Frankenstein's Army


Frankenstein's Army (Niederlande/Tschechien/USA, 2013)

Blu-ray, Ascot Elite Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 84 Minuten

Extras:
- Making of (30:54 Min.)
- Originaltrailer

Regie:
Richard Raaphorst

Hauptdarsteller:
Alexander Mercury (Dimitri Asna)
Karel Roden (Dr. Viktor Frankenstein)
Robert Gwilym (Misha Novikov)
Joshua Sasse (Sergei)
Luke Newberry (Sacha)
Cristina Catalina (Eva)
Jan de Lukowicz (Fritz)




Story

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges streift eine von Feldwebel Novikov geführte russische Aufklärungseinheit plündernd im Bereich der Ostfront umher. Der Trupp wird vom Kriegsberichterstatter Dimitri Asna begleitet, der alles mit einer neuartigen Kamera in Bild und Ton festhält. Eines Tages fangen die Männer den Notruf eines anderen Trupps auf. In dem mehrmals wiederholten Funkspruch werden Koordinaten angegeben, zu denen die Aufklärer umgehend vordringen. Dort finden sie ein zerstörtes und menschenleeres Dorf vor. Bei einer Kirche liegen ermordete Nonnen, Gräber wurden geöffnet, überall finden sich Anzeichen schwerer Gefechte und merkwürdig deformierte Leichen deutscher Soldaten. Offensichtlich haben hier Deutsche gegen Deutsche gekämpft, aber von den angeblich in Gefahr geratenen Kameraden ist nichts zu sehen. Das Innere der Kirche gleicht einer riesigen Fabrik. Als die Russen den Stromgenerator einschalten, erwacht in einem Nebenraum eine aus Leichenteilen zusammengenähte und mit Klingen anstelle der Hände ausgestattete Kreatur zum Leben, die über Stromkabel mit dem Generator verbunden ist. Die Kreatur fällt über Novikov her und tötet den Feldwebel, bevor es den Soldaten gelingt, sie zu vernichten. Bei der Suche nach den Kameraden, die um Hilfe gefunkt haben, stöbern die Soldaten einen Mann auf, der sich in der Kirche zu schaffen macht. Sie foltern ihn, um zu erfahren, was in dem Dorf geschehen ist. Der Mann behauptet, er wisse, wo die anderen Russen seien, und führt die Männer in ein unterirdisches Bunkersystem. In einem unbeobachteten Moment verschwindet er spurlos.

Plötzlich tauchen weitere furchterregende Geschöpfe - halb Mensch, halb Maschine - in den labyrinthartigen Gängen auf und gehen sofort zum Angriff über. Die Männer fliehen nach draußen und verschanzen sich in der Kirche. In der Nacht greifen sie eine kleine Gruppe von überlebenden Deutschen auf, darunter die Krankenschwester Eva und den alten Soldaten Fritz. Aus ihrem unzusammenhängenden Gerede ist zu entnehmen, dass der verschwundene Unbekannte ein Doktor ist, der in dem Dorf Experimente mit Leichen durchgeführt hat. Fritz wird gezwungen, die Russen in das Bunkerlabor des Doktors zu führen. Unterwegs erkennen die Männer, dass der Notruf eine Täuschung war: Asna hat den aufgezeichneten Funkspruch selbst abgesetzt. Er gibt zu, dass sein Geheimauftrag von Anfang an darin bestanden hat, den Doktor (einen Nachkommen der Familie Frankenstein) gefangen zu nehmen, weil Russland von seinen Ergebnissen auf dem Gebiet der "Biowaffenforschung" profitieren möchte. Wenn das nicht möglich ist, soll Asna Frankenstein eliminieren. Erneut greifen Dr. Frankensteins untote Kreaturen an. Fritz kommt dabei ums Leben. Asnas Kameraden pfeifen auf den Geheimauftrag und fliehen. Sie fallen Frankenstein später aber doch in die Hände (Eva ebenfalls) und werden als Rohmaterial für neue Kreaturen missbraucht.

Auch Asna wird gefangen genommen. Er wird verschont, denn er soll Frankensteins Arbeit mit der Kamera für die Nachwelt dokumentieren. Frankenstein führt Asna durch das Labor und präsentiert ihm seine neueste Arbeit. Er entnimmt einem überzeugten Nazi das halbe Gehirn und ersetzt damit eine Gehirnhälfte des Kommunisten Sergei. Auf diese Weise sollen die beiden Weltanschauungen miteinander versöhnt werden. In der Ferne ist Artilleriedonner zu hören: Die Rote Armee rückt an. Asna feilscht um sein Leben. Er sichert Frankenstein freies Geleit zu. Der Doktor ist zwar in der Auswahl von Verbündeten nicht wählerisch, zumal seine eigenen Leute, die Nazis, ihn wegen seiner grausigen Experimente beseitigen wollten. Er will sich aber lieber allein absetzen. Asna wird von dem tobenden Sergei getötet. Da taucht Sacha auf, der letzte Überlebende aus Novikovs Trupp, und erschießt Frankenstein. Mit dem abgetrennten Kopf des Doktors kehrt er in die Heimat zurück und wird als Held gefeiert.

Kringels Meinung

"Frankenstein's Army" reiht sich in die inzwischen schon recht lange Liste der so genannten "Found-Footage-Filme" ein. Es wird ausschließlich das gezeigt, was Asna mit seiner Kamera aufnimmt. Deshalb wackelt das Bild recht heftig, wenn Asna seinen Kameraden hinterherläuft oder sich in Deckung werfen muss. Lücken entstehen, wenn die Filmspule zu Ende ist. Wenn die Kamera im Eifer des Gefechts zu Boden fällt, sieht man nur noch einen kleinen Ausschnitt des Geschehens, und manchmal wird die Linse schmutzig. Dieses Stilmittel wird sinnvoll genutzt, denn so ist man stets mitten drin im Geschehen, und der Film enthält zumindest in der Anfangsphase einen quasi-dokumentarischen Charakter. Asna soll ja angeblich das glorreiche Voranschreiten der heldenhaften Roten Armee im Bild festhalten. Seine Kameraden sind aber alles andere als gut und heldenhaft. Im einen Moment posieren die Soldaten freundlich grinsend mit gefangenen feindlichen Soldaten oder Dorfbewohnern, im nächsten töten sie die Gefangenen oder gehen zu Brandschatzung und Vergewaltigung über. Da hat Asna immer wieder seine liebe Mühe, im richtigen Moment wegzuschwenken oder die Kamera auszuschalten. Auf diese Weise gewinnt der Zuschauer ohne viel Dialog usw. ein sehr deutliches Bild vom Zustand dieser Aufklärungseinheit. Sympathisch ist jedenfalls kaum einer dieser Typen.

Die Expositionsphase ist also schon mal gut gelungen. Dann erreichen die Soldaten das Dorf, in dem Frankenstein seine grausigen Experimente durchführt. Die Atmosphäre wird noch beklemmender, und spätestens wenn die Überreste eines mit einer Art Panzer verschmolzenen Wehrmachtssoldaten zu sehen sind, ist klar, dass da etwas ganz und gar nicht stimmt. Die erste "lebendige" Kreatur, der die Männer begegnen, ein unheimliches androgynes Wesen ohne Gesicht, zeigt dann gleich, wo es für den Rest des Films langgeht. Sobald die Männer erst einmal ins Bunkerlabyrinth gelockt worden sind, mutiert der Film zur Geisterbahnfahrt. Immer wieder springen bzw. schlurfen neue Zombots (so werden die Frankenstein-Monster im Abspann bezeichnet) aus dunklen Ecken hervor, um die Soldaten zu erschrecken. Dem Einfallsreichtum der Produktionsdesigner und des Spezialeffekt-Teams ist es zu verdanken, dass diese Phase des Films nicht langweilig wird, denn die Kreaturen sind wirklich sehr bizarr! Es würde zu weit führen, wollte ich die Details der mit allerlei Maschinenteilen, Schrott, Waffen usw. verwachsenen Zombots schildern. Hier herrscht der blanke Irrsinn, und da auf computergenerierte Effekte vollständig verzichtet wurde, können die gequälten Kreaturen jederzeit überzeugen.

Noch abgedrehter wird es gegen Ende, wenn Frankenstein seinen unfreiwilligen Chronisten fröhlich durchs Innerste seiner einem Schlachthaus gleichenden Labor-Werkstatt führt. Die Ausgeburten seiner morbiden Fantasie sind definitiv sehenswert! Mit Blut, Eingeweiden, zusammengestoppelten Zombots und anderen herrlichen Scheußlichkeiten wird beileibe nicht gegeizt. Der Gipfelpunkt des Wahnsinns wird durch die (natürlich gescheiterte) Versöhnung von Kommunismus und Nationalsozialismus durch radikale Gehirnchirurgie erreicht. Allein schon die Art, wie sich Frankenstein bedenkenlos an Leichenteilen genauso bedient wie an mechanischen Ersatzteilen, verleiht dem Film eine sehr grimmige Note. "Frankenstein's Army" ist dreckig, brutal, zynisch und enthält ein ganzes Kaleidoskop der abgedrehtesten Kreaturen, die ich je gesehen habe. Wunderbar!

Blu-ray-Features

Das Bild dieser Blu-ray ist durchweg zu hell. Schwarz ist eher dunkelgrau. Es kann natürlich sein, dass das ein gewollter Effekt ist, der zur "Found Footage"-Prämisse passen soll, aber ich glaube es irgendwie nicht...

Das Making of enthält recht viel Hinter-den-Szenen-Material und es wird ausführlich auf die Drehortsuche sowie die Konstruktion der Zombots eingegangen. Kulisse für Frankensteins "Werkstatt" ist eine alte Kohlenmine bei Prag. Dort hat das Filmteam viele Gegenstände vorgefunden, die ohne weiteres als Requisiten verwendet werden konnten, weil sie genau zum Look des Films passen. Man erfährt, dass sich hinter der Ganzkörpermaske des ersten Zombots eine junge Frau verbirgt. Leider bekommt man ihr Gesicht nicht zu sehen - man sieht sie zwar beim Essen, aber da steckt sie noch in voller Maske! Das Making of enthält außerdem einige hoch interessante, leider viel zu kurze Ausschnitte von Promo-Videos. Sie wurden im Stil alter Weltkriegs-Wochenschauen produziert und wirken verblüffend authentisch.


J. Kreis, 29.10.2013




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