Full Metal Jacket


Full Metal Jacket (USA/GB, 1987)

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 117 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Full Metal Jacket: Zwischen Gut und Böse (30:49 Min.)
- USA-Kinotrailer

Regie:
Stanley Kubrick

Hauptdarsteller:
Matthew Modine (James T. Davis - "Joker")
Vincent D'Onofrio (Leonard Lawrence - "Gomer Pyle")
Arliss Howard (Robert Evans - "Cowboy")
Kevyn Major Howard (Rafterman)
R. Lee Ermey (Gunnery Sergeant Hartman)




Story

Auf Parris Island werden im Jahre 1967 Rekruten des U.S. Marine Corps für den Einsatz im Vietnamkrieg ausgebildet. Gunnery Sergeant Hartman treibt die jungen Männer mit unmenschlicher Härte an und demütigt sie gnadenlos. Auf den Soldaten Lawrence hat er es besonders abgesehen, denn der stellt sich besonders dumm an und erbringt aufgrund seines Übergewichts auch nicht ansatzweise die geforderten Leistungen. In den ersten Tagen kann sich Lawrence auf die Hilfe seiner Kameraden verlassen. Besonders James T. Davis, genannt "Joker", hilft ihm in allen Dingen. Doch dann geht Hartman dazu über, nicht Lawrence für dessen Fehler zu bestrafen, sondern alle anderen Soldaten seiner Einheit. Daraufhin verprügeln die Rekruten den Wehrlosen eines Nachts - auch Joker. Danach ist Lawrence nicht mehr derselbe. Er strengt sich besonders an, lernt mit Feuereifer, entpuppt sich als hervorragender Schütze und spricht mit seinem Gewehr wie mit einer Geliebten. Am Vorabend des Abmarschs nach Vietnam beschafft sich Lawrence scharfe Munition. Vor Jokers Augen erschießt er Hartman und anschließend sich selbst.

Joker wird den Kriegsberichterstattern der Armeezeitung Stars and Stripes zugeteilt und bleibt zunächst in der Etappe. Nach der für den Vietcong und die nordvietnamesische Armee sehr erfolgreichen Tet-Offensive des Jahres 1968, bei der auch Jokers Basis angegriffen wird, erhalten Joker und sein als Fotograf arbeitender Kamerad Rafterman einen Auftrag, der sie an die Front führt. Joker begegnet dort Robert Evans ("Cowboy"), einem alten Freund aus der Grundausbildungszeit. Joker und Rafterman schließen sich Cowboys Kampfgruppe an. Sie erleben nun die Schrecken des Krieges erstmals selbst mit und nehmen an den Kampfhandlungen teil. Als die Befehlshabenden der Einheit fallen, rückt Cowboy zum Gruppenführer auf. Bei einer Erkundungsmission verirrt sich die Gruppe und wird in einer zerstörten Stadt von einem Heckenschützen angegriffen. Cowboy hat seine Männer nicht unter Kontrolle und schätzt die Situation falsch ein, was dazu führt, dass zwei Soldaten von dem Heckenschützen erschossen werden. Cowboy selbst wird wenig später ebenfalls tödlich getroffen.

Die Überlebenden durchsuchen die Ruinen. Joker stöbert den Heckenschützen auf. Es ist eine junge Vietcong-Kämpferin. Jokers Waffe klemmt und er gerät in schwere Bedrängnis, bis Rafterman hinzukommt und die Frau niederschießt. Da seine Kameraden die Sterbende einfach zurücklassen wollen, fällt es Joker zu, ihr den Gnadenschuss zu geben, um den sie selbst bittet. Nach all diesen Erlebnissen ist Joker froh, noch am Leben zu sein. Angst hat er aber nicht mehr.


Kringels Meinung

Im Jahre 1987, als dieser Film in den Kinos lief, war ich in der Grundausbildung bei der Bundeswehr, und zwar bei den Panzergrenadieren in Schwarzenborn. Wenn ihr selbst beim Bund gewesen seid, dann könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen, was das zu bedeuten hat. Wir hatten zwar keinen echten Gunnery Sergeant Hartman, dafür aber einen Hilfsausbilder, der diesen Film eindeutig zu oft gesehen hat. Der hat sich immer betont hart gegeben und wollte immer, dass wir beim an sich schon sehr "beliebten" gemeinsamen Ausdauertraining (GAT) ähnliche Gesänge anstimmen wie Hartman und seine Rekruten. Und natürlich hatten wir in unserem Zug ebenfalls einen Gomer Pyle (in der deutschen Fassung wird Lawrence "Paula" genannt), der sich einfach nicht einfügen konnte, die einfachsten Dinge nicht verstanden und ständig Fehler gemacht hat, für die manchmal alle bestraft wurden ... Was ich damit sagen will: Ich kann ungefähr nachempfinden, was die Rekruten auf Parris Island durchgemacht haben. Und ich kann sagen, dass die Darstellung in der ersten Hälfte des Films nicht übertrieben ist! Gut, wir wurden damals nicht permanent angeschrien und nicht gar so hart rangenommen wie Joker und seine Kameraden. Das Grundprinzip ist jedoch dasselbe gewesen.

Ich weiß nicht, ob man "Full Metal Jacket" als Antikriegsfilm bezeichnen kann. Wenn es ein Kriegsfilm ist, dann einer, in dem der Krieg weder verherrlicht noch gerechtfertigt wird. Anders als zum Beispiel Der Soldat James Ryan verströmt "Full Metal Jacket" keine Spur von Patriotismus, was nicht zuletzt am Verzicht auf "heroisch" klingende Musik liegt. Die erste auf bittere Weise gleichzeitig urkomische und beängstigende Hälfte des Films zeigt eindrucksvoll, welchen Sinn die Ausbildung hat. Hartman bemüht sich nach Kräften, den Rekruten alles auszutreiben, was sie daran hindern könnte, zu Tötungsmaschinen für den Einsatz in Vietnam zu werden. Individualität, Mitgefühl und so weiter sind nicht gefragt, Werte werden durch die Ausbildung nicht vermittelt. Seine Methoden funktionieren bestens, nur bei Lawrence schießt er über das Ziel hinaus. Der Ärmste wird vom Trottel zum Mustersoldaten und macht genau das, was Hartman immer gefordert hat: Er tötet seinen Feind. R. Lee Ermey geht so sehr in seiner Rolle auf, dass ich mich gefragt habe, ob er überhaupt geschauspielert oder vielmehr eigene Erfahrungen ausgelebt hat! Schließlich war er selbst im U.S. Marine Corps und hat im Vietnamkrieg gekämpft.

Nicht einmal die Soldaten sehen sich als Helden oder sind davon überzeugt, das Richtige zu tun. In der zweiten Hälfte werden sie an der Front interviewt, äußern dabei durchaus kritische Gedanken und stellen ihren Einsatz selbst in Frage. Sie verstehen nicht, warum die Vietnamesen nicht dankbar dafür sind, dass die Marines ihr Leben lassen, um ihnen "die Freiheit" zu bringen. Andere fragen sich, was das überhaupt für Werte sind, die den Vietnamesen eingebläut werden sollen. Einige betrachten den Krieg allerdings als spaßiges Abenteuer, manche fühlen sich sogar pudelwohl, weil sie ungestraft töten können. Sie sind somit genau das, was Hartman aus ihnen machen wollte. Vergnügt und immer mit einem zotigen Spruch auf den Lippen ziehen sie in die Schlacht, aber witzig, da lässt der Film keinen Zweifel offen, ist das ganz und gar nicht. Die Frage ist nur: Wen sollen die Marines töten, wenn der Krieg vorbei ist und sie wieder nach Hause zurückgekehrt sind? Das wäre dann ja Mord ...


Blu-ray-Features

Die Featurette "Full Metal Jacket: Zwischen Gut und Böse" stammt aus dem Jahre 2007 und enthält hauptsächlich Filmausschnitte sowie aktuelle Interviews mit den Schauspielern. Hinter-den-Szenen-Material ist nur in Form einzelner Bilder enthalten. Man erfährt recht viel über Stanley Kubricks Arbeitsweise und seinen Perfektionismus, der dazu geführt hat, dass die Dreharbeiten ungewöhnlich lang gedauert haben. Unglaublicherweise wurde der Film ausschließlich in der Umgebung von London gedreht! Drehort für die Vietnamszenen war ein stillgelegtes Gaswerk im Osten Londons, das sowieso hätte abgerissen werden sollten. Dort durfte sich das Filmteam nach Belieben austoben. Ich finde es verblüffend, dass einige Palmen und andere Pflanzen, die entsprechend arrangiert wurden, völlig ausreichen, um den Eindruck zu erwecken, diese Szenen seien wirklich in Vietnam entstanden.


J. Kreis, 20.10.2015




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Ralf Meyer (22.10.2015):

Leider in Deutschland eher unbekannt: Die Herkunft des Names "Gomer Pyle":
https://en.wikipedia.org/wiki/Gomer_Pyle



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