Gangster Squad


Gangster Squad (USA, 2013)

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 113 Minuten

Extras:
- Film inklusive Gangland Files abspielen
- Audiokommentar
- Fokuspunkte: Das Filmkonzept (46:28 Min.)
- Kurzfilm: Die Locations - damals und heute (8:03 Min.)
- Dokumentation: Galerie der Schurken - Mickey Cohen (46:44 Min.)
- Clip: Harte Kerle mit Stil (4:54 Min.)
- Nicht verwendete Szenen (12:20 Min.)

Regie:
Ruben Fleischer

Hauptdarsteller:
Josh Brolin (John O'Mara)
Mireille Enos (Connie O'Mara)
Sean Penn (Mickey Cohen)
Ryan Gosling (Jerry Wooters)
Emma Stone (Grace Faraday)
Giovanni Ribisi (Conwell Keeler)
Robert Patrick (Max Kennard)
Anthony Mackie (Coleman Harris)
Michael Pena (Navidad Ramirez)
Nick Nolte (Bill Parker)




Story

John O'Mara ist mit seiner Frau Connie nach Los Angeles gezogen, weil er glaubte, dort das Paradies auf Erden vorzufinden. Doch als er nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Hause zurückkehrt, fällt es ihm (wie vielen Veteranen) schwer, sich im normalen Leben zurechtzufinden. Außerdem hat sich die Stadt verändert. Überall im Land gewinnt das organisierte Verbrechen immer mehr Einfluss. Auch in Los Angeles stehen Politiker, Richter und Polizisten auf der Gehaltsliste der Gangster oder werden von diesen erpresst. Somit führt O'Mara, jetzt Detective Sergeant beim LAPD, einen aussichtslosen Kampf gegen die Mitglieder der Bande Mickey Cohens, eines ehemaligen Profiboxers, der sich im Jahre 1949 anschickt, die Mafia zu verdrängen und die Macht in LA an sich zu reißen. Jedes Bandenmitglied, das von O'Mara verhaftet wird, kommt schon sehr bald wieder auf freien Fuß. Cohen selbst ist vollkommen unantastbar. O'Mara wurde im Zweiten Weltkrieg zum Experten für den Guerillakampf ausgebildet. Diese Fähigkeiten sowie seine absolute Furcht- und Kompromisslosigkeit machen O'Mara zum idealen Erfüllungsgehilfen Bill Parkers, des Polizeichefs von LA. Da Cohen mit den Mitteln des Rechtsstaates nicht unschädlich gemacht werden kann, müssen drastischere Maßnahmen ergriffen werden. Cohen soll jedoch nicht einfach ermordet werden. Parker will, dass O'Mara buchstäblich Krieg gegen Cohen führt, dessen Geschäfte vernichtet und ihn schließlich aus der Stadt vertreibt. Zu diesem Zweck soll O'Mara ein kleines Team zusammenstellen, das sich außerhalb des Gesetzes bewegt und Cohen mit dessen eigenen Waffen bekämpft: Die Gangster Squad.

O'Maras schwangere Frau ist hiervon alles andere als begeistert, dennoch hilft sie ihrem Mann und sucht die geeigneten Kandidaten für die Gangster Squad selbst aus. Vorzeige-Polizisten kommen nicht in Betracht, denn die sind entweder schon korrumpiert oder werden es bald sein. Stattdessen rekrutiert O'Mara Kollegen, die im Grunde so sind wie er - unorthodoxe Querköpfe und Unruhestifter mit hohem Pflichtbewusstsein. Die ersten drei Mitglieder sind schnell gefunden: Der schwarze Streifenpolizist Coleman Harris, der Scharfschütze Max Kennard und der Abhörspezialist Conwell Keeler. Vierter im Bunde ist Navidad Ramirez, Kennards Schützling, der sich einfach nicht abschütteln lässt. Jerry Wooters, O'Maras Partner beim LAPD, wird ebenfalls angesprochen. Wooters hat durch seinen Jugendfreund Jack Whalen und seine Geliebte Grace Faraday Kontakte zu Cohens innerem Kreis. Grace ist Cohens Benimmlehrerin und hat außerdem ein Verhältnis mit ihm, das sie nicht beenden kann, weil der Gangsterboss sie als seinen persönlichen Besitz betrachtet. Was den Kampf gegen die Gangster angeht, ist Wooters zu desillusioniert, um auf O'Maras Angebot einzugehen.

Schon der erste Einsatz der Gangster Squad geht komplett in die Hose. Eines von Cohens Casinos in Burbank soll überfallen werden. Doch dort sind einige korrupte Polizisten zu Gast. O'Mara und Harris werden verhaftet. Noch hat Cohen keine Ahnung, dass neue Gegner auf den Plan getreten sind. Den versuchten Überfall auf das Casino lastet er Jack Dragna an, seinem schärfsten Konkurrenten in Gangsterkreisen. Cohens Schergen verüben auf offener Straße einen Mordanschlag auf Dragna, doch der entkommt. Passanten sterben im Kugelhagel, darunter ein junger Schuhputzer, mit dem sich Wooters angefreundet hatte. Wooters, der alles mit ansehen musste, geht direkt auf Cohen los, wird aber von Whalen zurückgehalten, bevor Cohen etwas bemerkt. Von Whalen erfährt Wooters, dass O'Mara noch in derselben Nacht an Cohen ausgeliefert werden soll. Wooters hilft bei der Befreiung seiner Freunde und schließt sich nun doch der Gangster Squad an. Um mehr Informationen über Cohens weit verzweigtes Imperium zu gewinnen, brechen Wooters und Keeler in dessen Anwesen ein. Während Keeler die Räumlichkeiten verwanzt, begegnet Wooters zufällig Grace, die nun weiß, dass ihr Geliebter gegen Cohen arbeitet. Grace behält das für sich.

Durch die Abhöraktion werden O'Mara und seine Leute in die Lage versetzt, Cohen einige empfindliche Schläge zu versetzen. Dabei geraten sie immer wieder selbst in Lebensgefahr. Ihr einziger Schutz ist die Anonymität. Cohen glaubt immer noch, es mit einer rivalisierenden Bande zu tun zu haben. Seine Leute töten Dragna, dessen Frau und dessen gesamtes Personal bei einem nächtlichen Überfall. Schließlich findet Keeler heraus, dass Cohens größtes Ziel im Aufbau eines zentralen Wettbüros besteht. Sollte er damit Erfolg haben, wäre die gesamte Westküste in seiner Hand. Dann könnte auch die Gangster Squad nichts mehr gegen Cohen ausrichten. Durch Rückverfolgung der Fernmeldesignale in den Telegraphenleitungen, die zum im Aufbau befindlichen Wettbüro führen, können O'Maras Leute Cohens Zentrale ausfindig machen und zerstören. Cohen ist außer sich vor Zorn, aber als er erfährt, dass die Angreifer Unmengen von Geld vernichtet, aber keinen einzigen Dollar mitgenommen haben, wird ihm klar, dass er es mit Cops zu tun hat. Die Wanze wird entdeckt, aber unangetastet gelassen. Durch falsche Informationen lockt Cohen seine Widersacher in eine Falle, der sie nur knapp entgehen. Keeler, der im Abhörraum zurückgeblieben ist, wird ermordet. Cohens Schergen durchsieben O'Maras Haus mit Kugeln. Connie überlebt jedoch. Auch Grace gerät in Gefahr. Whalen opfert sich, um sie zu retten. Grace beobachtet unbemerkt, wie Cohen Whalen erschießt.

Da öffentlich geworden ist, was es mit der Gangster Squad auf sich hat, gerät Parker unter Druck. O'Maras Privatkrieg gegen Cohen scheint gescheitert zu sein. Doch da meldet sich Grace bei Wooters und stellt sich als Zeugin zur Verfügung. O'Mara zwingt einen korrupten Richter, einen Haftbefehl gegen Cohen zu unterschreiben. Der Gangsterboss hat sich in einem Hotel verschanzt. Die Gangster Squad muss es mit Dutzenden Leibwächtern aufnehmen. Bei der Schießerei kommt Kennard ums Leben. Wooters und Harris werden angeschossen. Nach einer wilden Verfolgungsjagd stehen sich O'Mara und Cohen allein gegenüber. Als ehemaliger Boxer fühlt sich Cohen überlegen, wird aber von O'Mara vor den Augen hinzukommender Polizisten und der Presse in die Knie gezwungen. Cohen muss sich geschlagen geben. Er wird verhaftet und landet in Alcatraz. Parker heimst den gesamten Ruhm ein, doch in Wahrheit ist es der Gangster Squad zu verdanken, dass die Mafia in Los Angeles nie richtig Fuß fassen kann. Grace und Wooters bleiben zusammen. O'Mara quittiert den Polizeidienst und lebt in Frieden mit Frau und Kind in Los Angeles.


Kringels Meinung

"Gangster Squad" beruht auf wahren Begebenheiten. Es hat wirklich eine solche Gruppierung gegeben und Mickey Cohen hat wirklich gelebt. Ein Dokudrama ist der Film aber nicht geworden! Weder hält sich die Story genau an die historischen Vorbilder, noch sollte man eine "ernsthafte" Auseinandersetzung mit den Machenschaften des organisierten Verbrechens oder der Selbstjustiz von O'Maras Team erwarten. Schon die ersten Szenen machen deutlich, dass Überzeichnung in diesem Film das Mittel der Wahl ist. Da wird ein Gangster aus Chicago zwischen zwei Autos gespannt und in der Mitte durchgerissen (ob das wohl anatomisch korrekt ist?), danach mischt O'Mara im Alleingang ein Nest von Cohens Gangstern auf, wobei auch wieder recht viel Kunst- bzw. CGI-Blut spritzt. Somit dürfte jedem Zuschauer klar sein: Hier kämpfen extrem harte Filmhelden gegen extrem fiese Filmschurken, mit der Realität hat das nicht allzu viel zu tun. Der Film-Cohen ist eine vollkommen eindimensionale Figur, ein machtbesessener Killer, das personifizierte Böse. O'Mara hat wenigstens den Hintergrund des traumatisierten Kriegsheimkehrers, aber seine Vorgehensweise wird nie in Frage gestellt. Nur ein einziges Mal darf jemand aus seinem Team leicht verschämt anmerken, dass sich die Gangster Squad eigentlich nicht von ihren Widersachern unterscheidet. Das war's dann aber auch schon.

Man sollte sich also bewusst machen, dass sich "Gangster Squad" eher an den Gangsterfilmen der Dreißiger- und Vierzigerjahre orientiert, insbesondere an solchen, in denen die Action im Vordergrund steht. Dieses Genre sowie die Epoche, in der es seine größten Erfolge gefeiert hat, wird in Perfektion zu neuem Leben erweckt! In prächtigen Bildern und bis in kleine Details glaubwürdig ausgestattet ersteht das Los Angeles der späten Vierziger auf der Leinwand, komplett mit verqualmten Bars, in denen sich Gangster, Politiker und korrupte Polizisten die Klinke in die Hand geben. Man(n) trägt Hut und elegante Anzüge, die Damen hüllen sich in verführerische Gewänder und sind stets perfekt frisiert. Dann noch die Autos! Es ist eine wahre Freude, sich das alles anzuschauen. Ob damals wirklich alles so stilvoll war oder ob auch hier wieder bewusst übertrieben wird? Keine Ahnung, aber es sieht toll aus. Jede einzelne Szene enthält ikonische Bilder, die sich prima als Poster machen würden.

Die Schauspieler passen wunderbar in dieses Szenario hinein. Josh Brolins Physiognomie bringt schon die brachiale Kompromisslosigkeit O'Maras zum Ausdruck, während Ryan Gosling ganz in der Rolle des Dandys aufgeht, dessen Lässigkeit allerdings durchaus gelegentlich bröckelt. Emma Stone ist mal ganz Femme fatale, mal verletzliches Mädchen. Sean Penn chargiert hart an der Grenze zur Karikatur, kriegt aber immer wieder die Kurve. Ich frage mich nur, warum sein Gesicht so auffällig verfremdet werden musste - ist doch egal, ob er dem realen Cohen ähnlich sieht oder nicht! "Gangster Squad" ist ein bildgewaltig inszenierter, großartig besetzter Thriller, teils sogar spannende Kinounterhaltung - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich finde "Gangster Squad" nicht schlecht, aber er hätte mir besser gefallen, wenn er mehr in Richtung Film noir gegangen wäre.


Blu-ray-Features

Schaut man sich den Film mit aktivierten "Gangland Files" an, dann öffnet sich an vielen Stellen ein kleiner Rahmen mit Bild- und Textinformationen. Betätigt man dann die ENTER-Taste der Fernbedienung, so wird der Film pausiert und das Bonusmaterial rückt in den Vordergrund. Das gesamte Material kann auch gesondert aufgerufen werden. Es enthält neben Hinter-den-Szenen-Material zum Film sowie Interviews mit Schauspielern und Produktionsteam recht viele Informationen über die historischen Hintergründe. Alte Fotos und Filmaufnahmen lassen erkennen, wie Cohen, O'Mara und andere Personen wirklich ausgesehen haben. Einige Angehörige und Freunde der Beteiligten kommen zu Wort. O'Maras Tochter ist beim Besuch der Dreharbeiten zu sehen. Außerdem werden verschiedene Schauplätze im damals-und-jetzt-Vergleich beschrieben.

Zum Bonusmaterial gehört außerdem eine Dokumentation aus dem Jahre 1998, die sich ganz mit Mickey Cohen beschäftigt. Man erfährt viel über seinen Werdegang und über die damalige Zeit. Erstaunlicherweise scheint Cohen seinerzeit sehr populär gewesen zu sein. Er wollte eine Berühmtheit sein und hat tatsächlich die Hilfe eines Tutors in Anspruch genommen, der ihm gute Manieren beibringen sollte. Man erfährt, dass Cohen nicht rechnen konnte (!) und mit Berühmtheiten wie Billy Graham befreundet war. Die Doku ist grundsätzlich sehr interessant, zumal Interviews mit Cohen aus verschiedenen Jahren zu sehen sind. Mir ist jedoch sauer aufgestoßen, dass Cohen ziemlich positiv dargestellt wird. Freunde Cohens, Kriminalhistoriker, Journalisten und Filmleute äußern entsprechende Meinungen - das ist ihr gutes Recht, aber ich hätte mir gewünscht, dass diese Meinungen kritisch hinterfragt werden, egal ob sie günstig oder ungünstig für Cohen ausfallen. Das findet jedoch nicht statt.

Die sieben geschnittenen Szenen sind nicht so rasend interessant. Immerhin sieht man, wie Ramirez' Freunde die Autos aufmotzen, die später von der Gangster Squad zur Verfolgung eines Drogentransports eingesetzt werden. So wird die Leistungsfähigkeit der Kisten verständlich; ich hatte mich darüber gewundert, dass die so flott sind. Außerdem hatte ich mich gefragt, wo O'Mara und seine Kollegen die Thompson-Maschinenpistolen beschafft haben mögen, die beim Showdown zum Einsatz kommen. Eine nicht verwendete Szene zeigt, dass sie die Dinger vom Polizeichef zur Verfügung gestellt bekommen - die Waffen stammen aus der Asservatenkammer!


J. Kreis, 15.12.2015




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