Gantz


Gantz - Spiel um dein Leben (Special Edition) (Japan, 2010)
- Gantz -

Blu-ray, Sunfilm Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 130 Minuten

Extras
- Making of (18:01 Min.)
- 5 Interviews (insg. 28:10 Min.)

Regie:
Sato Shinsuke

Hauptdarsteller:
Kazunari Ninomiya (Kei Kurono)
Kenichi Matsuyama (Kato Masaru)
Natsuna Watanabe (Kei Kishimoto)
Yuriko Yoshitaka (Tae Kojima)




Inhalt:

Kato Masaru gerät in Lebensgefahr, als er einem auf die U-Bahn-Schienen gestürzten Betrunkenen hilft. Sein ehemaliger Schulfreund Kei Kurono versucht ihn zu retten, fällt jedoch ebenfalls aufs Gleis. Die beiden jungen Männer werden vom einfahrenden Zug erfasst. Übergangslos finden sie sich in einem Raum mit verschlossenen Türen und Fenstern wieder, in dem schon mehrere verängstigte Leute herumsitzen. Kurz nach ihnen materialisiert eine nackte junge Frau - Kei Kishimoto - aus dem Nichts. Da sich die letzten Erinnerungen aller Anwesenden um schwere Unfälle und dergleichen drehen, kommen die Versammelten zu der Überzeugung, sie seien tot oder Opfer einer Massenpsychose. Mitten im Raum ruht eine riesige schwarze Kugel, auf deren Oberfläche Schriftzeichen erscheinen. Gantz - so lautet der Name der Kugel bzw. eines darin sitzenden (möglicherweise bewusstlosen) Mannes - erklärt seinen "Gästen", dass ihr altes Leben vorbei ist. Die Regeln ihres neuen Lebens werden von Gantz bestimmt. Allerdings erkennen die Gefangenen erst nach und nach durch eigene Erfahrungen, wie diese Regeln im Einzelnen aussehen:

Die Entführten müssen in jeder Nacht irgendwo in Tokio gegen eines von verschiedenen bösartigen Aliens kämpfen und es innerhalb eines Zeitlimits besiegen. Gantz stellt ihnen spezielle Waffen und Kampfanzüge zur Verfügung, durch die sie vor Verletzungen geschützt werden und die ihre Körperkräfte für kurze Zeit extrem verstärken. Sobald Gantz das Ziel bestimmt hat, werden die Kämpfer zum Einsatzort teleportiert. Dort sind sie für alle anderen Menschen unsichtbar. Ist das Alien besiegt, werden sie in den verschlossenen Raum zurückversetzt. Dabei werden ihre Körper vollständig wiederhergestellt; selbst tödliche Verwundungen sind dann völlig verschwunden. Nur wer innerhalb des Zeitlimits stirbt, bleibt endgültig tot und wird nicht zu Gantz zurückversetzt. Für erfolgreich absolvierte Einsätze erhalten die Kämpfer Punkte. Wer 100 Punkte angesammelt hat, darf zwischen zwei Optionen wählen: Entweder werden seine Erinnerungen gelöscht und er ist frei, oder er darf einen der im Kampf gefallenen "Spieler" auswählen, der dann wiederbelebt wird. Nach der Punktevergabe teleportiert Gantz die Kämpfer in deren Wohnungen zurück. So können sie vorübergehend in ihr altes Leben zurückkehren. Ihre voll funktionsfähigen Anzüge dürfen sie behalten. Doch in jeder Nacht werden sie zu einem neuen Einsatz gerufen und können sich nicht dagegen wehren.

Da Gantz keine besonderen Auswahlkriterien berücksichtigt, sondern ganz normale Durchschnittsmenschen zu sich holt, ist die Ausfallrate hoch. Gantz rekrutiert deshalb immer wieder neue Kämpfer, die zunächst keine Ahnung haben, was überhaupt vorgeht. Nur wer sich schnell mit der neuen Situation abfindet, hat eine Überlebenschance im Kampf gegen die gefährlichen Aliens. Außerdem ist der Verlauf der Einsätze nicht immer vorhersehbar - es kann vorkommen, dass man plötzlich nicht mehr nur gegen ein Alien antreten muss, sondern gegen ein zweites, das nicht von Gantz angekündigt war. Während sich Kei dafür zu begeistern beginnt, den Helden spielen und die anderen Kämpfer zu seinem Vorteil einsetzen zu können, haben Kato und Kishimoto (die sich in Kato verliebt) auch nach mehreren Einsätzen noch Probleme damit, auf Kosten anderer zu siegen. Tagsüber kümmert sich Kato um seinen jüngeren Bruder, mit dem er allein zusammen lebt, seit er aus dem Jugendgefängnis entlassen wurde - er hat seinen brutalen, alkoholsüchtigen Vater getötet. Kei macht Bekanntschaft mit seiner Kommilitonin Tae, die ihn schon lange liebt.

Trotz aller Schwierigkeiten überstehen Kei, Kato und Kishimoto die ersten beiden Einsätze, aber der dritte wird zum Debakel. Kei besiegt zwar das als Zielobjekt definierte Monster, doch im Einsatzgebiet versteckt sich noch ein zweites Alien. Es will den Tod der anderen rächen. Kishimoto opfert sich, um Kato zu retten, doch auch Kato wird tödlich verwundet. Kei besiegt das Alien, doch er kann nicht verhindern, dass Kato vor Ablauf der Frist stirbt. Kei wird von Gantz zurückgeholt. Er hat nun insgesamt 20 Punkte gesammelt. Fehlen noch 180, wenn er Kato und Kishimoto wieder ins Reich der Lebenden zurückholen will...

Der Film:

...in einer Szene, die während des Abspanns folgt, sieht man jedoch, dass Kato (noch? wieder?) lebt. Er ist in einer Menge von Schaulustigen zu sehen, die den in Trümmern liegenden Schauplatz des letzten Kampfes begafft. Was das nun zu bedeuten hat, ist mir nicht klar. Wahrscheinlich wird auf diese Weise zur Fortsetzung übergeleitet. "Gantz: Perfect Answer" ist in Japan schon im Kino gelaufen, vielleicht erscheint ja bald eine deutsch synchronisierte Version.

"Gantz" ist die Realverfilmung einer mir nicht bekannten, in Japan recht erfolgreichen Manga- und Anime-Serie. Wie es scheint, folgt der Realfilm der Anime-Serie recht genau, enthält aber weit weniger Sex und Gewalt. Vorkenntnisse sind nicht nötig, man kann den Film auch verstehen, ohne die Comics gelesen oder die Fernsehserie gesehen zu haben. Es bleiben aber viele Fragen offen. Wer oder was ist Gantz? Woher kommen die Aliens? Warum müssen sie unbedingt bekämpft werden? Warum hält Gantz Omas und Kleinkinder für geeignete Rekruten?

In der ersten Dreiviertelstunde funktioniert der Film noch prächtig. Die Hauptfiguren werden zügig vorgestellt, die Regeln des "Spiels" werden kurz zusammengefasst - aber man weiß erst einmal nicht, was das alles soll. Erst allmählich wird wenigstens zum Teil klar, was Gantz von seinen Opfern will, und dass sie tatsächlich nicht etwa einer Halluzination unterliegen oder in einer virtuellen Realität gefangen sind, sondern von Gantz ins Leben zurückgeholt bzw. vor dem Tod bewahrt wurden und wirklich gegen diverse Monster kämpfen. Die Auswirkungen sind am Folgetag immer noch deutlich sichtbar und werden im Fernsehen gezeigt. Es kommt mir übrigens etwas merkwürdig vor, dass es keine Schaulustigen während der Kämpfe gibt. Selbst wenn die Kämpfer und die Aliens für alle anderen Menschen unsichtbar sind, dann müsste man doch sehen können, dass die Umgebung wie von Geisterhand zertrümmert wird? Egal. Genau wie die "Spieler" muss sich der Zuschauer erst orientieren. Das macht den Reiz dieser Phase des Films aus. Dann folgt der erste Kampf, und angesichts der dazu gehörenden Splatter-Szenen wird klar, dass die Sache kein Spaß ist. Man freut sich auf weitere zünftige Kämpfe - aber dann kommt erst einmal der Cut zurück ins alltägliche Leben.

Es folgt Figurenexposition. Viel davon. Vielleicht zuviel, denn es schleichen sich gewisse Längen ein, und man beginnt sich zu wünschen, die Nacht möge hereinbrechen und Gantz möge eine neue Runde des "Spiels" eröffnen. Komisch nur, dass die drei Haupt-Charaktere trotzdem eher flach und blass bleiben. Katos Hintergrundgeschichte klingt noch ganz interessant, wird aber nicht weiter ausgearbeitet. Seine Freundschaft mit Kei, den er als Vorbild betrachtet (den kleinen Hänfling?), bleibt unglaubwürdig, und die Figur der Tae Kojima, die Kei anschmachtet und ihn zum Helden der von ihr gezeichneten Comics macht, ist komplett verschenkt. Diese Handlungselemente wirken wie nachträglich hinzugefügt, sie können nicht immer überzeugen und wirken oft sogar störend. Und wenn dann endlich wieder gegen ein Alien gekämpft wird, kommt ein neues Problem hinzu: Die Kämpfe sind zu lang und die Kämpfer benehmen sich so bescheuert, dass es weh tut. Gut, beim ersten Mal kann man akzeptieren, dass sie mit der Situation überfordert sind und nicht wissen, was zu tun ist. Wenn sie dann ab dem zweiten Kampf aber immer noch lieber panisch durch die Gegend rennen oder mit bloßen Fäusten auf ihre Gegner losgehen, dann wird es lächerlich. Erst vor dem dritten Kampf denken die Leute daran, auch wirklich ihre tollen Anzüge anzuziehen bzw. sich rechtzeitig zu bewaffnen. Minutenlang werden die Waffen auf den Gegner gerichtet. Ein einziger Schuss aus diesen Superknarren wäre ausreichend. Aber niemand schießt! Stattdessen wird gewartet, bis man die Waffe aus der Hand geschlagen bekommt, wenn man sie nicht gleich selbst wegwirft. Normalerweise rede ich nicht mit Filmfiguren, aber nach der x-ten derartigen Szene habe ich geschrien: "Drück ab, Idiot!"

Was den Film trotz aller Schwächen sehenswert macht, das sind die Spezialeffekte, vor allem die Materialisierung und Entmaterialisierung der Entführten. Die Leute entstehen nach und nach quasi "schichtweise". Man sieht also erst einmal einen halben Schädel, die Schnittfläche sieht aus wie bei einer Computertomographie. In Sekundenschnelle baut sich auf diese Weise der ganze Körper auf. Besonders cool sieht das natürlich aus, wenn die nackte Kishimoto erscheint... Wirklich schade, dass ich bei Blu-rays keine Screenshots machen kann! Aber auch die Kämpfe können sich sehen lassen. Da werden teils recht heftige Splatter-Szenen geboten, und die Aliens können überzeugen - sofern man sich nicht fragt, warum sie aussehen wie menschengroße Bauchrednerpuppen oder haushohe Buddha-Statuen. Dummerweise werden immer wieder viel zu sehr in die Länge gezogene, unglaublich meldodramatische Dialog- und Sterbeszenen eingeschoben. Da halten sich die Protagonisten minutenlang heulend im Arm, während sich das zuvor noch so aggressive Alien offenbar aus purem Feingefühl dezent zurückhält und erst wieder angreift, wenn die Menschen tränenreich voneinander Abschied genommen haben.

Lobend erwähnen sollte ich noch, dass der für japanische Filme typische seltsame Humor (siehe Cutie Honey und Yatterman) fast gar nicht vorkommt.

Blu-ray-Features:

Angesichts der ziemlich mageren Ausstattung mit Bonusmaterial frage ich mich, warum selbiges auf eine gesonderte Disc gepackt werden musste. Das so genannte "Making of" ist eine unkommentierte, nicht besonders aussagekräftige Zusammenstellung von Hinter-den-Szenen-Material. Hinzu kommen kurze Interviews mit einigen Schauspielern und dem Regisseur. Sie erzählen, wie sie ihre Rollen und die anderen Schauspieler sehen und wie der fertige Film auf sie gewirkt hat. Schade! Warum sind keine Infos zur Manga-/Animeserie und zum Fankult in Japan dabei? Das wäre interessanter gewesen.


J. Kreis, 11.10.2011




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