Gamer


Gamer (USA, 2009)

Blu-ray, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 94 Min.

Extras
- Audiokommentar
- Icon-Mode
- Cheat Codes
- Inside the Game: Controlling Gamer (79:45 Min.)
- Interviews (Gerard Butler: 4:23 Min., Michael C. Hall: 7:16 Min., Amber Valletta: 5:39 Min., Alison Lohman: 2:31 Min., Terry Crews: 6:35 Min., Milo Ventimiglia: 5:00 Min., Ludacris: 3:31 Min., Neveldine/Taylor: 10:49 Min.)
- First Person Shooter: The Evolution of RED (16:46 Min.)
- Behind the Scenes (12:05 Min.)
- Trailer
- BD-Live

Regie:
Mark Neveldine, Brian Taylor

Hauptdarsteller:
Gerard Butler (John Tillman - "Kable")
Amber Valletta (Angie Roth-Tillman)
Michael C. Hall (Ken Castle)
Logan Lerman (Simon Silverton)
Kyra Sedgwick (Gina Parker Smith)
Alison Lohman (Trace)
Christopher Brian Bridges - "Ludacris" (Sprecher der Humanz)
Terry Crews (Hackman)




Inhalt

Computerspiele machen Spaß, haben aber einen Nachteil: Selbst wenn man im Multiplayermodus spielt, so lenkt man doch lediglich Avatare durch virtuelle Umgebungen, aber keine Menschen. Diesem Mangel hilft Ken Castle mit einer revolutionären neuen Technik ab, durch die die Fernsteuerung von Menschen möglich wird. Zu diesem Zweck werden mikroskopisch kleine künstliche Zellen in die Gehirne der "Spielfiguren" eingeschleust. Diese Naniten ersetzen die natürlichen Gehirnzellen, stehen permanent mit einer Sende-/Empfangsstation in Verbindung und ermöglichen es dem Spieler (Gamer), die volle Kontrolle über den Betroffenen zu übernehmen. Dieser erlebt zwar alles mit, ist aber nicht in der Lage, sich den Steuerimpulsen des Gamers zu wiedersetzen. Der Gamer wiederum sieht und hört alles, was die "Spielfigur" wahrnimmt. Auf der Basis dieser Technik werden zwei Online-Spiele entwickelt, die zu gewaltigen weltweiten Erfolgen werden und Castle zum Multimilliardär machen: "Society" und "Slayers". In "Society" steht dem Gamer bzw. seinem menschlichen Avatar eine Stadt zur Verfügung, in der er jeden erdenklichen Trieb hemmungslos ausleben kann. "Slayers" ist die konsequente Weiterentwicklung von Egoshootern. Der Gamer lenkt den Avatar durch ein Schlachtfeld, auf dem jeder gegen jeden kämpft. Wer den Savepoint erreicht, gewinnt eine Runde. Während die Menschen, die sich als Avatare für "Society" zur Verfügung stellen, recht gut bezahlt werden, kommen bei "Slayers" nur zum Tode verurteilte Verbrecher zum Einsatz. Wer 30 Runden überlebt, dem winkt die Freiheit - ein Ziel, das noch niemand erreicht hat. Moralische Bedenken gibt es bei keinem der beiden Spiele, denn die Teilnahme ist freiwillig und die hohe Ausfallquote bei "Slayers" wirkt sich positiv auf die Belegung der überfüllten Gefängnisse aus. Dennoch gibt es Widerspruch. Die Hackergruppe "Humanz" klinkt sich immer wieder in Castles Netzwerk ein, um den Betrieb zu stören und Warnbotschaften zu verbreiten. Die Humanz behaupten, Castle missbrauche die neue Technik, um eines Tages alle Menschen zu versklaven.

Der siebzehnjährige Simon Silverton und der von ihm gesteuerte Kämpfer Kable (bürgerlich: John Tillman) sind internationale Stars von "Slayers". Millionen Zuschauer fiebern mit, wenn Kable zu einem weiteren Kampf antritt, denn er hat schon 27 Runden überlebt. Der unbedingte Wille, seine Frau Angie (die als menschlicher Avatar für "Society" arbeitet) und seine Tochter wiederzusehen, hilft Tillman, am Leben zu bleiben. Doch sein Tod ist beschlossene Sache, denn er weiß zu viel. Es darf nicht öffentlich bekannt werden, dass die Naniten vom Militär entwickelt, irgendwann aber auf Eis gelegt worden sind. Castle hat die Forschungen weiterbetrieben und illegale Experimente mit Menschen angestellt. Tillman war eines von Castles Versuchskaninchen, und der Mord, für den Tillman zum Tode verurteilt wurde, hat eigentlich Castle verübt - er hat Tillman damals ferngesteuert. Castle hat nicht damit gerechnet, dass Tillman so lange überleben würde. Um ihm den Garaus zu machen, schleust Castle einen neuen Kämpfer ein. Ein Muskelprotz namens Hackman soll Tillman den Garaus machen und zum neuen Helden von "Slayers" werden. Das Humanz-Mitglied Trace warnt Tillman. Gleichzeitig erhält Simon vom Humanz-Sprecher eine Modifikation, die es ihm ermöglicht, während des Spiels mit Tillman zu reden - normalerweise ist dies ausgeschlossen. So kann Tillman seinen Gamer überzeugen, ihm im dreißigsten Deathmatch die Kontrolle zu überlassen. Tillman flieht aus dem abgeriegelten Kampfbereich. Er wird offiziell für tot erklärt und von Castles Häschern gejagt.

Die Humanz machen Tillmans Naniten unschädlich und lesen die in ihnen gespeicherten Informationen über Castles Machenschaften aus. Tillman setzt sich ab und befreit Angie aus Society-City. Trace und die Star-Reporterin Gina Parker Smith, die eine skandalträchtige Story wittert, helfen ihm dabei. Auch Angies Naniten werden neutralisiert. Tillman erfährt, dass Angie das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter verloren hat. Castle hat das Kind adoptiert, um ein Druckmittel in der Hand zu haben. Tillman dringt in Castles Anwesen ein. Dort muss er sich Hackman und anderen Killern stellen, die unter Castles Gedankenkontrolle stehen. Da Tillman im Gegensatz zu den anderen nicht von einem Gamer ferngesteuert wird, sind seine Reaktionen schneller. So kann er seine Gegner besiegen. Castle hat aber noch einen Trumpf im Ärmel. Er hat sich besondere Naniten implantiert, die es ihm ermöglichen, alle mit den normalen Naniten infizierten Menschen (und das soll nach seinem Willen bald die gesamte Menschheit sein) direkt zu kontrollieren. Tillman kann Castle daher kein Leid antun und soll gezwungen werden, Frau und Kind zu töten. Doch Trace und Gina hacken das System, so dass Simon wieder als Tillmans Gamer aktiv werden kann. Gleichzeitig wird die Konfrontation weltweit ausgestrahlt. Castle verliert die Kontrolle und wird getötet. Alle Zuschauer bejubeln dies. Zu guter Letzt bringt Tillman Castles Techniker dazu, die Naniten endgültig abzuschalten.

Kommentar

Im Auf-die-Spitze-treiben sind Mark Neveldine und Brian Taylor spitze, wie sie mit Crank und Crank 2 bewiesen haben. Diesmal führen sie die Entwicklung von Computerspielen, Reality-Gameshows und Sozialen Netzwerken konsequent weiter. Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass viele Gamer überhaupt kein Problem damit hätten, genau das zu tun, was die Benutzer von "Society" und "Slayers" in diesem Film tun. Schließlich wäre das nur ein kleiner Schritt (für die "Avatare" wäre es natürlich was anderes): Der ferngesteuerte Mensch wäre nur eine perfekt animierte Spielfigur jenseits des Bildschirms, zu der man keine größere Beziehung aufbauen muss als zu einem Pixelhaufen. Schließlich ist der "Avatar" ja nicht in der Lage, irgendwie erkennen zu lassen, dass ihm das Geschehen missfällt. Er würde jedem Befehl des Spielers widerspruchslos Folge leisten und selbst in der schlimmsten Situation nicht mal mit der Wimper zucken. Vom Design her unterscheiden sich beide Spiele nur graduell von aktuellen Entwicklungen. Egoshooter sind auch jetzt schon kaum noch von der Realität zu unterscheiden, und die für den Gamer sichtbare Benutzeroberfläche in "Slayers" kommt mir sehr bekannt vor. Die grelle Klickibunti-Welt von "Society" erinnert nicht von ungefähr an eine besonders perverse Mischung aus "Second Life", Die Sims und Facebook.

Das klingt jetzt nach mehr Gesellschafts- bzw. Videospielkritik, als im Film wirklich enthalten ist. Tatsächlich ist das Ganze nur der Aufhänger für fast ununterbrochene Action. Allerdings im Vergleich mit den beiden "Crank"-Filmen mit leicht gebremstem Schaum. Im Gegensatz zu den Abenteuern von Chev Chelios wird in "Gamer" doch tatsächlich mal etwas erklärt! Aber sobald die Ausgangssituation feststeht, werden die zahlreichen Kampf- und Fluchtszenen nur noch durch eine eher dünne Handlung zusammengehalten: Castle will alle Menschen zu Sklaven machen, die willenlos all seine Produkte kaufen (wozu der Aufwand? Das machen doch sowieso schon alle!), Tillman weiß zu viel und soll sterben. Die Humanz retten ihn, um Castle mit seiner Hilfe das Handwerk zu legen, was am Ende auch gelingt. Na ja, das ist besser als gar keine Handlung, und für Happy-Ends bin ich immer zu haben. Gerard Butler ist immerhin sympathisch genug, um als Identifikationsfigur zu dienen. Wem er zu muskulös ist, für den ist Logan Lerman als nerdiger Gamer da. Leider entwickelt sich Michael C. Hall - so genial-bizarr er den durchgedrehten Bill-Gates-Steve-Jobs-Klon auch spielt - am Ende des Films zum 08/15-Schurken mit Weltherrschaftsambitionen, wie man ihn eigentlich eher in einem James-Bond-Film erwarten würde. Die Humanz-Mitglieder und die Journalisitn sind glatt verschenkt. Mir ist übrigens schleierhaft, wie die Humanz ins Gefängnis eindringen und wieder rauskommen konnten. Amber Valletta ist mein persönliches Highlight. Wie die Schauspielerin es schafft, allein durch Blicke und minimales Minenspiel auszudrücken, wie sehr sie unter der Fernsteuerung durch ihren voyeuristischen Gamer leidet, ist sehenswert.

Aber im Grunde sind Story und schauspielerische Leistungen in einem Neveldine/Taylor-Film eher Nebensache. Perfekt inszenierte Action - das ist es, was ich bei einem solchen Film erwarte, und genau das wird geboten. Gut, manches ist heillos übertrieben. Wenn Tillman z.B. vor Runde 30 eine Wodkaflasche leert, um Alkohol im Bauch zu haben, den er dann in den leeren Tank eines mit Äthanol laufenden Fluchtfahrzeugs kotzen und pinkeln kann, oder wenn Castle und dessen Schergen plötzlich zu den Klängen von "I've got you under my Skin" (gesungen von Sammy Davis jr.) wie an Fäden hängende Marionetten tanzen, während sie Tillman vermöbeln, dann fragt man sich im ersten Moment, was zum Teufel das denn nun wieder für eine abgedrehte Idee ist. Im zweiten Moment findet man's toll, jedenfalls ergeht es mir bei solchen Gelegenheiten immer. Dazu dann noch die ganzen inszenatorischen Mätzchen: Kameramänner, die immer mittendrin im Geschehen sind, sich mit Seilzügen durch die Sets schleudern lassen oder auf Inlineskates umherrasen. Krasse Schnittfolgen mit hineinmontierten Bildstörungen und anderen CGI-Elementen. Ein unglaubliches Gewimmel gegeneinander kämpfender "Slayers"-Avatare, die zusätzlich von Hubschraubern aus beschossen und durch willenlose Komparsen abgelenkt werden, überall Explosionen und Mündungsfeuer, umherfliegende Leichenteile, Blut, Dreck und Trümmer. Selbst im Soundtrack prallen immer wieder die unterschiedlichsten Stilrichtungen aufeinander: Metal, EBM, Klassik.

"Gamer" ist ein Film wie ein Computerspiel, auch für Nicht-Gamer geeignet!

Blu-ray-Features

"Gamer" wurde komplett mit neuartigen digitalen Filmkameras ("RED") gedreht, die besonders hoch auflösende Bilder liefern und dabei vergleichsweise leicht bzw. handlich sind. So wurden die spektakulären Kamerafahrten erst möglich, außerdem erhält der Film durch den Einsatz von RED-Kameras einen ganz eigenen Look mit kristallklarem Bild und intensiven Farben. Das alles kommt natürlich nur in der Blu-ray-Version des Films so richtig zur Geltung. Die "normale" mit FSK 18 freigegebene Blu-ray-Version ist mit der Kinoversion identisch. Bereits die Kinoversion ist leicht gekürzt: Es fehlen ca. 20 Sekunden mit Gewaltspitzen (Genickbrüche). Diese Szenen sind in der ebenfalls ab 18 Jahren freigegebenen, auf Blu-ray und DVD veröffentlichten "Extended Version" enthalten. Außerdem ist eine ab 16 Jahren freigegebene DVD-Version erhältlich. Die ist gut acht Minuten kürzer als die Kinoversion, geschnitten wurden natürlich in der Hauptsache Gewaltszenen.

Das Bonusmaterial ist wirklich üppig! So sind neben dem Audiokommentar gleich zwei Bild-im-Bild-Features vorhanden, nämlich der "Icon-Mode" und die "Cheat Codes". Aktiviert man letzteres, können an vielen Stellen des Films Interviews verschiedener Personen des Produktionsteams eingeblendet werden. Der Icon-Mode ist weit mächtiger. Er läuft über die gesamte Filmlänge und beginnt damit, dass die beiden Regisseure quasi aus dem Film heraustreten und den Zuschauer einladen, ihnen in den Film hinein zu folgen. Der Film wird dann immer wieder angehalten und in den Hintergrund geschoben. Stattdessen läuft dann zur jeweiligen Szene passendes Making-of-Material.

Herzstück der isoliert vom Film zu betrachtenden Extras ist die abendfüllende Dokumentation "Inside the Game: Controlling Gamer". Sie enthält zwar die übliche schnell geschnittene Mischung aus Filmszenen, Interviews und Hinter-den-Szenen-Material, ist aber doch so aussagekräftig, dass man zu begreifen glaubt, wie der Film gemacht wurde. Als Sahnehäubchen bekommt man am Ende Gerard Butlers nackten Hintern zu sehen. Der gute Mann hat sich die Konterfeis der Regisseure auf die Arschbacken tätowieren lassen! Jedenfalls sieht es so aus - es kann auch gemalt sein. Weitere Interviews und zusätzliche, nicht kommentierte Szenen vom Dreh verschiedener Szenen sind in gesonderten Menüpunkten abrufbar. Die Interviews drehen sich zwar hauptsächlich um den Inhalt der Handlung, aber ein paar interessante Infos werden doch vermittelt. Ich hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass Terry Crews Wii-Games spielt. Zu guter Letzt ist noch eine sehenswerte Featurette vorhanden, die sich ganz mit dem RED-Kamerasystem beschäftigt.


J. Kreis, 20.03.2012




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