Mary Shelley's Frankenstein


Mary Shelley's Frankenstein (USA/Japan, 1994)

Blu-ray, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 123 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Kenneth Branagh

Hauptdarsteller:
Kenneth Branagh (Victor Frankenstein)
Helena Bonham Carter (Elizabeth Lavenza)
Robert De Niro (Namenlose Kreatur)
Tom Hulce (Henry Clerval)
John Cleese (Prof. Waldman)
Trevyn McDowell (Justine Moritz)
Aidan Quinn (Robert Walton)




Story

Im Jahre 1794 wird das Schiff einer Nordpolexpedition während eines Sturms vom Packeis eingeschlossen. Meuterei liegt in der Luft, denn Captain Walton ist von der Idee besessen, die Nordwestpassage zu finden. Er ist entschlossen, hierfür das Leben der Besatzung aufs Spiel zu setzen. Über das Eis nähert sich ein Unbekannter, der auf der Flucht vor oder auf der Suche nach etwas zu sein scheint. Walton nimmt den völlig erschöpften Mann an Bord. Dieser stellt sich als Victor Frankenstein vor und erzählt seine Geschichte, um dem Kapitän zu verdeutlichen, wohin eine Obsession wie die seine führen kann.

Victor Frankenstein, Sohn eines Barons in Genf, wächst mit seiner Adoptivschwester Elizabeth auf, in die er sich als Erwachsener verliebt. Als Victors Mutter bei der Geburt seines Bruders William stirbt, fasst er den Entschluss, eines Tages den Tod zu besiegen. Er studiert in Ingolstadt, wo er Freundschaft mit dem angehenden Arzt Henry Clerval schließt. Mit seiner Theorie, dass man okkulte Praktiken und wissenschaftliche Erkenntnisse verschiedener Fachrichtungen miteinander kombinieren muss, um große Ergebnisse zu erzielen, stößt Victor allseits auf Ablehnung. Doch ein Professor namens Waldman interessiert sich für den jungen Studenten. Waldman hat einst ähnliche Ziele verfolgt, diese Forschungen aber eingestellt, weil die Ergebnisse abscheulich waren. Von Waldman erfährt Victor, dass man totes Gewebe mittels Elektrizität reanimieren kann. Es ist nun Victors Ziel, neues Leben zu erschaffen. Die Gelegenheit hierfür ergibt sich schon bald. Waldman wird während einer Impfaktion von einem misstrauischen Bettler erstochen, der sofort gehängt wird. Victor beschafft sich Waldmans Aufzeichnungen sowie sein Gehirn und den Körper des Gehenkten. Weiteres "Rohmaterial" steht in ausreichender Menge zur Verfügung, denn in Ingolstadt bricht eine Choleraepidemie aus. Nicht einmal durch einen Besuch Elizabeths, die sich Sorgen um ihren Geliebten macht, lässt sich Victor von seiner geheimen Arbeit abhalten.

Eines Nachts erweckt Victor eine aus Leichenteilen zusammengestückelte Kreatur zum Leben. Das Wesen ist übermenschlich stark, hat jedoch eine abstoßend hässliche Fratze und besitzt keine der überragenden Geistesgaben, die Victor ihm verleihen wollte. Victor erkennt, dass er ein Ungeheuer erschaffen hat. Er will die Kreatur vernichten, doch diese hüllt sich in Victors Mantel und verschwindet. Von den Bürgern aus der Stadt gejagt versteckt sich das Wesen im Schweinestall einer Bauernhütte. Insgeheim beobachtet es die Familie und hilft den Menschen, ohne sich je zu zeigen. In den folgenden Monaten lernt es zu sprechen und zu lesen - oder vielmehr: Es erinnert sich allmählich an diese Fähigkeiten. Die Kreatur hofft, die Freundschaft der Menschen zu gewinnen, wird aber enttäuscht. Infolge eines Missverständnisses hält der Bauer das grausig anzuschauende Wesen für einen Angreifer und jagt es weg. Aus Victors Tagebuch, das es in einer Manteltasche gefunden hat, hat das Wesen bereits die Wahrheit über seine Herkunft erfahren. Vom Wunsch nach Rache an seinem Schöpfer angetrieben überquert es die Alpen. Victor und Elizabeth haben sich inzwischen versöhnt, sind nach Genf zurückgekehrt und wollen heiraten. Da wird William ermordet. Der Pöbel hält Victors Jugendfreundin Justine für die Mörderin. Sie wird von einem Lynchmob aufgehängt. Verantwortlich für beides ist die Kreatur. Victor stellt sich dem Wesen bewaffnet, ist ihm aber nicht gewachsen. Das Monster erklärt, es werde nach Norden gehen und für immer verschwinden, sofern Victor bereit sei, ihm eine Gefährtin zu erschaffen.

Um seine Familie zu schützen, geht Victor auf die Forderung ein und bereitet alles vor. Die Kreatur verlangt, dass er Justines Leiche verwendet, aber dazu ist Victor nicht bereit. Nach einer hastigen Heirat wollen Victor und Elizabeth fliehen, doch die letzte Fähre hat schon abgelegt. In der Hochzeitsnacht bricht die Kreatur ins Haus ein, reißt Elizabeth vor Victors Augen das Herz heraus und verschwindet erneut. Victor trennt Elizabeths Kopf und Hände ab, näht sie an Justines Rumpf und erweckt die Kreatur zum Leben. Sie erinnert sich an ihr früheres Leben, doch als Victors ältere Schöpfung ins Laboratorium eindringt und verlangt, das neu erschaffene Wesen möge mit ihr fortgehen, erkennt Elizabeth, was mit ihr geschehen ist. Sie begeht Selbstmord, indem sie sich selbst und das Haus in Brand setzt. Nach Elizabeths Ende verfolgt Victor die Kreatur bis zum Polarkreis.

Victor stirbt, nachdem er seine Geschichte beendet hat. Walton ist skeptisch, doch da erscheint die Kreatur. Sie weint um ihren "Vater", der nun auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden soll. Da bricht das Packeis auf. Das Schiff kommt frei. Die Kreatur bleibt auf der Eisscholle mit dem Scheiterhaufen zurück, zündet diesen an und findet so ebenfalls ihr Ende. Walton hat seine Lektion gelernt. Er ordnet die Heimfahrt an.


Kringels Meinung

Mary Shelleys Roman "Frankenstein oder der moderne Prometheus" wurde schon x-mal verfilmt. Kenneth Branags Version ist ziemlich werktreu, fügt der Thematik aber keine neuen oder zumindest ungewöhnlichen Aspekte hinzu und hat eine entscheidende Schwäche: Robert De Niro überzeugt mich in der Rolle der untoten Kreatur überhaupt nicht. Ich kaufe ihm weder die Verzweiflung des von allen ausgestoßenen Außenseiters noch seine Suche nach menschlicher Zuneigung ab, schon gar nicht den brennenden Hass, der seinen Rachefeldzug rechtfertigt. Das soll nicht heißen, dass De Niro keine starken Szenen hätte. Ziemlich gut finde ich einen Dialog, in dem er Frankenstein nach den Menschen fragt, aus denen er zusammengesetzt wurde, und ob er wohl eine Seele habe... In diesem Film soll Frankensteins Kreatur eine innerlich zerrissene Figur sein und De Niro versucht das zu zeigen. Aber irgendwie hat mich seine Performance nicht gepackt. Weder konnte ich Mitleid mit der Kreatur empfinden, noch konnte ich mich vor ihr fürchten. Zugegeben: Die Maske ist ganz gut gelungen. Aber De Niro wirkt einfach nicht bedrohlich genug, er sieht trotz aller Narben, des verzerrten Mundes und der unterschiedlichen Augen immer noch zu "normal" bzw. zu vertraut aus. Vielleicht wäre es besser gewesen, einen unbekannten Schauspieler für diese Rolle zu nehmen.

Regisseur und Hauptdarsteller Kenneth Branagh gibt sich alle Mühe, dem Film einen "opernhaften" oder (wenn man seine sonstigen Arbeiten berücksichtigt) an Shakespeare erinnernden Touch zu verleihen. Er chargiert geradezu entfesselt als Archetypus des verrückten Wissenschaftlers. Musterbeispiel ist die "Geburtsszene". Dramatische Musik, pulsierende Säcke voller Fruchtwasser, offenes Feuer, elektrische Entladungen, zappelnde Zitteraale und was weiß ich noch alles. Ein schweißüberströmter Victor Frankenstein wirft sich schweißüberströmt mit freiem Oberkörper auf den dampfenden Kessel, in dem die zusammengenähte Kreatur gargekocht wird, und brüllt: "Lebe!!!" Das lässt sich das Monster nicht zweimal sagen, aber nachdem es den Kessel zerdeppert hat, ist es noch ein wenig tapsig. Eng umschlungen glitschen Frankenstein und seine Schöpfung in dem verschütteten schleimigen Fruchtwasser herum. Wow, was hat sich Branagh wohl dabei gedacht? Auch sonst wirkt manche Szene etwas überladen, melodramatisches Overacting inklusive. Aber irgendwie habe ich das gar nicht so sehr als störend empfunden, eher als Hommage an ältere Verfilmungen, z.B. James Whales Version aus dem Jahre 1931 mit Boris Karloff in der Rolle des Monsters. Immerhin gelingt es Branagh, die Getriebenheit seiner Figur rüberzubringen. Denn das Thema des Romans ist ja die Frage, ob und wo der Forschung Grenzen gesetzt werden sollten.

Überspitzt formuliert würde ich sagen: "Mary Shelley's Frankenstein" ist ein als Monsterfilm getarntes Kostümdrama, bei dem für meinen Geschmack weder das Geschöpf noch die Hybris seines Schöpfers monströs genug sind.


J. Kreis, 12.11.2014




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