ist nur Musik zu hören.

Warum mag ich den Film? Wahrscheinlich zum größten Teil aus reiner Nostalgie. Am besten gefallen mir die skurrilen Figuren. Sei es Jones, der unter Alkoholeinfluss zum Orakel mutiert und mit den aus seinem gebräunten Gesicht hervorstechenden hellen Augen gen Himmel blickt, wenn er (angeblich) eine Eingebung hat. Oder der von vielfältigen Sorgen geplagte Colonel Gearhart, der feststellen muss, dass es Schlimmeres unter der Sonne gibt als blutrünstige Indianer, nämlich kartzbürstige Feministinnen. Köstlich finde ich auch den cholerischen Wallingham sowie die Zeichensprache der Sioux. Man beachte das Gesicht, das sich unter dem Hut von Häuptling Krummer Rücken verbirgt. Ich habe diese Figur seltsamerweise früher nie mit Commander Koenig aus Mondbasis Alpha 1 in Verbindung gebracht. Und natürlich finde ich es bemerkenswert, wieviel hier geschluckt und gequalmt wird. Namentlich Colonel Gearhart kippt einen Whiskey nach dem anderen, fast immer steckt eine dicke Zigarre zwischen seinen Zähnen! Aus heutiger Sicht ist das durchaus ungewöhnlich.


J. Kreis, 02.08.2018




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