The Girl with All the Gifts


The Girl with All the Gifts (USA/GB, 2016)

Blu-ray, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 112 Minuten

Extras:
- Behind the Scenes (19:53 Min.)
- Interviews mit Cast & Crew (79:22 Min.)
- Teaser und Trailer

Regie:
Colm McCarthy

Hauptdarsteller:
Sennia Nanua (Melanie)
Gemma Arterton (Helen Justineau)
Glenn Close (Dr. Caroline Caldwell)
Paddy Considine (Eddie Parks)




Story

Der Pilz Ophiocordyceps unilateralis befällt normalerweise nur Ameisen. Er übernimmt ihr Nervensystem, steuert ihr Verhalten und tötet sie letztlich, woraufhin Sporenkapseln aus ihren Körpern wachsen. Eine mutierte Form des Pilzes verwandelt Menschen in aggressive Bestien, die alles fressen, was ihnen über den Weg läuft. Man nennt sie deshalb "Hungries". Die Infizierten neigen dazu, sich zusammenzurotten. Sie reagieren hauptsächlich auf Gerüche und laute Geräusche. Fehlen diese Reize, so verfallen die Hungries in eine Art Lethargie. Im letzten Stadium wächst der Pilz aus dem Körper des Opfers heraus. Kommen genug Infizierte zusammen, so bilden sich gewaltige Pilzgeflechte mit straußeneigroßen Sporenkapseln, die bei großen Temperaturschwankungen aufplatzen und ihren tödlichen Inhalt in der Luft verstreuen. Soweit ist es bisher nicht gekommen. Noch erfolgt die Übertragung nur über Körperflüssigkeiten, zum Beispiel durch Bisse. Nach und nach wird die ganze Welt von den Hungries überrannt.

Dr. Caroline Caldwell arbeitet in einer Militärbasis an der Entwicklung eines Gegenmittels. Ihr stehen Hungries der zweiten Generation als Forschungsobjekte zur Verfügung. Es sind Kinder, die im Mutterleib über die Plazenta mit dem Pilz infiziert wurden. Im Gegensatz zu den Hungries der ersten Generation sind sie keine hirnlosen Fleischfresser, sondern ganz normale Kinder - jedenfalls solange, bis sie Beute riechen und vom Hunger übermannt werden. Aus diesem Grund müssen sich die Menschen mit Gel einreiben, welches den Körpergeruch blockiert. Die Kinder werden in kleinen Zellen gehalten und streng bewacht. Caldwell und das von Sergeant Eddie Parks geleitete militärische Personal betrachten die Kinder nicht als menschliche Wesen, sondern als gefährliche Versuchsobjekte. Nur Helen Justineau, die die Kinder unterrichtet, baut eine persönliche Beziehung zu ihnen auf, insbesondere zu einem hochbegabten Mädchen namens Melanie. Caldwell glaubt kurz vor dem Durchbruch zu stehen. Zu diesem Zweck soll Melanie viviseziert werden. Helen schreitet ein, wird aber überwältigt und abgeführt.

Kurz bevor Caldwell den Eingriff vornehmen kann, dringen Hungries in die Basis ein und metzeln die Menschen nieder. Melanie kann sich befreien. Sie tötet zwei Soldaten, um Helen vor den Hungries zu retten. Letztlich entkommen nur Caldwell, Parks, Helen und zwei Soldaten mit einem LKW. Sie nehmen Melanie mit, denn sie ist die letzte Hoffnung zur Rettung der Menschheit. Bei einem Hungries-Angriff stirbt einer der Soldaten und das Fahrzeug wird beschädigt, so dass die Überlebenden zu Fuß weitergehen müssen. Ihr Ziel ist London, wo sich eine weitere Militärbasis befindet. Diese meldet sich allerdings nicht per Funk. In der vor Hungries wimmelnden Stadt erweist sich Melanie als wertvolle Helferin. Sie wird von den Infizierten ignoriert und kann sie ablenken, so dass die Menschen ungefährdet weitermarschieren können. Sie stoßen auf ein gepanzertes mobiles Labor, das zwar verlassen, aber voll funktionsfähig ist. Melanie entdeckt eine Gruppe verwilderter Kinder, bei denen es sich ebenfalls um Hungries der zweiten Generation handelt. Die Kinder locken den zweiten Soldaten in eine Falle und zerfleischen ihn. Auch Helen und Parks geraten in Gefahr. Melanie tötet den Anführer der Kinder und bringt ihre Freunde in Sicherheit.

Caldwell setzt Helen und Parks mit Betäubungsgas außer Gefecht, denn ihr ist klar, dass die beiden nicht tolerieren würden, was sie vorhat. Sie will Melanies pilzumwobenes Gehirn und Rückenmark entfernen, um einen Impfstoff daraus zu synthetisieren. Melanie ist zunächst bereit, sich zu opfern, um ihre Freunde zu retten. Doch dann gesteht Caldwell, dass sie die infizierten Kinder nicht mehr für lebensunwertes Versuchsmaterial betrachtet. Warum, so folgert Melanie, sollte sie sterben, damit die Menschen weiterleben können? Sie verlässt das Labor und geht zum komplett von Pilzgeflecht überwucherten BT Tower. Caldwell verfolgt das Mädchen, wird von den Kindern umzingelt und getötet. Melanie setzt das Pilzgeflecht in Brand, so dass die Sporenkapseln platzen. Die Sporen werden jetzt auch durch die Luft übertragen. Parks ist wieder zu sich gekommen und Melanie gefolgt. Er hat sich infiziert, will aber nicht enden wie die Hungries und bittet Melanie, ihn zu erschießen. Sie gewährt ihm diesen Wunsch. Helen kann das Labor nicht mehr verlassen. Zumindest ist sie dort vor den Sporen geschützt. Melanie holt die anderen Kinder aus der Militärbasis und schart diese sowie die verwilderten Kinder um sich. Sie werden von Helen über Lautsprecher unterrichtet. Die Welt gehört nun den Hungries der zweiten Generation, die in Symbiose mit dem Pilz leben.


Kringels Meinung

Den Pilz Ophiocordyceps unilateralis gibt es wirklich. Was der mit seinen Opfern anstellt ist ganz schön gruselig - siehe Wikipedia! Sogar das Aussehen der Samenkapseln und die Sache mit der Zusammenballung toter Wirte stimmt. Dem Wikipedia-Artikel zufolge enthält der Pilz Substanzen, die unter anderem zur Tumorbehandlung eingesetzt werden könnten. Im Film wird nichts zum Ursprung der mutierten Form des Pilzes gesagt, aber wenn man die realweltlichen Anwendungsmöglichkeiten berücksichtigt, könnte man annehmen, dass sich die Menschheit die Katastrophe selbst zuzuschreiben hat. Vielleicht wurde ja zu Optimierungszwecken an der DNS des Pilzes herumgepfuscht. Derselbe Pilz oder vielmehr das, was er aus den Menschen macht, steht auch im Mittelpunkt der Story des Spiels The Last of Us aus dem Jahre 2013. Darin geht es ebenfalls um ein immunes Kind, das zur letzten Hoffnung der Menschheit wird und zu Forschungszwecken geopfert werden soll, womit eine andere (im Spiel männliche) Hauptfigur nicht einverstanden ist. Diese Hauptfigur und das Kind durchwandern die vor Infizierten wimmelnden Ruinen der am Rande der Auslöschung stehenden Zivilisation. Man könnte also sagen, dass die Geschichte des Films beziehungsweise des zugrunde liegenden, mir nur aus der Wikipedia bekannten Romans (erschienen 2014) fast vollständig vom Spiel abgekupfert wurde.

Auch sonst unterscheidet sich "The Girl with All the Gifts" kaum von anderen Genrefilmen. Gemeint sind natürlich Zombiefilme. Denn die Infizierten mögen nicht so genannt werden, sind aber nichts anderes als Zombies. Sie breiten sich in kurzer Zeit über die ganze Welt aus, bringen die menschliche Zivilisation zum Zusammenbruch und überrennen schließlich auch ein Refugium, in dem an einem Gegenmittel geforscht wird. Eine kleine Gruppe von Überlebenden marschiert durch die von der Natur zurückeroberten verlassenen Städte, immer bedroht von den Infizierten. Das klingt alles sehr bekannt, nicht wahr? Auch was den Look der Infzizierten, den Kampf gegen sie, die Gestaltung der postapokalyptischen Welt und so weiter angeht, bietet "The Girl with All the Gifts" im Grunde nichts Neues. Fast identische Szenarien habe ich schon unzählige Male (und teils besser) gesehen.

Warum ist der Film dennoch sehenswert? Ganz einfach: Wegen Melanie. Der Film beginnt damit, dass sie in ihrer Zelle an einen Rollstuhl gefesselt wird und das ganz vergnügt über sich ergehen lässt. Zuvorkommend bereitet sie die Prozedur sogar selbst vor, damit die Soldaten es leichter haben. Lächelnd wünscht sie den mit Sturmgewehren auf sie zielenden grimmig dreinblickenden Männern einen guten Morgen. Melanie kennt nichts anderes, mit dieser Routine ist sie aufgewachsen. Sie und die anderen Kinder in Justineaus Klasse sind artig, nett und niedlich. Man versteht nicht, warum sie so scharf bewacht werden, warum alle Angst vor ihnen haben. Doch dann wird gezeigt, was diese Kinder wirklich sind, nämlich tödliche Bestien. Auch Melanie ist ein solches Monster, aber das ist ihr überhaupt nicht bewusst. Sie vergöttert Justineau und wickelt nach und nach selbst den zu Beginn so abweisenden Captain Parks um den Finger. Umso erschreckender wirkt es, wenn die andere Seite des intelligenten, freundlichen, liebenswerten Mädchens zum Vorschein kommt. Wenn Melanie Hunger hat, wird auch schonmal eine niedliche Katze verspeist! Diese faszinierende, ambivalente und von Sennia Nanua perfekt verkörperte Figur ist das Alleinstellungsmerkmal des Films. Man kann ihr nicht einmal böse sein, als sie die endgültige Vernichtung der Menschheit einleitet ...


Extras

Teile der Interviews sind bereits in der Behind-the-Scenes-Featurette enthalten. Letztere bietet lediglich die übliche Mischung aus Filmausschnitten, besagten Interviews und ein wenige Material von den Dreharbeiten. Als Filmdoku kann man das nicht bezeichnen. Auch die Interviews sind nicht besonders aussagekräftig. Die Handlung wird nacherzählt, die Figuren werden beschrieben und man lobt sich gegenseitig. Das mag berechtigt sein, ist für den Zuschauer, der gern mehr über die Entstehung des Films erfahren möchte, jedoch vollkommen uninteressant. Immerhin ist zu erfahren, dass Glenn Closes Schwägerin Hardcore-Zombie-Fan ist und eine Statistenrolle in diesem Film hat. Man sieht, wie sie mit einer Infizierten-Maske ausgestattet wird. Das Interview mit Sennia Nanua sticht hier angenehm heraus. Die Kleine albert mit einer anderen jugenlichen Darstellerin herum, die eines der wilden Kinder spielt.


J. Kreis, 15.03.2018




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme