Geburt der Hexe


Geburt der Hexe (BRD, 1980)

DVD Regionalcode 2, Ostalgica
Altersfreigabe: FSK 16 (für die DVD-Box)
Laufzeit: ca. 91 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Wilfried Minks

Hauptdarsteller:
Ulla Berkevicz
Friedrich Karl Praetorius
Edgar M. Böhlke
Anja Silja




Inhalt

Die einfache Landbevölkerung hat sehr unter der Willkür des Burgherrn zu leiden. Der mitleidlose Gewaltherrscher beutet seine Untergebenen nach Belieben aus. Er fordert immer neue Tribute in Form von Vieh und Feldfrüchten für sich selbst sowie Gold für die Feldzüge des Königs. Wer säumig ist oder zu wenige Abgaben entrichtet, wird grausam bestraft. Auch sonst lässt sich der Burgherr keine Gelegenheit entgehen, die Bauern zu quälen und zu drangsalieren. Zu allem Übel vergreifen sich der Burgherr und seine Schergen immer wieder an den Frauen eines in der Nähe der Burg gelegenen Dorfes. Der Burgherr verlangt, dass sich angehende Eheleute bei ihm vorstellen und ein Rind mitbringen. Wenn ihm die Frau gefällt, fordert er das Recht der ersten Nacht ein. Wenn nicht, behält er das Rind.


Geburt der Hexe

Burgherr, Gattin und Gespiel/in


Eine junge Frau, die dem Fürsten auf diese Weise zu Willen sein musste, wird einige Zeit später von den Soldaten des Burgherrn vergewaltigt. Ihr Mann steht zu ihr, doch im Dorf wird sie als Hure beschimpft. Im Glauben an Gott und die Heiligen findet die Frau keinen Trost mehr. Da Jesus ihr nicht hilft, wendet sie sich dem Satan zu. Sie verbrennt die Ikone ihres Gatten, schändet Kirchenfiguren und bringt dem Teufel Opfer dar. Unbehindert durch die vom Dorfpriester propagierte Gottesfurcht gewinnt die Frau ein derart großes Selbstbewusstsein, dass sie es wagt, die Ernteerträge ihres Mannes vor allen anderen Bauern in der Stadt zu verkaufen. So kann der Mann den fälligen Tribut im voraus bezahlen. Damit gewinnt er die Gunst des Burgherrn und wird als Steuereintreiber eingesetzt.


Geburt der Hexe

Das Ehepaar muss sich beim Burgherrn vorstellen


Mit seiner neuen Tätigkeit macht sich der Mann im Dorf Feinde. Er denunziert einen Bauern, von dem er angespuckt wurde. Der Burgherr lässt das Haus des Bauern niederbrennen. Obendrein gibt die Frau einen Teil des Geldes für ein prächtiges grünes Gewand aus. Ihr Stolz und ihr hoffärtiges Benehmen sind nicht nur den Bauern ein Dorn im Auge. Auch der fanatische Priester beobachtet die Frau misstrauisch. Der Stern des Mannes beginnt zu sinken, als der Burgherr und die meisten Soldaten das Land verlassen, um an einem heiligen Krieg teilzunehmen. Die Frau begeht einen schweren Fehler, als sie die Gattin des Burgherrin in dessen Abwesenheit öffentlich demütigt. Nach der Rückkehr ihres Mannes verlangt die Burgherrin den Tod der Frau. Der Priester schlägt in dieselbe Kerbe. Es wird behauptet, die Frau sei eine Hexe und hetze die Bauern gegen die Obrigkeit auf.


Geburt der Hexe

Die Hexe betet zu Satan


Die Schergen des Burgherrn setzen das Haus des jungen Ehepaares in Brand, doch nur der Mann kommt in den Flammen ums Leben, denn kurz zuvor hat er seine Frau verstoßen. Es gelingt ihr nicht, die von den Soldaten verrammelte Tür zu öffnen. Niemand hilft ihr. Sie rächt sich, indem sie eine neu errichtete Kirche mit Feuer zerstört. Der Priester fleht den Burgherrn an, die Hexe für diese Tat zu bestrafen. Die Frau wird gehetzt, gefangen und vom Burgherrn getötet. Daraufhin erhebt sich die Dorfbevölkerung endlich gegen den Unterdrücker. Die Bauern erschlagen den Burgherrn und dessen Frau.


Geburt der Hexe

Das Ende der Hexe


Kringels Meinung

Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Film jemals auf DVD erhältlich sein würde, aber Ostalgica macht's möglich. Dieses Label ist mir schon öfter dadurch angenehm aufgefallen, dass dort Perlen veröffentlicht werden, an die sich anscheinend nur Verrückte wie ich erinnern - siehe zum Beispiel Die Jungfrau und das Ungeheuer oder Malevil. "Geburt der Hexe" ist zurzeit nur zusammen mit "Nullpunkt - Ich bin dein Killer" und "Eurydike - Das Mädchen aus dem Nirgendwo" erhältlich. Bei diesen beiden Filmen hat Jochen Richter, Kameramann bei "Geburt der Hexe", Regie geführt.

Wahrscheinlich habe ich den Film Anfang der Achtzigerjahre im TV gesehen. Da kann ich höchstens 14 oder 15 gewesen sein. Und ich war schwer beeindruckt! Einzelne Szenen sind mir unvergesslich geblieben. Dabei enthält der Film weder aufregende Spezialeffekte (abgesehen von brennenden Hütten) noch spektakuläre Action (OK, es werden Bauern verprügelt und die Schergen reiten manchmal von A nach B, Kampfszenen oder dergleichen sind jedoch nicht vorhanden). Es gibt keine grandiosen Kulissen, stattdessen wurde in Villalonso gedreht, einem halb verfallenen Dorf in Kastilien inklusive Ruine eines Kastells inmitten sehr karger Landschaft. Kostüme und Ausstattung entsprechen dem ärmlichen Leben der Dorfbewohner. Auch sollte man keinen Horrorfilm erwarten, das heißt, hier werden keine schwarzen Messen gefeiert und es geschieht nichts übernatürliches. Der Teufel existiert nur in der Einbildung der Frau, er tritt nicht persönlich in Erscheinung.

Was mich damals gefesselt hat und auch heute noch funktioniert, obwohl man dem Film sein Alter deutlich ansieht, das sind die starken Bilder und die Atmosphäre. Sie mögen mit einfachen Mitteln realisiert worden sein, verfehlen ihre Wirkung aber nicht. Die Bewohner Villalonsos haben als Statisten mitgewirkt, wodurch der authentische Eindruck noch verstärkt wird. Man sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass Filme, in denen zumindest der Versuch einer realistischen Darstellung des Mittelalters gemacht wurde, damals nicht unbedingt die Regel waren. Ich zumindest kannte nur kitschige alte Ritterfilme aus Hollywood, bei denen Vergewaltigungen, ein Leben in Armut und Dreck etc. kein Thema sind. "Geburt der Hexe" enthält keine Spur von Mittelalterromantik, und das fand ich damals sehr bemerkenswert. Ich frage mich übrigens, in welcher Epoche die Handlung spielt. Der Burgherr trägt einen Plattenpanzer und nimmt, wenn ich es richtig verstanden habe, an einem Kreuzzug teil, besitzt aber eine moderne Schusswaffe, die verdächtig nach einem Repetiergewehr aussieht. Das passt irgendwie nicht so recht zusammen.

Hexensabbate, Hexenverfolgung usw. stehen nicht im Zentrum dieses Films, stattdessen werden die Willkür der Mächtigen und die Mitwirkung der Kirche angeprangert. Die Obrigkeit nimmt sich, was immer sie will. Die Kirche hält die Menschen mit an Aberglauben grenzenden Lehren dumm, predigt Demut und sorgt so dafür, dass die einfachen Leute in der Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits alles erdulden. Die "Hexe" verzweifelt am Schweigen Gottes. Da von ihm keine Hilfe zu erwarten ist, wendet sie sich dem Widerpart zu, wie es anscheinend Usus in der Gegend ist. Sie ist nämlich durchaus nicht die erste Frau des Dorfes, die Satan anbetet. Jedenfalls streift sie sozusagen die Fesseln der Religion ab, und prompt wird sie zur Gefahr nicht nur für den Priester, sondern auch für den weltlichen Herrscher. Sie wird zur Märtyrerin und nach ihrem Tod wird sie von den Bauern im wahrsten Sinne des Wortes erhöht (siehe Screenshot). Darüber weht die rote Fahne. Honi soit qui mal y pense!


J. Kreis, 01.04.2019




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