Ghost in the Shell


Ghost in the Shell (USA, 2017)

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 107 Minuten

Extras:
- Verkabelte Menschheit: Das Making of von Ghost in the Shell (30:04 Min.)
- Sektion 9: Cyber-Verteidiger (11:29 Min.)
- Mensch & Maschine: Die Geist-Philosophie (10:36 Min.)

Regie:
Rupert Sanders

Hauptdarsteller:
Scarlett Johansson (Major Mira Killian / Motoko Kusanagi)
Pilou Asbaek (Batou)
Michael Pitt (Kuze / Hideo)
Takeshi Kitano (Daisuke Aramaki)
Juliette Binoche (Dr. Ouelet)
Peter Ferdinando (Cutter)




Story

Die Aufrüstung des menschlichen Körpers durch künstliche Bestandteile ist zur Alltäglichkeit geworden. Augen mit Zoomfunktion und Nachtsicht, kybernetische innere Organe, Robot-Prothesen und dergleichen sind ebenso selbstverständlich wie Direktschnittstellen zwischen Gehirn und Computer. Dr. Ouelet und andere Wissenschaftler des mächtigen Konzerns Hanka Robotics arbeiten an der Weiterentwicklung dieser Technik. Ziel ihres Geheimprojekts 2571 ist die Verpflanzung eines lebenden Gehirns in einen vollrobotischen Körper. Die Kombination menschlicher Intelligenz und Kreativität mit der Kraft der Maschine wäre für das Militär von unschätzbarem Vorteil. Entsprechende Versuchspersonen erhalten die Forscher vom Konzernchef Cutter. Sie fragen nicht nach der Herkunft der Körper. Bei einer jungen Frau namens Mira Killian verläuft der Prozess erfolgreich. Mira ist die einzige Überlebende eines Angriffs von Cyberterroristen, bei dem auch ihre Eltern ums Leben gekommen sind. Ihr Körper, so erfährt Mira, war nicht zu retten. Ihr Geist ist intakt geblieben, doch er steckt nun in einer humanoiden Hülle aus Metall und Kunststoff. Sie muss regelmäßig Medikamente nehmen, durch die eine Abstoßungsreaktion verhindert wird. Mira ist immer noch sie selbst, kann sich aber nur an wenige Fragmente ihrer Vergangenheit erinnern.

Ein Jahr nach der Operation beherrscht Mira ihren extrem agilen und starken Robotkörper perfekt. Sie wird zur besten Kämpferin der zum Verteidigungsministerium gehörenden Antiterror-Spezialeinheit Sektion 9. Mit ihren Kameraden, insbesondere dem Elitesoldaten Batou, ist sie gut befreundet, dennoch hat sie immer das Gefühl, dass es etwas Trennendes zwischen ihr und den Menschen gibt. Manchmal hat sie Fehlfunktionen, die sich in Halluzinationen äußern und von Ouelet gelöscht werden müssen. Mira hat sich geschworen, die Cyberterroristen zu vernichten, die für ihr Schicksal und den Tod ihrer Eltern verantwortlich sind. Deshalb geht sie große Risiken ein, als der Cyberterrorist Kuze innerhalb weniger Tage mehrere Hanka-Wissenschaftler tötet, wobei er unter anderem umprogrammierte Roboter einsetzt. Um Kuze aufzuspüren, klinkt sich Mira in die CPU eines von ihm gehackten Geisha-Roboters ein. Sie fällt beinahe einem Abwehrmechanismus zum Opfer, findet aber eine Spur, die zu einem Yakuza-Nachtclub führt. Dort tappen die Agenten von Sektion 9 in eine Falle. Miras Robotkörper wird übel zugerichtet, Batou verliert das Augenlicht. Nachdem beide wiederhergestellt sind, verübt Kuze einen weiteren Anschlag und es wird klar, dass Ouelet sein nächstes Opfer werden soll. Mira und ihre Kameraden treffen rechtzeitig ein, um die Ärztin zu retten. Mira nimmt einen Attentäter gefangen. Es stellt sich heraus, dass Kuze Menschen wie ihn über Implantate fernsteuern kann.

Die Fernsteuerungsimpulse werden bis zur Quelle zurückverfolgt. Dort befindet sich Kuzes Versteck. Sektion 9 greift an. Mira findet heraus, dass Kuze unzählige Menschen zu einem eigenen Netzwerk verbunden hat, wird dann aber überwältigt. Schließlich steht sie Kuze gegenüber und erkennt, dass sie keineswegs die erste ihrer Art ist. Kuze ist ihr Vorläufer und sollte getötet werden, weil die Verbindung zwischen Gehirn und Robotkörper nicht richtig funktioniert hat. Mira lässt Kuze entkommen. Anschließend stellt sie Ouelet zur Rede. Die Ärztin gibt zu, dass es vor Mira 98 Fehlversuche gegeben hat und dass Miras Erinnerungen gefälscht sind. Mira weiß nun, dass das angeblich zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen eingesetzte Medikament in Wahrheit zur Unterdrückung ihrer Erinnerungen dient. Cutter ordnet ihre Vernichtung an, denn sie hat sich als unkontrollierbar erwiesen. Ouelet ermöglicht Mira die Flucht und wird daraufhin von Cutter erschossen. Der Mord wird Mira angelastet. Einem Hinweis Ouelets folgend findet Mira endlich heraus, wer sie wirklich ist. Ihr wahrer Name lautet Motoko Kusanagi. Sie war Mitglied einer Gruppe von gesetzlosen Ausreißern, die sich in einem alten Tempel versteckt gehalten haben. Dieses Gebäude steht im Zentrum von Miras Halluzinationen; es ist der letzte Anblick, an den sie sich erinnern kann. Hanka-Einsatzkräfte haben die Ausreißer damals gefangen genommen, damit sie als Testsubjekte für Projekt 2571 missbraucht werden konnten. Motokos Mutter lebt noch. Man hat ihr erzählt, ihre Tochter sei festgenommen worden und habe Selbstmord begangen.

Cutter will, dass Mira eliminiert wird. Ihre Kameraden von Sektion 9 sowie ihr Chef Daisuke Aramaki stehen hinter ihr und werden somit selbst zur Zielscheibe von Cutters Schergen, die sie allerdings problemlos ausschalten können. Mira eilt zu den Überresten des Tempels. Dort begegnet sie Kuze. Auch er war einer der Ausreißer; sein Name war Hideo. Cutter nimmt die Sache nun selbst in die Hand und greift mit einem ferngesteuerten Spinnenpanzer an. Nach hartem Kampf kann Mira die Maschine ausschalten, wobei sie schwer beschätigt wird. Ein Scharfschütze tötet Kuze. Batou und die anderen Agenten von Sektion 9 retten Mira. Chief Aramaki informiert die Regierung über Cutters Taten und wird mit seiner Festnahme beauftragt. Da sich Cutter mit Waffengewalt wehrt, erschießt Aramaki ihn. Mira sagt Motokos Mutter die Wahrheit. Sie bleibt bei Sektion 9, denn ihre Arbeit ist noch nicht beendet.


Kringels Meinung

Ich gehe immer seltener ins Kino. Mir ist die Zeit zu schade, von den Kosten gar nicht zu reden. Schließlich sind selbst die "großen" neuen Filme schon nach wenigen Monaten für einen Bruchteil dessen auf Blu-ray erhältlich, was ich im Kino ausgebe (2 Karten plus Parkhaus plus mindestens ein überteuertes Getränk) und ich kann sie zu Hause in aller Ruhe genießen, wann immer ich will. "Ghost in the Shell" ist einer jener Filme, die ich mir noch vor wenigen Jahren mit ziemlicher Sicherheit auf der großen Leindwand angeschaut hätte. Aufgrund schlechter Kritiken habe ich darauf verzichtet. Diese Praxis sollte ich vielleicht doch wieder ändern, denn zum wiederholten Mal stelle ich fest, dass ich die Kritiken nicht oder zumindest nicht ganz nachvollziehen kann.

"Ghost in the Shell" ist ein vor allem visuell sehr beeindruckender SciFi-Actionfilm mit einer überzeugenden Hauptdarstellerin, bietet spannende Unterhaltung, spektakuläre Bilder und eine zum Nachdenken anregende Story. Was will man mehr? Allerdings ist dies die Realverfilmung äußerst populärer Mangas und Animes aus den Achtziger- und Neunzigerjahren, muss sich also daran messen lassen. Den Reviews zufolge müssen diese Comics und Zeichentrickfilme wahrhaft hochphilosophische Werke sein, wenn es denn stimmt, dass der Film derart dagegen abstinkt. Mangelnde Komplexität, geringe erzählerische Tiefe, eine auf Massenkompatibilität ausgerichtete Story - das sind die Hauptkritikpunkte. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob sie im Vergleich mit dem Ausgangsmaterial zutreffen, denn selbiges ist mir nicht bekannt. Objektiv gesehen muss ich sagen, dass man aus der Thematik sicher mehr hätte herausholen können. Das gilt bereits für die Frage, was den Menschen, also seine Identität, überhaupt ausmacht. Inwieweit das Sein durch das Bewusstsein (sprich: Die Erinnerungen) bestimmt wird oder umgekehrt, welche gesellschaftlich-kulturellen Auswirkungen die allgegenwärtige Augmentationstechnik hat? Das schwingt nur am Rande mit, wird aber nicht vertieft, denn im Zentrum steht Miras Selbstfindungsprozess.

Womit wir bei einem weiteren Punkt der Negativkritiken sind: "Whitewashing". Da ich mich gern über einschlägige Internetseiten über kommende Kinofilme informiere, ist mir der allgemeine Aufschrei nicht entgangen, als bekannt wurde, dass Scarlett Johansson die Hauptrolle in "Ghost in the Shell" übernehmen würde, also eine Westeuropäerin für eine Figur, die in den Mangas und Animes als Japanerin identifizierbar ist. Motoko ist ja auch im Film Japanerin. Interessanterweise, so kann man in der englischsprachigen Wikipedia lesen, haben allerdings ausgerechnet die Fans im asiatischen Raum kein Problem mit dieser Rollenbesetzung ... Natürlich hätte man eine japanische Schauspielerin casten können, aber wäre der Film dann besser oder zumindest erfolgreicher gewesen? Ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, dass Scarlett Johansson in jeder Sekunde glaubwürdig ist. Sie bringt Miras Zerrissenheit, ihre Selbstzweifel und ihre Suche nach der eigenen Identität gut zum Ausdruck, glänzt in den Actionszenen und setzt die Körpersprache geschickt ein, um zu verdeutlichen, dass Mira die Robot-Vollprothese wie ein Werkzeug benutzt. Sie macht nicht den Fehler, sich roboterhaft-abgehackt zu bewegen, stattdessen bewegt sie sich sparsamer, als es ein Mensch tun würde. Sie geht meist etwas breitbeinig, wirkt manchmal fast bullig, wie eine Kampfmaschine eben. Im nächsten Moment kann sie dann schon wieder verletzlich und in sich gekehrt sein. Doch auch die anderen Schauspieler machen ihre Sache gut. Pilou Asbaek als absolut loyaler Freund, Takeshi Kitano als knorriger alter Chef, den man nicht unterschätzen sollte, Michael Pitt als vermeintlicher Bösewicht, der im Grunde auch nur ein Opfer ist ... einfach klasse.

"Ghost in the Shell" ist wie gesagt insbesondere ein Augenschmaus, und das nicht nur wegen Scarlett Johansson. In jeder einzelnen Szene gibt es so viel zu bestaunen, dass ich ab und zu die Pause-Taste gedrückt habe. Sei es die mit dreidimensionalen Werbehologrammen vollgepflasterte Megalopolis oder das wahnsinnig detailreiche Innenleben eines Geisha-Roboters, Kuzes zusammengestückelter Körper oder ein Appartementblock mit unzähligen winzigen Wohnungen, futuristische Waffen oder eine grellbunte Yakuza-Bar ... man weiß gar nicht, wohin man zuerst gucken soll und es entsteht eine schöne Cyberpunk-Atmosphäre. "Ghost in the Shell" ist sicherlich kein wegweisendes Meisterwerk wie Blade Runner, gerechtfertigt finde ich die teils vernichtenden Kritiken aber auf keinen Fall.


Extras

Zusammengenommen ermöglichen die drei Featurettes einen ganz guten Blick hinter die Kulissen, obwohl in den Interviews hauptsächlich die Story zusammengefasst wird, wozu die passenden Filmausschnitte gezeigt werden, und obwohl die Aufnahmen von den Dreharbeiten, der Herstellung von Requisiten, Masken usw. meist nur sehr kurz sind. Besonders interessant finde ich, dass immer wieder Ausschnitte aus dem Animefilm "Ghost in the Shell" (1995) gezeigt werden. Dadurch ist mir erst klar geworden, dass viele Szenen der Realverfilmung 1:1 daraus übernommen wurden.


J. Kreis, 06.12.2017




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