Der goldene Kompass


Der Goldene Kompass (USA/GB, 2007)
- The golden Compass -

DVD Regionalcode 2, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 109 Minuten

Extras
- Audiokommentar des Regisseurs

Regie:
Chris Weitz

Hauptdarsteller:
Dakota Blue Richards (Lyra Belacqua)
Nicole Kidman (Marisa Coulter)
Daniel Craig (Lord Asriel)
Ben Walker (Roger Parslow)
Jim Carter (John Faa)
Eva Green (Serafina Pekkala)
Sam Elliott (Lee Scoresby)
Clare Higgins (Ma Costa)
Charlie Rowe (Billy Costa)
Simon McBurney (Fra Pavel)
Tom Courtenay (Farder Coram)
Jack Shepherd (Rektor)
Ian McKellen (Stimme von Iorek Byrnison)




Inhalt:

In einer Parallelwelt, die der unseren sehr ähnlich, aber doch ganz anders ist, leben die zwölfjährige Lyra Belacqua und ihr Daemon Pantalaimon. Alle Menschen dieser Welt haben einen solchen Begleiter - ein intelligentes, sprechendes Wesen in Tiergestalt, das seine Form wandeln kann und als Sitz der Seele des Menschen gilt. Die Bindung zwischen Mensch und Daemon ist inniger als die von Liebenden und die Berührung eines fremden Daemon ist tabu. Mensch und Daemon sind verschiedene Ausprägungen ein und derselben Person. Was der Daemon empfindet, fühlt auch der Mensch, und der Daemon spiegelt den Charakter des Menschen wider. Eine Trennung wird für unmöglich gehalten - doch genau das ist das Ziel der General-Oblations-Behörde (GOB), einer von Marisa Coulter geleiteten Organisation, die zum mächtigen Magisterium gehört. Letzteres ist ein Konglomerat der verschiedensten Behörden und Institutionen, das aus der abgeschafften katholischen Kirche hervorgegangen ist. Die Erforschung des "Staubes" - unsichtbare Elementarteilchen, die sich vor allem um Erwachsene herum konzentrieren und deshalb vom Magisterium als Ausdruck der Erbsünde betrachtet werden - ist das wichtigste Ziel der GOB, und da Kinder vor der Pubertät fast keinen Staub anziehen, entführt Mrs. Coulter immer wieder insgeheim Kinder in die polare Forschungsstation Bolvangar, um sie für grausame Experimente zu missbrauchen. Um herauszufinden, warum die Daemonen beim Eintritt ihres Menschen in die Pubertät die Fähigkeit der Gestaltwandlung verlieren, sollen sie von ihren Daemonen getrennt werden - alles angeblich zum Wohl der Kinder. In Wahrheit will das Magisterium auf diese Weise seine Herrschaft festigen. Der Wissenschaftler Lord Asriel, den Lyra für ihren Onkel und einzigen lebenden Verwandten hält, ist Mrs. Coulters schärfster Gegenspieler. Auch er konzentriert seine Forschungen ganz auf den "Staub", denn er ist davon überzeugt, mit Hilfe dieser Elementarteilchen müsse es möglich sein, andere Welten zu erreichen. Dafür interessiert sich auch das Magisterium, denn so könnte es seine Herrschaft auf zahlreiche Welten ausdehnen.

Von alldem ahnt Lyra freilich nichts. Sie führt ein unbeschwertes Leben in Oxford, wo sie von den Professoren des Jordan College, die sie als Waise aufgenommen haben, betreut wird. Das unerklärliche Verschwinden von Kindern, für das man die geheimnisvollen "Gobbler" verantwortlich macht, sorgt zunächst nur für eher wohliges Gruseln. Doch eines Tages beobachtet Lyra, wie Fra Pavel, ein Abgesandter des Magisteriums, Lord Asriel zu vergiften versucht. Sie warnt ihren Onkel und darf deshalb heimlich beobachten, wie der Lord dem Kollegium seine neuesten Erkenntnisse über den "Staub" präsentiert, die er hoch im Norden gewonnen hat, um Mittel für weitere Forschungen lockerzumachen. Lyra ist fasziniert von diesem Thema. Als einige Zeit später Mrs. Coulter in Oxford erscheint, um das Mädchen als persönliche Assistentin mit nach Norden zu nehmen, ist Lyra nur zu gern bereit, ihr zu folgen. Dass ihr bester Freund Roger Parslow, ein Küchenjunge am College, kurz zuvor zusammen mit ihrem Spielkameraden Billy Costa von den Gobblern entführt wurde, geht in der Aufregung zunächst unter. Zum Abschied überreicht der Rektor Lyra das letzte Alethiometer, ein wie ein goldener Kompass geformtes Instrument, das alle möglichen Fragen beantworten kann - wenn man weiß, wie man es zu lesen hat. Lyra bewundert ihre schöne, elegante und weltgewandte Gönnerin, merkt aber schon bald, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Lyra erfährt, dass Mrs. Coulter das Oberhaupt der Gobbler ist und hinter der Entführung Rogers, Billys und vieler anderer Kinder steckt. Als Mrs. Coulters Daemon das Alethiometer zu stehlen versucht, fliehen Lyra und Pantalaimon. Sie werden von der Polizei gefangen, gleich darauf aber von den Gyptern befreit.

Diese frei lebenden Seefahrer hatten besonders unter den Übergriffen der Gobbler zu leiden (auch Billy Costa ist ein Gypter), haben insgeheim über Lyra gewacht und sind bereits dabei, eine Rettungsexpedition zu starten. Ihr Anführer John Faa und der weise Farder Coram nehmen Lyra bei sich auf. Sie darf die Gypter begleiten, und da sie während der Schiffsreise das Alethiometer zu lesen lernt, wird sie zu einem wertvollen Mitglied der Expedition. Unterwegs wird Lyra von Serafina Pekkala aufgesucht, einer Hexenkönigin, die Lyra darüber informiert, wo die Kinder gefangen gehalten werden. Es gibt eine uralte Prophezeiung der Hexen über ein Mädchen, das eine Schlüsselrolle in einem kommenden Krieg zu spielen hat, und als Lyra beweist, dass sie das Alethiometer lesen kann, ist Serafina davon überzeugt, dass sie das prophezeite Kind ist. Spione in Gestalt mechanischer Insekten verfolgen Lyra. Einen kann Farder Coram schnappen und in einer versiegelten Dose einsperren, der andere entkommt. Nachdem das Schiff der Gypter vor Anker gegangen ist, lernt Lyra den Luftschiffer Lee Scoresby kennen, der ihre Aufmerksamkeit auf den riesigen Eisbären Iorek Byrnison lenkt. Byrnison wurde von seinem Panzerbären-Clan verbannt, denn er ist von Ragnar Sturlusson, seinem Rivalen um die Königswürde, im Zweikampf geschlagen worden. Seitdem ertränkt Iorek seinen Kummer in Whisky, und deshalb ist es den Menschen gelungen, seinen Panzer zu stehlen, ohne den er nicht kämpfen kann. Mit dem Alethiometer findet Lyra heraus, wo die Rüstung versteckt ist. Sie verrät dies dem Bären, der sich daraufhin befreit und in ihre Dienste tritt. Auch Scoresby, in Wahrheit ein alter Freund Ioreks, schließt sich den Gyptern an, die nun weiter nach Norden ins Land der Samojeden wandern.

Dort findet Lyra Billy Costa. Der Junge wurde von seinem Daemon getrennt und ist nur noch ein Schatten seiner selbst. In derselben Nacht greifen die Samojeden an, entführen Lyra und bringen sie als Geschenk nach Svalbard zu Ragnar Sturlusson. Lyra weiß, dass sich der Bärenkönig nichts sehnlicher wünscht als einen Daemon. Sie behauptet, sie selbst sei Iorek in Bolvangar als Daemon verliehen worden, wäre aber lieber Ragnars Daemon. Dazu könne es nur kommen, wenn Ragnar Iorek im Zweikampf besiege. So verhindert sie, dass Iorek, der ihr erwartungsgemäß folgt, sofort getötet wird. Iorek will dem Usurpator endlich im fairen Kampf gegenübertreten - Ragnar hatte Iorek seinerzeit durch Gift geschwächt. Iorek ist siegreich, wird neuer König und trägt Lyra anschließend nach Bolvangar. Sie muss das letzte Stück Weg allein zurücklegen und behauptet in der Station, sie habe sich verlaufen. Sie findet Roger und belauscht ein Gespräch, dem zufolge Lord Asriel vom Magisterium gefangen genommen wurde und demnächst hingerichtet werden soll. Lyra gerät in größte Gefahr, denn sie wird entdeckt und in die Interzisionskammer gesteckt. Pantalaimon soll von ihr getrennt werden. Mrs. Coulter, die inzwischen mit ihrem Zeppelin eingetroffen ist, kann dies in letzter Sekunde verhindern. Lyra erfährt, dass sie die illegitime Tochter von Mrs. Coulter und Lord Asriel ist. Mrs. Coulter fordert die Herausgabe des Alethiometers. Lyra schlägt sie mit ihren eigenen Waffen, indem sie ihr die Dose mit dem Insektenspion überreicht: Durch einen Giftstich des befreiten Geräts wird Mrs. Coulter außer Gefecht gesetzt.

Lyra zerstört die Interzisionskammer und befreit alle Kinder aus der explodierenden Station. Draußen warten bereits tatarische Söldner, die dem Magisterium als Wächter Bolvangars dienen. Doch diese werden von Iorek, Scoresby, Serafina Pekkalas Hexen sowie den Gyptern angegriffen und aufgerieben. Die Gypter kehren mit ihren Kindern zurück in die Heimat. Lyra, Roger und Iorek reisen mit Scoresbys Luftschiff zurück nach Svalbard, um Lord Asriel zu befreien...

Der Film:

...und damit endet der Film. Aber das ist nicht das Ende des gleichnamigen Romans von Philip Pullman, auf dem der Film basiert. Wer den Roman noch nicht kennt und sich den Spaß nicht verderben möchte, der sollte jetzt bis zum Ende dieses Absatzes nicht weiterlesen. Der Roman endet damit, dass Lyra ihren Vater tatsächlich befreit, von diesem aber betrogen wird. Sie erkennt, dass er im Grunde genauso fanatisch ist wie Mrs. Coulter und ebenso wie sie bereit ist, über Leichen zu gehen. Um ein Tor zu den alternativen Welten zu öffnen, die es tatsächlich gibt, benötigt er nämlich nicht (wie Lyra denkt) das Alethiometer, sondern eine besonders starke Energiequelle. Und es gibt keine stärkere Energie als die, die freigesetzt wird, wenn ein Kind von seinem Daemon getrennt wird. Also entführt Lord Asriel Roger, den er ironischerweise ohne Lyras Hilfe gar nicht in die Finger bekommen hätte, trennt ihn von seinem Daemon und verschwindet durch das sich daraufhin öffnende Tor in eine andere Welt. Mrs. Coulter, offensichtlich noch immer emotional mit Lord Asriel verbunden, ist bei dem Experiment zugegen und soll ihn begleiten, schlägt dieses Angebot aber aus. Lyra folgt ihm nach Rogers Tod, denn sie vermutet, dass der Staub etwas Gutes sein muss und gerettet werden sollte.

Möglicherweise waren Drehuchautor, Regisseur oder wer auch immer der Meinung, das sei ein zu düsteres Ende für den Film, jedenfalls wurden all diese Ereignisse einfach weggelassen. Sowohl der Film als auch der Roman enden mit einem Cliffhanger, aber wenigstens werden im Roman ganz im Gegensatz zum Film die wichtigsten Handlungsfäden zu einem vernünftigen Ende gebracht. Beim Ende des Films dagegen fühlt man sich leicht veräppelt und kann nicht glauben, dass das schon alles gewesen sein soll, auch wenn das Ende optimistischer ausfällt als das des Romans. Auch sonst weicht der Film in vielen Punkten von der Romanvorlage ab. Die Reihenfolge vieler Ereignisse wurde verändert und es treten Personen auf, die es im Roman nicht gibt (u.a. Fra Pavel) bzw. es werden Personen vertauscht (nicht Billy Costa verliert seinen Daemon, sondern ein anderes Kind usw.). Ragnar Sturlusson heißt Iofur Raknison, und Iorek Byrnison wurde nicht etwa verbannt, weil er von Ragnar bzw. Iofur im Kampf besiegt wurde, sondern weil er infolge einer Intrige Iofurs einen anderen Bären im Zweikampf getötet hat, was streng verboten ist. Das sind nur ein paar Beispiele, ich könnte noch weit mehr aufzählen.

Das im Vergleich zum Roman unbefriedigende Ende und die anderen Veränderungen können aber nicht der Grund dafür sein, warum mir der Film damals, als ich ihn erstmals im Kino gesehen habe, nicht wirklich gefallen hat. Damals kannte ich das Buch nämlich noch gar nicht, ich habe es erst neulich gelesen. An der Optik liegt's auch nicht, denn beeindruckende Gebäude (toll: das fiktive London), eigenartige Maschinen und Fahrzeuge (genial: das Luftschiff und die Kutsche), schöne Landschaftsaufnahmen, meist recht gut geratene CGI-Daemonen, -Bären und -Sets, prächtige Kostüme sowie die herrlich detailreiche Ausstattung erfreuen das Auge. Das Zusammenspiel von Mensch und Daemon wurde überzeugend umgesetzt, wenn man auch sagen muss, dass manche Computergrafiken aus heutiger Sicht veraltet wirken. Immerhin: Die interessante Steampunk-Atmosphäre des Romans, bei dem sich High-Tech und Low-Tech auf faszinierende Weise vermischen, wird gut vermittelt. Action und Kämpfe gibt's zuhauf, die Musik ist nett... Die Schauspieler sind ebensowenig Schuld daran, denn bessere Besetzungen als Daniel Craig für den ebenso beeindruckenden wie undurchsichtigen Lord Asriel oder Nicole Kidman für die schöne, aber unterkühlte und harte Mrs. Coulter kann man sich kaum vorstellen. Selbst Lyra ist eigentlich gut besetzt, wenn ich mir auch noch etwas mehr Frechheit und Pfiffigkeit gewünscht hätte. Eine Fehlbesetzung dieser Rolle wäre wirklich katastrophal gewesen, denn Lyra ist das Herz der Geschichte. Aber Dakota Blue Richards macht ihre Sache wirklich gut.

Ich glaube, es liegt einfach daran, dass der Film viel zu kurz ist. Wenn man den Roman nicht kennt, bleibt man sowohl von den meisten Personen als auch von dem recht komplexen Geflecht aus Intrigen, Religion und machtpolitischen Interessen, das im Film nur angedeutet wird, eher unberührt. John Faa und Serafina Pekkala sind im Film zum Beispiel nur Randfiguren, während sie im Roman zu den interessantesten Charakteren gehören. Mir scheint, der Regisseur wollte zuviel erreichen: Die Fans des Buches zufriedenstellen und gleichzeitig eine Geschichte erzählen, die auch für all jene geeignet ist, die den Roman nicht kennen. Deshalb wird vieles zwar angesprochen, aber nicht richtig ausgearbeitet. So nett die Action auch sein mag; gegenüber der Story und der Charakterentwicklung nimmt sie so breiten Raum ein, dass der Mittelteil des Films nach einer relativ starken Einführungsphase deutlich abflacht. Irgendwie wird man nicht richtig warm mit dem Film, seinen Hauptfiguren und der Story. Man ahnt, dass es tiefere Bedeutungen geben müsste, aber der Film lotet sie im Gegensatz zum Roman nicht aus. Kennt man den Roman jedoch, dann funktioniert der Film erheblich besser. Dann weiß man, wer all die Personen sind, die da auftreten, und kann eher einen Bezug zu ihnen herstellen.

Was bleibt? Ein visuell beeindruckender Film ohne großen Tiefgang, der den unkundigen Zuschauer etwas ratlos zurücklässt, aber auch Kenner des Romans nicht wirklich begeistern kann, da dessen Komplexität nicht erreicht wird. Für das ziemlich abrupte Ende wird es wohl niemals eine Fortsetzung geben, da der Film gefloppt ist. Da bleibt nur die ohnehin weit bessere Alternative: Band zwei und drei der Trilogie lesen!

DVD-Features:

Auf der DVD-Hülle steht, zum Bonusmaterial gehöre auch der US-Kinotrailer. Ein Trailer ist zwar vorhanden, aber nicht der zu "Der Goldene Kompass", sondern der zur 2008'er Version des Films "Reise zum Mittelpunkt der Erde". Einziges Extra ist somit der Audiokommentar des Regisseurs, und den habe ich mir noch nicht zu Gemüte geführt.


Screenshots


Der Goldene Kompass

Lyra und ihr Daemon Pantalaimon.


Der Goldene Kompass

Was mag Lord Asriel wohl aushecken?


Der Goldene Kompass

Lyra und Mrs. Coulter - ein Herz und eine Seele. Noch.


Der Goldene Kompass

Mrs. Coulters Luftschiff vor Jordan College.


Der Goldene Kompass

London in Lyras Welt.


Der Goldene Kompass

Das Alethiometer.


Der Goldene Kompass

Ragnar Sturlusson in voller Kampfrüstung.


Der Goldene Kompass

Lyra und Pan in der Interzisionskammer.


Der Goldene Kompass

Mit tatarischen Soldaten sollte man sich nicht anlegen...


Der Goldene Kompass

...es sei denn, man hat einen Panzerbären wie Iorek Byrnison zum Freund!


J. Kreis, 13.01.2011




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