Hänsel und Gretel: Hexenjäger


Hänsel & Gretel: Hexenjäger - Extended Cut (USA/D, 2013)
- Hansel & Gretel: Witch Hunters -

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 98 Minuten

Extras:
- Hänsel & Gretel neu erfunden (15:41 Min.)
- Die verhexten Stunden (9:01 Min.)
- Gestatten, Edward der Troll (5:25 Min.)

Regie:
Tommy Wirkola

Hauptdarsteller:
Gemma Arterton (Gretel)
Jeremy Renner (Hänsel)
Famke Janssen (Muriel)
Pihla Viitala (Mina)
Peter Stormare (Amtsrichter Berringer)
Rainer Bock (Bürgermeister Englemann)
Thomas Mann (Ben)




Story

Die Geschwister Hänsel und Gretel werden von ihrem Vater tief im Wald ausgesetzt. Die Kinder irren umher, bis sie auf ein riesiges Lebkuchenhaus stoßen, das von einer Hexe bewohnt wird. Die Hexe sperrt Hänsel in einen Käfig und mästet ihn mit Süßigkeiten. Gretel wird an die Kette gelegt und zur Hausarbeit gezwungen. Sobald Hänsel genug Fleisch auf den Knochen hat, soll er im Backofen gebraten werden. Es gelingt Gretel jedoch, sich von der Kette zu befreien. Die Geschwister besiegen die Hexe gemeinsam und stoßen sie in den Backofen, so dass sie verbrennt. Hänsel und Gretel sehen ihre Eltern niemals wieder. Sie betätigen sich in den folgenden Jahren als Hexenjäger im ganzen Land und werden zu Helden. Ihre Siege über die Hexen verdanken die Geschwister nur teilweise ihrem umfangreichen Waffenarsenal. Dass sie immun gegen die Zauberkräfte von Hexen sind, trägt ebenfalls nicht unerheblich zu ihren Erfolgen bei. Hänsel hat allerdings eine Schwäche. Infolge der ihm von der Hexe aufgezwungenen einseitigen Diät ist er zum Diabetiker geworden und muss sich alle paar Stunden eine Medizin spritzen, sonst drohen ihm Zusammenbruch und Tod.

Viele Jahre später werden Hänsel und Gretel vom Augsburger Bürgermeister zu Hilfe gerufen, denn in Augsburg wurden elf Kinder von Hexen entführt. Hänsel und Gretel kommen dort an, als der machtgierige Amtsrichter Berringer gerade dabei ist, die angebliche Hexe Mina zum Tod auf dem Scheiterhaufen zu verurteilen. Nach kurzer Untersuchung stellt Hänsel fest, dass Mina keine Hexe ist. Berringer wird zurückgepfiffen und von Gretel gedemütigt, als er sich nicht fügen will. Er gibt keine Ruhe und heuert einige Männer an, die die Kinder vor den Hexenjägern finden sollen. Alle Männer bis auf einen werden von der Oberhexe Muriel getötet. Den letzten belegt sie mit einem Fluch und schickt ihn in die Stadt, wo er im Wirtshaus explodiert. Am nächsten Tag nehmen Hänsel und Gretel eine Gehilfin Muriels gefangen und verhören sie. Es wird klar, dass Muriel einen besonderen Hexensabbat plant, der demnächst in der Nacht des Blutmondes stattfinden soll. Zwölf Kinder sollen geopfert werden. Das zwölfte Kind wird soeben vom Troll Edward entführt, einem Diener der Hexen. Muriel und eine andere Gehilfin legen Feuer in der Stadt. Muriel greift Gretel an, wird aber abgelenkt, so dass der junge Ben (ein Fan der Hexenjäger) Gretel bei sich zu Hause verstecken kann. Hänsel vertreibt Muriels Gehilfin und hängt sich an deren Hexenbesen, stürzt aber über dem Wald ab.

Am nächsten Morgen versorgt Mina Hänsels Wunden. Die beiden verlieben sich ineinander. Als Gretel nach ihrem Bruder sucht, wird sie von Berringer und dessen Schergen im Wald abgefangen und zusammengeschlagen. Berringer hat zuvor bereits den Bürgermeister erschossen und die Hexenjäger öffentlich verantwortlich für die jüngsten Untaten der Hexen gemacht. Als sich Berringer anschickt, Gretel zu vergewaltigen, kommt Edward hinzu und tötet Gretels Peiniger. Der Troll bringt die Bewusstlose in Sicherheit und kehrt dann zu Muriel zurück. Hänsel und Gretel treffen sich in ihrem verlassenen Elternhaus. Sie entdecken eine darunter liegende Hexenhöhle. Muriel erscheint und beseitigt die letzten Unklarheiten. Sie erzählt, dass Adrianna, die Mutter der Geschwister, eine Weiße Großhexe war - eine gute Hexe, die sich in einen Bauern verliebt hatte. Muriel wollte den Blutmond-Hexensabbat damals schon durchführen, um ein Mittel herzustellen, das die Hexen für immer immun gegen Feuer macht. Dazu hätte sie allerdings außer zwölf Kindern noch das Herz einer Weißen Hexe benötigt, und Adrianna war zu mächtig für sie. Um sich stattdessen an Gretel vergreifen zu können, hatte Muriel die Stadtbewohner gegen Adrianna aufgehetzt. Es war Gretels Vater zwar noch gelungen, die Kinder im Wald zu verstecken, aber Adrianna wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt und ihr Mann wurde gehängt. Nachdem sie den Geschwistern diese Geschichte erzählt hat, sticht Muriel Hänsel nieder und entführt Gretel.

Erneut wird Hänsel von Mina gerettet. Auch sie ist eine Weiße Hexe. Sie hat in Adriannas Höhle ein Buch gefunden, in dem ein Zauberspruch steht, mit dem Waffen für den Kampf gegen Hexen geweiht werden können. Nachdem sie sich entsprechend ausgerüstet haben, unterbrechen Hänsel, Mina und Ben den gerade in Gang kommenden Hexensabbat. Edward steht ihnen bei, wird dann aber von Muriel in einen Abgrund geschleudert. Gretel und die Kinder werden gerettet, alle Hexen bis auf Muriel werden getötet. Gretel rettet Edwards Leben. Muriel flieht zum Lebkuchenhaus. Mina opfert sich, so dass Hänsel und Gretel die Oberhexe endlich vernichten können. Anschließend setzen die Geschwister zusammen mit Ben und Edward ihren Feldzug gegen die bösen Hexen in aller Herren Länder fort.

Kringels Meinung

Wieviel Zeit muss vergehen, bis man reale Gräueltaten der Vergangenheit in Witze umwandeln kann? Im Falle der Hexenverfolgungen, die ihren Höhepunkt im 17. Jahrhundert hatten, beträgt die Halbwertszeit anscheinend ungefähr 300 Jahre. Dennoch konnte ich mich bei diesem Film angesichts auf dem Scheiterhaufen brennender Hexen und einiger Sprüche Hänsels nach dem Motto "nur eine tote Hexe ist eine gute Hexe" eines unangenehmen Gefühls nicht erwehren, zumal gerade diese Momente nicht wirklich durch Selbstironie gebrochen werden. Akzeptieren wir also einfach, dass es gute (und schöne) Hexen gibt, in die man sich verlieben kann, während die Schwarzmagierinnen so unglaublich gemein sind, dass die innere Hässlichkeit quasi nach außen dringt, so dass man sie problemlos identifizieren und aufgrund ihrer schieren Bösartigkeit bedenkenlos verbrennen, köpfen, erschießen, erschlagen und in kleine Fetzen häckseln kann. Akzeptieren wir weiterhin, dass es sich bei diesem Film um sinnfreien, an moderne Sehgewohnheiten und den "Humor" von Hangover-Fans angepassten Fun-Splatter mit möglichst wenig Story / Figurenentwicklung und das geringste Bisschen Anspruch, Tiefgang oder Spannung handelt. Aber selbst dann fällt es mir immer noch schwer, über die platten Gags, das aufgesetzt-coole Gelaber, die übertriebenen Martial-Arts-Kloppereien und andere peinliche Albernheiten hinwegzusehen, von der Vulgärsprache und anachronistischen Anglizismen ganz zu schweigen. Andere Anachronismen wie etwa das leicht steampunkige Waffenarsenal der Hexenjäger stören dann schon gar nicht mehr.

Dabei macht der Film auf einer primitiven Ebene durchaus eine zeitlang Spaß. Und er ist viel unterhaltsamer als Brothers Grimm. Die Grundidee, dass Hänsel und Gretel ihr aus Grimms Märchen bekanntes Kindheitstrauma mit einem gnadenlosen Feldzug gegen die Hexen überkompensieren, ist schonmal originell. Der Prolog mit dem außen farbenfrohen und innen gar nicht mehr so schönen Lebkuchenhaus hat mir ebenfalls gefallen. So düster und beunruhigend wird der Film später nur noch selten, obwohl mit Blut, Eingeweiden und interessanten Toden nicht gegeizt wird. Das abwechslungsreiche Hexen-Design ist wirklich sehr gut gelungen und der Troll Edward ist für mich ein besonderer Lichtblick. Es handelt sich nicht um eine CGI-Figur, sondern um eine Mischung aus Mann im Anzug, Maske und Animatronic. Es ist schon erstaunlich, wie viel Gefühl dieser Haufen Gummi zum Ausdruck bringen kann! Die Schauwerte sind also OK. An stoische Actionhelden, die selbst nach schwersten Verletzungen im Handumdrehen wieder kampfbereit sind, in Sachen Mimik aber nicht einmal dem Troll das Wasser reichen können, habe ich mich längst gewöhnt - es geht also in Ordnung, dass Jeremy Renner ständig nur den wortkarg-knurrigen Hexen-Terminator gibt, während Gemma Arterton als Kampf-Amazone mit Schmollmund und tiefem Dekollete hauptsächlich was für die Augen ist. Im krassen - aber gar nicht so unpassenden - Gegensatz dazu steht das hemmungslose Over-acting der drei Haupt-Hexen. Die effektvoll in Szene gesetzte Hexen-Schnetzelei ist für einen spaßigen Abend ausreichend. Aber musste die Story derart belanglos und vorhersehbar sein? Mussten die Actionszenen gleich zu Anfang so sehr in die Länge gezogen werden, dass sich a) eine Spannungskurve gar nicht erst aufbauen kann und b) der Showdown im Vergleich fast schon wieder unspektakulär wirkt?

Der Extended Cut ist knapp zehn Minuten länger als die Kinoversion und deutlich brutaler, so dass ich mich einmal mehr über die FSK-16-Freigabe wundere. Die Kämpfe sind noch länger und blutiger, ein Kind wird getötet und zu Eintopf verarbeitet - das ist ganz schön starker Tobak, auch wenn die eigentliche Tötung nicht zu sehen ist. Die Ermordung des Bürgermeisters und Gretels beinahe-Vergewaltigung kommen ebenfalls nur im Extended Cut vor. Diese Szenen verleihen dem Film eine Grimmigkeit (pun intended), von der er noch mehr hätte vertragen können.

Blu-ray-Features

Das Bonusmaterial bietet nur wenig mehr als die übliche kaum aussagekräftige Mischung aus Interviewfitzelchen, Filmausschnitten und ein bisschen Hinter-den-Szenen-Material. Man lobt sich gegenseitig, die Handlung wird nacherzählt, das war's. Immerhin kann man verfolgen, wie das Hexen-Design entworfen und in Masken mit unterschiedlichem Detailgrad umgesetzt wurde, und wie Derek Mears im riesigen Edward-Ganzkörperanzug und unter der komplizierten Steuerungsmechanik / -elektronik verschwindet.


J. Kreis, 08.01.2014




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