Gattaca


Gattaca - Deluxe Edition (USA, 1997)

Blu-ray, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 106 Minuten

Extras
- Originaldokumentation (6:52 Min.)
- Willkommen bei Gattaca (Making of) (22:00 Min.)
- DNA - Trägerin der Erbinformation (14:52 Min.)
- Deleted Scenes / Outtake

Regie:
Andrew Niccol

Hauptdarsteller:
Ethan Hawke (Vincent Anton Freeman)
Jude Law (Jerome Eugene Morrow)
Uma Thurman (Irene Cassini)
Loren Dean (Anton Freeman)
Gore Vidal (Direktor Josef)
Alan Arkin (Detective Hugo)
Xander Berkeley (Dr. Lamar)




Inhalt:

Vincent Freeman träumt davon, Astronaut zu werden. Um an einer von der Weltraumbehörde GATTACA vorbereiteten Expedition zum Saturnmond Titan teilnehmen zu können, eignet er sich alle erforderlichen Kenntnisse an und trainiert unermüdlich. Seine Fähigkeiten sind überragend, so dass er eigentlich bestens für die Mission qualifiziert wäre. Doch das ist bedeutungslos, denn er wurde auf natürlichem Wege gezeugt - und somit ist er ein Anachronismus, denn in seiner Zeit werden praktisch nur noch genetisch optimierte Embryos für künstliche Befruchtungen verwendet. Da man bei Menschen wie Vincent, den so genannten "Gotteskindern", nie sicher sein kann, ob sie nicht die Veranlagung zu irgendwelchen Krankheiten oder sonstigen Mängeln in sich tragen, werden sie diskriminiert. Man bezeichnet sie auch abwertend als "Invalid" (Ungültig). Die in jeder Hinsicht perfekten Design-Menschen bilden die Elite; als "In-Valider" gehört man praktisch automatisch zur Unterschicht. So ergeht es auch Vincent. Laut eines sofort nach der Geburt durchgeführten Gentests besteht bei ihm eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine schwere Herzkrankheit und eine kurze Lebenserwartung. Außerdem ist er stark kurzsichtig. Deshalb wird er zwar von GATTACA eingestellt - aber nur als Reinigungskraft.

Es gibt jedoch illegale Wege, um in die privilegierten Kreise der genetisch einwandfreien Menschen aufzusteigen. Manche von ihnen verkaufen ihre Identität, so dass ein "In-Valider" sie übernehmen und zum "Validen" werden kann. So wird Vincent zu Jerome Morrow, einem ehemaligen Weltklassesportler, der es nicht verwunden hat, trotz seiner genetischen Optimierung bei einem Wettkampf nur Zweiter geworden zu sein. Seit einem gescheiterten Selbstmordversuch sitzt Morrow im Rollstuhl. Seinen hohen Lebensstandard finanziert er nun, indem er Vincent bei sich wohnen lässt und ihm alle möglichen Gewebeproben zur Verfügung stellt. Allmählich werden die beiden zu guten Freunden. Vincent alias Jerome erhält jetzt endlich die ersehnte Stelle im GATTACA-Raumfahrtprogramm. Er setzt Jeromes Blut, Haare, Urin usw. bei den täglichen Kontrollen so geschickt ein, dass man ihn nicht durchschaut. Seine Leistungen sind so gut, dass er zu einem der besten Mitarbeiter GATTACAS aufsteigt und zum Navigator der Titan-Expedition bestimmt wird. Er verliebt sich in Irene Cassini, die zwar nicht zu den "In-Validen" gehört, aber genetisch nicht ganz perfekt ist und deshalb zu den Subalternen in GATTACA gehört. Obwohl Vincent akribisch genau darauf achtet, nicht die geringsten Spuren seines eigenen genetischen Materials am Arbeitsplatz zu hinterlassen, gerät er durch eine einzige verlorene Wimper dennoch in Bedrängnis. Das Härchen wird am Tatort eines Mordes im GATTACA-Gebäude entdeckt und als zu einem "In-Validen" gehörig identifiziert, der natürlich sofort zum Hauptverdächtigen wird.

Vincent ahnt nicht, dass die Ermittlungen ausgerechnet von seinem jüngeren Bruder Anton geleitet werden. Anton wurde im Gegensatz zu Victor künstlich gezeugt und genetisch optimiert. Er war der Meinung, Vincent sei längst gestorben. Bei der forensischen Untersuchung der Wimper wird ihm klar, dass sein Bruder noch lebt und vermutlich ein Mörder ist. Als sich die Schlinge um Vincents Hals zuzuziehen beginnt, obwohl er unschuldig ist, gesteht er Irene die Wahrheit. Sie liebt ihn dennoch und steht ihm künftig bei. Antons Kollege, Detective Hugo, findet schließlich den wahren Schuldigen. Der Direktor GATTACAS hat den Mord begangen, weil das Opfer dabei war, die Titan-Expedition zu torpedieren. Doch Anton kommt Victor auf die Spur und durchschaut das Doppelspiel. Allerdings muss er erkennen, dass nicht der genetische Code entscheidend ist, sondern die Taten eines Menschen. Deshalb behelligt er Vincent nicht weiter. Dennoch droht alles zu scheitern, denn Vincent muss sich einem weiteren Test unterziehen, bevor er das Raumschiff betreten darf. Er hatte keine Ahnung davon, hat keinen Urinbeutel von Jerome mehr dabei und will sich schon geschlagen geben. Doch Dr. Lamar, der untersuchende Arzt, weiß längst Bescheid. Er hat stets geschwiegen und tut dies auch jetzt, denn er hat einen trotz genetischer Manipulationen "In-Validen" Sohn, der gern Raumfahrer werden würde...

Während Vincent endlich ins All startet, begeht Jerome Selbstmord. Er hinterlässt Vincent genug Gewebeproben für ein ganzes Leben in seiner Identität.

Der Film:

Da habe ich mich doch neulich erst darüber gefreut, dass mit Moon ein neuer Science-Fiction-Film erschienen ist, der den Zuschauer auch ohne Effektspektakel zu fesseln vermag. Solche Filme werden nicht mehr gemacht, dachte ich. Da kannte ich "Gattaca" noch nicht, sonst hätte ich den als Ausnahme genannt, die die Regel bestätigt! "Gattaca" kommt nämlich mit noch weniger Action und Effekten aus als "Moon", ist aber nicht minder spannend. Das liegt nicht zuletzt an den guten Schauspielern. Jude Law hatte in diesem Film übrigens seine erste große Hollywood-Rolle. Es liegt aber auch den der Thematik, die heute, 14 Jahre später, noch immer aktuell ist, und am interessanten Look des Films.

Das hier gezeigte Zukunftsszenario ist gar nicht so weit hergeholt. Eigentlich werden nur Entwicklungen konsequent weitergedacht, deren Beginn wir längst miterlebt haben. Wenn es möglich wäre, alle "Mängel" eines Menschen schon vor der Geburt zu eliminieren - wäre das nicht äußerst verlockend? Und wenn es machbar wäre, wäre es dann nicht logisch, dass all jene, die noch unter diesen Mängeln leiden (oder bei denen nur die Möglichkeit besteht, dass sie irgendwie mängelbehaftet sein könnten) automatisch diskriminiert werden würden? Absolute Gleichschaltung wäre die letzte Konsequenz, die daraus folgen würde. Deshalb wirkt die Kasten-Gesellschaft in "Gattaca" völlig uniformiert. Alle "verbesserten" Menschen ähneln sich wie ein Ei dem anderen. Sie wirken gefühllos und sind in ihrer vermeintlichen Perfektion unglaublich arrogant. Jedermann wird permanent überwacht. Wenn er dann doch nicht die Leistung erbringt, die von ihm erwartet wurde - wie im Falle von Jerome Morrow - dann ist der Absturz um so schlimmer. Denn es gibt immer noch jemanden, der noch perfekter ist. Also müssen die Gene weiter "verbessert" werden, bis man zunächst einen Pianisten mit zwölf Fingern und später irgendwann vielleicht ein Ergebnis erhält, das den Namen "Mensch" nicht mehr verdient...

Die Gleichförmigkeit dieser Gesellschaft spiegelt sich im unterkühlten Set-Design wieder. Die Bühnenbilder wirken nüchtern und spartanisch, alles ist aufs Notwendigste reduziert. Individualität ist auch hier nicht gefragt. Die Retortenmenschen bewegen sich in ihren kühl-eleganten Räumen und fahren mit ihren auf alt getrimmten E-Mobilen umher (interessanter Gegensatz zum modernen Ambiente übrigens), während die unterprivilegierten "Invalids" bestenfalls die zweite Geige spielen können wie Detective Hugo, schlimmstenfalls aber willkürlichen Übergriffen ausgeliefert sind. Vincent führt dieses System ad absurdum. Er täuscht die Identität eines perfekten Menschen nur vor und erzielt dennoch Bestleistungen - die sind nicht erschwindelt, sondern durch harte Arbeit erworben. Er stellt unter Beweis, dass nicht die Anlagen eines Menschen entscheidend sind, sondern das, was man aus seinen Möglichkeiten macht. Wenn also ein "Invalider" all seine genetisch verbesserten Kollegen überflügelt, welchen Sinn hat die Gentechnik dann überhaupt?

Man kann den Film deshalb fast schon als zu optimistisch oder naiv bezeichnen. Der natürliche Mensch triumphiert über die Retortenmenschen. Es könnte aber ebenso gut sein, dass die totale Kontrolle des menschlichen Erbguts zu echter, für "Normalgeborene" unerreichbarer Perfektion führt, wenn auch zum Verlust der Individualität. Vincent will gar nicht gegen dieses System rebellieren, er macht sich nur seine Schwächen zu Nutze. Letztlich bleibt die Frage offen, ob Vincent wirklich ein "Guter" ist. Vielleicht ist er in Wahrheit wahnsinnig und hat den Mord doch begangen? Es könnte ja sein, dass der Direktor nachträglich eine Spur gelegt hat, die zu ihm selbst führt, weil er den wahren Mörder kannte, aber nicht auf ihn als Navigator der Titan-Expedition verzichten konnte? Dass Vincent durchaus zu brutalem Handeln fähig ist, stellt er unter Beweis, als er einen Polizisten zusammenschlägt. Noch ein kleiner Kritikpunkt: Der Film konzentriert sich sehr auf Vincent. Ich hätte mir gewünscht, etwas mehr von der Gesellschaft zu sehen, in der er lebt.

Blu-ray-Features:

Die "Originaldokumentation" stammt vermutlich aus dem Jahre 1997 und ist lediglich eine Werbe-Featurette mit einer schnell zusammengeschnittenen Mischung aus Filmszenen, kurzen Interviewschnipseln und noch kürzeren Blicken hinter die Kulissen. Im Grunde ist das kaum mehr als ein erweiterter Trailer. "Willkommen bei Gattaca" ist nicht nur ca. dreimal so lang, sondern auch erheblich informativer. Dieses Making of stammt aus dem Jahre 2007 und erlaubt einen genaueren Einblick in den Produktionsprozess. Man erfährt zum Beispiel, dass die Fingernägel und Bartstoppeln, die man während des Vorspanns sieht, riesige Modelle sind und nicht etwa echte vergrößerte Nägel und Stoppeln. Die Featurette "DNA - Trägerin der Erbinformation" (im Original: "Do not alter?"), ebenfalls 2007 entstanden, ist sehr interessant. Darin wird ein kurzer Überblick über die Geschichte der Genetik gegeben. Wissenschaftler äußern sich durchaus kontrovers über Anwendungsmöglichkeiten, Chancen und Risiken der Gentechnik. Erzähler ist Gore Vidal.

Hinzu kommen sechs nicht verwendete Szenen. Wären sie verwendet worden, dann hätte es unter anderem so ausgesehen, als habe auch die von Ernest Borgnine gespielte Figur (Caesar, der Chef der Putzkolonne) längst gewusst, dass Vincent nicht Jerome ist. Außerdem hätte Detective Hugo herausgefunden, dass Anton Vincents Bruder ist. Ein kleiner Scherz des Schauspielers Xander Berkeley rundet das Ganze ab. Er lässt den von ihm dargestellten Dr. Lamar eine von Vincents Urinproben austrinken...


J. Kreis, 22.02.2011




Gastkommentare


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Hans (01.06.2016):

Atmosphärisch ein überaus beeindruckender Film, der damals von Kritikern gelobt wurde aber an der Kinokasse ein Flop, der nur 1/3 der Produktionskosten wieder einspielte. Auch ich kann mir vorstellen, daß so eine Welt Realität werden kann. Sie haben das in ihrer Kritik alles ganz treffend beschrieben. Was geht in jemandem vor, der ein Außenseiter der Gesellschaft ist? Was tut er um sein Ziel zu erreichen? Würde er einen Mord begehen? Die letzte Frage bleibt offen. Als Vincent seinen Bruder zum 2. Mal vor dem Ertrinken rettet könnte man das als Antwort auf diese Frage interpretieren. Ethan Hawke und Uma Thurman haben sich bei den Dreharbeiten kennengelernt und waren anschließend einige Jahre verheiratet. Nicht nur die beiden sind großartige Schauspieler, der gesamte Cast ist gut besetzt, vielleicht mal abgesehen von Ernest Borgnine - bei ihm habe ich stets Assoziationen mit den vielen schlechten Filmen und Serien in welchen er mitgewirkt hat aber er kommt ja nur am Rande vor. Das Streben nach Perfektion (abseits von Genetik) des Körpers ist heute allgegenwärtig und bereits das ist eine beängstigende Entwicklung für alle, die nicht in dieses Raster passen. Die Mahnung des Films ist weitgehend auf taube Ohren gestoßen könnte man meinen da die Entwicklung dieser schädlichen Tendenzen ja immer weiter fortschreitet und kein Ende absehbar ist. Genetische Optimierung führt in den Abgrund einer totalitären Gesellschaft. Der Film ruft tatsächlich nicht zur Rebellion auf, der echte Jerome wählt sogar den Freitod um dem System zu entkommen. Letztlich sehr düster aber auch sehr realistisch.



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